Beratung ist wichtig!

Ich führe meinen Schülern immer gerne Situationen aus der Apotheke vor Augen, die ich selbt erlebt habe, damit sie verstehen, wie wichtig eine umfassende Anwendungsberatung ist. Unsere Kunden sind keine Arzneimittelexperten, und so manches, was uns ganz selbstverständlich erscheint ist für sie erklärungsbedürftig.

Ich hatte Kunden, die sich ätherisches Öl (Pfeffeeminzöl) in beide (!) Augen geträufelt haben, weil sie gelesen hatten, dass ätherische Öle eine antibakterielle Wirkung haben. Ich hatte eine Kundin, die ihre Ovula geschluckt hat, was erst dann rauskam, als sie nach der dritten oder vierten Packung beiläufig beklagte, dass die „Dinger so groß sind“, und dass sie „immer Schwierigkeiten dabei hat, sie runter zu bekommen“.

Ich hatte eine Kundin, die sich nicht die Vaginaltablette mit der Einführhilfe 10cm tief eingeführt hat, sondern die Einführhilfe selbst. Sie kam dann im Krebsgang in die Apotheke um mich zu fragen, wie sie das lange Ding wieder rausbekommt. Das war in meinem ersten Jahr, und seither berate ich hier immer umfassend genau und korrekt.

Gestern war wieder so ein Fall… ein Kunde kaufte sich zum dritten Mal ein Melatonin-Einschlafspray, und ich fragte, ob er denn mit der Wirkung zufrieden ist. Er wiegte den Kopf hin und her, und meinte, er merke eigentlich nichts, wollte es aber noch einmal versuchen. In seiner Kundenkarte sah ich, dass der letzte Kauf erst eine Woche her war. Also fragte ich, wie viel er davon verwendet, und dass es eigentlich nur ein bis zwei Sprühstöße sein sollten.

Er schaute mich an: „Ja, ich weiß. Aber ich habe ein sehr großes Kopfkissen, da brauche ich immer mehr“.

Das misste erst mal ein- zwei Sekunden lang sacken, bis ich verstanden hatte was er meint. Er hat das Spray nicht unter die Zunge, sondern auf sein Kissrn gesprüht!

Dass das Melaronin so nicht wirken kann ist MIR klar, ihm aber nicht! Zeit mir an due Nase zu fassen und meine Anwendungsberatungen zu überdenken. Wie gesagt: nicht alles was uns bekannt ist dürfen wir auch bei unseren Kunden voraussetzen. Wendet er es falsch an, ist es leicht darüber zu lachen, dabei ist das in erster Linie unser „Verschulden“. Passiert mir jedenfalls nicht wieder…

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Die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest

Das E-Rezept ist gestorben. Naja… nicht ganz richtig gestorben, aber es liegt quasi wieder auf Intensiv. Das BMG hat entschieden, es bis auf weiteres aufs Eis zu legen, und es gibt nicht einmal einen neuen Termin für das Roll-out. Und die Antwort warum das so ist wurde vor vielen Jahren in einem Roman beantwortet. Ich werde euch gleich erzählen warum das so ist.

Oh, da werden die Aktien der Versender jetzt schön einbrechen. Da muss ich schon ein wenig grinsen bei der Vorstellung 🙂 Naja – ich hatte irgendwie schon geahnt, dass da etwas im Busch ist, nachdem sowohl Max Müller als auch der CEO Oberhänsli sich in den vergangenen Monaten klammheimlich aus dem Staub gemacht haben. Bon voyage – alles richtig gemacht!

Aber nun zur Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Die ist bekanntlich 42 wie der Supercomputer „Deep Thought“ in Douglas Adams‘ Kultroman „Per Anhalter durch die Galaxis“ errechnet hat.

Bislang konnte das niemand so richtig nachvollziehen – bis zur E-Rezept Affäre jedenfalls. Die Wolken lichten sich nämlich gerade.

Jeden Tag werden in Deutschland etwa 2 Millionen Papierrezepte (sogenannte Muster 16 Rezepte) verordnet. Diese unglaubliche Zahl muss erst einmal von der zur Verfügung stehenden Technik der Gematik verdaut werden, bevor sie überall an die richtigen Stellen zur Überprüfung und Abrechnung weitergeleitet wird. Dazu gab es im Vorfeld ja auch viele Tests, damit ganz sicher ist, dass alles zur Zufriedenheit funktioniert.

Unzählige, genaue, akribisch verfolgte Tests, die sicherstellen, dass das System reibungslos auch unter Vollast funktioniert – sollte man meinen.

Immerhin hängt so vieles davon ab! Die Gesundheit und die Versorgung der breiten Bevölkerung. Die Bezahlung der Dienstleister, die darauf angewiesen sind, dass das System funktioniert.

Und nun kommt die Zahl der E-Rezepte, die in all diesen vielen Monaten der Vorbereitung tatsächlich versandt wurden. Haltet euch fest. Es sind…

42

Nicht 42 Millionen. Nicht mal 42.000. Schlicht und einfach 42.

Ich habe laut gelacht als ich das gelesen habe. Deep Thought hatte Recht. Die Antwort warum das E-Rezept gestorben ist lautet 42. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Erwartungen

Seit ein paar Wochen sind wir ja wieder kräftig am testen – und jeden Tag mehr. Als ich von der 2G plus Regelung gelesen hatte musste ich erst einmal schlucken. Besonders im Zusammenhang mit der QR-Impfcodepflicht kommt nun wieder einiges auf uns zu.

Versteht mich nicht falsch – ich finde das wirklich total sinnvoll, dass sich auch geimpfte nun häufiger testen lassen müssen! Nur gibt es einfach nicht genügend Teststationen mehr, und der Andrang ist gewaltig.

Wir haben gerade alle Hände voll zu tun, die Kunden in der Vorweihnachtszeit zu versorgen, PCR und Antikörper-Tests durchzuführen und jeden Tag -zig Impfpässe zu digitalisieren. Da ist es schwer in dem ganzen Trubel auch noch auf eine Kollegin zu verzichten, die das Testzelt bedient.

Die Ansprüche der Leute die kommen werden zudem immer größer. Ständig klingelt das Telefon, weil viele schlicht zu faul sind, ihre Daten ins System einzutragen. Ich rede hier nicht von den über 70-jährigen, die sich mit dem Internet schwertun, sondern von Frauen im mittleren Alter die sich die Zeit sparen möchten, und von unterwegs aus dem Auto anrufen, nach dem Motto: „Mach mal!“

Ich rede von Leuten, die sich vorher nicht erkundigen, zu welchen Zeiten bei uns getestet wird, und die einfach hereinschneien. „Wir wollen JETZT essen gehen. Ihr MÜSST uns jetzt testen.“

Ich rede von Leuten die uns anschreien (!) dass wir sie ohne Anmeldung vorlassen müssen, weil sie zur Arbeit gehen müssen und die Testpflicht verbaselt haben. Und von Leuten die gar kein Verständnis dafür aufbringen wollen, dass wir an den Weihnachtsfeiertagen tatsächlich mit unseren Familien zusammen sein möchten, statt im kalten Zelt in Nasen zu popeln.

„Wir wollen aber ESSEN gehen! Verstehen Sie das nicht? Sie MÜSSEN das machen, sie bieten die Dienstleistung doch sonst auch an!“

Ich bin absolut der Auffassung, dass ich mich am 24.12. während meiner Arbeitszeit noch 1 – 2 Stunden ins Zelt stelle – für all diejenigen, die vielleicht im Kreis von Freunden oder der Familie feiern, oder jemanden im Krankenhaus oder im Pflegeheim besuchen möchten. Das mache ich gerne. Aber diese Erwartungshaltung, wir müssten jetzt tagtäglich, auch an Wochenenden und Feiertagen rund um die Ihr Gewehr bei Fuß stehen, damit alle anderen jederzeit Essen gehen können ist nicht in Ordnung. Auch die Beschwerden, wir würden nicht lange genug testen nerven nur noch. Wir sind eine APOTHEKE und kein Testzentrum! Wir haben auch noch andere Aufgaben zu erfüllen.

Bei uns bleibt so vieles liegen, und wir kämpfen täglich darum, auch noch die Rezepturen fertig zu bekommen – mehr als 2 Stunden täglich würden uns auf Dauer im Vorweihnachtsstress verbrennen.

Und da sind noch die anderen Kunden. Die uns mit Dankbarkeit und Freundlichkeit begegnen. Die ein aufmunterndes Wort auf den Lippen tragen. Die uns nachmittags Kuchen vom Bäcker vorbeibringen. Für die lohnt sich der ganze Aufwand letztlich dann doch, weil wir uns mitten im Sturm anlächeln unter unseren Masken. Und darauf kommt es dann doch an 🙂

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Kampf gegen Windmühlen

Wer vertraut noch einem Impfnachweis (sei er nun digital oder in Papierform)? Ich jedenfalls nicht mehr.

Zu oft ist (nicht nur) bei uns in der Apotheke inzwischen versucht worden uns zu linken, übers Ohr zu hauen und zu veräppeln. Seien es gefälschte Stempel, gefälschte Chargenaufkleber, falsche Impfpasseiten die von anderen einfach mit reingeklemmt werden, Impfungen die angeblich in geschlossenen Impfzentren durchgeführt wurden oder dergleichen Tricks mehr. Ich bin es leid.

Und dabei sind es nicht mal Unbekannte, Menschen die ganz woanders leben und keinen Bezug zu uns haben, nein! Es sind Nachbarn, freundliche junge Leute mit kleinen Kindern, nette Zeitgenossen. Ich verliere gerade das Grundvertrauen zu meiner Kundschaft. Je stärker die Daumenschrauben für Nichtgeimpfte angezogen werden, umso mehr häufen sich die Fälle.

Mir stellen sich gerade alle Nackenhaare auf, wenn wieder jemand mit seinem kleinen gelben Büchlein die Apotheke betritt und um Digitalisierung bittet. Ich will gar nicht wissen, wie viele gefälschte Pässe da im Umlauf sind, und wie viele „Impfdurchbrüche“ gar keine sind. Ich möchte jedenfalls nicht mehr mit der Polizei reden deshalb. Bitte nicht.

Und wenn wir schon beim Thema falsche Impfungen sind – bei uns im Nachbarort gibt es einen Arzt, der nachweislich ein Coronaleugner und Impfgegner ist. Trotzdem impft er seine Patienten. Seltsam, nicht wahr? Das Gerücht geht um, er fragt vorher, ob sie Comitnaty haben möchten oder seine „Spezialimpfung“. Der Impfstoff landet dann im Müll, und der Patient erhält den ersehnten Aufkleber in seinen Impfpass. Super, oder?

Manchmal möchte man an der Welt verzweifeln. Warum sind die Menschen so?

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Neues aus der (Standes)Politik

Ach Leute, was bin ich erleichtert! Da offenbar noch sehr viele Praxen nicht E-Rezept-ready sind, wird der verpflichtende Start dafür tatsächlich verschoben. Wir wollen jetzt mal die Tatsache ganz außer Acht lassen, dass es – wenn es die Apotheken gewesen wären, und nicht die Ärzte die sich so technikfeindlich angestellt hätten – sicherlich ganz anders ausgesehen hätte. Da hätten Apothekers nämlich einfach „Nase gemacht“ und Pech gehabt.

So freue ich mich jetzt einfach über den großen Einfluss der Ärzteschaft und grusle mich nicht so sehr vor dem Januar wie noch in der vergangenen Woche. Puuuh!

Derweil überlegen die Ampel-Fraktionen gestützt vom geschäftsführenden Gesundheitsspahn, die kostenlosen Bürgertests wieder einzuführen, damit die Dunkelziffer der Erkrankungen nicht zu hoch wird. Das war ja auch gar nicht abzusehen gewesen, dass das ein Problem werden wird, nicht wahr? *facepalm*

Wenn sogar mir als kleiner PTA das sowas von klar war, verstehe ich nicht ganz, was die Politik sich dabei gedacht hat. Wollten sie nur die Anzahl der Testcenter drücken weil sie die schiere Menge nicht überblicken/überwachen können? Sei es drum… ich werde dann wohl zitternd und bibbernd den Winter im Testzelt überstehen. Und ich mache es trotzdem gerne, weil ich einfach den Sinn dahinter sehe. Wenn es nach mir ginge, gäbe es überall und für alle die 1G Regel: man kommt nur noch getestet in die öffentlichen Innenräume. Und zwar jeder, ob geimpft oder nicht. Dann kann auch niemand von Diskretion herumkrakelen, dann ist jeder einfach für sich selbst verantwortlich (bzgl. impfen) und für die Gesundheit der anderen indem er sich testen lässt.

Nun denn – wir haben auch an unserer PTA Schule gerade zahlreiche Coronafälle unter den (ungeimpften und geimpften) Schülern, und testen daher alle einfach täglich. Besser ist das. Viele sind tatsächlich nicht geimpft, das macht mich richtig sauer. Gerade als angehende PTA ist das ein absolutes Unding! Aber gut – wenn sie täglich getestet werden ist das ihr Problem und nicht mehr meines, nicht wahr?

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E-Rezept? Ach – wer weiß ob das jemals kommt!

Ich bin platt. Gestern telefonierte ich mit einer unserer Hausarztpraxen vor Ort mit einer MFA die mich an der Kommunikation innerhalb der Arztpraxen (ver)zweifeln ließ.

Sie bestellte für einen Patienten ein Medikament bei uns vor, das Rezept sollte in der Mittagspause eingeworfen werden, wenn der Herr Doktor vom Hausbesuch zurück ist. So weit so gut. Ich sagte so halb im Scherz: „Na klar – machen wir so lange wir das noch können!“. Sie war irritiert. „Was meinen Sie denn damit? An wann können Sie das denn nicht mehr?“. „Naja- wenn das E-Rezept kommt müssen wir uns ein anderes Procedere dafür einfallen lassen, wenn der Herr Doktor mal außer Haus ist.“

Sie lachte erleichtert. „Ach soooo. Das E-Rezept! Naja, das dauert ja noch, nicht wahr? Wer weiß schon wann das kommt, und ob überhaupt, ne?“

Ich irririert: „In etwa 5 Wochen wird es eingeführt, wir haben dann eine Übergangszeit im Dezember, und ab Januar ist es dann verpflichtend. Dann gibt es keine Papierrezepte mehr!“

Sie irritiert: „Äh nee. Das geht nicht. Wir können das ja schon rein technisch gar nicht bei uns machen. Sind sie da sicher? Uns hat keiner was erzählt, das höre ich zum ersten Mal!“

Ganz ehrlich? Mir graust es vor dem Januar! Was ist das denn für eine Gesprächskultur in der Praxis? Über was reden die eigentlich bei ihren Teamsitzungen, wenn mal wieder Freitags früher zugemacht wird? Und selbst wenn sie da nicht drüber reden: ist das Thema denn nicht häufig genug in der Presse gewesen? Wenigstens in der Fachpresse? Wie groß kann denn das eigene Interesse am erlernten Beruf sein, wenn man das nicht mitbekommen hat? Ich war sprach- und fassungslos.

Wer hat ebenso wie ich große Lust, im Januar den Jahresurmaub zu nehmen, damit er das ganze Unheil nicht miterleben muss?

Ach Mensch. Ich gebe es ehrlich zu: ich hätte es nicht gebraucht, das E-Rezept. Es ist jetzt erstmal alles komplizierter als zuvor, und wer weiß wie viele Kunden uns dadurch verloren gehen? Nicht zu Beginn, da sind die Leute noch unsicher, und werden weiterhelfen zu uns kommen, damit wir ihnen die neue Technik genau erklären – aber sobald sie damit umgehen können… wer weiß was sich DoMo noch so alles einfallen lässt um uns auszubooten? Gesetze haben die sowieso noch nie interessiert, und das Zuweisungsverbot wird mit Sicherheit das erste sein, was sie auf irgendeine Art umgehen werden.

Ich frage mich, wie oft ich im neuen Jahr den Satz von unserer Kundschaft hören werde: „Iiiich hab das nicht gewusst mit dem E-Rezept!“ obwohl hier bereits seit Wochen Plakate hängen und Aufklärungsbroschüren herumliegen. Wenn wir wenigstens die Übergangszeit zwischen Papier und E-Rezept noch ein kleines bisschen strecken könnten… nun denn. Da müssen wir jetzt wohl durch. Ich hoffe inständig, dass die komplette Ahnungslosigkeit des Teams aus der Praxis am Ort die Ausnahme war, und nicht die Regel!

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Neulich in der Teststation…

Bekanntlich wird seit dem 11.10. nur noch in den seltensten Fällen die Corona-Schnelktestung als Bürgertest vom Staat bezahlt. Da der/die ein- oder andere aber weiterhin auf diese Dienstleistung angewiesen ist, machen wir erst einmal weiter. Und zwar so lange, bis uns irgendwann endgültig der Kragen platzt.

In der vergangenen Woche haben wir uns trotz deutlich verringerter Auslastung die Mühe gemacht, täglich wegen drei oder vier Menschen unser Tagewerk in der Apotheke zu unterbrechen, die Station vorzubereiten und zu bestücken, zu desinfizieren, uns eine FFP3, ein Visier, Handschuhe und Schutzkleidung anzulegen. Im Schnitt sind zwei von den Kinden die dann kommen freundlich, einer beklagt sich über die Kosten, und einer wird pampig.

Einer wetterte an der Station los, wir seien viel zu teuer (die Preise liegen zwischen 12 und 15 Euro), und in der „Wirtschaft“ würden sie von der Bedienung dort doch auch für 2Euro „pro Nase“ getestet werden. Dass die weder den Verbrauch an Schutzkleidung in ihrer Kalkulation mitberechnen, noch im Anschluss gültige Zertifikate ausstellen, noch eine Buchungssoftware installieren und bezahlen müssen, und dass die Tests vermutlich von der 1-Euro- Restekiste aus dem Supermarkt stammen, und nicht die validierten Profitests sind wollte er nicht hören. Auch nicht, dass die „Wirtschaft“ ja im Anschluss die Hand für das Essen und die Getränke aufhält war irgendwie nicht das, was er hören wollte. Diese Vergleiche hinken ganz gewaltig.

Besser war dann noch der Herr vom Roten Kreuz. Er lief mehrfach grinsend an unserer Station vorbei, um den Leuten die sich testen lassen ein unmoralisches Angebot zu unterbreiten. Sie sollen doch eine Schulung zum Corona-Tester bei ebenjenem Verein machen, dann für 20Euro ein Kleingewerbe anmelden, und schon könnten sie sich und ihre Lieben selbst zuhause testen (oder auch nicht? Knixiknaxi…) und dafür ein gültiges Zertifikat ausstellen. Geil, oder?

Ob diese Möglichkeit tatsächlich besteht- ich will es glaube ich gar nicht wissen. Was ich allerdings weiß: wir hatten zwei positive Testungen in der vergangenen Woche, das ist richtig viel für diese geringe Anzahl an Probanden. Es ist (immer noch) nicht vorbei, dabei bin ich dermaßen coronamüde, ich kann es gar nicht sagen wie sehr. Es ist doch auch schon ohne all diese Stolpersteine schwer genug!

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Wir haben es getan!

Wir haben das getan, was viele Ärzteverbände aufs Schärfste kritisieren.

Wir haben damit in ihren Augen eine Grenze überschritten.

Impfen ist eine rein ärztliche Tätigkeit, die nicht infrage gestellt werden darf.  Und doch… haben wir es getan. Und warum? Weil wir helfen möchten. Doch… lasst mich am Anfang beginnen.

Wir leben hier in einer der Modellregionen, im denen sich AOK Patienten – wenn sie das gerne tun möchten – in dafür qualifizierten Apotheken gehen die saisonale Grippe impfen lassen dürfen. Das ist ein Glück für den ein- oder anderen, dem man in der Arztpraxis nicht weiterhelfen kann. Bei uns sind sowohl Birgit als auch unser Chef in dieser Hinsicht weitergebildet, und willens und bereit dafür, ihr Wissen auch praktisch umzusetzen.

In unserem Fall erreichte uns diesen Donnerstag ein Anruf einer jungen Frau, die von ihrer Firma aus unvermittelt nach Italien geordert wurde, um dort für die nächsten vier Monate ein Projekt zu betreuen. Sie wollte sich vorher sicherheitshalber in Deutschland gegen die Grippe impfen lassen, nur fand sie keine Arztpraxis die dazu bereit war, das zu tun. Der Grund: sie hat keinen festen Hausarzt zu dem sie immer geht, und die anderen Ärzte die sie telefonisch erreichen konnte hatten entweder noch keinen Impfstoff für ihre Praxis erhalten, oder wollten ihn für ihre Stammpatienten aufsparen.

Als sie dann bei uns anrief, und wir ihr sagen konnten, dass sie in 40 Minuten vorbeikommen kann war sie überglücklich. Die Impfung selbst nahm unser Chef ganz routiniert in unserem Beratungsraum vor. Sie verlief völlig unspektakulär. Wir haben damit keinem Arzt einen Patienten weggenommen, aber ganz niederschwellig agieren können, und haben damit eine Person glücklich gemacht, die jetzt deutlich entspannter ins Ausland fahren kann.

Ist es die Aufregung wirklich wert, dass die Ärzte gegen die Apotheker Sturm laufen? Ist es der Untergang des Abendlandes, wenn wir dazu beitragen die beschämend niedrige Impfquote zu erhöhen?

Ist es nicht im Gegenteil so, dass wir deutlich mehr Menschen während unserer Beratung erreichen können, als viele Ärzte, deren Zeit deutlich begrenzter ist? Mich hat außer einer einzigen Ärztin noch nie ein Arzt von sich aus darauf angesprochen, dass ich mich impfen lassen sollte.

Wenn die Ärzte also so wild darauf sind, hier das Heft in der Hand zu behalten, dann hätten sie in der Vergangenheit mehr dafür tun müssen. Ich denke es gibt einen triftigen Grund dafür, dass die Politik die Apotheken mit ins Boot geholt hat.

Wir wollen nichts wegnehmen, wir wollen helfen und unterstützen. Und das ist auch gut so.

Zum Thema Grippeimpfung allgemein bin ich gespannt, ob es wieder so schlimm bei uns werden wird wie im vergangenen Jahr, als manche Menschen sich ihre Impfung „erkaufen“ wollten. Aber das ist ein anderes Thema…

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Ein dickes Problem

Schlank war ich vermutlich nie – naja… in manchen Lebensabschnitten schon, aber immer nur sehr kurz. Meistens war ich dann schlank, wenn es mir nicht besonders gut ging. Sobals ich mich wohl fühle, esse ich einfach zu gerne, oder knabbere abends bei einem Glas Wein auch mal mehr, als mir guttäte.

Aber ich hatte mein Gewicht bisher immerhin soweit im Griff, dass ich ab einer bestimmten Zahl auf der Waage die „Handbremse gezogen“ und wieder abgenommen habe – bis zum nächsten Mal. Gewicht zu halten war also kein Projekt für mich, sondern eher eine Lebensaufgabe.

Was mir an meinem Körper immer schon misfallen hatte waren meine Oberarme, die Beine und der Po. Alles war in meinen Augen unproportional kräftig. Ich gehe daher eigentlich nicht gerne ins Schwimmbad und trage seit vielen Jahren auch keine kurzen Hosen oder ärmellose Oberteile. Ich fühle mich darin unwohl, und starre ständig selbst auf diese Schönheitsmakel.

Vir etwa einem Jahr fing dann eine auch für meine Verhältnisse unbekannte Zunahme an, und ich habe seither gut 7kg zugenommen, ohne dass ich sagen konnte, dass ich mehr gegessen habe, oder mich weniger bewegt. Es wurde stetig mehr, und alle Diäten etc. haben nicht gefruchtet. Irgendwann habe ich mich dann einmal zum Arzt bewegt, und alles einmal abklopfen lassen: Niere, Schilddrüse, Gefäße. So viel vorweg – es ist alles gesund.

Der Lymphologe brachte es dann an den Tag, was ich bereits geahnt hatte: ich leide unter Lipödem. Das ist nun nicht lebensbedrohlich, aber war doch ein kleiner Schlag. Abnehmen werde ich in diesem Leben also vermutlich nicht mehr, muss aber gut aufpassen, dass ich nicht mehr zunehme. Der Arzt hat mich auch gleich darauf hingewiesen, dass ich ab sofort besser auf Kuchen, Schokolade und fettes Essen verzichten sollte, und mein Grundumsatz durch die Erkrankung ohnehin stark erniedrigt ist.

Er sagte, er sei eigentlich niemand, der vegane Ernährung empfiehlt, aber sie hätte bei vielen Patientinnen schon gut angeschlagen, damit sich die Erkrankung immerhin nicht rapide weiter verschlechtert. Erblich vorbelastet bin ich übrigens gar nicht. Woher das Lipödem also kommt kann er nicht sagen.

Gut, ich nehme die „Challenge“ jetzt einfach mal an – was bleibt mir auch anderes übrig – und stelle meine Ernährung entsprechend um. Dazu kommen Kompressionsstrümpfe und Lymphdrainage. Ich bin gespannt, ob es mir doch noch gelingt, ein für mich halbwegs akzeptables Körperbild zu bekommen. Die einzige Möglichkeit das Lipödem ursächlich zu bekämpfen ist nämlich eine Fettabsaugung, und die zahlt die Krankenkasse nicht. Mit meinem Gehalt ist sowas ebenfalls nicht drin (es sei denn ich fange jetzt kräftig an zu sparen).

Hat jemand meiner Leser hier andere Erfahrungen gemacht, und einen Weg gefunden, das fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten?

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Immer wieder Samstags…

Wisst ihr was ich so hasse an den Samstagen? Nein, es ist nicht das Arbeiten am Wochenende, wenn die meisten Freunde und Bekannten ausschlafen können. Ich arbeite eigentlich sehr gerne samstags, weil ich da mit der weltbesten Kollegin Sandra zusammen eingeteilt bin.

Aber Samstag bedeutet auch, dass kein Arzt da ist, wenn sie die Apotheke betreten: die Kundinnen und Kunden, denen ihre Medikamente ausgegangen sind, und die der festen Überzeugung sind, wir könnten sie ihnen ja auch „ausnahmsweise“ mal ohne Rezept über den HV schieben.

Ich sag es gleich: NEIN! Fett geschrieben und auch so gemeint. Nein. Fertig aus, keine Diskussion, never ever, Basta. Wir dürfen das nicht, und wir wollen es auch gar nicht.

Die Abgabe eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels ohne Vorlage einer Verschreibung ist laut § 96 Nr. 13 AMG eine Straftat. Diese zieht Ermittlungen gegen die Apotheke durch die Staatsanwaltschaft nach sich, hohe Geldstrafen und der Verlust der Approbation des/der verantwortlichen Apothekers/Apothekerin oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr können hier drohen.

Und nochmal nein: es ist weder unterlassene Hilfeleistung, noch ein rechtfertigender Notstand, wenn wir das Medikament nicht „rausrücken“. Auch wenn es unbequem ist: der Ganz zum nächsten Ärztlichen Notdienst steht jedem offen, der hier in Nöten ist. Wir sind nicht dazu verpflichtet die Faulheit oder die Vergesslichkeit unserer Kunden zu kompensieren.

Geht jemand zur Bank und verlangt Geld, obwohl er gerade seine Bankkarte zuhause vergessen hat? Nein. Auch wenn die Mitarbeiterin ihn dort seit Jahren kennen – die machen auch nicht einfach mal so den Tresor auf und zahlen ihm etwas aus, oder? Und auf die ist auch keiner sauer, die versteht seltsamerweise jeder!

Oder beim Arzt würde auch niemand zur MFA sagen: „Ach so – der Arzt ist gerade auf Hausbesuch – dann müssen SIE mir jetzt das BTM- Rezept unterschreiben. Ich brauche das jetzt!“

Manche Apotheken machen das trotzdem, ich weiß es. Ich würde die Kollegoiden dort manchmal am liebsten bei der Kammer anschwärzen, denn es lässt uns wie Deppen dastehen, wenn eine halbe Stunde nachdem wir unseren Stammkunden abweisen mussten, dieser mit dem gewünschten Betablocker in der Hand dasteht, den wir ihm zuvor verweigert hatten:

„Wo anders geht es komischerweise. Mich haben sie als Kunden das letzte Mal gesehen!“

Das beschäftigt uns noch lange, und wir nehmen uns diese Vorfälle zu Herzen und gehen damit ins Wochenende.

„Sie sind schuld, wenn ich am Sonntag sterbe!“

Das ist auch so ein Satz, der wehtut, aber nichts an unserer Überzeugung ändert. Was ist, wenn diese Kundin am Wochenende tatsächlich stirbt, und vorher von uns illegalerweise noch Medikamente erhalten hat? Das wäre genauso schlimm.

„Sie sind schuld, wenn ich meine Approbation verliere“

wäre die passende Replik für Apotheker. Auf den Satz „wenn ich das mache kann das verdammt teuer für mich werden“ hat meine Kollegin schon zu hören bekommen „Ach sie Arme! Ich geh dann auf der Straße für sie sammeln.“

Ich kann es verstehen, dass die Situation doof ist, wenn einem die Tabletten ausgegangen sind. Aber wäre es dann nicht an der Zeit, sich selbst mal in den Hintern zu treten, sich über sich selbst zu ärgern und dann die Konsequenz zu akzeptieren, dass jetzt der Gang zum Ärztlichen Notdienst anzutreten ist, auch wenn man lieber etwas anderes getan hätte? Diese Situation kam durch die eigene Vergesslichleit zustande, da sind nicht die Mitarbeiter der Apotheke schuld! Ihnen dann den schwarzen Peter hinzuschieben ist ungerecht.

Auch eine Mehrfachverordnung auf die der Arzt die Medis für ein halbes Jahr verordnet hilft vermutlich nur bedingt. Auch das ist irgendwann „leer“ oder einfach verlegt, und auch hier würden die Leute kommen und ihr Medikament verlangen. Vielleicht würde es helfen, wenn die Ärzte immer gleichzeitig mit dem Kassenrezept noch ein Notfall- Privatrezept mitgeben. Wer seine Arzneimittel nämlich voll bezahlt, der holt sich vermutlich freiwillig ein Kassenrezept vom Notdienst – oder denkt idealerweise rechtzeitig daran, sich eine Verschreibung zu besorgen, so lange der Arzt noch nicht im Wochenende ist…

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