5 Läuse- Irrtümer die ich immer wieder aufklären muss

Inzwischen ist die Saison ja beinahe ganzjährig, trotzdem gibt es immer ein kleines Hoch wenn es wärmer wird: die Läusesaison hat begonnen. Nicht nur in unserer Schule und dem Kindergarten werde ich mit dem Thema konfrontiert (samt der berühmten Zettel die man – betroffen oder nicht – auszufüllen hat). Auch in der Apotheke kommen die Mütter (und es sind IMMER die Mütter) mit ihren Fragen und Vermutungen zu uns die ich gerne beantworte.

Frage 1: Woher hat er/sie die nur? Er/sie hat gestern mit dem Hund von nebenan gekuschelt. Kann er/sie sich da angesteckt haben?

Antwort: Nein. Kopfläuse sind wirtsspezifisch, die wechseln nicht vom Tier zum Menschen und umgekehrt. Die hat das Kind vermutlich von einem Freund. Kinder halten einfach noch nicht diesen „mein Tanzbereich – dein Tanzbereich“ Abstand ein wie wir Erwachsenen. Eigentlich schön…

Frage 2: Muss ich Teddy jetzt waschen oder einfrieren? Wenn ja wie lange und bei wieviel Grad?

Antwort: Nein. Mützen, Kopfkissenbezüge oder andere Gegenstände auf die das Kind drei Tage lang verzichten kann können in einen Beutel verpackt weggelegt werden. Dann ist jede Laus definitv tot. Der Einschlafteddy kann bleiben nachdem er gut betrachtet und eventuell noch zur Beruhigung mit einer Fusselbürste bearbeitet und für läusefrei befunden wurde. Läuse kann man mit bloßem Auge erkennen.

Frage 3: Nur mein Kind Nr.1 hat Läuse. Nr.2 und 3 sind lausfrei. Die muss ich nicht mitbehandeln, oder?

Antwort: Doch. Denn eine einzelne Laus auf einem Kopf kann man nur sehen wenn man viel Glück hat. Und eine alleine kann schon ausreichen wenn sie Eier trägt. Also bitte: einmal die komplette Familie entlausen! Ich weiß, dass das im Internet zuweilen anders steht. Doch die, die das (aus Kostengründen oder warum auch immer) nicht tun sind meistens die, bei denen „seltsamerweise“ mehrfach im Jahr ein Befall festgestellt wird.

Frage 4: Ich will die ganzen Fertigprodukte nicht benutzen. Ich habe Angst davor ein Nervengift auf den Kopf meines Kindes zu geben. Aber ich will auch nicht, dass die Haare anfangen zu brennen. Kann ich nicht stattdessen Kokosöl, Majonaise, Essig oder einen besonders heißen Fön benutzen?

Antwort: Ja. Wenn es ihnen nicht so wichtig ist die Läuse sicher loszuwerden. Falls sie die Tierchen aber gerne aus dem Haushalt entfernt hätten wäre es sinnvoll ein Fertigprodukt zu benutzen. Wie man hört gibt es (wenige aber es gibt sie wohl) tatsächlich Resistenzen gegen das „Nervengift“, aber bei Verwendung des Silikonöls mit dem Wirkstoff Dimeticon kann das nicht passieren. Es setzt sich nämlich in die Atemöffnungen der Laus und erstickt sie. Auf allen theoretisch entflammbaren Produkten findet sich außerdem der Hinweis: „Halten Sie die Haare von offenen Flammen, Zigaretten oder anderen Brandquellen fern“. Das sollte für die Dauer der Anwendung (15Minuten) machbar sein finde ich. Fälle von spontaner Selbstentzündung sind bisher nicht bekannt.

Frage 5: Kann ich einem Befall irgendwie vorbeugen?

Antwort: Eigentlich nicht. Von Hausmitteln wie Essigspülungen oder dick Kokosfett über Nacht halte ich wenig, da das entweder auf Dauer die Kopfhaut reizt, oder einfach unpraktikabel ist. Besser öfter einmal die Köpfe mit einem Läusekamm kontrollieren, auch wenn aktuell weder ein Aushang hängt oder der Kopf juckt.

Und bitte: wer ein krabbelndes kleines Insekt zwischen den Haaren seines Kindes findet und sich nicht ganz sicher ist ob es sich um eine Kopflaus handelt: Bitte bitte die Dinger nicht in einer Tupperdose in die Apotheke tragen. Bitte nicht. Einer der Sätze die ich nie wieder von einem Kunden hören mag ist folgender:

„Oh… komisch… jetzt sind nur noch vier da drinnen, ich hatte eigentlich neun gezählt. Wo sind die nur hin?“

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Omega-3 : Hopp oder Top?

Es ist ein Kreuz mit der Nahrungsergänzung. Zuerst kommen die Kapseln, Tabletten oder Tropfen sehr ambitioniert auf den Markt. Was wird da nicht alles zu Beginn versprochen, was sich dann im Laufe der Zeit als unhaltbar erweist. Am Ende ist so einiges dann auf einmal nicht nur nicht wirksam, sondern sogar regelrecht schädlich. Krebserregend zum Beispiel.

Ich nenne hier mal die vor Jahren so beliebten Vitamin A Kapseln. Die sollten vor allem für Raucher empfohlen werden – was ich auch fleißig tat – zur Vorbeugung von Lungenkrebs. Dann kam die große Studie die das allen Zweiflern hieb und stichfest beweisen sollte. Sie wurde abgebrochen, weil tatsächlich signifikant mehr Raucher in der Verum-Gruppe an Krebs erkrankten. Somit waren sie natürlich raus aus der Empfehlung. Ich hatte sie jedoch bis dato besten Wissens und Gewissens an unsere Kunden verkauft.

Ganz so tragisch ist es nun beim aktuellen Fall nicht: die Omega-3 Kapseln. Auch hier ging unsere Empfehlung immer an Personen mit hohem Blutdruck und hohen Cholesterinwerten raus. Dann kam die erste Studie – das Fazit: unwirksam. So. Und wir in der Apotheke würden die Fischölkapseln jetzt am liebsten einpacken und dem Vertreter mitgeben.

Was soll ich eigentlich antworten wenn mich ein Kunde fragt warum ich das empfohlen habe und wofür er das ganze Geld ausgegeben hat? Blöde Situation. Ich merke mir also: nicht weiterempfehlen dat Zeuch.

Hier tritt nun Studie Nummer zwei auf den Plan: bei Hochrisikopatienten sind sie nun doch signifikant wirksam. Und diese Studie scheint ebenfalls sehr seriös zu sein.

Was jetzt? Hopp oder Top? Die Verbraucherzentrale rät weiterhin von der Einnahme ab und nennt dafür auch nachvollziehbare Gründe. Und was mache ich jetzt? Ich lasse die Fischölkapseln doch im Regal stehen und empfehle Kunden die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten mit ihrem Arzt über die Supplementierung zu sprechen. Von mir aus empfehlen kann ich es jedenfalls nicht.

Auch bei hochdosierten Vitaminen die über längere Zeit eingenommen werden tu ich mich schwer. Vor allem nach der Erfahrung mit Vitamin A. Im Internet wird das nicht so eng gesehen und besonders Vitamin D Präparate werden weiterhin fröhlich in Dosierungen verkauft bei denen es mir die Fußnägel hochrollt. Vor kurzem kam ein junger Mann und wollte die 50.000I.E. zur täglichen Einnahme ohne Rezept kaufen weil er die bei Amazon doch auch so bekommt. Ich kann nur hoffen, daß die nicht „echt“ sind.

Abschließend kann ich nur feststellen, dass der Verkauf von Nahrungsergänzung für mich ein Mienenfeld ist. Die Schere zwischen Krebs und unwirksam ist jedenfalls verdammt groß…

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Danke Jan!

Ich berichtete ja vor ein paar Wochen darüber, das wir vergeblich versucht hatten uns bei Marpinion anzumelden.

Zum Glück liest Jan Reuter hier in den Blog immer mal rein und hat sich offenbar an der richtigen Stelle beschwert 🙂 Kurz nach meinem Blogeintrag war ein Außendienstmitarbeiter der Firma bei uns, und danach sind auch die IPads eingetroffen. Wir haben uns sehr gefreut!

Die Aponovela schauen wir dann alle zusammen im Team an, das wird sicher lustig 😉

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Nicht nur Arzneimittel…

…auch andere Dinge werden in Krankenhäusern knapp. Nach dem Skandal ums Oxytocin im Kreißsaal sind jetzt offenbar auch noch bestimmte Medizinprodukte/Hilfsmittel knapp.

Ein Armutszeugnis für Deutschland!

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Richtige Medikamentenentsorgung

Im Ersten lief ein Infovideo mit Thomas D. zur richtigen und falschen Medikamentenentsorgung.

Auch in der Süddeutschen Zeitung gab es vor vielen Jahren einen Bericht dazu (der aus der WELT klingt übrigens verblüffend gleich, findet ihr nicht…?)

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht ganz, warum im öffentlichen Fernsehen Tipps gegeben werden, die anders lauten als es die zuständigen Ministerien verlautbaren.

Das BMG schreibt dazu nämlich folgendes:

Altarzneimittel zählen zum „Siedlungsabfall“ und können deshalb in den Hausmüll gegeben werden. Entgegen einer vielfach geäußerten Auffassung ist die Hausmüllentsorgung ein sicherer Entsorgungsweg für Altarzneimittel. Denn seit dem 1. Juni 2005 wird in Deutschland der Siedlungsabfall zuerst in Müllverbrennungsanlagen verbrannt oder mechanisch-biologisch vorbehandelt, bevor er in Deponien gelagert wird. Durch diese Verbrennung oder Vorbehandlung werden die in Restabfällen wie Altarzneimittel enthaltenen Schadstoffe weitgehend zerstört oder inaktiviert. Die danach noch vorhandenen Arzneimittelreste stellen bei der Deponierung keine Gefahr für das Grundwasser dar. Aufwendige Deponieabdichtungssysteme und Sickerwassererfassungen sorgen dafür, dass Schadstoffe aufgehalten werden und nicht ins Grundwasser gelangen.

Wir machen in den Apotheken nämlich rein gar nichts anderes, als die Tabletten in den Hausmüll zu werfen. Den Gang kann man sich jedenfalls sparen 😉

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Tierheilpraktiker beim BTB – Teil 18

Ich bin ganz aufgeregt denn die letzten Unterlagen vom BTB sind bei mir eingetroffen. Und mit den letzten Büchern kamen auch die Prüfungsbogen mit den letzten Fragen. Je Teilbereich sind es etwa 40 Fragen, zum Teil Multiple Choice und zum Teil zum selbst beantworten.

Jetzt ist der Endspurt laut eingeläutet, und ein wenig wehmütig bin ich schon. Einerseits ist es toll, dass ich es bald geschafft habe und mich offiziell „Tierheilpraktiker“ nennen darf. Andererseits bedeutet es das Ende der Fortbildungszeit und der tollen Erfahrungen die ich in dessen Umfeld machen durfte.

Wenn ich alles Revue passieren lasse sehe ich mich am Ostseestrand sitzen und Pferde auf einer Weide abzeichnen. Ich achte jetzt viel mehr darauf wie Hunde oder Pferde gehen oder laufen und versuche die Erkrankungen herauszulesen. Was Heilkräuter und deren Anwendungen angeht bin ich theoretisch recht versiert, praktisch fehlt mir noch die Erfahrung. Ich werde glaube ich mit einem Herbarium beginnen um die heimischen Heilpflanzen besser erkennen zu können.
Aber ich denke vor allem an all die lieben Menschen die ich in den letzten 1 1/2 Jahren kennengelernt haben. Alle Mitstreiter die zum Teil ihre Ausbildung schon beendet haben und auch alle Helferlein, die mir ihre Haustiere zum „üben“ überlassen haben. Auch die Tierärztin die uns bei der Praxis unterstützt hat mit ihren Vögeln, Eseln und Hunden hätte ich ohne die Weiterbildung beim BTB nicht kennengelernt. Mit den meisten anderen „Schülern“ die ich dort kennengelernt habe stehe ich noch in regem Kontakt. Wir helfen uns gegenseitig bei Fragen die sich ergeben und erzählen uns von unseren Erfahrungen im neu Erlernten. Es war und ist eine tolle Zeit – und ich mache mich jetzt an die Prüfungsfragen des BTB. Ich informiere Euch dann darüber, was dabei rausgekommen ist 🙂

Zum Glück steht uns der BTB auch noch zwei Jahre nach Beendigung der Weiterbildungsmaßnahme für Fragen zur Verfügung. Gerade für diejenigen unter uns die eine tatsächliche Neugründung ihrer Existenz ins Auge fassen ist das Gold Wert!

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Unterstützung des BTB

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Dunja Hajali über Macht, Medien und Mythen

Schöner Vortrag über Filterblasen, Faktenchecks und Populismus im Journalismus.

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