Antikorruptionsgesetz?

Wenn Vertreter von Firmen bei uns vorbei kamen hatten sie bis zum letzten Jahr immer etwas fürs Personal dabei. Meistens waren das Produktproben von Kosmetika, oder kleine Packungen mit dem Aufdruck „Zur Erprobung – keine Verkaufsware“ damit wir z.B. Hustensäfte oder Augentropfen einmal selbst austesten, bevor wir sie empfehlen. Manchmal hatte der Pharmareferent auch Modeschmuckanhänger dabei, eine kleine Packung Pralinen oder eine Flasche Sekt. Auch verbreitet war die „Vernichtung“ abgelaufener Ware durch das Apothekenpersonal, sprich der Hersteller vergütet die verfallenen Produkte, und wir durften die Cremes, Duschgele oder Masken unter uns aufteilen. Das war ja alles (meistens) noch völlig in Ordnung, und trug tatsächlich öfter einmal zur Empfehlung an die Kunden bei. Etwas das man selbst benutzt und für gut befunden hat ist immer besser zu verkaufen als die „Katze im Sack“. Das ist nun vorbei. Auch die Praxis so mancher Firma, uns die Ware zu ersetzen die wir selbst gebraucht haben (Lutschtabletten gegen Halsschmerzen, Schleimlöser oder Hustensäfte) gehört der Vergangenheit an. Doch wieso? Angeblich sei das Antikorruptionsgesetz aus dem letzten Jahr daran schuld, dass diese kleinen Zuwendungen wegfallen. Dieses Gesetz soll ja auch angeblich der Grund gewesen sein, warum ein Schaufenster- Dekowetttbewerb letztes Jahr abgesagt wurde (nachdem zahlreiche Apotheken lange dekoriert hatten). Doch stimmt das auch so? Lassen wir uns durch Produktproben, abgelaufene Kosmetika oder zwei Pralinen wirklich bestechen? Wenn der Vertreter der Firma X uns einen Labello geschenkt hat, waren wir dann käuflich? Fakt ist, dass manche Pharmareferenten alles wie gehabt weiter laufen lassen, und andere mir achselzuckend am Ende des Gespräches ein Netz Orangen aushändigen. „Das Antikorruptionsgesetz… sie verstehen das sicher.“ Grundsätzlich würde ich das – wenn das alle Firmen so handhaben würden. Läuft das bei euch auch so?

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Kontrahierungszwang

Heute morgen hatte ich eine Rezeptur auf die ich quasi schon gewartet hatte. Als ich kürzlich über die Unsäglichkeiten bei der Abrechnung von Teerezepturen schrieb gab es ja viele gute Ratschläge bezüglich der Abrechnung. Wir haben das im Übrigen mit Frau Heilesegen auch genau so praktiziert: sie zahlt die Teesorten die wir ausschließlich für sie selbst brauchen können voll, und nimmt die Anbrüche mit nach Hause. Benötigt sie diese irgendwann in anderen Teemischungen wieder, so bringt sie diese von Zuhause mit und bekommt sie nicht noch einmal berechnet. So weit so klar – aber was mache ich mit den Krankenkassen wenn ich eine Rezeptur auf Rezept habe? Es kommt immer wieder einmal vor, dass wir eine Creme herstellen die Neomycinsulfat enthält. Ich benötige davon pro Rezeptur meistens 0.02g, eingekauft habe ich immer 1g Substanz über den Großhandel. Die Hälfte davon verfällt uns regelmäßig und wir müssen sie entsorgen. Bei einem Aufschlag von 90% auf die in einer Rezeptur verwendeten Substanzen habe ich also schon im Normalfall ein leichtes Minusgeschäft. Heute kam es nun dazu, dass der Großhandel sogar nur 5g liefern konnte, und ich also höchstwahrscheinlich 90% der Substanz irgendwann in die Tonne kloppen kann. Außerdem hat sich der Preis von Neomycinsulfat in eine für Apotheken ungünstige Richtung verschoben. Der Einkaufspreis liegt nämlich deutlich über dem abrechenbaren Preis in der Taxe, an den ich in diesem Fall aber gebunden bin. Diese Mehrkosten darf ich den Kassen nicht berechnen, und auch nicht dem Patienten. Hat jemand dazu auch eine Idee? Ich empfinde diese Situation nämlich als äußerst unbefriedigend, etwas herzustellen, Zeit und Sorgfalt dafür aufzubringen und am Schluss auch noch draufzulegen.

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„Please Mr. Postman…

… look and see. In your bag is a postcard from DocMorris for me…“

Okay, okay, das haben die Beatles irgendwie anders gesungen, ich weiß. Ist aber das, was demnächst diverse CDU Abgeordnete singen werden. Das Schweizer Unternehmen „Zur Rose“, das DocMorris aufgekauft hat, und unterstützt mit arabischem Geld von den Niederlanden aus Arzneimittel nach Deutschland verkauft, hat eine neue Idee umgesetzt. Warum nicht all die schönen Kundendaten nutzen, um eine Rundmail an alle zu versenden, die dort schon einmal eingekauft haben. Dort werden die Besteller aufgefordert, DocMorris mit ein paar kleinen Mausklics zu erlauben, in ihrem Namen den zuständigen CDU Abgeordneten eine Postkarte zu schicken. Den Inhalt kann man sich denken: der Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten aus dem Ausland soll erhalten bleiben. Warum eigentlich nur an die CDU Abgeordneten fragt man sich? Offenbar sind sich die AG Chefs sicher, die SPD und die Grünen bereits im Sack zu haben… das gibt zu denken. Da fängt die Woche schon wieder richtig gut an wenn man sowas liest. Was sich mir immer noch nicht wirklich erschließt ist die Frage, warum die Arbeiterpartei sich lieber vor den Karren einer ausländischen AG spannen lässt, als hierzulande kleine und mittelständische Betriebe zu unterstützen, die vor allem Frauen mit Familien wohnortnah beschäftigt. Mein Chef meint, dass das nun mal politisch so gewollt ist. Lieber soll ein Großkonzern die Arbeit machen, da dieser von der Politik besser steuerbar ist als viele kleine Unternehmen ohne Aufsichtsrat etc. Trotzdem hätte ich von der SPD irgendwie mehr erwartet. Wählbar sind die für mich so jedenfalls nicht – und Apothekenkunden werde ich sicherlich ähnliches erzählen wenn man mich fragt…

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Servicewüste

Eine Frau mittleren Alters betritt die riesige Cityapotheke. An der Hand hat sie ein Kind von etwa 3 Jahren. Sie stellt sich vor die langen Regale mit Kosmetika und scheint etwas Spezielles zu suchen. Offenbar findet sie es nicht, denn nachdem alles durchgesehen ist steht sie immer noch wie verloren herum. Das Kind an der Hand wird ungeduldig und beginnt zu quengeln und zu ziehen. In der Apotheke ist viel los, an den Kassen stehen überall Kunden, doch hin und wieder sieht die Frau eine PKA, die die Regale auffüllt. Sie geht zielstrebig auf die Angestellte zu

Entschuldigung… Können Sie mir vielleicht helfen?

„Das geht gerade nicht, ich muss noch ans Telefon. Warten Sie, ich hole ihnen eine Kollegin.“

Die Frau mit dem Kind wartet. Der kleine Junge ist gelangweilt, müde und will nur noch raus. Die Mutter bemüht sich, ihn zu beschäftigen bis eine PKA sich um sie kümmert. Es kommt aber niemand. Fünf Minuten später sieht sie die Angestellte die ans Telefon musste in der Sichtwahl etwas auffüllen. Sie winkt:

Hallo! Ich warte hier immer noch!

„Oh! Ich hatte Sie ganz vergessen. Was wollen Sie denn?“

Ich suche eine ganz spezielle Körpercreme für einen Mann. Es soll ein Geschenk sein – aber ich kann sie in den Regalen nicht finden.

„Sind Sie sicher dass wir die auch führen?“

Ja… Zumindest ihre Kollegin war sicher. Ich hatte extra angerufen und gefragt. Die Creme heißt xx von der Firma yy

„Ja, hab ich schon gehört. Haben Sie richtig gesucht?“

„Ich denke schon…“

„Moment…“

Die PKA schweift mit ihrem Blick lustlos über das Sortiment, während das Kind der Kundin an deren Mantel zerrt.

„Ich seh da nix.“

„Aber ich hatte extra angerufen. Vielleicht haben Sie es ja noch irgendwo im Lager hinten…?“

„Wenn hier nichts steht ist auch hinten nichts mehr. Vielleicht ist die Creme ja in einer Filiale von uns? Wir sind vier Apotheken im Verbund. Wer da noch wo was hat weiß keiner so genau. Das steht nicht im Computer.“

„Ach Mensch… Was mach ich denn jetzt? Ich brauche die Creme morgen. Ich hatte mich darauf verlassen dass ich sie hier finde nach dem Telefongespräch. Sind die Filialen denn weit weg?“

„Na… So 20km etwa weg. Aber in welcher es die jetzt gibt? Keine Ahnung.“

Die Frau blickt unglücklich auf ihr Kind herunter

„Mama… Ich will jetzt raus hier. Ich hab Hunger.“

„Ach Mist… Können Sie mir denn vielleicht eine andere Körpercreme empfehlen? Sie soll für einen älteren Herren sein der keine Parfumstoffe verträgt.“

„Puuh… Da bin ich echt überfragt. Gucken Sie sich am besten alles nochmal durch. Hinten auf der Schachtel steht ja drauf was drinnen ist.“

Die PKA lässt die Frau mit dem genervten Kind stehen, dreht sich um und verschwindet hinter den Kulissen. Kann sich hier keiner vorstellen von einer Apotheke? Ich auch nicht. Die Frau war ich gestern und die Apotheke das To*s * us. Die Körpercreme war das Spiel „Da ist der Wurm drin“ das ich als Geburtstagsgeschenk für einen Dreijährigen besorgen wollte. Servicewüste wohin man blickt… nur nicht in der Apotheke. Übrigens habe ich bewusst die PKA mit der Kosmetik als Beispiel bemüht und nicht eine PTA mit Arzneimitteln genommen. Sonst hätte ich vielleicht die Erklärung bekommen, dass die Verkäuferinnen nicht besonders viel verdienen und daher eventuell weniger bemüht sind als wir PTA. Das Argument zieht bei den kaufmännischen Angestellten einer Apotheke allerdings nicht, und ich habe noch niemals auch nur eine einzige erlebt, die derart wenig Interesse für ihr Sortiment oder die Kundschaft an den Tag legt!

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Neue Regelungen 2017 – Teil 2

Ebenfalls neu ist in diesem Jahr die aktualisierte Chemikalien Verbots Verordnung. Seit Ende Januar dürfen wir Apotheken den Jägern unter unseren Kunden beispielsweise keine Wasserstoffperoxidlösung mehr über 12% verkaufen. Wenn sie also zukünftig Geweihe oder Schädel bleichen wollen müssen sie sich vertrauensvoll an ihren e**y Händler halten, der da beim Verkauf der 30% igen Lösung schreibt:

 Ebay Kontrolle: Achtung! Dieses Produkt darf (!!) in der angebenen Menge und unter Erfüllung der geforderten Voraussetzungen mit der Deutschen Post verschickt werden! Bitte nicht löschen! 

Sie bieten auf 1 Liter 35% Wasserstoffperoxid (H2O2), technische Qualität, aus deutscher Herstellung. 

BITTE GENAU LESEN:

Wg. der EU Verordnung zum Verkauf von Ausgangsstoffen zur Sprengstoffherstellung ist hier eine Registrierung erforderlich.. 
Bitte senden Sie nach Kauf die Kopie Ihres Personalausweises sowie Ihre ausgefüllte EVE an uns zurück:

Endverbleibserklärung „EVE“

Hiermit erklärt der Käufer / Kunde, dass er folgende Chemikalie(n)

über den ***-shop – online-shop der *** GmbH

mit seiner Bestellung erworben hat:

Wasserstoffperoxid:         Menge in Liter:      

______

Der Käufer / Kunde bestätigt außerdem:

a) dass er über 18 Jahre alt ist,

b) dass er das Gefahrenpotential der Chemikalie(n) kennt,

c) dass er die ordnungsgemäße Handhabung der Chemikalie(n) beachtet,

d) dass er die bezogenen Stoffe nicht an andere Personen, insbesondere an Minderjährige abgeben wird,

e) dass er die oben erworbenen Artikel nicht zur Drogen – oder Sprengstoffherstellung verwenden wird.

Das gelieferte Produkt wird verwendet für (genauen Verwendungs-zweck eintragen):

Super Sache das, findet ihr nicht auch? So weit so gut. Was ist noch neu? Kaliumpermanganat, Kaliumnitrat, Natriumnitrat und Ammoniumnitrat dürfen bis Dezember 2018 abgegeben werden, insofern der Erwerber die oben erwähnte EVE ausfüllt und einen sinnvollen Grund für die benötigten Stoffe nennt. Kaliumpermanganat ist nämlich nicht nur bei der Verhinderung der Verpilzungen der Bewohner von Fischteichen nötig, sondern auch zur Herstellung von diversen Sprengstoffen. Das alles dürfen wir Apothekenangestellten abgeben, insofern wir alle 6 Jahre nach dem letzten Erwerb der Sachkunde auf diesem Gebiet eine neue Fortbildung zu dem Thema besuchen. (Gilt das eigentlich auch für die e**y Verkäufer…?). Bei den meisten von uns war das wohl der Erwerb der Berufsurkunde. Doch keine Sorge, da gilt eine Übergangsfrist bis Juni 2019 – wir dürfen also NOCH alle diese brisanten Chemikalien an die Endverbraucher aushändigen. In den nächsten 2 Jahren werden also die Fortbildungsveranstaltungen zum Thema „Erhalt der Sachkunde für weitere sechs Jahre“ boomen – oder die Zahl der Apotheken die Chemielehrer mit Material aushelfen können wird drastisch sinken. Hauptsache es wird nicht langweilig, ne?

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Ptachen Inkasso

Heute nachmittag war es etwas ruhiger, daher hatte ich Zeit unser Schuldenbuch zu durchforsten. Die meisten Rechnungen waren zum Glück schon beglichen, aber den ein- oder anderen Fund macht man (leider) immer. So auch heute: Herr Y. hatte vor 8 Wochen Kompressionsstrümpfe bestellt und abgeholt (die Maße wie immer) und versprochen ein Rezept nachzubringen. Hat er aber bis heute nicht. Um die Angelegenheit nicht völlig aus den Augen zu verlieren rief ich ihn an, und ich ahnte schon, dass es eine schwere Geburt werden würde.

„Y., Hallo?“

„Guten Abend Herr Y. Ptachen aus der Vorstadtapotheke hier. Ich rufe wegen den Kompressionsstrümpfen an, die sie vor zwei Monaten bei uns abgeholt haben.“

„Ja?“

„Uns fehlt noch immer das Rezept zum abrechnen Herr Y. Ich bitte Sie uns bis Ende des Monats das Rezept zu besorgen, andernfalls würde ich Ihnen eine Rechnung über 70€ ausstellen.“

„Moment. Ich zeichne unser Gespräch ab jetzt auf.“

„Das können Sie gerne machen.“

„Sie wollen also ein Rezept von mir haben über die Strümpfe, ja?“

„Ja, das wäre die eine Variante. Ich kann sie aber auch in Rechnung stellen.“

„Sie wollen ernsthaft jetzt von mir Geld haben? Nach all der Zeit?“

„Ja.“

„Wie stellen Sie sich das denn jetzt vor? Soll ich die 70€ überweisen?“

„Das können Sie gerne tun.“

„Das könnte ihnen so passen! Ich verstehe überhaupt nicht warum sie bei mir anrufen deswegen!“

„Nun – ich habe es vorher bei ihrem Hausarzt versucht, aber der sagte mir, dass sie in diesem Jahr noch nicht bei ihm gewesen sind, und somit konnte er auch ihre Versichertenkarte noch nicht einlesen. Ein Rezept kann er aber erst ausstellen wenn er das vorliegen hatte.“

„Ich verstehe die Worte die sie sagen, aber sie ergeben überhaupt keinen Sinn für mich!“

„Was genau ist denn so unverständlich Herr Y.?“

„Ich hole meine Medikamente immer bei ihnen.“

„Ja…?“

„Und jetzt wollen Sie auf einmal Geld von mir? Warum haben Sie mir die Strümpfe denn gegeben, wenn sie noch kein Rezept hatten? Das frage ich mich doch!“

„Weil wir darauf vertraut haben, dass Sie ihr Wort halten und die Verschreibung nachbringen.“

„Also ich sehe da Fehler auf beiden Seiten. Wie kommen wir da jetzt zusammen?“

„Indem Sie mir entweder ein Rezept über die Kompressionsstrümpfe besorgen oder den Betrag bezahlen.“

„Das heißt ich hab jetzt alleine den schwarzen Peter oder was? Ich bezahl doch kein Taxi für 40€ nur um die blöde Karte zum Arzt zu bringen. Wenn der Idiot da kein Rezept ausstellen will bin doch wohl ich nicht schuld Mädchen. Das musst du doch verstehen können!“

„Herr Y. ein „Mädchen“ bin ich schon eine ganze Zeit lang nicht mehr.“

„Wenn Sie so weiter machen muss ich mal mit ihrem Chef Tacheles reden!“

„Gerne. Ich gebe sie mal weiter.“

Mit dem guten Gefühl, dass mein Chef mir in der Sache niemals in den Rücken fallen würde gab ich den Hörer weiter – und so war es auch. Das Ende vom Lied ist noch nicht gesungen, aber Herr Y. wird von uns ganz sicher nie mehr auch nur 1€ gestundet bekommen. Das fand ich nämlich mit das unverschämteste: uns quasi die Schuld daran zu geben, dass er etwas bekommen hat ohne gleich zu bezahlen. Da wir uns untereinander aber einig waren, und niemand durch die fordernde Art des Herrn Y. „eingeknickt“ war konnten wir sogar am Schluss des Tages darüber lachen. Wie man nach Feierabend aus der Tür geht hängt maßgeblich damit zusammen wie man sich versteht, und nicht unbedingt wie „nett“ die Kunden wieder mal waren…

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Wie soll man das erklären…

Manche Dinge sind schwer zu erklären – wie auch, wenn man selbst dahinter kaum einen Sinn erkennen kann? Heute war es zum Beispiel eine Verordnung über Calcium Brausetabletten der roten Firma mit den zwei Buchstaben. Als wir das Rezept bedrucken wollten leuchtete uns dick und fett die Nachricht „Nichtarzneimittel, nicht verordnungsfähig“ vom Bildschirm entgegen. Seltsam, bisher ging das doch immer… Wir haben nämlich Brausetabletten mit genau der gleichen Zusammensetzung von der blauen Firma mit den fünf Buchstaben da, und da hatten wir bisher keine Probleme. Tatsächlich – gibt man probehalber die andere PZN ein, so ist die Übernahme ohne Schwierigkeiten machbar. Das liegt daran, dass die rote Firma keine Zulassung zum Arzneimittel für ihr Produkt beantragt hat (wahrscheinlich zu teuer) und es als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, die blaue Firma hingegen Forschung und Gelder in die Zulassung gesteckt hat und daher auf Kassenrezept verordnet werden darf. Oft hat sogar eine einzige Firma zwei identische Produkte auf dem Markt – eines für die Verschreibungen, und eines zum selbst bezahlen. Voltaren Schmerzgel und Voltaren Emulgel zum Beispiel, oder Laif 900 Balance und Laif 900. Andere Verpackung, gleicher Inhalt, einmal apothekenpflichtig und einmal verschreibungspflichtig. Nur – was mache ich jetzt mit meinem Calcium Kunden? Er hat gleich kundgetan, dass er das der roten Firma keinesfalls selbst bezahlen möchte, und nicht versteht, warum wir nicht die Brausetabletten der blauen Firma stattdessen abrechnen können. Also gab es wieder einen Anruf in der Praxis, die das Problem ebenfalls nicht begreifen, aber uns ein neues Rezept versprechen. Warum ist es nur manchmal so kompliziert in der Apotheke?

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