Warum OTC Produkte in die Apotheke gehören – Teil 1

Oftmals hört man Stimmen laut werden, die fordern OTC Arzneimittel gänzlich aus der Apothekenpflicht zu entlassen, und wie in manchen anderen Ländern auch für den Vertrieb in Supermärkten und Tankstellen frei zu geben. Es gibt viele Gründe, die dagegen sprechen – einer davon ist die fehlende Beratung. Aber ist diese denn soooo nötig? Ich fange mal an, alles zusammen zu tragen was bei uns so an Fehlanwendungen oder ähnlichem auftritt, denn das ist nicht wenig. Auf die Idee zu dieser kleinen Serie kam ich vorletzte Woche, als Sandra einen Mann beraten hat, der augenscheinlich wegen etwas ganz banalem zu uns kam. 

„Hallo! Ich hätte gerne… hmmm… jetzt ist mir der Name entfallen… so pflanzliche Tropfen gegen Kreislaufprobleme. Man tropft sie auf ein Zuckerstück.“

„Sie meinen Korodin Tropfen?“

„Ja! Genau! Da hätte ich gerne welche von.“

In einem „Kaufmannsladen“ wäre die Beratung hier beendet gewesen, man hätte vielleicht noch gefragt welche Packungsgröße es sein soll und gut wäre es gewesen. Nicht aber in der Vorstadtapotheke bei Sandra, wie auch in allen anderen Apotheken die ihre Kunden eben so beraten wie es sein soll.

„Darf ich fragen für wen die Tropfen gedacht sind?“

„Die sind für meine Tochter, die hat in der letzten Zeit immer so Kreislaufprobleme. Sie ist sogar schon mal auf dem Nachhauseweg von der Schule umgekippt letzte Woche.“

„Wie alt ist ihre Tochter denn?“

„Zwölf Jahre. Ist das wichtig?“

Ja, ist es. Die Frage ob die Eltern mit ihr schon mal beim Arzt waren deswegen wurde nämlich verneint. Es folgte ein längeres Aufklärungsgespräch darüber, dass der Ursache der Kreislaufprobleme auf den Grund gegangen, und nicht nur die Symptome kaschiert werden sollten. Sandra führte verschiedene Gründe an, die von der normalen Hormonumstellung in diesem Alter bis zum Beginn eines Diabetes mellitus reichten. Jedenfalls überzeugte sie den Vater davon, zunächst einmal ärztlichen Rat einzuholen. Verkauft hat sie nichts, aber der Mann war wirklich dankbar dafür, dass sie sich so viel Zeit genommen hatte und ihm viele Zusammenhänge erklären konnte. Auch wenn dieses Mal kein Geld in der Kasse landete, den einen Stammkunden hat sie uns sicher gewonnen. Und mir ein erstes „Fallbeispiel“ geliefert. (@Sandra: jaaaha, auch wenn ich im Schaufenster stehe und dekoriere, ich höre ALLES :-* )

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Von 8 bis 54 Prozent 

Mit den beiden Prozentzahlen hatten wir es heute zu tun. Sandra ist ja schwanger und liest natürlich viel zu dem Thema. Neulich nun kam ihr ein Artikel zwischen die Finger, in dem es heißt, dass das Gehirn einer werdenden Mutter um 8% schrumpft. Das gab bei uns Müttern natürlich wilden Spekulationen Raum, ob und falls ja wann das Hirn dann wieder seine Normalfunktion aufnimmt, ob das der Grund ist warum Sonja manchmal Schwierigkeiten beim schreiben hat, mir alle Kundennamen entfallen sind, und Bergen sich keine Termine mehr merken kann. Als der Chef dazu kam meinte er, die Prozentzahl käme wahrscheinlich nur rechnerisch zu stande. Es seien nicht 8% weniger Hirnmasse an sich, sondern 8% weniger im Bezug auf das gestiegene Körpergewicht durch die Schwangerschaft. Wir werden es vermutlich niemals rausfinden… Die 54% beziehen sich nicht auf die Hirnleistung, sondern auf einen Artikel, den der Chef uns neulich gebeten hat durchzulesen. Grundsätzlich geht es um die Pille danach, die ja seit eineinhalb Jahren rezeptfrei – aber mit intensiver Beratung verknüpft – in den Apotheken zu haben ist. Bei bestimmter Comedikation gilt nun die neue Vorgabe, dass zwei statt nur einer Tablette eingenommen werden sollen damit eine Schwangerschaft nicht eintritt. Im Artikel heißt es wörtlich:

Die meisten Kollegen sehen laut einer Umfrage von APOTHEKE ADHOC der neuen Regelung gelassen entgegen – und gehen selbstbewusst mit der Verantwortung um. 54 Prozent der Teilnehmer trauen sich zu, im Einzelfall je nach Datenlage zu entscheiden.
Sandra hat sich darüber richtig geärgert.

„54 Prozent??? Geht’s noch? Da sollte 99% stehen! Wozu sind wir denn Apotheker? Das haben wir doch gelernt, so firm sollten wir doch sein, dass wir uns sowas zutrauen!“

Recht hat sie! „Selbstbewusst“ ist jedenfalls was anderes. Aber wenn die Apothekerschaft so wenig von sich und ihren Fähigkeiten – auf ureigenstem Parkett auch noch – überzeugt ist, ist es echt kein Wunder wenn sie von Politikern und Lobbyisten nicht ernst genommen wird… aber was weiß ich schon. Ich bin ja nur ’ne PTA – und Mutter noch dazu😉

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Bäumchen wechsel dich

Im Frühjahr beginnt es wieder – das Bäumchen wechsel dich Spiel von STADA. Doch von vorne: es geht um die Ladival Bevorratung. Irgendwann in grauer Vorzeit war Ladival Sonnencreme wohl das Nonplusultra Produkt aus der Apotheke und verkaufte sich wie geschnitten Brot (behauptet der Außendienst jedenfalls). Das muss allerdings vor „meiner Zeit“ gewesen sein, denn ich kenne die Serie nur als eine von vielen. Als ich in der Vorstadtapotheke ankam gab es eine große Kiste oben rechts in der Ecke über der Garderobe, wo nur LADIVAL drauf stand. Ich fragte Bergen, warum wir so viel Ware hinten stehen haben, und sie erklärte mir, dass das nicht alles vorne auf die Verkaufsinsel passt. Ich staunte: 

Sooo viel verkaufen wir davon hier?

„Äääh… nein. Aber wenn uns die Ware verfällt bekommen wir sie nur erstattet, wenn wir für den gleichen Warenwert plus 100€ Neuware bestellen.“

Dann wird das aber doch immer mehr, oder? Oder verkaufen wir für über 100€ Warenwert Ladival im Jahr?“

„Nein. Eigentlich nicht…“

Hmmm. Als die Vertreterin das nächste Mal zu Besuch kam sprach ich das Problem an, und erklärte, dass  ich dazu tendiere einfach alle Ladivalbestände zum EK abzuverkaufen und den Rest wegzuwerfen, weil wir ja sonst jedes Jahr quasi einen Hunderter verbrennen während wertvoller Platz in der Sichtwahl von Produkten belegt ist, die sich nicht verkaufen. Mal ehrlich: Otto Normalverbraucher kauft die Sonnenmilch bei DM oder im Discounter wenn er keine Hautprobleme hat. Sonnenprodukte für normale unempfindliche Haut aus der Apotheke sind ein Anachronismus. Sie beruhigte mich gleich, sagte die Firma würde das inzwischen ganz genau so sehen, und es gäbe ein neues, kundenfreundlicheres Rücknahmesystem ab der nächsten Saison. Klang ja gut! Das System sah folgendermaßen aus: alle Produkte, die im aktuellen Jahr verfallen werden im März eingeschickt und komplett gut geschrieben. Die Firma sendet uns dann Neuware zum Verkauf, die sie im Jahr darauf wieder komplett zurück nimmt und vergütet. Dann geht’s wieder von vorne los. Das klingt erst einmal gar nicht schlecht, daher schlossen wir uns diesem System an. Zunächst lief das auch in halbwegs geordneten Bahnen ab, aber bereits 2 Jahre später hatten wir plötzlich statt 10 verschiedener Produkte gefühlte 30  (normale, empfindliche und trockene Haut, fürs Gesicht und für den Körper, für Kinder, Senioren und Erwachsene, zum bräunen und für nach der Sonne, und alles in 4 verschiedenen Stärken, mindestens 6 Stück pro Sorte). Daraufhin haben sich wohl genügend Apotheken beschwert, denn das ist Ware im locker 4 stelligen Eurobereich, die wie Blei in den Regalen liegt und Kapital bindet – selbst wenn wir dieses im Bäumchen wechsel dich Spiel des kommenden Jahres vergütet bekommen sollten. Der Warenwert von Ladival Sonnencreme hatte sich seit ich in die Vorstadtapotheke kam verzweieinhalbfacht, spitzen Leistung! Dieses Jahr ändert sich nun also wieder etwas. STADA hat uns großzügigerweise angeboten, dass wir den kompletten Bestand auflisten, das Geld wieder auf dem Apothekenkonto landet und uns bis zum März „gestundet“ wird. Dann müssen wir abermals dafür blechen, die Altware zurückschicken und der Neuware harren, die uns die Firma zuteilt ohne nach unserem Bedarf zu fragen. Wer das jetzt als großzügiges Entgegenkommen sieht, der wird in meinen Augen von STADA so schnell über den Tisch gezogen, dass er die Reibungshitze als Nestwärme empfindet. Aber die meisten Apotheker sind eben keine BWLer, nicht wahr?

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Hartes Brot 

Was wir ab und zu für einen Aufwand betreiben müssen  um an unsere knapp 8€ pro Medikament zu gelangen ist manchmal schon nicht mehr feierlich. Heute hatte ich ein Medikament auf dem Rezept stehen das – man höre und staune – nicht lieferbar ist. Kommt ja auch sooo selten vor, nicht? Nun denn…. Medikament X 30St. wird also von unseren Großhändlern nicht geführt, aber wir haben glücklicherweise eine 50St. Packung an Lager. Ein kurzer Anruf beim Arzt, die Bitte um die Verordnung der nächstgrößeren Packung, Zusendung des neuen Rezeptes und fertig denke ich – von wegen. Die MFA teilt mir mit, dass sie das wisse, dass die N1 zur Zeit nicht einfach zu bekommen sei (warum schreibt ihr sie dann auf???), denn sie bekämen öfter Anrufe aus den Apotheken deswegen. Wir sollen uns bitte an den Hersteller wenden, der würde die Kleinpackung direkt an uns schicken. Dass das mindestens 3 Tage dauert, an denen unser gemeinsamer Patient nicht versorgt ist, ist irrelevant. Also gut, ich suche die Nummer aus der Datenbank und rufe an. Besetzt. Ich rufe 5, 6x an. Immer besetzt. In der Zwischenzeit kommen immer mal Kunden, Rezepturen wollen dokumentiert werden, Ware trudelt ein, weitere Telefonanrufe werden bearbeitet während ich versuche dort durch zu kommen. Nichts zu machen. Ich suche im Internet nach einer anderen Nummer und finde eine kostenlose 0800er Rufnummer für Kunden. Will ich ja auch gerne werden. Also wird diese probiert. Gut – immerhin ein Anrufbeantworter mit Musik und kein Besetztzeichen. Während ich in der Warteschleife hänge bediene ich noch ein, zwei Kunden bevor ich plötzlich rausfliege. Ich versuche nochmal die Rufnummer aus unserer Datenbank – besetzt. Nach einem weiteren Blick ins Internet finde ich eine dritte Nummer, wo ich tatsächlich (nach dem sechsten Versuch) einen echten Menschen in der Leitung habe. Ich möchte weinen vor Glück. Das Problem mit der Kleinpackung ist der Dame sogar bekannt, sie verbindet mich weiter zur Bestellannahme. Ich. Fliege. Aus. Der. Leitung. Innerlich tobe ich wie ein Rumpelstielzchen, muss aber die Fassung bewahren weil noch Kundschaft in der Apotheke ist. Also alles wieder von vorne. Bereits der dritte Versuch ist von Erfolg gekrönt, und die freundliche Mitarbeiterin gibt mir eine neue direkte Durchwahl für die Bestellung. Unnötig zu erwähnen, dass dort ständig BESETZT ist, oder? Ich höre auf zu zählen wie oft ich es dort versuche bis endlich endlich jemand sich mir annimmt. Dann muss ich nur noch die Apothekendaten durchgeben, damit die ein Bestellfax an uns schicken können, das wir dann ausfüllen und mitsamt unserer Betriebserlaubnis dort hin schicken können um die begehrte 30St. Packung diese Woche noch zu erhalten. Passierschein A 38 lässt grüßen. Vermutlich müssen wir dann noch Porto und Mindermengenzuschlag bezahlen, die uns weder von der Kasse noch vom Patienten erstattet werden. Alles in allem wäre es wirtschaftlich gesehen wohl sinnvoller gewesen, ich hätte aus der 50er N2 Größe die wir an Lager haben einfach 20St. rausgeholt und weg geschmissen…

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Gedankenknick schreibt wieder

Hier ein Beitrag von Gedankenknicks Fußnoten von heute. Musste ich einfach teilen, denn es ist soooo wahr:

Informationen zur Lieferfähigkeit  (Update)

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Blue Big Bang

Blue Big Bang? Was soll das denn sein? Ein Song vielleicht? „Blue“ von der Band „Big Bang? Nein, denn das hätte ja nichts mit Pharmazie zu tun. Eine Weed Sorte? Auch das nur entfernt pharmazeutisch. Nein, es ist die aktuelle Initiative von Eucerin, die „Trockene Haut Serie“ umzustellen. Von September bis Dezember werden die alten Lotionen, Salben und Cremes deutlich billiger abverkauft, um der Ware mit der neuen Optik und dem verbesserten Inhalt Platz zu machen. Eucerin verspricht mit der verbesserten Rezeptur 48 Stunden lang keine trockene Haut – ich bin gespannt darauf. Günstiger Abverkauf der Altware, viele Proben für die Kundschaft und vermehrt Print- und Fernsehwerbung, das klingt erst mal ganz gut. Ich mag die meisten Produkte auch wirklich gerne, empfehle sie auch oft, nur… die Art und Weise wie die Apotheken umgestellt werden behagt mir überhaupt nicht. Wir hatten nur die Wahl zwischen zwei Paketen mit Ware, die Beiersdorf uns zukommen lässt – groß und klein. Die Mischung der Produkte besorgte die Firma für uns, ohne auf den echten Bedarf der einzelnen Apotheken einzugehen. Wir haben zum Beispiel Unmengen an „Hautglättender Gesichtscreme“ und 10% Urea Lotionen erhalten, die wir sicherlich nicht verkaufen können bis sie verfallen. Dafür aber nur Miniportiönchen der Hand – und der Fußcreme, die sich im Winter bei uns verkaufen wie geschnitten Brot. Da können wir in Bälde wieder nachordern, während uns andere Ware den ohnehin nicht üppigen Platz zustellt. Das geht besser, Beiersdorf! Es wäre gut gewesen, individuell selbst zusammenstellen zu können was wir wirklich brauchen. Ich sehe schon vor meinem inneren Auge die Sorgenfalten unseres Außendienstes, wenn er die ganze verfallene Ware zurück nehmen muss…

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Huffington Blogpost 

Das ist doch mal ein Blogpost: Apothekenbashing vom feinsten. Man fragt sich ernsthaft, ob der Schreiberling tatsächlich keine Ahnung hat wovon er da versucht die Leser für dumm zu verkaufen, oder ob er das gezielt macht. Die Gewinnzahlen, von denen er behauptet, dass die besonders erfolgreichen Apotheken bereits herausgerechnet wären, sind schon mal falsch. Dass Apotheker „oft“ Vermieter von Ärztehäusern seien und deren Mieter bei häufiger Verordnung von Kleinpackungen nach Mallorca zum Golfspielen einladen zeigt auch woher der Wind weht. Möglicherweise kennt der „Autor“ dieses Machwerks einen Apotheker, der ihm in einem Bereich seines Lebens das Wasser abgegraben hat… Er erregt sich darüber, dass Deutschland ein Achtel seines Inlandproduktes für Gesundheit ausgibt, suggeriert dem Leser dass die Apotheken den Löwenanteil schlucken. Das ist mitnichten der Fall! Wer an belegbaren Fakten interessiert ist, dem sei diese Seite hier ans Herz gelegt. Kurz, einfach und ehrlich wird hier darüber aufgeklärt, dass die Apotheken sicherlich nicht die Preistreiber in unserem Gesundheitssystem sind. Aber vielleicht haben wir den Autor Herrn Fred Roeder ja alle einfach völlig missverstanden! Ich meine, bei der „Huffington Post“ gibt es ja auch immer eine Satire Seite – möglicherweise hätte der Beitrag ja dort veröffentlicht werden sollen und ist nur verrutscht…

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