Open Petition

Ich richte nur selten eine persönliche Bitte an euch liebe Leser meines kleinen Blogs, aber die Zeit läuft dieser wirklich wichtigen Petition davon:

https://www.openpetition.de/petition/online/pta-attraktive-3-jaehrige-ausbildung-und-berufliche-weiterentwicklung

Es geht darum, die PTA-Ausbildung um ein halbes Jahr zu verlängern. Wenn sie wie andere Ausbildungsberufe auch drei Jahre statt zweieinhalb laufen würde, dann hätten die fertigen PTA viele Vorteile davon.

Zum einen würde die Lernzeit etwas entzerrt, was die Ausbildung weniger zum Horror werden lässt. Zum anderen könnten wichtige Themen vertieft werden was den Patienten später entgegen kommt. Ganz allgemein würde der PTA-Abschluss außerdem im Ganzen aufgewertet was dringend vonnöten ist.

Ein negativer Punkt dieser Ausbildung ist der, dass sie aus eigener Tasche finanziert werden muss, wenn man nicht gerade das große Glück hat an einer staatlichen Schule genommen zu werden. Viele Schüler können sich das Schulgeld kaum leisten und nagen dadurch beinahe am Hungertuch. Und das für einen Beruf der im Normalfall nicht gerade üppig bezahlt wird. Wäre die Ausbildung dreijährig, so würde der Staat die Schulkosten tragen was sicherlich zu einem Anstieg der Schülerzahlen führen würde.

Warum mir das so wichtig ist? Ich lehre selbst an einer Privatschule diese Schüler neben meiner Tätigkeit in der Apotheke. Sie liegen mir sehr am Herzen und ich würde ihnen ein wenig mehr Zeit und Geld und später mehr Anerkennung von Herzen gönnen.

Wer von Euch noch nicht unterschrieben hat – ich würde mich freuen 🙂

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Peinlich, peinlich…

Es gibt gerade im Gesundheitsbereich einige Themen, die schambehaftet sind und mit denen die Patienten nur ungern zu anderen Menschen gehen um darüber zu reden. Im Bereich der Psyche sind es vielleicht Zwangsstörungen, in der Apotheke werden wir dagegen häufiger mit körperlichen Dingen konfrontiert.

Während es dem einen Teil der Kundschaft so gar nichts ausmacht offen über ihre körperlichen Probleme zu sprechen versinken andere dagegen beinahe im Erdboden wenn sie darüber reden sollen. Themen hierfür gibt es zur Genüge: HIV, trockene Scheide, Wurmerkrankungen, Fuß- und Nagelpilz, Prostataprobleme, Erektionsstörungen – das Feld ist quasi unerschöpflich.

Wir hatten einmal eine Dame im HV stehen, die laut und unverblümt über ihre HIV-Infektion gesprochen hat, und wie sie sich diese vermutlich zugezogen hatte. Hinter ihr stand zufällig ein weiterer HIV Patient, der quasi das genaue Gegenteil gelebt hat. Wenn er bei uns sein Rezept überreicht hat, dann wussten wir genau, dass wir diskret die Medikamente im Hintergrund in einer blickdichte Papiertüte für ihn richten müssen und diese dann wortlos übergeben sollen. Als die Dame gegangen war stand dieser Kunde leicht fassungslos vor mir und schüttelte den Kopf. Er lachte kurz auf und sagte dann: „Eigentlich ist es ja bewundernswert wie sie damit umgeht. Ich könnte das nicht!“

Und genau das ist es doch: jeder ist anders. Die eine Kundin verlangt den Chef zu sprechen um mit ihm über ihre „wahnsinnig trockenen Schamlippen“ zu sprechen, die andere Kundin spricht hinter vorgehaltener Hand über eine „Schürfwunde im Intimbereich“ und meint damit schlussendlich eine Stelle an der Innenseite ihrer Oberschenkel etwas über Kniehöhe. Mit der einen Kundin muss man in den Beratungsraum gehen damit sie ihre Zehennägel zeigt wo sie einen Fußpilz vermutet, der andere Kunde zieht Schuhe und Socken aus und schwingt den Fuß vor versammelter Kundschaft auf den HV Tisch hoch damit man draufschauen kann (übrigens eine beeindruckende sportliche Leistung).

So werden es auch eher die stillen und versteckten Menschen sein, die uns vermutlich zuerst Richtung Internetapotheke entgleiten. Da werden nicht so viele vielleicht unangenehme Fragen gestellt. Da ist es anonym und sachlich. Und genau für diese stillen und verängstigten Menschen wäre es sinnvoll, sich zu öffnen. Manchmal ist die Eigendiagnose (man lässt ja niemanden an sich ran) eben auch nicht richtig. Die Dame mit dem Pilznagel hatte eine Nagelpsoriasis, da hätte sie lange dran herumlackieren können. Eine weitere mit einem vermeintlichen Vaginalpilz hatte dann doch eine Chlamydieninfektion.

Es ist wichtig die Eigendiagnose zu hinterfragen, und zwar nicht auf Feldwebelart oder in irgendeiner Form die sich wie eine Anklage anhört. Aber auch nicht mit mitleidig schräggelegtem Kopf und Leidensmiene (wie es in Apotheken leider auch oft zu beobachten ist), sondern mit klarer Stimme, freundlichem Auftreten und vor allem mit Ruhe. Bemerkt man, dass es einem Kunden unangenehm ist über sein Problem zu sprechen, so bittet man ihn nach der Frage ob er etwas Zeit mitgebracht hat am Besten in einen separaten Beratungsraum.

Besonders schambehaftet ist meistens alles rund um das Thema Inkontinenz. Gerade Männer (z.B. nach Prostata-OPs) sind wenig begeistert Probleme in diesem Bereich dort zu besprechen wo andere Kunden mithören können. In einem Beratungszimmer können sie freier reden, sich in Ruhe die Vorlagen/Einlagen/Pants betrachten und sich Proben zum testen aussuchen. Diese Kunden sind sehr dankbar, wenn sich jemand Zeit für sie nimmt und auch die Worte mit Bedacht wählt. Das Wort „Windel“ kann sich in diesem Zusammenhang beispielsweise verletzend anhören.

Diskretion ist die große Überschrift über dem Thema, aber direkt danach kommen Einfühlungsvermögen und Kompetenz. Diskretion damit die scheuen Kunden überhaupt zu uns kommen (dafür müssen sie wissen, dass es sowas wie einen Beratungsraum überhaupt gibt!). Einfühlungsvermögen weil es das ist, das uns von Computern und reinem Click&Collect unterscheidet. Kompetenz weil die Patienten sich dann gut aufgenommen und beraten fühlen. Es gibt eine „neue Generation“ von Apothekern und PTA die sich treffen um genau so etwas in ERFA Gruppen oder im Internet miteinander zu diskutieren. Wenn da nicht nur darüber gesprochen sondern auch danach gelebt wird sind wir auf einem guten Weg!

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Arzneimittel die sonnenempfindlich machen

Sobald sich die Sonne wieder so intensiv zeigt wie in den letzten Tagen ändert sich unsere Beratung ein wenig. In den Jahreszeiten Herbst, Winter und Frühling ist es meistens nicht nötig, die Kunden darauf aufmerksam zu machen sich nicht in die Sonne zu legen wenn sie gewisse Medikamente einnehmen. Im Sommer ist es dagegen wichtig das anzusprechen, denn viele Wirkstoffe haben die unangenehme Eigenschaft, die Haut sonnenempfindlich zu machen. Dass das nicht nur für Menschen gilt habe ich im letzten Jahr bei einer Fortbildung im tiermedizinischen Bereich erfahren.

Lichtempfindlichkeit oder Photosensitivität, was bedeutet das überhaupt? Bekommt man Pustel, Pickel oder Leberflecke? Einen Sonnenbrand oder gar Verbrennungen wenn man sich ungeschützt der UV- Strahlung aussetzt? Im Prinzip ist alles davon möglich, selbst Nagelverfärbungen, Einblutungen unter der Haut oder bestimmte Tumore können sich durch die arzneimittelinduzierte Photosensitivität entwickeln. Ein aktuelles Beispiel für die Entwicklung bestimmter Formen des weißen Hautkrebs ist HCT. Jene ach dem ob die Mittel topisch oder systemisch verwendet werden können sich die Auswirkungen der UV-Strahlung auf die obere oder tiefer gelegene Hautschichten erstrecken.

Aber es muss ja nicht gleich Krebs sein. Ein kräftiger Sonnenbrand samt Blasenbildung der Haut oder plötzlich vermehrtes Auftreten von Pigmentflecken die nicht wieder verschwinden sind Grund genug die Sonne zu meiden. Achtung: hier reicht es nicht aus, einfach nur leichte Kleidung zu tragen. Selbst hinter Glas kann die UV-A Strahlung dringen und stark genug sein um Schäden an der Haut zu verursachen. Bitte also bei der Einnahme von Medikamenten die photosensibel machen so gut wie möglich im Schatten bleiben und zusätzlich mit einem hohen Lichtschutzfaktor eincremen. Das Sonnenlicht ist zwischen 11 und 15 Uhr besonders intensiv und sollte genau wie ein Solarium gemieden werden.

Folgende Wirkstoffe können die Haut gegen UV- Strahlung sensibilisieren:
Acitretin, ätherische Öle, Amantadin
Amilorid, Amiodaron, Amlodipin, Amitriptylin, Azathioprin, Benzydamin
Bezafibrat, Bendroflumathiazid,
Captopril, Carbamazepin, Chlorprothixen, Chloroquin, Chinin,
Chinolone, Chlortalidon, Citalopram, Clomipramin, Corticosteroide Cotrimoxazol, Dacarbazin, Dapson, Diclofenac, Dienogest, Diltiazem Dimenhydrinat, Diphenhydramin, Doxepin, Doxylamin, Enalapril, Ethacrynsäure, Fenofibrat, Fluorouracil, Flucytosin,
Fluphenazin, Flutamid, Fosinopril, Furosemid, Glibenclamid, Glimepirid, Goldsalze, Griseofulvin, Haloperidol, Hydralazin, Hydrochlorothiazid, Hypericin, Ibuprofen, Imipramin, Indometacin, Isoniazid, Isotretinoin Itraconazol, Ketoprofen, Lamotrigin, Levomepromazin, Lisinopril, Loratadin, Maprotilin, Mefloquin, Meloxicam
Methoxalen, Metoprolol, Methotrexat,
Nabumeton, Naproxen, Nifedipin, Nitrofurantoin, Nortriptylin, Östrogene
Olanzapin, Omalizumab, Omeprazol, Paroxetin, Perazin, Perphenazin, Phenobarbital, Phenylbutazon, Phenytoin, Piroxicam, Porfimer, Promethazin Pyrazinamid, Ramipril, Simvastatin, Spironolacton, Steinkohlenteer, Sulfadiazin, Sulfasalazin, Temeporfin, Terbinafin, Terfenadin, Tetracycline, Thioridazin, Tiaprofensäure, Topiramat, Torasemid,
Tretinoin, Triamteren, Trimipramin, Valaciclovir, Valproinsäure, Verapamil, Verteporfin, Vinblastin, Voriconazol, Xipamid

Wie man sieht ist die Liste sehr lang, und viele der aufgeführten Wirkstoffe werden auch häufig verordnet. Einiges ist auch ohne Rezept zu haben, da ist eine umfassende Beratung besonders wichtig. Das kommt erfahrungsgemäß oft zu kurz, und auch ich mache mich nicht frei davon das bei Diclofenac oder Ibuprofen häufig zu vergessen. Durch diesen Artikel erinnere ich mich dann sicher öfter mal daran die betreffenden Kunden zu warnen.

Dass selbst Tiere nicht vor den unangenehmen Begleiterscheinungen nicht gefeit sind habe ich im letzten Jahr anhand eines einprägsamen Beispiels aus der Praxis einer Tierärztin erfahren. Sie war zu einem Milchbauern gerufen worden der Probleme mit dem Euter einer seiner Kühe hatte. Es war rot, heiß, geschwollen und äußerst schmerzempfindlich als sie das Tier untersuchte. Der Bauer erzählte ihr, dass die Kuh bereits seit ein paar Tagen eine leichte Entzündung mit sich herumschleppte, sich die Symptome allerdings im Laufe des (heißen und sonnigen) Tages deutlich verschlechtert hätten.

Der Tierärztin stieg auf einmal ein eigentümlicher Geruch in die Nase den sie aus ihrer Kindheit kannte. Sie roch an ihren Händen mit denen sie das Euter untersucht hatte und tatsächlich: der Bauer hatte das gleiche Heilmittel angewandt, das ihre Großmutter auch immer bei allen Arten von Entzündungen, Verletzungen und Hautreaktionen genutzt hatte: Rotöl.

Rötöl ist ein öliger Auszug aus Johanniskraut mit dem Wirkstoff Hypericin (siehe Liste). Das unterstützt zwar tatsächlich die Haut beim Heilungsprozess, macht sie aber auch photosensibel. Die Kuh hatte dadurch einen heftigen Sonnenbrand auf dem Euter erlitten.

Das Beispiel zeigt eindringlich, wie wichtig eine gute Beratung hinsichtlich der unerwünschten Arzneimittelwirkung ist. Und jeder der auf der Liste (die sicher nicht vollständig ist) einen Wirkstoff findet den er/sie gerade einnehmen, injizieren oder auftragen muss achtet bitte auf den richtigen Sonnenschutz. Nicht, dass ihr euch noch das Euter verbrennt 😉

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5 Merkmale an denen sie erkennen, dass FOCUS- online schon im Sommerloch steckt

Bei Focus-online findet sich seit drei Tagen ein Artikel, nach dessen Lektüre angeblich auch der Laie anhand von nur fünf Merkmalen erkennen kann, ob der Apotheker der ihn berät „gut“ ist oder nicht.

Der Autor des Artikels Marcel Becker macht bei „Merkmal 1“ den aktuellen Wissensstand zu saisonalen gesundheitlichen Problemen, Grippeimpfungen und Cannabis- Rezepturen fest. „Problem 1“ das ich hier sehe: woher soll denn der Laie wissen ob das was der Apotheker ihm da erzählt stimmt? Hat sich denn der selbst ernannte Apothekentester die aktuellen Leitlinien heruntergeladen? Und woher kennt er denn selbst das Einsatzspektrum von Cannabinoiden aus dem Effeff? Naja… da die eigene Apotheke des Autors Becker umfangreiche Cannabis Beratung anbietet ist es wohl nur natürlich, dass er das dann unbedingt hervorheben muss, nicht wahr?

„Merkmal 2“ ist das umfangreiche Angebot von Gesundheitsdienstleistungen. So soll eine gute Apotheke daran erkannt werden, dass sie Kompressionsstrümpfe anmisst, Podologen und Hebammen empfehlen kann und Bludruck, Blutzucker und Vitamin D3 Messungen anbietet. Den ersten Teil kann ich noch nachvollziehen, wobei das sicher von 90% der örtlichen Apotheken angeboten wird (ich kenne tatsächlich keine einzige die das nicht macht und bin seit 20 Jahren dabei). Aber Vitamin D3 Messungen? Dienen die nicht eher dem Verkauf von entsprechenden Nahrungsergänzungsprodukten als der Unterscheidung zwischen gut und schlecht? Wenn man also den Hype um Vitamin D aus vielleicht nachvollziehbaren guten Gründen nicht mitmacht gehört man zu den Schlechten? Das sehe ich anders. Und das DKFZ und Stiftung Warentest übrigens auch. Auch im LeiKa der ABDA die der Autor eigentlich umfassenden Angebotskatalog zitiert kommt diese Messung nicht vor. Ist das vielleicht dem zweiten Standbein Herrn Beckers geschuldet, der mit seiner Firma Apovid den OTC-Verkauf in Apotheken ankurbeln will?

Merkmal 3 wäre ein gutes Ergänzungsangebot an Kosmetika und Convenience-Artikeln. Nuja… ich habe schon in einer sehr kleinen Apotheke eine sehr gute Beratung erhalten die gar nicht den Platz für ein Riesensortiment nur entfernt apothekenüblicher Ware hatte und auch eher durchschnittliche Beratungen in großen Apotheken gehabt. Das ist für mich kein Pro oder Contra Kriterium. (Natürlich ist die Apotheke des Autors groß, aber nach Punkt 1 und 2 war das ja nicht schwer zu erraten, was?)

Merkmal 4 ist die Optimierung der Medikamentengabe mittels MediGuard. Doch was ist „MediGuard“? Ich gebe zu, ich musste es googeln (Oh mein Gott… ich bin eine schlechte PTA). Und siehe da, nach kurzer Suche fand ich das hier:

MediGuard ist ein Service, der Patienten dabei hilft, die Sicherheit Ihrer Medikamente zu überprüfen und eine aktivere Rolle in ihrer Behandlung einzunehmen.
Nach einer Registrierung genießen Ihre User folgende Vorteile:
* Einen automatischen Arzneimittel Sicherheits-Check, der Ihre Arzneimittelliste nach aktuellen Nebenwirkungen und Arzneimittelwechselwirkungen durchsucht.
* Klinisch geprüfte Sicherheitsalarme und Rückrufe für Ihre Medikamente.

Aha. Eine App also in die der User seine Daten selbst einträgt. Laut dem Autor hieß es doch aber:

Dieses Merkmal ist insbesondere interessant für ältere Patienten, die sich zu Haus selbst versorgen oder von Angehörigen versorgt werden

Ist das der typische App-Nutzer? Weiterhin schreibt Herr Becker:

„Der Apotheker listet hierzu gemeinsam mit dem Patienten und in Absprache mit den behandelnden Ärzten unter anderem Ernährungsgewohnheiten und Nahrungsergänzungsmittel auf und kann so die Medikamenteneinnahme optimieren und individuell auf den Patienten abstimmen.

Das Ergebnis ist eine medikamentös „maßgeschneiderte“ Pillenbox, die die Einnahme der unterschiedlichen Medikamente über eine Woche zu den verschiedenen Einnahmezeiten vorsortiert bevorratet.“

Ich glaube da hat er irgendwas verwechselt. Das Teil heißt „Medi7“ nicht „MediGuard“ und ist eine Tablettenbox und keine App. Das ist nur noch peinlich. Herr Becker… wann haben SIE eigentlich zuletzt echte Patienten beraten?

Merkmal 5 bezieht sich dann nur noch auf Online Apotheken und das Gütesiegel das sie tragen sollten wenn sie seriös arbeiten.

Mein Fazit: vor allem Werbung für die eigene Sache und ansonsten nicht so dolle recherchiert wie man es sich für einen FOCUS Bericht erhofft. Dafür dass Herr Becker bei 3 von 5 Punkten eigentlich nur für sich selbst wirbt hätte er besser dem FOCUS für diesen Artikel Geld bezahlt. Als Anzeigenkunde.

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Enttäuscht

Ich bin so enttäuscht von der Apothekerschaft wie selten. Zuerst wird nicht nur der Referentenentwurf von Spahn der den PTA Beruf abwertet „abgenickt“, dann wird von der ABDA auch noch nachgetreten.

PTA würden quasi zu sehr erhoben, wenn ihnen ein offizielles Arbeiten ohne apothekerliche Überwachung erlaubt würde. Wo kämen wir denn da hin? Das wäre ja sowas wie ein “ Apotheker light“ und das würde ja niemand wirklich wollen, nicht wahr?

Au contraire! Ich finde es im Gegenteil äußerst rückschrittlich, dass die Abzeichnungsbefugnis (die glücklicherweise bei uns in der Apotheke Gang und Gäbe ist) dann wohl wegfällt. Viel Spaß bei der Dauerkontrolle an alle Seiten sage ich da nur…

Und um noch Öl ins Feuer zu gießen erfährt man, dass eine Apothekerin bei den Nachgesprächen im BMG die PTA in ihrer Gesamtheit mehrfach als „Mädels“ bezeichnet hat.

Ich hatte auf Empörung auch seitens der Apothekerschaft gehofft, aber diese offensichtliche Herabwürdigung ihrer Mitarbeiter lässt sie ganz offiziell kalt. Sind ja nur die Hänschen beleidigt worden, nicht die Hänse. In Kommentaren unter den Berichten wird diese Betitelung sogar noch kleingeredet statt lautstark nach einer Ablösung für diese immer noch anonyme Dame zu rufen.

Das ist einer der Schreiber dem ich antworten MUSSTE

Was mir die Galle hochtreibt sind dann solche Sprüche:

Aha wir besuchen also nur billige Werbeveranstaltungen? Und warum?

Super. Da fühlt man sich doch so richtig wertgeschätzt.

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Schlimme Mitbringsel

Hier mal wieder eine kleine Übersicht der schlimmsten Kundenmitbringsel aus meinem Facebook-PTA Forum. (Nix für schwache Nerven)

– benutztes Klistier auf dem „Tresen“

– voll gefüllte Urinbeutel

– ausgewaschene und getrocknete Inkontinenzeinlagen

– Karpfenschuppen und angelutschte Bonbons im Portemonnaie, das man nach Kleingeld durchsuchen soll

– benutze Urinteststreifen samt tropfendem Urinbecher auf dem Verkaufstisch

– Hörgeräte voller Ohrenschmalz

– Blutzuckermessgeräte voll getrocknetem Blut

– benutzte Valinal- und Hämorrhoidensalben samt Applikator

– benutztes Pessar im Taschentuch

– Läusekamm voller Nissen und Läuse

– nackter Nagelpilzfuß auf den Tisch mit den Worten „Schauen sie mal, das bröselt da so ab“

– gebrauchte Zahn(zwischenraum)- Bürste oder Zahnseide (ich will genau die nochmal in neu)

– Filzläuse in einer Streichholzschachtel

– eingetupperte Madenwürmer

– tropfnasse Schwangerschaftstests

– ungeputzte zerbrochene Zahnprothesen

Viele Menschen denken sich offenbar nichts dabei sowas mitzunehmen, weil sie Arzt und Apotheke oft gleichsetzen. Nichts menschliches ist uns in unserem Beruf fremd und sie Kunden vertrauen uns offenbar einfach ALLES an. Eigentlich etwas schönes… aber eine kleine Warnung bevor es allzu menschlich wird wäre ab und zu nicht schlecht. Ich wüsste jedenfalls gerne vor dem entrollen einer ausgequetschten Tube, dass es sich um ein Antimykotikum handelt. Speziell wenn dann noch handschriftlich „Schwanz“ draufsteht…

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Das E-Rezept als Apothekenkiller?

„Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber“ – dieses Zitat wird fälschlicherweise wahlweise Bertold Brecht, Heinrich Heine oder Wilhelm Busch zugeschrieben. Es kommt mir immer in den Sinn wenn ich lese, dass die Apotheker dabei helfen das E-Rezept auf den Weg zu bringen. Doch was bleibt ihnen auch anderes übrig? Beteiligen sie sich nicht, dann werden sie nur um so schneller abgehängt. Es scheint, als steckten sie in einer Loose-Loose-Situation.

In den letzten Tagen wurde es in den Medien wieder lauter um das Thema. Das liegt am GSAV (Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung), das voraussichtlich zum 1. Juli 2019 in Kraft tritt. Dort steht eindeutig beschrieben, zu welchem Zeitpunkt das E-Rezept realisiert und umgesetzt werden soll, nämlich genau 7 Monate später, ergo zum 01. Februar 2020. Der Februar entwickelt sich somit immer mehr zum Schreckensmonat der Apothekerschaft- 2019 Securpharm, 2020 das E-Rezept, 2021 dann vielleicht die Kettenapotheken? Wer weiß…

Doch warum haben die Apotheker Angst vor dem E-Rezept fragen sich die Nichteingeweihten? Haben sie Angst vor der Digitalisierung? Sind sie die Ewiggestrigen die sich hinter ihren HV-Tischen und Schubladen verstecken und am liebsten alles beim Alten lassen wollen? Mitnichten!

Ich kenne nur wenig Arbeitsplätze bei denen alles derart digitalisiert ist wie in den Apotheken. Ohne Computerkasse geht zunächst einmal überhaupt nichts. Nur durch sie kann der Wust aus Rabattverträgen und diversen anderen Verträgen zwischen Kassen, Herstellern, Patienten und Apotheken überhaupt gehandhabt werden. Die Waren lagern im Automaten, der sie nach chaotischem platzsparenden Prinzip einlagert und bei Bedarf wieder ausspuckt. Seine Bereinigung über diverse Listen errechnet der Computer. Bestellungen aus dem Tagesgeschäft laufen automatisiert über MSV3, die Ablage von Rechnungen über das ELO. Kommunikation im Team funktioniert nicht nur direkt sondern per App und Msil. Rückrufe verwalten wir über ApoSync, und so manche Fortbildung absolvieren wir als Webinar oder über Marpinion. Unsere Gehaltsabrechnung bekommen wir nicht mehr in die Hand gedrückt, die lagert elektronisch in der Cloud. Auch heute schon bestellt so mancher Kunde seine Medikamente per CallMyApo-App. Angst vor weiterer Digitalisierung bei unserer Arbeit haben wir nicht. Da ist es bei einigen Ärzten deutlich schlechter um die Digitalisierung bestellt als in den Apotheken, denn der Hauptübertragungskanal von schriftlichen Informationen aus der Praxis läuft immer noch per Fax.

Die meisten Patienten haben inzwischen ein Smartphone, und selbst die ältere Generation weiß mit Apps umzugehen. Dienste die E-Rezepte verarbeiten können werden wie Pilze aus dem Boden schießen und es wird sich wahrscheinlich mit vielen kleinen Anbietern verzettelt, während die Online Apotheken Morgenluft wittern. Man kann davon ausgehen, dass die Grünen aus Holland bereits die Eurozeichen in den Augrn stehen haben, denn sie haben ja bereits angefangen mit dem E-Rezept zu werben, weit bevor es tatsächlich verfügbar ist.

Sie profitieren davon auch am meisten, denn ihre Lieferzeiten werden sich dramatisch verkürzen wenn das Papierrezept nicht erst noch umständlich per Post eingeschickt werden muss bevor es verarbeitet werden kann. „Next day delivery“ ist somit kein allzu großes Hexenwerk mehr. Herr Oberhänsli (Chef von Zur Rose) ist sogar derart optimistisch, dass er einen Marktanteil von 10% für die Versender innerhalb der nächsten Jahre für realistisch hält. Zur Erinnerung: zur Zeit sind es 1,5%! Da Spahn angekündigt hatte den Anteil des Versandhandels am Apothekenmarkt unter 5% zu halten wird sich dann bald zeigen müssen, wie er sich das vorstellt.

Auch branchenfremde Medien berichten derzeit über die Auswirkungen die das E-Rezept auf den deutschen Apothekenmarkt haben wird. Im „Handelsblatt“ wird beispielsweise eine Studie der Unternehmensberatung Dr.Kaske zitiert, die für die Apotheken auf verheerende Folgen prophezeit:

Der Analyse zufolge könnte die Zahl der stationären Apotheken in Deutschland dagegen bis 2030 auf knapp 12.000 fallen. Laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) gab es Ende 2018 noch 19 423 Apotheken. Die Zahl ist seit Jahren rückläufig und liegt mittlerweile auf dem tiefsten Stand seit Mitte der 80er-Jahre.

Das ist der Grund warum gezittert wird auf der Seite der öffentlichen Apotheken. Da ist die Angst, dass nicht genug Werbung für die standeseigenen Übertragungsapps von DAV oder auch NOWEDA gemacht wird, und die Patienten sich den durch die massive Werbung bekannteren der grünen Holländer auf ihr Smartphone holen. Und doch: es wird durch die Hilfe der Apotheken weiter und schneller vorangetrieben, das E-Rezept-Projekt.

Hier darf auch nicht nachgelassen werden, denn die Versender nehmen den öffentlichen Apotheken sonst komplett die Butter vom Brot. In Hamburg gibt es zur Zeit einen ersten E-Rezept- Feldversuch der Techniker Krankenkasse mit ausgewählten Ärzten, einer ausgewählten Apotheke und der Technik der connected-health.eu GmbH und dem Software-Dienstleistungsunternehmen König IDV GmbH (von dem DocMorris-Mutterkonzern die Hälfte der Anteile hält). Für dieses Projekt ist sie sogar für den dfg-Award nominiert worden. In Baden-Württemberg wird ebenfalls vom Landesapothekerverband mitgemischt in Sachen E-Rezept.

Und das ist ist auch richtig und wichtig, damit sowohl die Medien als auch unsere Kunden sehen, dass die Apotheke vor Ort eben doch digital auf der Höhe ist. Es muss begriffen werden, dass sie willens und in der Lage dazu sind App-Bestellungen anzunehmen und noch am gleichen Tag auszuliefern. Der Kunde möchte gerne per Smartphone bestellen – soll er. Aber bitte vor Ort! Dazu brauchen die Apotheken einfach und intuitiv zu bedienende Technik, und weiterhin die Freundlichkeit und Flexibilität die sie auszeichnet.

Außerdem wird es unumgänglich sein die Arztpraxen mit ins Boot zu nehmen, bevor nolens volens die DoMo-App genutzt wird weil sie sicher schön einfach zu bedienen sein wird. Eine kleine Fortbildung der MFA durch die freundliche Apotheke von nebenan ist da sicher sinnvoll… uns wird dazu sicherlich etwas einfallen. Wir werden jedenfalls nicht aufhören um unseren Arbeitsplatz zu kämpfen – er ist es wert!

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