Entwicklung und Ausblicke

Ich hatte ja das ein- oder andere Mal erwähnt, dass ich inzwischen auch als Dozentin an einer PTA-Schule arbeite. Um dort als „ungelernte Kraft“ ohne Studium eine Existenzberechtigung zu erhalten, bin ich gerade dabei, mir ein Hochschulzertifikat zu erarbeiten. Das nennt sich „Pädagogische Zusatzqualifikation für Direkteinsteiger“. Um es zu erlangen ist eine zweieinhalbjährige Frist vorgesehen, während der ich mich mit vielen Stunden Schulwesen, Pädagogik Lehr- und Lernmethoden und anderen Dingen beschäftigen darf.

Es gibt einige Unterrichtsbeobachtungen von Kollegen, meiner Mentorin und der Schulleitung die nur abgezeichnet werden, ebenso wie benotete Unterrichtsbegleitungen durch den Lehrgangsleiter. Auch wird mich am Schluss das zuständige Regierungspräsidium nochmals besuchen und eine Note vergeben, die zusammen mit Hausarbeiten und meiner Mitarbeit während der Lehrgänge benotet wird. Es bleibt also spannend bei mir 🙂

So – damit ich euch mit einbeziehen kann (wenn ihr wollt) kommt hier eine meiner kleineren Aufgaben zum nächsten Kurswochenende:

Wir sollen uns dieses Precht- Video ansehen, und drei seiner Thesen notieren, die wir teilen können oder die unseren Widerspruch herausfordern.

Vielleicht mögt ihr mit mir schon mal hier darüber diskutieren (auch wenn es jetzt keinen pharmazeutischen Bezug hat)? Ich kenne wenigstens zwei meiner Leser, die hier bestimmt etwas antworten könnten 😉

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Die Pille

Einen wirklich interessanten Spielfilm mit wahren Wurzeln habe ich kürzlich im Ersten Programm gesehen. Man kann ihn auch noch in der Mediathek finden

Was wir wussten- Risiko Pille

Ich will nicht zu viel erzählen, aber was ich bemerkenswert fand, ist die Thematisierung der Werbung für Arzneimittel. Grundsätzlich darf für die Pille ja nicht geworben werden, aber das Produkt wird trotzdem – subtil aber nicht weniger aggressiv- über Influencer an die Konsumentinnen herangetragen.

Da gerade Jugendliche durch ihre Idole schnell beeinflussbar sind ist solche Werbung besonders gefährlich.

Ich halte mich hier auf dem Blog was Produkte angeht extrem bedeckt, und das wird auch so bleiben. Obwohl ich keine riesige „Anhängerschaft“ habe, fände ich es falsch, Arzneimittel oder auch andere Produkte anzupreisen. Das macht unglaubwürdig – oder was denkt ihr darüber? Das einzige was ich in dieser Richtung unternommen hatte, waren die „gesponserten“ Artikel zu meinem Lehrgang zur Tierheilpraktikerin.

Doch auch das habe ich vorher bei der Schule als Voraussetzung festgelegt, dass ich auch Dinge schreiben kann und darf, die mir nicht ganz positiv auffallen. Mit einigem Abstand betrachtet: sind euch die Berichte negativ in Erinnerung geblieben, oder war es ganz okay in neue Felder hineinblicken zu können? Ich habe wenigstens drei mal gehört, dass sich die betreffenden Personen aufgrund der Berichte entschlossen haben, selbst damit zu beginnen. Dass es geholfen hätte, Ängste zu nehmen. Das hat mich gefreut.

Ansonsten bin ich nicht abgetaucht, wie ednong mich heute gefragt hat, sondern irgendwie extrem „ausgebucht“, beschäftigt, im Gange. Es sind zur Zeit tatsächlich 5 „Baustellen“ zu bearbeiten, davon 4x wirklich Arbeit und 1x eine echte Baustelle zuhause. Da bin ich abends oft so erledigt, dass ich einfach im Bett einschlafe ohne vorher noch zu schreiben. Ich hoffe das ändert sich auch wieder 😉

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Kennen Sie Cochrane?

Da ich ohnehin nicht einschlafen kann hier einmal eine kleine Anekdote aus dem Apothekenalltag. Thema: Wertschätzung der Berufsgruppe PTA.

Eine Vertreterin (die Firma will ich lieber nicht nennen) wollte heute unbedingt den Chef sprechen. Da dieser nicht abkömmlich war nahm sie augenrollend mit mir Vorlieb.

„Sind sie Apothekerin?“

– Nein, ich bin PTA

„Dann sagt ihnen „Cochrane“ vermutlich nichts, habe ich Recht?“

Ich hätte sie am liebsten mitsamt ihrer Überheblichkeit an die frische Luft gesetzt. Natürlich sagt mir Cochrane etwas! Es ist einfach nervig, dass einem aufgrund des fehlenden Studiums auch gleich der IQ eines Tiefseeschwammes unterstellt wird.

Der Chef meinte, ich solle in so einem Fall das nächste Mal einfach fragen, was SIE eigentlich gelernt hat. Wahlweise wäre auch ein Lächeln und der Satz

„Na klar, Zefram Cochrane, der Erfinder des WARP- Antriebes“

angebracht gewesen 🙂

Ich wünsche mir häufiger einmal, schlagfertiger zu sein, aber heute hätte ich mich ganz besonders darüber gefreut eine passende Replik parat zu haben.

Lea und ich werden das in den nächsten Wochen vermehrt üben. Wer weiß, vielleicht hilft es ja!

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Ich hab den Blues…

Ich hab den Herbst-Blues so wie in jedem Jahr. Er macht mich seltsamerweise gleichzeitig antriebs- und rastlos.

Ich will mir die Decke über den Kopf ziehen und gleichzeitig aufräumen, denn ich rege mich über den Zustand meines Hauses auf.

Ich will mich dick und rund futtern und gleichzeitig schwimmen gehen.

Ich will vor dem Fernseher einschlafen und gleichzeitig 1000 Bücher lesen.

Ich will laut Musik hören und gleichzeitig Artikel schreiben oder für meinen Oberkurs die Kapselmethode B abändern.

Ich will alleine sein und in Gesellschaft der Menschen die ich von tiefstem Herzen leiden kann.

Ich will ein Eis essen und einen Glühwein dazu trinken.

Ich will am Strand liegen und Kürbissuppe essen.

Stattdessen mache ich gar nichts davon, und funktioniere. Gehe einkaufen. Hänge Wäsche auf, räume die Spülmaschine aus, sauge Staub und kümmere mich um die Tiere. Und denke darüber nach was ich gerne tun würde und nicht mache weil ich keine Zeit dafür habe.

Immerhin wird mir niemals langweilig – das ist doch auch schon was, oder?

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Nestbeschmutzer

Ich bin ganz sicher kein Nestbeschmutzer, aber gewisse Dinge in Zusammenhang mit meinem Arbeitsplatz in einer Öffentlichen Apotheke machen mir gerade zu schaffen.

Es geht um den Glukose-Fall in Köln. Klar – ich kenne nicht alle Fakten. Aber das was sich gerade herauskristallisiert ist für mich schon nicht mehr nur tragisch, es ist empörend! Eine junge Frau ist zusammen mit ihrem ungeborenen Kind verstorben, nachdem sie einen Glukose-Toleranztest der in der Heilig- Geist- Apotheke in Köln hergestellt wurde eingenommen hat. Für alle die das nicht kennen: während der Schwangerschaft wird zum Ausschluss eines Schwangerschaftsdiabetes ein Toleranztest durchgeführt. Dafür muss die zu testende Person eine Glukoselösung aus 75g Glukose in einem Glas Wasser einnehmen, und eine bestimmte Zeit warten bis über einen Bluttest ermittelt wird, wie schnell die Glukose abgebaut wird.

Diesen Test gibt es als Fertigarzneimittel. Warum dieser nicht genutzt wurde? Entweder weil er zu teuer ist (eine Rezeptur kostet ein paar Cent weniger, wenn sie nicht gerade einzeln bestellt wird) – was bedeutet, dass die junge Frau wegen unter 1,50€ sterben musste, weil es das der KrankenKasse nicht wert war. Oder weil der Fertigtest gerade nicht verfügbar war aufgrund der momentanen politisch mitverursachten Lieferengpässe. Das ist schon mal Skandal Nr.1!

Doch das für mich Schlimmste kommt erst noch. Offenbar wurde in dieser Apotheke Lidocainhydrochlorid versehentlich in ein Standgefäß für Glukose eingefüllt. DAS ist absolut UNDENKBAR für jeden, der sich auch nur halbwegs an die GMP-Regeln hält.

Wie bekannt wurde, hat die Person das Lokalanästhetikum Lidocainhydrochlorid – das rein optisch tatsächlich kaum von Glukose zu unterscheiden ist – einfach auf einen Rest Glukose der bereits im Gefäß vorhanden war „draufgekippt“. Geht’s noch??? Das ist selbst wenn es tatsächlich Glukose gewesen WÄRE eine Chargenmischung, die niemals nie nicht vorkommen darf. Wenn ich nach der Identitätsprüfung einfach meine frische Substanz auf den alten Rest draufpacke, dann bleibt dieser ja ewig im Vorratsbehälter. Wie will ich feststellen, wann der alte Wirkstoff verfällt? Das ist außerdem unhygienisch und wiederspricht so ziemlich allem, was man während der Ausbildung gelernt haben sollte. Das geht wirklich gar nicht!

Allgemein gilt schon die Nutzung von Standgefäßen als überholt, da bei jedem Umfüllungsvorgang Fehler passieren können – wie es hier ja auch eindrücklich geschehen ist. Außerdem wäre es schwierig, die Kennzeichnung immer aktuell zu halten. Da verbleibt das weiße Pulver besser in dem Gefäß, in das es die Industrie auch verpackt. Das ist auch hygienischer. Üblicherweise monieren die Pharmazieräte daher ein solches Vorgehen schon seit mindestens einem Jahrzehnt, und ich kenne keine Apotheke die das noch praktiziert.

Diese hier hat es getan. Warum? Was ist das für ein Apothekenleiter, der eine solch offensichtliche Fehlerquelle wie das Umfüllen von Ausgangsstoffen in Standgefäße noch praktizieren lässt? Vielleicht jemand, der von der Entwicklung im GMP-Bereich abgehängt wurde? Jemand, der nicht um die Gefahren weiß? Jemand der sich nie viel Gedanken um Lagerhaltung von Wirkstoffen gemacht hat?

Nein, denn – und jetzt kommt das für mich Schlimmste in diesem Fall – es war einer DER Vorzeigeapotheker, dem das niemals hätte passieren dürfen.

– Kontroll- und Herstellungsleiter?

– Dozent?

– QP in einem Zytostatikaherstellenden Betrieb?

– Mitglied der Arzneimittelkommission der Heilpraktiker?

Was waren denn dort seine Aufgaben?

Ach so? Lagerung und Vorratshaltung? Ich breche ins Essen!!!

Wenn IRGENDJEMAND also korrekt hätte arbeiten sollen, dann er. Wenn IRGENDJEMAND seine Mitarbeiter korrekt hätte anleiten sollen, dann er.

Und dann liest man noch in der Zeitung, er habe „keine Erklärung dafür, wie das passieren konnte“. Ich hätte da eine.

Dass ihm die drei Apotheken vorübergehend geschlossen wurden kann ich jetzt nachvollziehen, und mir fehlt jegliches Mitleid für ihn, sollte das tatsächlich so gelaufen sein, wie man das in der Berichterstattung hört. Er dementiert es jedenfalls nicht, daher gehe ich davon aus, dass sie richtig ist.

„Der Schuster trägt selbst die schlechtesten Schuhe“sagt man. Das mag ja noch angehen, aber der bestausgebildetste Apotheker sollte nicht die schludrigste Apotheke führen. Ich hoffe, dass hier nicht nur die herstellenden PTA (vermute ich) zur Rechenschaft gezogen werden!

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Frauen unter sich… plus Update

…sind nicht immer einfach. Ich habe inzwischen schmerzlich feststellen müssen, dass man mit vielen Geschlechtsgenossinnen zwar gut zusammen trauern und weinen, sich über kleine Alltagsfreuden freuen, sich über jemanden aufregen oder zusammen feiern kann.

Wenn es einem die Kinder, der Gatte, das Arbeitsumfeld schwer machen, wenn das Schicksal hart zuschlägt oder man einfach am Ende der Kräfte ist, dann sind sie zuverlässig da – und das ist auch schön, keine Frage.

Sollte man aber beruflich erfolgreich und stolz auf die geleistete Arbeit sein, dann ist es besser das alles still in sich hineinzufeiern. Bloß nicht drüber reden. Nur nichts zeigen, teilen, darüber sprechen. Das weckt den Neid, der auch in vermeintlich guten Bekanntschaften steckt. Echte Freundinnen halten das aus, nur kann man sie erst dann auch wirklich erkennen. Nicht nur wer mit dir leidet, wer sich zusätzlich noch mit dir freuen und auf dich stolz sein kann ist ein wahrer Freund. Und davon habe ich leider offensichtlich weniger im direkten Umfeld als ich dachte.

Mitleid bekommst du geschenkt, Neid musst du dir erarbeiten heißt es ja. Offenbar auch zurecht. Das ist schade.

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Bis hierher hatte ich meinen Beitrag gestern veröffentlicht, als ich heute früh von meiner Lieblingskollegin folgende Nachricht bekam:

„Hallo PTAchen (…) Auch ich bin neidisch. Neidisch darauf wie viel du leisten kannst. Neidisch mit welchem Spaß du alles angehst. Neidisch wie ausgeglichen du bist. Neidisch wie klar die Welt für dich ist.
Aber egal wie neidisch ich bin, es zeigt nur wie großartig du bist. Zieh die Kraft aus anderer Leute Neid.
Fühl dich ganz arg gedrückt. ☺“

Das hat mir erst mal ein paar Tränchen fließen lassen. Danke Dir!

Aber es hat mir auch gezeigt, dass ich mich nicht klar ausgedrückt habe. Neidisch bin ich sicherlich auch – wenn ich höre dass in meinem Bekanntenkreis jemand eine siebenstellige Abfindung für etwa 10 Jahre Arbeit erhalten hat zum Beispiel. Aber ich gönne es ihm trotzdem. Ich weiß auch wie viel er dafür leisten musste.

Also, ich hätte das auch gerne – gönne ihm das trotzdem. Das ist für mich nicht wirklich Neid. Das wäre wenn ich es lieber sehen würde, er hätte das nicht. Es ist das nicht-gönnen-können das ich so furchtbar finde. Da kann ich leider keine Kraft daraus ziehen, das finde ich nur armselig.

By the way: ich sehe mich selbst nicht wirklich als „großartig“ an. Ich kann viel leisten, das weiß ich seit ein paar Jahren. Das liegt daran, dass ich in der Lage bin die Aufgaben die das Leben oder die Arbeit an mich stellt nacheinander anzugehen, und mich nicht von der Gesamtheit überrollen zu lassen. Ich gliedere alles innerlich nach Dringlichkeit und bearbeite nur das (aber mit vollem Einsatz) was gerade am Wichtigsten ist. Alles andere kann ich währenddessen komplett vergessen.

Zusätzlich habe ich einen angeborenen inneren Frieden den man wohl Resilienz nennt. Das ist aber nicht mein Verdienst, das habe ich einfach so mitbekommen. Und ich hoffe wirklich, dass er mir nie verloren geht.

Großartig sind all die Menschen, die jeden Tag mit ihrer Welt kämpfen müssen und trotzdem immer wieder aufstehen liebe Kollegin. Ich habe Respekt vor DIR und deiner großartigen Leistung. Fühl Dich ebenfalls gedrückt – bis ganz bald!

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Ich könnte platzen…

Es gibt so tolle Produkte zur Wundheilung heutzutage. Gele die sogar bei MRSA eingesetzt werden können, die mit feuchter Wundheilung arbeiten, antibakteriell wirksam sind und die Schmerzen nehmen.

Es gibt auch Sprays die nicht brennen und eine tolle Wirkung gegen Krankheitserreger aufweisen. Die vom Robert Koch Institut empfohlen werden und die man guten Gewissens empfehlen kann.

Alles Dinge, die den Kunden glücklich machen, die Krankheitsdauer verkürzen und das Leben erleichtern.

Und dann gibt es Ärzte, die einem nachdem ein Zehennagel entfernt werden musste dazu raten, die Wunde mit Kamillentee zu spülen.

MIT KAMILLENTEE!!!

Das muss man sich mal vorstellen! Der ist per se schon mal nicht keimfrei, steht womöglich beim Kunden stundenlang herum bevor er benutzt wird und enthält zu allem Überfluss noch klitzekleine Härchen, die sich in die Wunde setzen und reizen.

Dass jetzt der Zeh heiß, dick geschwollen und knallrot ist war abzusehen. Kein Fall mehr für die Selbstmedikation. Nur wo hin mit dem armen Kunden? Zum Arzt sollte man ihn offensichtlich besser nicht schicken…

Manchmal könnte ich echt platzen. Das war definitiv unnötig!

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