Harte Worte

Den Kommentar der Overather Apothekerin Irene Arntz lasse ich einmal weitgehend unkommentiert. Er spricht für sich selbst…

(Gefunden in der neuesten Ausgabe der „Die erfolgreiche Apotheke“ 09-2020)

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Anspruchsdenken

Jetzt nach dem Ende der Sommerferien ist bei uns in der Vorstadt auch der „Hausarzt für alle Fälle“ in den wohlverdienten Urlaub gegangen. Ob er nun weggefahren/geflogen ist entzieht sich meiner Kenntnis, aber er hinterlässt ein Trümmerfeld könnte man meinen.

Seit Montag kommt ein Kunde nach dem anderen herein, dem die Medikamente ausgegangen sind. Die (für mich wenigstens) normale Alternative wenn der Hausarzt im Urlaub ist wäre die, damit zur offiziellen Vertretung zu gehen. Für viele Kunden scheint das undenkbar zu sein.

„Was? Nee, ich fahre doch nicht noch drei Stationen mit dem Bus weiter!“

„Ich kann die Frau nicht leiden, da gehe ich nicht hin“

„Die kenne ich doch gar nicht, was soll ich denn da sagen?“

„Jetzt stellen Sie sich mal nicht so an!“

Und bei was sollen wir uns nicht so anstellen? Genau, bei der Herausgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten ohne Rezept.

„Ich komme seit 60 Jahren zu Ihnen, da können Sie doch mal eine Ausnahme machen!“

„Ich brauche die aber. Wenn ich jetzt sterbe sind Sie schuld!“

„Jetzt bin ich aber sehr enttäuscht von Ihnen. SEHR enttäuscht!“

„Sie WOLLEN mich nicht verstehen!

„Was machen Sie sich? Strafbar? Ich besuche Sie dann im Knast. Und jetzt geben Sie mir die Tabletten!“

Es macht auch mir keine Freude „nein“ zu sagen. Und nein, ich erfreue mich auch nicht an der „Machtposition die ich ausspielen kann“. Ich.Darf.Es.Nicht!

Das alles erinnert mich fatal an Tollabea und ihr Lamento, dass sie ihre „Pille“ nirgends ohne Rezept erhalten hat, nachdem sie es nicht auf die Reihe bekommen hatte, sich rechtzeitig darum zu kümmern.

Kann mir einmal jemand sagen, seit wann die eigene Dusseligkeit es rechtfertig, andere für die daraus resultierenden Probleme verantwortlich zu machen? Man kann sicherlich einfach mal in Unkenntnis der rechtlichen Situation anfragen. Aber wenn die Antwort ein „Sorry, aber ich darf es nicht“ ist, dann hat man das auch zu akzeptieren.

Dasselbe ist es, wenn Kunden in die Apotheke kommen, Dinge haben wollen, sie einpacken und dann sagen „Zahle ich demnächst irgendwann, ich habe gerade das Portemonnaie nicht dabei“. Das macht man einfach nicht. Man fragt VOR DEM KAUF, ob es ok ist, wenn man erst später bezahlt, nicht erst wenn die Ware schon eingesackt wurde.

Höflichkeit und Anstand bleiben immer mehr auf der Strecke, während der Egoismus und ein Anspruchsdenken um sich greift, das es in diesem Ausmaß früher gefühlt nicht gab. Wie empfindet ihr das? Beobachte nur ich diese Tendenzen?

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Ein weißes Haar…

…ein graues Haar – wieder geht ein Jahr… singt Hartmut Engler von PUR. Ja. Weiße Haare sind so ein Thema, das langsam eine gewisse Aufmerksamkeit von mir verlangt.

Warum eigentlich? Mit über 40 ist es ja eigentlich normal, dass sich das ein- oder andere weiße Haar auf dem „weisen Haupt“ blicken lässt. Bei Männern sieht das unverschämterweise auch häufig noch gut aus. Frauen wirken dann für viele nur noch „unfuckable“. Blöder Ausdruck. Ist aber oft so.

Der neue Trend zur grau gefärbten Mähne bei jungen Damen hilft da vielleicht ein wenig, ich empfinde den Anblick einer ergrauten Zwanzigjährigen aber noch immer als seltsam und irgendwie befremdlich.

Was soll ich nun mit meinen Haaren tun, nun da sich punktuell die weißen Haare zeigen? Färben? Nö. Aus vierlerlei Gründen. Einmal zerstört die Chemie sicherlich meine Haarstruktur, denn ich habe eher feines und sehr langes Haar. Dann bin ich bestimmt zu faul um ständig nachzufärben und hätte sicher dauernd einen herausgewachsenen grauen Scheitel, was das Ausmaß meiner Nachlässigkeit auch noch öffentlich sichtbar machen würde.

Und dann ist da noch das Negativbeispiel so vieler alter Frauen, die noch mit 80 Jahren mit pechschwarzen, leuchtend roten oder platinblonden Haaren herumlaufen und – Entschuldigung – einfach nur noch lächerlich damit aussehen. Männer sehen im übrigen genau so lächerlich aus, wenn sie sich im hohen Alter die Haare färben, aber davon gibt es weniger.

Also? Ausrupfen? Dann wäre ich irgendwann kahl, das ist auch keine Lösung.

Ich werde also versuchen, in Würde zu altern, und die weißen Haare so zu betrachten, wie der Schriftsteller Salim Alafenisch (oder war es Rafik Schami?) sie gesehen hat: als Sterne am Himmelszelt.

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Apothekensongs Teil 5

Ein neuer singender Apotheker hatte bei YouTube Premiere: Stefan Torke mit seinem Song

„Nur noch mal kurz“

Ich finde immer, es verdient Respekt wenn sich jemand der das nicht „gelernt“ hat irgendwo singt. Noch dazu finde ich, dass sich die Apotheker grundsätzlich mehr in die Öffentlichkeit trauen sollten.

Also: „Hut ab, Stefan Torke“. Klickt mal rein!

Passend dazu hatte ich schon andere Apothekensongs zum Thema:

The best pharmaceutical song“

Die ersten Songs…

Urologen können auch singen“

Tanz der Apotheke“

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Unbezahlbar

Wenn die Kollegin beim verlassen der Apotheke am Feierabend sagt:

„So… jetzt muss ich erst mal runterkommen bevor ich nach Hause fahre. Ich kann ja nicht jeden Tag breit grinsend und kichernd durch die Tür kommen! Mein Freund glaubt mir langsam nicht mehr, dass ich hier auch wirklich arbeite! …und dass wir uns immer so auf den Freitag nachmittag freuen ist ja auch irgendwie nicht normal.“

Das ist doch unbezahlbar, oder?

(Und wir arbeiten WIRKLICH und auch durchaus ernsthaft, nicht dass der Eindruck entsteht wir würden nur Blödsinn machen! Wir versuchen tatsächlich für unsere Kunden und die Apotheke das Beste zu geben – aber mit Humor und Späßen zwischendurch)

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Corona-Macken

Nachdem ich den neuesten Beitrag von Florian Giermann in seinem Blog „Das Edikt von Cupertino“ gelesen habe, habe ich mich ein wenig selbst erkannt. Ich bin auch nicht frei von „Corona-Macken“.

Zunächst einmal habe ich auch tatsächlich Probleme mit körperlicher Nähe bekommen. Ich finde es noch schlimmer als sonst schon, wenn mir jemand Fremdes zu nahe kommt. Wie oft würde ich gerne den Satz aus „Dirty Dancing“ sagen: „Das da ist MEIN Tanzbereich“. Besonders beim Einkaufen. Aber auch wenn nur ein Lieferant in der Apotheke quasi zu nahe tritt. Das hat mich früher nie gestört (unsere Apotheke ist ziemlich eng im Backoffice-Bereich), inzwischen will ich einfach nur, dass Fremde da schnell wieder rausgehen.

Auf der anderen Seite empfinde ich es als angenehm, dass nun niemand mehr erwartet, dass ich ihn zur Begrüßung umarme oder auf die Wange küsse. Das mochte ich „früher“ schon nicht, und fühle mich in dieser Hinsicht schon beinahe befreit.

Die nächste Corona-Macke: mein erster Blick fällt in der Apotheke auf das Gesicht des Kunden. Trägt er/sie eine Maske? Falls nicht wird er umgehend nach draußen geschickt. Bin ich einmal zum auffüllen der Ware im Freiwahlbereich, dann sprinte ich immer schnell hinter unsere Plexiglasscheibe wenn jemand die Apotheke betritt. Ich glaube, dass ich beides nicht so schnell ablegen kann, wenn die Pandemie-Einschränkungen einmal vorbei sind.

Was besser geworden ist: ich checke nun nicht mehr täglich die „Worldometer-Corona-Statistik„. Ich versuche auch, mich nicht mehr täglich auf die Waage zu stellen 😉

Interessanterweise fehlt mir trotz meiner immer da gewesenen Scheu „fremde“ Menschen zu berühren das tanzen. Ein ehemaliger Tanzfreund schrieb bei Facebook als ein Erinnerungsfoto aufpoppte, er könne „schreien vor Entzugserscheinungen“. Da ist mir erst aufgegangen, wie sehr ich es vermisse.

Das ist jedenfalls das erste, was ich tun werde, sobald eine Impfung verfügbar ist. Mich impfen lassen, und dann ab zum tanzen. Dass es dazu erst eine Pandemie braucht… So lange tanze ich eben für mich, wann immer sich eine Gelegenheit ergibt.

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Überall Verschwörungstheorien

Na? Gehört ihr auch zu den „Schlafschafen“, so wie die Mitarbeiter der Vorstadtapotheke?

Gut, denn dann könnt ihr vielleicht ein wenig über unsere Frühstücksplaudereien lachen 🙂

Einige (zum Glück wenige) Bekannte aus unserer Facebook-Welt haben damit begonnen, täglich die irrsten Verschwörungstheorien zu teilen und zu posten. Unter anderem, dass der Corona-Test die Blut-Hirn- Schranke zerstört, und dann auch direkt ein Chip implantiert wird, über den die Menschen unter Kontrolle gebracht werden können.

Da dieser jedoch viel Strom braucht, muss er immer wieder per Induktion aufgeladen werden, was über die Diebstahlsicherungen im Kassenbereich von Supermärkten funktioniere. Diese Aufladegeräte seien außerdem in in die Tische der Restaurants eingebaut worden. Da das aber relativ lange dauert, mussten die Restaurants zunächst alle schließen, und dann mit einer geringeren Tischeanzahl auskommen.

Merkt ihr was? Ja? Corona ist also nur ein Vorwand gwesen um uns unter Kontrolle zu bringen!!!

Da uns nicht danach ist ob solcher kruden Thesen immer wieder die *Kopf/Tischkante*- Methode zu testen, haben wir lieber gelacht, und uns folgendes Szenario ausgedacht:

Bergen nimmt 3 Brausetraubenzucker- Bonbons in den Mund und lässt die Blasen leicht hervorquellen während sie sich leeren Blickes von mir in den Supermarkt ziehen lässt. Ich stelle sie zwischen den Diebstahlsicherungen der Kasse ab, benachrichtige die Kassiererin, dass der Chip meiner Freundin leer ist und aufgeladen werden muss („wissen sie – sie wurde getestet“), lasse sie dort stehen und gehe einkaufen.

Es ist so furchtbar, dass offenbar doch der ein- oder andere einen solchen Bockmist glaubt. Es ist eigentlich unfassbar.

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Kinder, Kinder…

Da das „Apothekentheater“ eher kein Mamablog ist, verschone ich Euch normalerweise mit Geschichten aus der Familie. Heute will ich aber doch zwei morgendliche Begebenheiten mit meinem Sohn im Schulanfängeralter erzählen.

Morgendliche Routine: ich stelle mich auf die Waage.

Sohn ruft noch schlaftrunken aus dem Bett: „Wieviel wiegst du denn?“

Ich: „Ääääh… naja… so ganz zufrieden bin ich nicht.“

Sohn: „Aber Papa wiegt mehr, oder?“

Ich: „Ja“

Sohn: „Na dann… dann musst du dir darüber ja nicht dein kleines Köpfchen zerbrechen!“

Dreht sich um und schläft weiter. Ich hab mich innerlich weggeschmissen vor lachen.

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Situation 2: wir beide auf dem Weg in den Kindergarten. Von weitem sehe ich auf einem ungenutzten Parkplatz vermeintlich 3 Schafgarben stehen. Ich (stolz dem Kind die Botanik näher zu bringen)

„Schau mal da! Weißt du, was das für eine Pflanze ist da drüben?“

Sohn: „Nein Mama. Das ist KEINE Schafgarbe, das ist Wilde Möhre.“

Wir komnen näher. Verdammt, er hat Recht. Verdammt woher wusste er, dass ich dachte das wäre Schafgarbe? Verzweifelt versuche ich noch etwas Würde zu retten:

„Und wenn du so eine Pflanze siehst, die gaaanz groß gewachsen ist, dann darfst du da nicht zu nahe rangehen weil…“

Sohn (verdreht die Augen): „…weil das dann Riesen Bärenklau ist und der ist giftig. Das weiß ich doch schon alles. Warum heißt der eigentlich Bärenklau?“

Es wird Zeit, dass er in die Schule kommt und sich klügere Menschen um seine Bildung kümmern 🙂

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In der Regel sind wir immer gut gelaunt :-)

Männer sollten jetzt besser aufhören zu lesen – und auch zart besaitete Frauen bitte ich ausnahmsweise einmal wegzuschauen. Heute hatte ich einen Fall von definitiv zu viel Information…

Eine Kundin betrat die Apotheke, die ich aus alten Schulzeiten kenne. Niemand mit dem ich in den letzten 15 bis 20 Jahren jedenfalls größeren Kontakt gepflegt habe. Wir kennen uns, mehr aber auch nicht.

Sie wollte einen Schwangerschaftstest kaufen, war aber noch unschlüssig, ob sie ihn wirklich braucht. Ich fragte sie augenzwinkernd, was er denn bestenfalls anzeigen sollte. Das hätte ich besser nicht getan.

„Am besten negativ. Mein Mann ist nämlich vasektomiert wenn du verstehst…“

„Oh. Ja. Das wäre dann wohl eher schlecht.“

„Ich glaube aber eigentlich nicht, dass ich wirklich schwanger bin. Mit dem anderen Kerl schlafe ich immer nur, wenn ich meine Tage habe. In der Regel kann da ja nichts passieren, oder?“

Ich war zumächst komplett sprachlos, ging mit ihr aber nochmal ihre Zykluslänge etc. durch und sie entschied sich dazu, besser doch einen Test zu holen.

Was treibt einen dazu, solche Informationen weiterzugeben??? Jedenfalls ist „in der Regel“ jetzt in der Regel der am häufigsten genannte Satz in der Vorstadtapotheke. In der Regel sind wir nämlich ein fröhlich gackernder Hühnerhaufen.

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Sitzen nur für Approbierte

Ja, die Arbeit in der Apotheke ist viel mit stehen oder gehen verbunden, und ja – mit den zunehmenden Berufsjahren wird das beschwerlicher 😉 Ich stehe im HV, im Labor und in der Rezeptur, ich gehe beim auffüllen der Waren oder wenn ich etwas für einen Kunden aus dem Backoffice oder dem Keller hole. So weit so gut.

Zum guten Glück arbeite ich in einer Apotheke, in der ich zwischendurch aber auch sitzen kann und darf. Beim berechnen von Rezepturen zum Beispiel, beim verbuchen der Ware oder auch mal einfach so. Zum Frühstück oder zum Kaffee trinken. Zum quatschen oder Youtube gucken. Und das durchaus gemeinsam mit unserem Chef, der da nichts daran auszusetzen hat, weil er weiß, dass wir erst einmal unsere Arbeit erledigen, bevor wir uns setzen.

Dass das durchaus nicht die Regel ist, wird mir wieder bewusst, wenn ich bei Facebook in meine Berufsgruppe reinlese:

Und sie ist da nicht alleine:

Also wenn es einmal so weit kommt, dass man nur dafür auf die Toilette gehen muss um kurz einmal sitzen zu dürfen, dann stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Und zwar sowohl mit dem Arbeitsplatz als solchem, als auch mit der Gedankenwelt des Arbeitgebers! Krank finde ich sowas!

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