Undurchdacht und kompliziert- die neue Testverordnung

Ich muss glaube ich nicht viel dazu sagen, wer ab jetzt alles „Anspruch“ auf einen kostenlosen- oder auch den 3€ Antigen-Test hat. Wer es nochmal nachlesen möchte- bitte schön

Nur: wie sollen wir die Gründe dokumentieren? Müssen wir jetzt immer eine Eigenerklärung des Kunden unterschreiben lassen, oder genügt es, wenn er die Gründe für die Testung bei der Buchung des Tests über unser System einfach anklickt?

Und wenn das klicken genügt: wie soll ich im Testzelt nachprüfen, ob die Angaben richtig sind? Ok, den Mutterpass kann ich mir zeigen lassen, aber genügt das? Oder muss ich den auch noch kopieren und verakten?

Aber was ist mit einem Kinobesuch? Soll ich jetzt die Eintrittskarten kontrollieren? Die Probanden halten mich dann entweder für unverschämt, verrückt oder krankhaft misstrauisch, oder? Und wie kopiere ich dann eine elektronische Eintrittskarte? Muss ich kontrollieren, ob Herr Müller heute tatsächlich seine alte Tante im Pflegeheim besucht? Wer überlegt sich denn so einen Unsinn?

Die KV hat bereits reagiert und will die Antigen Tests zukünftig nicht mehr abrechnen. Wen wundert das wirklich? „Im Ergebnis können die Kassenärztlichen Vereinigungen nicht verantworten, sehenden Auges Auszahlungen auf Abrechnungen zu leisten, deren Richtigkeit sie nicht ansatzweise prüfen können“ heißt es in einem Brief an Gesundheitsminister Lauterbach.

Recht haben sie! Wir Apotheken sollten uns anschließen und auf Rechtssicherheit pochen. Wenn nicht geklärt ist, wie wir dokumentieren müssen und die Angaben der Bürger überprüfen sollen, dann müssen wir unsere Arbeit in diesem Bereich einstellen, bevor wir alles umsonst geleistet haben, und uns auch noch Betrug unterstellt wird.

Eine selten dämliche Situation kurz vor der Herbstwelle hat uns die Politik da eingebrockt. Mir schwant fürchterliches!

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Geflüchtete in der Apotheke

Wir haben schon recht früh als der Russland-Ukraine-Krieg begonnen hat in der Apotheke Sammelboxen aufgestellt. Wir sammeln dabei für die „Apotheker ohne Grenzen“, die versuchen dringend benötigte Medikamente in die Ukraine zu transportieren. Seit einiger Zeit ist der Krieg aber noch etwas näher gerückt, denn immer mehr Geflüchtete werden bei uns in der Vorstadt einquartiert.

Bei den meisten Menschen, die zu uns kommen und kein Deutsch sprechen konnten wir uns bislang mit Englisch, Türkisch oder ein paar Brocken Französisch oder Spanisch durchschlagen- das ist nun anders. Zum Glück gibt es die Übersetzungen und Beratungshilfen der Pharmazeutischen Zeitung

Die haben wir uns ausgedruckt und einlaminiert, so dass wir die benötigten Sätze ankreuzen können, oder unser/e Kunde/Kundin das machen können, und wir wischen das danach einfach mit Alkohol wieder aus.

Auch an die Sozialamts-Rezepte musste ich mich erst einmal gewöhnen. Wie war das noch? Ach ja: sie dürfen nur in dem zuständigen Regierungsbezirk beliefert werden, ein konkreter Kostenträger muss also vermerkt sein. Steht „Sozialamt“ oder eine Krankenkasse auf dem Rezept müssen Mehrkosten übernommen werden, steht die Bezirksregierung drauf, dann nicht. Rabattverträge greifen hier keine.

Probleme können dann auftreten, wenn kein Arznei- bzw. Hilfsmittelversorgungsvertrag für das Verordnete besteht. Das lässt wieder Raum für Retaxierungen. Hier ist es zumindest bei höheren Summen sinnvoll, sich im Vorfeld mit dem Kostenträger auseinanderzusetzen.

Die Zuzahlungen werden übernommen, wenn „gebührenfrei“ angekreuzt ist. Gebührenfrei sind Geflüchtete bis 18 Monate nach der Flucht. Dann werden sie pflichtig. Da wir in der Apotheke aber nicht nachprüfen können, wie lange der/diejenige bereits hier ist, gilt für uns nur das durch den Arzt gesetzte Kreuz. Das ist nicht prüfpflichtig.

Puuuh. Ganz schön viel Regelungen, die hier wieder zu beachten sind. Aber das kennen wir ja schon. Was bin ich froh, dass ich kein Berufsanfänger mehr bin, mir die ganzen Regelungen so nach und nach aneignen konnte und nicht alle auf einmal lernen musste!

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Der Fluch der bösen Tat

Ich hatte ja bereits darüber berichtet, dass es auch bei uns Impfpassfälscher gegeben hat, die versucht hatten, sich mit gefälschten Daten einen Code zu erschleichen. Ich behaupte nicht, dass wir sie alle rausgefischt haben, aber den ein- oder anderen haben wir dann doch erwischt und angezeigt.

Wir haben bis zur vergangenen Woche eigentlich aber nichts mehr von Polizei/Staatsanwaltschaft gehört. Daher dachten wir, dass sich die Anzeigen vermutlich irgendwie im Sand der Zeit verloren haben, und inzwischen verjährt sind.

To make a long story short: sind sie nicht!

Wir hatten eine Rückfrage von der Strafverfolgung, die noch einige Details zum Hergang benötigt hat. Auf unsere neugierige Frage, wie teuer das die Fälscher zu stehen kommen wird, blieb uns dann aber doch die Luft weg. 4 bis 5 Monatsgehälter kostet dieses Vergehen vermutlich.

Auf unsere erschrockenen Laute ob dieser unerwarteten Höhe fragte der Beamte, ob wir das zu viel fänden für den „Betrug an unserer Gesellschaft“. Nö. Aber die Höhe der Strafe kam dann doch überraschend. Ich dachte sie kämen mit ein paar hundert Euro davon.

Ehrlichkeit währt eben doch am Längsten. Und wer sich nicht hat impfen lassen wollen der musste eben die Konsequenzen ziehen, und auf die zu nahe Gesellschaft anderer beim essen, schwimmen oder Film gucken verzichten – so what? Ich war seit Pandemiebeginn auch nicht mehr im Kino, und gehe jetzt erst wieder schwimmen, wo es draußen warm genug dafür ist. In die Halle möchte ich einfach noch nicht. Auch esse ich weiterhin nur entweder Zuhause oder bei frisch negativ getesteten Freunden. Ich lebe auch noch, und ich habe trotzdem noch ein Privatleben mit Freunden und Freundinnen.

Ich bin ja gespannt, wie der Prozess letztlich ausgeht… ich werde berichten!

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Ärzterat-Hybris

Dass sich viele Ärzte für etwas Besseres als Apotheker halten ist landläufig bekannt. Dass es den Apotheken geneidet wird, dass wir inzwischen so einiges durchführen dürfen, was ursprünglich rein ärztliches Terrain war ebenfalls.

Daher kommt es eigentlich nicht wirklich überraschend, dass der Pandemierat der Bundesärztekammer fordert, der Ärzteschaft die verloren gegangene Hoheit über die Coronatests nach dem Ende der derzeitigen Testverordnung im Juni 2022 zurückzugeben. Der Arztvorbehalt war den Halbgöttern in weiß durch das „Dritte Bevölkerungsschutzgesetz“ im November 2020 verloren gegangen. Der Verkauf der Tests an Laien blieb damals noch verboten und war erst nach einer Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung im Februar 2021 erlaubt worden.

Daran möchte der Pandemierat auch übrigens gar nichts ändern. Nur wenn diese Tests positiv ausfallen, dann sollen die Patienten auch bitte zum Hausarzt gehen, um sich das bestätigen zu lassen. Das passt für mich irgendwie nicht ganz zusammen. Einerseits wird gefordert, dass die Corona-Tests „nur von medizinischem Fachpersonal unter strikter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zur Qualitätssicherung durchgeführt werden“, andererseits sind die Apotheken bei ebendieser Durchführung offenbar schlechter geeignet, als die Laien selbst.

Jetzt mal so für ganz Befriffsstutzige wie mich: es ist Freitag Nachmittag, und Oma Gretchen verspürt ein leichtes Halskratzen. Sie ruft also ihren Hausarzt an, denn mit den Selbsttests aus dem Supermarkt ist sie sich immer unsicher. Wie viele Tropfen müssen da genau wohin getropft werden? Und wie lange muss das Stäbchen wie tief in die Nase rein? Der Hausarzt hat aber schon geschlossen. Und kommenden Montag hat er außerdem noch Fortbildung wie sie über den Anrufbeantworter erfährt.

„Naja… wird schon nichts sein“ denkt sie sich, als sie sich auf den Weg zum Seniorennachmittag macht. Heute fahren sie ja schließlich alle mal wieder mit dem Bus zum Zoo. Das Leben muss ja schließlich weitergehen, nicht wahr?

Der Ausflug hat allen gut gefallen, und Nadja, die Haushaltshilfe von Opa Otto war auch mit dabei. So eine nette Person! Als Nadja dienstags Kopfschmerzen hat überlegt sie schnell, ob sie sich einmal testen lassen sollte. Selbsttests hat sie gerade nicht zur Hand, und den Wocheneinkauf erledigt sie erst am Donnerstag- wegen der Angebote. Sie ruft also bei ihrem Hausarzt an. Die MFA ist genervt. „Wissen Sie eigentlich, wie viele Leute hier zum testen sitzen? Da können Sie nicht einfach vorbei kommen, das dauert sicher eine gute Stunde bis sie dran sind. Wir haben hier auch andere Patienten! Donnerstag Vormittag hätten wir noch Termine. Nein. Mittwoch früh testen wir nicht, und nachmittags haben wir geschlossen.“

Während Oma Gretchen positiv getestet wird ist Nadja bereits auf dem Weg zu Tante Anna und Opa Gregor, die von ihr die Fenster geputzt und die Gardinen gewaschen bekommen. Können ja nicht mehr so auf ihre alten Tage. Nadja nimmt eine Ibu, die sie sich auf dem Weg in der Apotheke gekauft hat. Wird schon nur der Wetterwechsel gewesen sein.

Klingt das alles so unwahrscheinlich? Ich finde nicht, denn nicht jeder lebt in einer Großstadt, wo man in jeder zweiten Straße einen testenden Arzt auf Abruf findet. Viele leben auf dem Land, wo die Ärzte ohnehin starken Belastungen ausgesetzt sind, und gar nicht die Kapazitäten haben, um auch noch als Testzentrum zu fungieren.

Ich weiß wie viele Ärzte heilfroh darüber waren, dass wir ihnen die Testerei abgenommen haben! Und daher weiß ich auch, dass der Pandemierat der Bundesärztekammer mit Sicherheit nicht für alle Niedergelassenen spricht. Er setzt sich zusammen aus Vertretern wissenschaftlich-medizinischer Fachgesellschaften und des Öffentlichen Gesundheitsdienstes – vielleicht sollten diese Vertreter einmal bei der Basis anklopfen…

Zudem empfinde ich es als zutiefst empörend, dass den Apotheken Unprofessionalität unterstellt wird. Ich habe im Gegenteil zunehmend den Eindruck gewonnen, dass es auch den Arztpraxen gut zu Gesicht stünde, wenn sich ihre MFAs beim Abstrichtest wenigstens mit einer FFP2 schützen würden (wir tragen übrigens FFP3). Auch Schutzkleidung oder eine Schutzbrille und Handschuhe fände ich angebracht – just my 2 Cents.

Klar, dass die ganzen Testbuden geschlossen werden sollten, in denen nicht gut getestet wird (was natürlich nicht auf alle zutrifft!), aber das hat ja nichts mit den professionell durchgeführten Tests in den Apotheken zu tun. Ich denke mit unseren niederschwellig zugänglichen Testangeboten haben wir wirklich viel erreicht, und so einige Menschen rechtzeitig positiv getestet, bevor sie in Kontakt mit anderen kamen.

Es ist traurig, dass schon wieder die beiden Berufsgruppen gegeneinander ausgespielt werden, die sich eigentlich ergänzen sollten – der Volksgesundheit zuliebe. Und niemals erschien das nötiger als während dieser Pandemie!

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Omikron zu Ostern

Frohe Ostern euch alle da draußen!

Für mich haben die Ostertage allerdings weniger schön begonnen. Donnerstag Abend fühlte ich mich schon ein wenig „matschig“, ich habe dann allerdings auch noch ein Gläschen Rotwein getrunken und bin schnell eingeschlafen.

Freitag früh dann ’nen dicken Schädel gehabt – naja. Kann ja mal passieren. Ne Ibu, und gut wars wieder. Abends zur Sicherheit nochmal nen Schnelltest gemacht nachdem sich Fieber eingestellt hat- alles prima, eindeutig negativ.

Samstag dann aber immernoch etwas tranig gewesen, eine Schniefnase kam dazu. Also hab ich in der Apotheke vorbei geschaut und zur Sicherheit noch einen PCR in die Maschine geschoben. Wirklich geglaubt, dass es mich erwischt hat habe ich aber nicht. Dachte aber, dass ich bevor ich zum Frühstück zu Bergen fahre lieber auf Nummer sicher gehe. Zudem hatte mich eine gute Freundin gebeten, bei ihr einen PCR laufen zu lassen. Sie brauchte das positive Ergebnis für ihren Arbeitgeber, ihr PCR Ergebnis vom Tag zuvor war im Labor als „nicht ermittelbar“ zurückgekommen, und sie wusste nicht wo sie zwischen den Feiertagen noch einen Termin machen sollte. Ihre komplette Familie war krank. Da hab ich einfach mein Röhrchen dazu gestellt.

Ich stehe also in der Apo, helfe Birgit noch beim Suchen eines Medikamentes und schlendere ins Labor um nachzusehen, ob die PCRs schon durch sind. Waren sie. Beide positiv.

Ich dachte es reißt mir den Boden unter den Füßen weg. Woher? Und wen hab ich in den letzten Tagen alles gesehen? Wen hab ich unwissentlich angesteckt? Und was ist mit all den Terminen in der kommenden Woche? Ich war dermaßen fassungslos, dass ich erst mal ne kleine Runde geheult habe. Unprofessionell, ich weiß. Aber ging nicht anders.

Birgit stand sehr lieb und hilflos daneben – drücken konnte sie mich ja nicht. Ich bin dann schleunigst aus der Apotheke rausgegangen und habe einen Test Zuhause gemacht. Jetzt war er auch positiv, ganz eindeutig. 12 Stunden später von 0 auf 100.

Ich zermartere mir immernoch den Kopf wie das passieren konnte. Ich trage meine FFP2 immer (!) wenn ich unter Leute gehe, die nicht zu meiner Familie gehören und die nicht gerade getestet wurden. Ich war im letzten halben Jahr nicht essen. Ich war seit 2 Jahren nicht mehr im Kino. Ich steige nicht bei anderen Menschen ins Auto. Ich gehe niemals ohne FFP2 einkaufen.

Dabei ist mir eine Begebenheit aber nicht aus dem Kopf gegangen. Dienstags war ich im Testzelt. Da war ein sehr großer älterer Mann, der sich beim Testen so vorgebeugt hat, dass sein Gesicht direkt vor meinem Visier war, nur einfach zu hoch, so dass ich zu ihm aufsehen musste. Als ich das Stäbchen aus der Nase gezogen habe hat er plötzlich den Mund aufgemacht, und mir seinen vorher angehaltenen Atem entgegen geblasen. Direkt unter meinen Gesichtsschutz.

Er hat dann gesagt: „Entschuldigung, ich kann nicht so lange die Luft anhalten.“

Ich empfand das als sehr unangenehm, auch weil der Ausatemstoß so plötzlich und fest kam, ich Knoblauch riechen konnte und auch meine Hand ganz warm geworden ist. Ich hab danach noch die Handschuhe gewechselt, mich ein wenig geekelt und mir gedacht, dass ich mir den Namen für das nächste Mal merke, damit ich einen Schritt zurück trete wenn er wiederkommt.

Naja. Jetzt bin ich erstmal außer Gefecht gesetzt. Drückt mir die Daumen, dass ich niemanden weiter angesteckt habe, das ist erst mal meine größte Sorge. Mit meinen Kolleginnen habe ich seit gestern viel geschrieben und telefoniert. Ich denke ich stelle ab Dienstag jetzt immer ein Röhrchen mit dazu, damit ich sehen kann, wie sich der ct-Wert verändert (nerdig, ja…). Und bis dahin habe ich zum Glück einen schönen Garten, der etwas Pflege braucht 😉

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Die erste Woche ohne Maske

Jetzt liegt sie hinter uns – die erste maskenlose Woche seit vielen Monaten. Wir hatten alle größere Befürchtungen im Vorfeld – etwa dass die Coronagegner uns nun quasi „bargesichtig“ entgegenhusten, oder die Menschen die gerade noch positiv getestet aus unserem Testzelt treten mit ungeschütztem Nasen- und Mundbereich zu ihrem letzten Einkauf vor der Quarantäne die Apotheke betreten, und uns alle anstecken.

Was soll ich sagen? Die Bedenken waren zum größten Teil überflüssig.

Die meisten Patienten und Kunden kamen weiterhin mit Maske zu uns, und ich selbst habe im Laufe der Woche nur eine Handvoll Menschen bedient, die keine Maske trugen.

Zweimal wurde (höflich) gefragt, ob wir noch verlangen, dass eine Maske getragen werden soll. Als ich sagte, dass wie es nicht verlangen, sondern nur darum bitten, wurde sie angelegt.

Einmal kam die Frage, warum wir darum bitten, wo es doch anderswo erlaubt ist, sie wegzulassen. Nach meiner Erklärung, dass es daran liegt, dass hier häufig Corona-positive Menschen mit Symptomen hereinkommen, die vor ihrem Test im Zelt noch etwas einkaufen, wurde das auch direkt verstanden.

Eine skurril-witzige Situation hatte ich auch noch:

Eine Dame betritt die Apotheke und hat keine Maske auf Mund und Nase sitzen, aber eine FFP2- Maske ist um ihren Unterarm gespannt. Sie bedankt sich überschwänglich bei uns:

„Ach, ich finde es ja soooo toll, dass sie sich und andere weiterhin schützen und alle hier FFP2 Masken tragen! Das ist ja sooo wichtig, denn Omikron wütet ja immernoch so sehr! Deshalb trage ich persönlich ja auch immer meine Maske wenn ich unter Menschen gehe um mich zu schützen! Ganz egal ob das jetzt vorgeschrieben ist oder nicht.“

„Damit sie noch besser schützt, sollten Sie ihre Maske aber auf Mund und Nase setzen, nicht auf den Arm.“

„Wie bitte? Was meinen sie?“

Die Kundin blickt irritiert auf ihre Arme und sieht die Maske dort baumeln.

„Oh Gott oh Gott!!! Nein!“

Sie reißt sich die Maske vom Arm, setzt sie auf und wir lachen beide.

So unkompliziert ist das manchmal. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht. Ich halte euch auf dem Laufenden!

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Ich bin sowas von negativ!!!

Zwei tolle Apothekenstories die ich gerne mit euch teilen mag:

1. Ich habe in den vergangenen Wochen so einige Leute positiv getestet in unserer kleinen Testststation. Eine Dame wollte sich nach 7 Tagen freitesten, und hat sich einen Termin bei einer anderen Teststation gebucht. Aus diversen Gründen konnte sie dort nicht zum Termin erscheinen, und kam doch wieder zu uns. Ich „pople“ gerade in ihrer Nase, als ihr Handy ein Geräusch macht. Während ich die Probe mische und tröpfle schaut sie in  ihr Postfach und ruft erbost „Ha!!!“ Ich schaue sie irritiert an.

„Wissen Sie was? Ich habe gerade von der anderen Testststation ein Zertifikat geschickt bekommen. Ich bin negativ! Dabei war ich nicht mal dort!“

Währenddessen läuft ihr Test hoch und zeigt deutlich sichtbar einen zweiten Streifen. Sie war so sauer, dass sie direkt eine Anzeige gemacht hat.

2. Ich stehe in der Apotheke, und meine Kollegin ist draußen im Testzelt. Ein Herr kommt herein, und ich sehe schon an der Eingangstür, dass er stinksauer ist.

„Was testen Sie eigentlich für einen Blödsinn hier? Ich war jetzt Zuhause 3x negativ und wollte mich freitesten lassen! Ihre Kollegin da hat mir vor einer Stunde geschickt, dass ich positiv sein soll! Das ist doch Blödsinn! Ich bin dann eben zur Testststation am DM gefahren, und die sagen auch dass ich negativ bin! Sie nehmen das „positiv“ jetzt SOFORT raus! Ich will heute Abend noch in Urlaub fahren!“

Ich erkläre ihm, dass wir immer nach bestem Wissen und Gewissen testen, und wenn wir einen zweiten Strich sehen, können wir nicht einfach ein Ergebnis „zurücknehmen“. Da knallt er mir einen Selbsttest von Zuhause auf den HV.

„Sehen Sie? Ich bin negativ. Sowas von negativ!!!“

Ich schaue auf den Test und sehe zwei Streifen.

„Also ich sehe da zwei Streifen.“

Der Herr schaut irritiert auf seinen Test.

„Ich seh da garnix!“

„Haben Sie eine Brille bei sich?“

Der Herr fummelt sich eine Brille aus der Jackentasche, schaut mit zusammengekniffenen Augen auf das Testfeld und wird plötzlich ein paar Zentimeter kleiner.

„Mist. Sie haben Recht. Tut mir leid. Bekomme ich bei Ihnen heute noch einen PCR Test? Ich muss das Hotelzimmer stornieren.“

Stories die das Leben schreibt. Man würde es nicht glauben, wenn man es nicht selbst erlebt hätte 🙂

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Sinnvolles

Ich höre immer wieder, dass viele Menschen den Sinn ihrer Arbeit hinterfragen, und sich unwohl fühlen, wenn sie diesen nicht erkennen können. Davon bin ich weit entfernt, denn die Arbeit in der Vorstadtapotheke ist im Grunde täglich sinnstiftend.

Kürzlich sind wir, da wir hier auch gegen Corona impfen, von einem Verwaltungsamt kontaktiert worden. Sie hätten hier eine Flüchtige aus der Ukraine, die sich gerne impfen lassen würde. Die Hausärzte in der Umgebung hätten in der Woche allesamt keine Kapazitäten frei. Da wir auf diese Weise wieder genug Menschen zusammen hatten, um ein Vial zu verimpfen wurde zugesagt. Die Dame war sehr dankbar für die schnelle Hilfe, und verriet uns dann, es sei ihre erste Impfung überhaupt gewesen. Und bevor wieder ein Aufschrei ertönt: ja, es lag alles zur ersten Hilfe bereit, und wir wissen was zu tun ist um die Patienten so lange zu stabilisieren bis ärztliche Hilfe im Falle einer Impfkomplikation eintrifft.

Es kommt vor, dass wir auch einmal nur zu zweit arbeiten. Ruft dann jemand an und benötigt einen Botendienst, wird es schwierig, aber nicht unmöglich. Das war auch in der vergangenen Woche so, als Sandra und ich zusammen gearbeitet haben. Der Stammkunde der anrief ist älteren Semesters und inkontinent. Er war ratlos, denn seine Windelhosen-Packung war leer, die Frau im Krankenhaus und die Nachbarn nicht zu erreichen. Natürlich bin ich direkt hingefahren, und er war sehr dankbar. Seine Frau hat eine Krebsdiagnose erhalten und wird vermutlich nicht mehr nach Hause zurückkehren. Er muss sich nun um einen Platz im betreuten Wohnen oder in einem Pflegeheim kümmern. Die Zeit ihm hier zuzuhören habe ich mir genommen, obwohl ich wusste, dass Arbeit liegen bleibt, und es wieder hektisch werden kann.

Kurz vor der Mittagspause kam dann noch ein verzweifeltes junger Mann in die Apotheke gerannt. Er hätte gerade einen unklaren Selbsttest gemacht, und bräuchte jetzt dringend noch einen Schnelltest. Sein bester Freund heiratet nämlich gleich im Rathaus nebenan, und dann könne er nicht dabei sein. Ehrensache, dass wir da noch ein paar Minuten länger bleiben, oder? Der Test war übrigens ganz eindeutig negativ!

Das waren nur drei der Situationen, in denen wir schnell helfen können, wenn wir gebraucht werden. Dass wir für viele Menschen schon Teil der Familie oder des Freundeskreises geworden sind merken wir ebenfalls. Gerade liegt ein Poesiealbum hier vor mir auf dem Tisch, das eine langjährige Kundin gebracht hat. Sie wird wegziehen, und will die Erinnerung an uns mitnehmen. Ich finde das sehr rührend, und wenn man auch über die Sprüche oder das Album selbst schmunzeln mag – es ist schon ein gutes Gefühl wenn man so gemocht wird.

Die Apotheke vor Ort ist nicht zu ersetzen, denn ihne sie wird die Welt wieder ein kleines Stück seelenloser, und das wollen wir doch alle nicht, oder?

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No good news – Jodmangel in der Apotheke

Ich habe eine kleine Weile mit dem Blogschreiben ausgesetzt, denn ich wollte warten, bis ich mal wieder etwas positives zu erzählen habe. Pustekuchen, ich denke ich sollte einfach wieder anfangen zu schreiben, bevor ich den Blog an den Nagel hängen muss…

Wusstet ihr, dass die Apotheken zur Zeit Jodmangelgebiet sind? Nein? Dann lest mal die Zeitungen. Aus Angst vor einer Verstrahlung durch Putins Atombombe fangen die Deutschen jetzt an, Jodtabletten zu horten. Viele Apotheken sind schon jetzt ausverkauft und bekommen auch nichts mehr nach.

Es ist jedes Mal das gleiche Spiel: irgendjemand kräht etwas vom Dach, und alle rennen hinterher wie die Lemminge. Gestern (also zu Beginn der Pandemie) war es Paracetamol, heute sind es Jodtabletten, was wird es morgen sein?

Viele Dinge wurden gehypt in den vergangenen zwei Jahren und ist entweder bis heute schwer zu bekommen (z.B. ein Nasenspray mit Algen, das Viren so „festkleben“ soll, dass man nicht daran erkrankt), anderes liegt inzwischen wie Blei in den Regalen (z.B. bestimmte Anti-Corona- Mundspülungen). Interessant auch: die extrem großen Mengen an Desinfektionsmitteln die zu Beginn rausgehauen wurden. Der hohe Preis damals scheint gerechtfertigt gewesen zu sein, denn es kauft kaum jemand etwas nach. Offenbar füllen sich wundersamerweise von selbst wieder auf, oder wirken quasi durch die Flasche hindurch desinfizierend, ohne dass sie geöffnet und damit verbraucht werden müssen. Genial!

Naja: lasst uns beim Jod bleiben. Während also die Oberschlauen die Apotheken leer kaufen, haben die Menschen das nachsehen, die Jod dringend bräuchten, ganz unabhängig von einem Atomkrieg. Das sind vor allem schwangere und stillende Frauen. Sie haben einen deutlich höheren Jodbedarf, und können diesen oft nicht über die normale Ernährung decken. Jodmangel führt aber beim ungeborenen Kind zu irreversiblen Hirnschäden. Bravo. Klasse gemacht ihr Jodhamsterer. Da wart ihr ja richtig klug, den Markt leetzukaufen, nicht wahr?

So etwas regt mich auf. Fast genauso wie die geheuchelte Hilfsbereitschaft mit den Menschen im Kriegsgebiet. Wer spenden will, der spendet bitte Geld, oder Dinge, die noch „gut“ sind, und die auch gebraucht werden. Wer zuhause die abgelaufenen Lebensmittel und die sich seit x Wochen über dem Haltbarkeitsdatum befindlichen Altmedikamente aus der Schuhschachtel im Badezimmer gemeinsam mit Opas alten Wintersocken „spendet“, den soll bitte das Karma einholen. Der hat nur eine billige Müllkippe gesucht und fühlt sich danach vermutlich noch wie ein Held. Bravo. Nichts gelernt kann ich nur sagen. Nichts aus Lieferengpässen durch Arzneimittelhamsterei, nichts aus den Müllbergen unbrauchbarer Sachspenden während der Flutkatastrophe. Hauptsache der Keller ist wieder leer und man hat das Gefühl ein guter Mensch zu sein.

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Omikron oder Delta?

Nun hat es auch uns erwischt,in unserer kleinen Vorstadtapotheke. Der Chef, Sandra und Bergen sind mit positivem PCR zuhause. Meine Kolleginnen haben das Virus von ihren Kindern aus der Schule bzw. dem Kindergarten frei Haus geliefert bekommen (Hauptsache „in Präsenz“ – egal was das während der Omikron-Welle bedeutet). Da Bergen alleinerziehend ist, hat sie besonders Angst davor, dass sich die Erkrankung verschlechtern könnte.

Nachdem sie nachts das Gefühl hatte immer schlechter Luft zu bekommen, habe ich ihr ein Sauerstoff-Messgerät zum anclippen an den Finger besorgt. So weiß sie besser, was dabei Kopfsache ist, und wann sie wirklich Hilfe braucht.

Wir verbliebenen vier Gesunden fühlen uns in der Apotheke derzeit ein wenig wie die „Walking dead“, obwohl Birgit die „Drei Musketiere und D’Artagnan“ vorzieht. Wann geht es bei uns los? Ist das ein Halskratzen? Schmecke ich noch alles? Dieser Druck auf dem Kopf, ist der noch normal? Man wird ganz irre davon!

Derweil trifft es auch immer mehr Kunden. Ich berichtete kürzlich von einem Arzt, dessen Patienten eine „Spezialimpfung“ verlangen konnten. Zwei dieser Patienten hat es nun auch erwischt, und zwar definitiv nicht so mild und harmlos, wie man es bei geboosterten hätte erwarten können. Es geht ihnen wirklich richtig schlecht. Allein – hier fehlt mir ein wenig das Mitleid. Man wird hart über die Zeit. Zudem frage ich mich, ob der Hausarzt ihnen wohl Paxlovid oder Lagevrio verordnet – einen schweren Verlauf vermutet er ja aufgrund der angeblichen Impfung wahrscheinlich nicht. Irgendwie ist Karma ja ’ne Bitch.

Zurück zur Apotheke: morgens wecken wir uns zur Zeit mit den Fotos unserer Tests, und freuen uns bei jedem „vier gewinnt“, wenn wir noch alle negativ sind. Offenbar bringt das konsequente Tragen der FFP2 -Masken, die Überwachung der Räumlichkeiten mit CO2-Meldern und die Reinigung der Atemluft mit zwei Geräten für die Offizin und das Backoffice etwas. Noch sind wir gesund… ich hoffe wir können diese Krise nun auch noch überstehen, ohne dass wir die Tore schließen müssen. Vielleicht kommt es ja auch auf die Variante an? Wir werden es erleben. Derweil habe ich mich zuhause auch erst einmal in Isolation begeben um meine Familie zu schützen. Wieviel das bringt, wenn die halbe Klasse meines Sohnes erkrankt ist werden wir sehen…

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