Neulich in der Teststation…

Bekanntlich wird seit dem 11.10. nur noch in den seltensten Fällen die Corona-Schnelktestung als Bürgertest vom Staat bezahlt. Da der/die ein- oder andere aber weiterhin auf diese Dienstleistung angewiesen ist, machen wir erst einmal weiter. Und zwar so lange, bis uns irgendwann endgültig der Kragen platzt.

In der vergangenen Woche haben wir uns trotz deutlich verringerter Auslastung die Mühe gemacht, täglich wegen drei oder vier Menschen unser Tagewerk in der Apotheke zu unterbrechen, die Station vorzubereiten und zu bestücken, zu desinfizieren, uns eine FFP3, ein Visier, Handschuhe und Schutzkleidung anzulegen. Im Schnitt sind zwei von den Kinden die dann kommen freundlich, einer beklagt sich über die Kosten, und einer wird pampig.

Einer wetterte an der Station los, wir seien viel zu teuer (die Preise liegen zwischen 12 und 15 Euro), und in der „Wirtschaft“ würden sie von der Bedienung dort doch auch für 2Euro „pro Nase“ getestet werden. Dass die weder den Verbrauch an Schutzkleidung in ihrer Kalkulation mitberechnen, noch im Anschluss gültige Zertifikate ausstellen, noch eine Buchungssoftware installieren und bezahlen müssen, und dass die Tests vermutlich von der 1-Euro- Restekiste aus dem Supermarkt stammen, und nicht die validierten Profitests sind wollte er nicht hören. Auch nicht, dass die „Wirtschaft“ ja im Anschluss die Hand für das Essen und die Getränke aufhält war irgendwie nicht das, was er hören wollte. Diese Vergleiche hinken ganz gewaltig.

Besser war dann noch der Herr vom Roten Kreuz. Er lief mehrfach grinsend an unserer Station vorbei, um den Leuten die sich testen lassen ein unmoralisches Angebot zu unterbreiten. Sie sollen doch eine Schulung zum Corona-Tester bei ebenjenem Verein machen, dann für 20Euro ein Kleingewerbe anmelden, und schon könnten sie sich und ihre Lieben selbst zuhause testen (oder auch nicht? Knixiknaxi…) und dafür ein gültiges Zertifikat ausstellen. Geil, oder?

Ob diese Möglichkeit tatsächlich besteht- ich will es glaube ich gar nicht wissen. Was ich allerdings weiß: wir hatten zwei positive Testungen in der vergangenen Woche, das ist richtig viel für diese geringe Anzahl an Probanden. Es ist (immer noch) nicht vorbei, dabei bin ich dermaßen coronamüde, ich kann es gar nicht sagen wie sehr. Es ist doch auch schon ohne all diese Stolpersteine schwer genug!

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Wir haben es getan!

Wir haben das getan, was viele Ärzteverbände aufs Schärfste kritisieren.

Wir haben damit in ihren Augen eine Grenze überschritten.

Impfen ist eine rein ärztliche Tätigkeit, die nicht infrage gestellt werden darf.  Und doch… haben wir es getan. Und warum? Weil wir helfen möchten. Doch… lasst mich am Anfang beginnen.

Wir leben hier in einer der Modellregionen, im denen sich AOK Patienten – wenn sie das gerne tun möchten – in dafür qualifizierten Apotheken gehen die saisonale Grippe impfen lassen dürfen. Das ist ein Glück für den ein- oder anderen, dem man in der Arztpraxis nicht weiterhelfen kann. Bei uns sind sowohl Birgit als auch unser Chef in dieser Hinsicht weitergebildet, und willens und bereit dafür, ihr Wissen auch praktisch umzusetzen.

In unserem Fall erreichte uns diesen Donnerstag ein Anruf einer jungen Frau, die von ihrer Firma aus unvermittelt nach Italien geordert wurde, um dort für die nächsten vier Monate ein Projekt zu betreuen. Sie wollte sich vorher sicherheitshalber in Deutschland gegen die Grippe impfen lassen, nur fand sie keine Arztpraxis die dazu bereit war, das zu tun. Der Grund: sie hat keinen festen Hausarzt zu dem sie immer geht, und die anderen Ärzte die sie telefonisch erreichen konnte hatten entweder noch keinen Impfstoff für ihre Praxis erhalten, oder wollten ihn für ihre Stammpatienten aufsparen.

Als sie dann bei uns anrief, und wir ihr sagen konnten, dass sie in 40 Minuten vorbeikommen kann war sie überglücklich. Die Impfung selbst nahm unser Chef ganz routiniert in unserem Beratungsraum vor. Sie verlief völlig unspektakulär. Wir haben damit keinem Arzt einen Patienten weggenommen, aber ganz niederschwellig agieren können, und haben damit eine Person glücklich gemacht, die jetzt deutlich entspannter ins Ausland fahren kann.

Ist es die Aufregung wirklich wert, dass die Ärzte gegen die Apotheker Sturm laufen? Ist es der Untergang des Abendlandes, wenn wir dazu beitragen die beschämend niedrige Impfquote zu erhöhen?

Ist es nicht im Gegenteil so, dass wir deutlich mehr Menschen während unserer Beratung erreichen können, als viele Ärzte, deren Zeit deutlich begrenzter ist? Mich hat außer einer einzigen Ärztin noch nie ein Arzt von sich aus darauf angesprochen, dass ich mich impfen lassen sollte.

Wenn die Ärzte also so wild darauf sind, hier das Heft in der Hand zu behalten, dann hätten sie in der Vergangenheit mehr dafür tun müssen. Ich denke es gibt einen triftigen Grund dafür, dass die Politik die Apotheken mit ins Boot geholt hat.

Wir wollen nichts wegnehmen, wir wollen helfen und unterstützen. Und das ist auch gut so.

Zum Thema Grippeimpfung allgemein bin ich gespannt, ob es wieder so schlimm bei uns werden wird wie im vergangenen Jahr, als manche Menschen sich ihre Impfung „erkaufen“ wollten. Aber das ist ein anderes Thema…

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Ein dickes Problem

Schlank war ich vermutlich nie – naja… in manchen Lebensabschnitten schon, aber immer nur sehr kurz. Meistens war ich dann schlank, wenn es mir nicht besonders gut ging. Sobals ich mich wohl fühle, esse ich einfach zu gerne, oder knabbere abends bei einem Glas Wein auch mal mehr, als mir guttäte.

Aber ich hatte mein Gewicht bisher immerhin soweit im Griff, dass ich ab einer bestimmten Zahl auf der Waage die „Handbremse gezogen“ und wieder abgenommen habe – bis zum nächsten Mal. Gewicht zu halten war also kein Projekt für mich, sondern eher eine Lebensaufgabe.

Was mir an meinem Körper immer schon misfallen hatte waren meine Oberarme, die Beine und der Po. Alles war in meinen Augen unproportional kräftig. Ich gehe daher eigentlich nicht gerne ins Schwimmbad und trage seit vielen Jahren auch keine kurzen Hosen oder ärmellose Oberteile. Ich fühle mich darin unwohl, und starre ständig selbst auf diese Schönheitsmakel.

Vir etwa einem Jahr fing dann eine auch für meine Verhältnisse unbekannte Zunahme an, und ich habe seither gut 7kg zugenommen, ohne dass ich sagen konnte, dass ich mehr gegessen habe, oder mich weniger bewegt. Es wurde stetig mehr, und alle Diäten etc. haben nicht gefruchtet. Irgendwann habe ich mich dann einmal zum Arzt bewegt, und alles einmal abklopfen lassen: Niere, Schilddrüse, Gefäße. So viel vorweg – es ist alles gesund.

Der Lymphologe brachte es dann an den Tag, was ich bereits geahnt hatte: ich leide unter Lipödem. Das ist nun nicht lebensbedrohlich, aber war doch ein kleiner Schlag. Abnehmen werde ich in diesem Leben also vermutlich nicht mehr, muss aber gut aufpassen, dass ich nicht mehr zunehme. Der Arzt hat mich auch gleich darauf hingewiesen, dass ich ab sofort besser auf Kuchen, Schokolade und fettes Essen verzichten sollte, und mein Grundumsatz durch die Erkrankung ohnehin stark erniedrigt ist.

Er sagte, er sei eigentlich niemand, der vegane Ernährung empfiehlt, aber sie hätte bei vielen Patientinnen schon gut angeschlagen, damit sich die Erkrankung immerhin nicht rapide weiter verschlechtert. Erblich vorbelastet bin ich übrigens gar nicht. Woher das Lipödem also kommt kann er nicht sagen.

Gut, ich nehme die „Challenge“ jetzt einfach mal an – was bleibt mir auch anderes übrig – und stelle meine Ernährung entsprechend um. Dazu kommen Kompressionsstrümpfe und Lymphdrainage. Ich bin gespannt, ob es mir doch noch gelingt, ein für mich halbwegs akzeptables Körperbild zu bekommen. Die einzige Möglichkeit das Lipödem ursächlich zu bekämpfen ist nämlich eine Fettabsaugung, und die zahlt die Krankenkasse nicht. Mit meinem Gehalt ist sowas ebenfalls nicht drin (es sei denn ich fange jetzt kräftig an zu sparen).

Hat jemand meiner Leser hier andere Erfahrungen gemacht, und einen Weg gefunden, das fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten?

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Immer wieder Samstags…

Wisst ihr was ich so hasse an den Samstagen? Nein, es ist nicht das Arbeiten am Wochenende, wenn die meisten Freunde und Bekannten ausschlafen können. Ich arbeite eigentlich sehr gerne samstags, weil ich da mit der weltbesten Kollegin Sandra zusammen eingeteilt bin.

Aber Samstag bedeutet auch, dass kein Arzt da ist, wenn sie die Apotheke betreten: die Kundinnen und Kunden, denen ihre Medikamente ausgegangen sind, und die der festen Überzeugung sind, wir könnten sie ihnen ja auch „ausnahmsweise“ mal ohne Rezept über den HV schieben.

Ich sag es gleich: NEIN! Fett geschrieben und auch so gemeint. Nein. Fertig aus, keine Diskussion, never ever, Basta. Wir dürfen das nicht, und wir wollen es auch gar nicht.

Die Abgabe eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels ohne Vorlage einer Verschreibung ist laut § 96 Nr. 13 AMG eine Straftat. Diese zieht Ermittlungen gegen die Apotheke durch die Staatsanwaltschaft nach sich, hohe Geldstrafen und der Verlust der Approbation des/der verantwortlichen Apothekers/Apothekerin oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr können hier drohen.

Und nochmal nein: es ist weder unterlassene Hilfeleistung, noch ein rechtfertigender Notstand, wenn wir das Medikament nicht „rausrücken“. Auch wenn es unbequem ist: der Ganz zum nächsten Ärztlichen Notdienst steht jedem offen, der hier in Nöten ist. Wir sind nicht dazu verpflichtet die Faulheit oder die Vergesslichkeit unserer Kunden zu kompensieren.

Geht jemand zur Bank und verlangt Geld, obwohl er gerade seine Bankkarte zuhause vergessen hat? Nein. Auch wenn die Mitarbeiterin ihn dort seit Jahren kennen – die machen auch nicht einfach mal so den Tresor auf und zahlen ihm etwas aus, oder? Und auf die ist auch keiner sauer, die versteht seltsamerweise jeder!

Oder beim Arzt würde auch niemand zur MFA sagen: „Ach so – der Arzt ist gerade auf Hausbesuch – dann müssen SIE mir jetzt das BTM- Rezept unterschreiben. Ich brauche das jetzt!“

Manche Apotheken machen das trotzdem, ich weiß es. Ich würde die Kollegoiden dort manchmal am liebsten bei der Kammer anschwärzen, denn es lässt uns wie Deppen dastehen, wenn eine halbe Stunde nachdem wir unseren Stammkunden abweisen mussten, dieser mit dem gewünschten Betablocker in der Hand dasteht, den wir ihm zuvor verweigert hatten:

„Wo anders geht es komischerweise. Mich haben sie als Kunden das letzte Mal gesehen!“

Das beschäftigt uns noch lange, und wir nehmen uns diese Vorfälle zu Herzen und gehen damit ins Wochenende.

„Sie sind schuld, wenn ich am Sonntag sterbe!“

Das ist auch so ein Satz, der wehtut, aber nichts an unserer Überzeugung ändert. Was ist, wenn diese Kundin am Wochenende tatsächlich stirbt, und vorher von uns illegalerweise noch Medikamente erhalten hat? Das wäre genauso schlimm.

„Sie sind schuld, wenn ich meine Approbation verliere“

wäre die passende Replik für Apotheker. Auf den Satz „wenn ich das mache kann das verdammt teuer für mich werden“ hat meine Kollegin schon zu hören bekommen „Ach sie Arme! Ich geh dann auf der Straße für sie sammeln.“

Ich kann es verstehen, dass die Situation doof ist, wenn einem die Tabletten ausgegangen sind. Aber wäre es dann nicht an der Zeit, sich selbst mal in den Hintern zu treten, sich über sich selbst zu ärgern und dann die Konsequenz zu akzeptieren, dass jetzt der Gang zum Ärztlichen Notdienst anzutreten ist, auch wenn man lieber etwas anderes getan hätte? Diese Situation kam durch die eigene Vergesslichleit zustande, da sind nicht die Mitarbeiter der Apotheke schuld! Ihnen dann den schwarzen Peter hinzuschieben ist ungerecht.

Auch eine Mehrfachverordnung auf die der Arzt die Medis für ein halbes Jahr verordnet hilft vermutlich nur bedingt. Auch das ist irgendwann „leer“ oder einfach verlegt, und auch hier würden die Leute kommen und ihr Medikament verlangen. Vielleicht würde es helfen, wenn die Ärzte immer gleichzeitig mit dem Kassenrezept noch ein Notfall- Privatrezept mitgeben. Wer seine Arzneimittel nämlich voll bezahlt, der holt sich vermutlich freiwillig ein Kassenrezept vom Notdienst – oder denkt idealerweise rechtzeitig daran, sich eine Verschreibung zu besorgen, so lange der Arzt noch nicht im Wochenende ist…

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Wie stehen die Parteien zur Vor-Ort-Apotheke?

Bald sind Wahlen, und ich sitze immer noch hier und weiß nicht, wo ich mein Kreuz machen soll. Sonst bin ich immer der Typ für die Briefwahl, weil ich keine Lust habe, mich mit dem halben Dorf in die Turnhalle zu begeben, und lieber etwas Interessanteres mit meinem Tag anstelle, aber dieses Mal muss ich wirklich warten, bis Tag X angebrochen ist, um mich in letzter Minute zu entscheiden.


Es ist ja nicht so, dass man die Qual der Wahl zwischen vielen guten Möglichkeiten hätte, nein. Es fühlt sich für mich dieses Mal so an, als wäre jede einzelne Partei das schlechtere Übel, und ich will eigentlich keine davon tatsächlich als „meinen“ verlängerten Arm sehen. Das ist so traurig! Also: wie soll man sich entscheiden, wenn man eigentlich keine Wahl hat? Das fühlt sich in etwa so an, als würde jemand fragen: „Willst du eine Ohrfeige, einen Tritt ans Schienbein oder soll ich dir mal kräftig an den Haaren reißen?“ Man will eigentlich nichts davon, aber wenn man nicht wählt, dann gewinnt derjenige, der dich schon die ganze Zeit mit dem Messer schneiden möchte…


Also habe ich gedacht, ich beschränke mich auf die „drei großen“ und schaue mir mal ihre politischen Überzeugungen im Hinblick auf die Gesundheitspolitik an. Also: welche Partei ist das kleinste Übel für die Apotheke in der ich arbeite, und die mir mein Brot gibt, von dem ich bis zur Rente zehren möchte?


Die CDU/CSU steht laut ihrem Wahlprogramm nicht wie die SPD und Bündnis 90/Die Grünen für eine einheitliche Bürgerversicherung, sondern für einen verstärkten Kassenwettbewerb, damit die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung gewährleistet bleibt. Ich bin da ehrlich, ich lese überall die Vor- und Nachteile die es für den einen und den anderen Fall geben soll, weiß aber nicht ob es so zutrifft. Die eine Seite spricht davon, dass die Versorgung für alle gleich gut sein soll, die anderen beschwören herauf, dass Qualität und Innovationsgeist in der Versorgung sinken wird. Wer sich alle Argumente einmal durchlesen möchte, der darf sich gerne hier damit auseinandersetzen: https://www.bundestag.de/resource/blob/543314/9718c94eab41a8406e645cd6d5457caf/WD-9-058-17-pdf-data.pdf

Für mich ist weder die eine- noch die andere Lösung optimal. Ich wäre eher dafür, eine einheitliche gesetzliche- und eine Privatkasse nebeneinander bestehen zu lassen, oder wenigstens die Zahl der Kassen insgesamt zu reduzieren. Mal ehrlich – braucht Deutschland wirklich 103 Krankenkassen?


Die CDU/CSU strebt außerdem eine erhöhte Landarztquote bei der Studienplatzvergabe an, das finde ich immerhin löblich. Außerdem sorgte sie in der Vergangenheit dafür, dass das Makel- und Zuweisungsverbot für den E-Rezept-Token gesetzlich verankert wurde und hat das RX-Boni-Verbot auf den Weg gebracht. Sie stehen dem Impfen in der Apotheke grundsätzlich positiv gegenüber und ist auch grundsätzlich für mehr Dienstleistungsangebote in den Apotheken offen.

Die CSU steht sogar weiterhin für ein RX-Versandverbot ein, was natürlich für deutsche Apotheken ein Traum wäre.
Andererseits hatte auch die CDU das RX-Versandverbot im Koalitionsvertrag verankert, und dann doch nicht umgesetzt. Es war offenbar nur ein Lippenbekenntnis, aber immerhin… man ist ja dankbar für alles, was wenigstens so aussieht, als sei die Vor-Ort-Apotheke nicht der Feind, sondern der Freund, nicht wahr?

Da die CDU auch die vereinfachten Abgaberegeln die in den Apotheken während der Pandemie gelten künftig verstetigt sehen möchte, ist sie mir besonders sympathisch. Das würde mir nämlich meinen persönlichen Arbeitsalltag deutlich erleichtern, sorgt für ein besseres Auskommen mit den Patienten und auch mit den Arztpraxen, da ich dort zur Zeit vermutlich nicht mal halb so oft wegen irgendwelcher Formfehler anrufen muss.


Wie sieht es nun bei der SPD aus? Sie gilt nicht unbedingt als großer Apothekenfreund, und die Apothekerschaft trägt ihr seit den Zeiten von Ulla Schmitt nach, dass sie den Versand von Arzneimitteln aus dem Ausland ermöglicht hat, der vermutlich früher oder später der Grund für das Aus der meisten inhabergeführten Vor-Ort-Apotheken sein wird.

Sie setzt sich auch weiterhin für die Digitalisierung im Gesundheitswesen ein (was ja per se nicht schlecht ist). Ihren Einsatz für den Ausbau digitaler Angebote für Arztpraxen und Apotheken sehe ich allerdings nicht wirklich gerne, und auch die Aussage der gesundheitspolitischen Sprecherin Dittmar, dass „nicht jeder kleine Ort eine Apotheke braucht“ stimmt mich ihrer Partei gegenüber nicht wohlgesonnen, wenn sie auch gleichzeitig betont, dass eine „Versorgung überall und für jeden gut zugänglich sein“ müsse.

Weiterhin steht die SPD für die Weiterentwicklung der weiteren Gesundheitsfachberufe außerhalb der Arztpraxen, die dann „zentrale Aufgaben in der medizinischen Versorgung der Bürgerinnen und Bürger“ übernehmen sollen. Hier erhoffe ich mir eine kleine Chance für Apotheken, beziehungsweise meinen eigenen Berufsstand der PTA, sollte die SPD uns zu den „weiteren Gesundheitsfachberufen“ dazuzählen. Genaueres weiß man aber leider nicht. Ihre gesundheitspolitische Sprecherin möchte aber mehr Dienstleistungen in den Apotheken anbieten lassen und ist auch offen für mehr Impfungen durch Apotheker als „nur“ die Grippeimpfung. Zudem werden Stationsapotheker in allen Krankenhäusern gewünscht, was ich begrüßen würde, wenn mit jemand erklärt, wo die alle herkommen sollen. Wir haben doch ohnehin zu wenig Apotheker, oder?

Die SPD sieht außerdem ein Problem bei der Abwanderung der Arzneimittelproduktion ins Ausland und möchte Deutschland wieder als „Apotheke der Welt“ sehen, was wir ja einmal waren. Nur wie sie das anstellen wollen ist wieder nicht erklärt. Schade…


Bündnis 90/Die Grünen sehen ebenfalls die positiven Effekte, die eine größere Verantwortung im Gesundheitssystem für Apotheker und Apothekerinnen, beispielsweise bei der Beratung von Ärzten und Pflegepersonal im Krankenhaus, bringen würde. Auch hier wird nicht gesagt, wo die Apotheker dafür herkommen sollen. Vergrößertes Studienangebot? Finanzielle Anreize? Man weiß es nicht.

Grundsätzlich haben die Grünen in der Vergangenheit mehrfach betont, dass sie eine Abkehr vom RX- Packungshonorar und eine Hinwendung zur Vergütung von pharmazeutischen Dienstleistungen begrüßen würden. Ich sehe da Probleme bei der Abrechnung ebendieser und ein deutliches Plus an Bürokratie und Zettelwirtschaft in den Apotheken. Das ist nicht wirklich attraktiv um mich als Wähler zu gewinnen.

Fair fände ich dagegen die Schaffung einer einheitlichen Bürgerversicherung, in die nicht nur alle nach ihrem Einkommen einzahlen, sondern in der auch Beiträge auf Aktiengewinne oder Kapitaleinkünfte erhoben werden. Sehe ich allerdings leider als nicht durchsetzbar an (genauso wie eine Tobin/Spahn-Steuer).

Auch die Grünen stehen für eine Weiterentwicklung der Gesundheitsfachberufe, haben hier aber tatsächlich auch Vorschläge, wie sie das Umsetzen möchten, nämlich über die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze an Hochschulen und Universitäten. Hier stehen auch mehr Medizinstudienplätze auf dem Programm, das hat außer den Grünen keine andere Partei auf dem Plan.

Sie möchten außerdem den Trend zur Privatisierung der Krankenhäuser umkehren und streben ein Ende des Fallpauschalensystems an. Alle Entscheidungen sollten (wieder) danach getroffen werden, was das Beste für Patienten und Beschäftigte ist. Das klingt doch schon mal ganz nett. Es wurde allerdings einmal eingeführt, um die Kosten der Krankenhäuser transparenter zu machen und die Liegezeiten der Patienten zu verkürzen. Diese Transparenz müsste nun auf eine andere Weise gewährleistet werden, damit die Kosten nicht explodieren. Wie das von statten gehen soll wird leider nicht ausgeführt.

Die Grünen wollen zudem das Mehrbesitzverbot in den Gebieten lockern, die von der Apothekendichte her unterversorgt sind. Auch wenn sie immer betonen, dass das nur lokale Lösungen sein sollen und einer Kettenbildung kein Raum gelassen werden soll bin ich nicht davon überzeugt, dass hier nicht eine Tür geöffnet wird, die dann nicht mehr geschlossen werden kann.

So, das war meine kleine Analyse der drei „großen“ (hahaha) Parteien, die alle irgendwo bei 20 Prozent herumdümpeln. Egal wer hier am 26.09. „gewinnt“, er wird etwa 75 Prozent der Wähler und noch höhere Prozente der Bevölkerung nicht hinter sich haben, und das sehe ich als größeres Problem unserer Demokratie an. Aber das ist wieder ein anderes Thema.
Die Parteiprogramme zum selbst nachlesen findet ihr hier:


https://archiv.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/170703regierungsprogramm2017.pdf?file=

Klicke, um auf Es_ist_Zeit_fuer_mehr_Gerechtigkeit-Unser_Regierungsprogramm.pdf zuzugreifen

Klicke, um auf BUENDNIS_90_DIE_GRUENEN_Bundestagswahlprogramm_2017_barrierefrei.pdf zuzugreifen

Wer sich zudem noch sich über die wissenschaftspolitischen Handlungsansätze der zur Wahl stehenden Parteien informieren möchte, dem sei die Befragung der Parteien zur Wissenschaftspolitik ans Herz gelegt. Das ist eine gemeinschaftliche Aktion der großen mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften, die aufzeigen soll, welche grundlegenden wissenschaftspolitischen Vorstellungen die jeweiligen Parteien haben. Ist ja auch nicht ganz uninteressant für die, die nicht gerade in einer Apotheke arbeiten und da vielleicht andere Prioritäten zugrunde legen 😉

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Nachlese „Med im Kornfeld 2021“

Schön wars, trotz des immer mal einsetzenden Nieselregens. Bei der Ankunft auf dem Gelände, auf das uns ein witziger 70jähriger, urrheinischer Bär in seinem Shittlebus kutschierte gab es erst einmal einen Coronatest. Es galt also 2GG, da man gar nicht teilnehmen durfte, wenn man nicht zuvor bereits geimpft wurde, oder genesen war. Fand ich klasse, dass das so geregelt wurde, denn nur so konnten sich alle auch wirklich halbwegs sicher fühlen – auf Masken wurde trotzdem nicht verzichtet.

Auf alle, die den Test negativ hinter sich gebracht hatten wartete im Anschluss ein leckeres Essen, das nachhaltig verpackt und ansprechend dekoriert war direkt hinter dem Eingang, urig an Biertischen kredenzt. Ich mag ja solche Gegensätze (quasi Sterneessen trotz Zeltlagerambiente) besonders gerne. Die offizielle Begrüßung erfolgte durch Frank Antwerpes himself in einer Art „Riesentipi“ (der „Scheune“) der alle locker und freundlich willkommen geheißen wurden

Direkt nach dem Gründer von DocCheck trat die bekannte Hautärztin Dr. Yael Adler auf, die mit „Tabuthemen“ aufräumte. Leute – wenn ihr Veränderungen an euch feststellt, dann lasst sie frühzeitig abklären! Beobachtet euren Partner und legt euch einen Handspiegel für „entlegenere Stellen“ zu!

Nach Dr. Adler war DocCaro dran, die viel über ihre Aufklärungsarbeit bei YouTube, den Umgang mit Hatern und den Einfluss diverser sinnvoller und weniger sinnvoller Beiträge in den Sozialen Netzwerken berichtete. Hut ab vor dieser Frau, die so viele Jobs samt Familie und Hobbys unter einen Hut bringt. Dazu war sie auch im Anschluss an ihren Vortrag noch bereit etwas zu plaudern und war dabei immer sehr sympathisch. Ich finde sie jetzt noch toller als zuvor schon 🙂

Die Themen waren breit gestreut, man konnte sich über die optimale Kommunikation zwischen Arzt und Apotheker bei Eva Bahn informieren, Dr. Whatson erklärte, wie man komplexe Inhalte an ein junges Publikum transportiert, zwei junge Hebammen von „hallohebamme“ erklärten die Hebammenarbeit 2.0 und in der aktiven Pause wurden Bäume gepflanzt.

Besonders hervorzuheben war der Kaffee von „the bomb coffee“, den Dr. Moritz Tellmann und der Pfleger Kamil Albrecht den Gästen kredenzten. Das Zelt war immer gut besucht 🙂

Er wird aus einer speziellen Röstung von Bohnen aus einem brasilianischen Naturschutzgebiet gebraut und einfach nur lecker. Der ein- oder andere wunderte sich, als er den freundlichen Kaffeeausschenker „Moritz“ später in anderen Klamotten als Speaker in der „Scheune“ wiederfand. Ja, er war gestern einfach überall zu finden, als Kistenschlepper, Kaffeekocher und „Erklärbär“ zum Thema, wie wichtig der Muskelaufbau für die Gesunderhaltung des Körpers ist – quasi ein Hansdampf in allen Gassen 😉

Ich hätte mir am Liebsten alle Vorträge angesehen, aber das war leider nicht möglich, da viele davon parallel liefen. Zum guten Glück kam im Verlauf des Nachmittags sogar noch die Sonne heraus und wärmte uns nochmal kräftig durch.

Den krönenden Abschluss der Vorträge war der Keynote-Vortrag von Dr. Eckart von Hirschhausen „Gesunde Erde, gesunde Menschen – Mensch Erde! Wir könnten es so schön haben!“ Er schilderte in bewegenden und persönlichen Worten, wie er zum Thema „Klimaschutz“ gekommen ist – nämlich durch ein Interview, das er mit Jane Godall führen konnte. Ich hatte zuvor nicht besonders viel über den Zusammenhang von Klimawandel und Gesundheit nachgedacht, da bin ich ehrlich. Nach dem Abend gestern bin ich deutlich sensibilisierter.

„Ein gutes Leben hängt nicht zwingend mit stetigem Wachstum zusammen. Alles was ständig wächst – auch wenn verschiedene Parteien dieses stetige Wachstum immer wieder propagieren – macht krank. Krebs zum Beispiel.“

Von Hirschhausen war vor allem dort, um junge Health-Influencer und solche die es werden wollen dazu zu bewegen, sich mit dem wichtigsten aller Themen zu befassen und es an die breite Öffentlichkeit zu transportieren. Ich hoffe, seine Botschaft ist gestern auf fruchtbaren Boden gefallen.

Extrem sympathisch war seine unkomplizierte Art völlig ohne Star-Allüren auf alle zuzugehen.

Nach den Vorträgen empfing uns ein leckeres Abendessen, und viele Plaudereien mit Menschen jeglichen Alters mit Gesundheits-Background und ich hatte ein nettes Get-together mit Nella und dem Medizynicus aus unserer DocCheck Blogger-Runde. Gegen 21 Uhr setzte dann der Nieselregen wieder ein, und ich fuhr mit dem Medizynicus im Shuttlebus gemütlich zum Hotel. Das angedachte zelten fiel wieder einmal im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Naja… vielleicht im kommenden Jahr?

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Med im Kornfeld 2021

10:47Uhr: in 15 Minuten steige ich um und freue mich, immerhin den Medizynicus und Nella in Hennef beim diesjährigen „Med im Kornfeld“ zu treffen. Die anderen Blogger aus unserer Riege waren leider verhindert (Pharmamaaa – wie schaaade!). Auch schade: das Wetter ist alles andere als einladend muss ich sagen. Aber gut, ich will mal nicht wählerisch sein 😉

Klasse ist es auf jeden Fall, dass DocCheck es in diesem zweiten Coronajahr geschafft hat, überhaupt eine Präsenzveranstaltung auf die Beine zu stellen, nicht wahr? Ich freue mich ganz besonders auf die Vorträge von DocCaro, Dr. Yael Adler und Dr. Eckart von Hirschhausen. Ich hab sogar zwei „Impfbücher für alle“ mitgebracht, die ich mir signieren lassen möchte wenn es geht 🙂

Ich bleibe guten Mutes was das Wetter angeht, und melde mich später nochmal!

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Sie machen das nicht richtig!

Neulich im Testzelt: ein Mann kommt zum Abstrich mit den Worten: „Aber bitte! Seien Sie jaaa vorsichtig, ich bin da echt empfindlich an meiner Nase.“

Ich versuche ihn zu beruhigen, sage dass ich vorsichtig bin und will beginnen.

Kaum bin ich nicht mal mit dem halben Watteköpfchen im Nasenloch, habe noch nicht mal mit dem Abstreichen begonnen, zieht er den Kopf zurück und verzieht das Gesicht. Ich beginne wieder, er zieht den Kopf abermals zurück und hält mir das zweite Nasenloch entgegen.

„Wir sind da noch nicht fertig, Herr X. Genau genommen habe ich noch nicht mal angefangen. Bitte halten Sie ihren Kopf einfach ruhig, ja? Ich passe wirklich auf.“

Nachdem er dann die Prozedur ein Mal über sich ergehen ließ – nicht ohne lautstarkem Schnauben und Stöhnen natürlich- schaut er mich vorwurfsvoll an.

„Sie machen das nicht richtig! Sie sind da viel zu weit drinnen!“

Ich zeige ihm das Stäbchen, und die Stelle, wie tief ich es eingeführt habe.

„Nein, ich kann das beurteilen ob sie das richtig machen! Ich werde im Geschäft seit 6 Monaten 1x in der Woche getestet, und das hat sich immer anders angefühlt!“

„Wissen Sie was, Herr X. – ich weiß ja nicht, wer bei Ihnen im Geschäft die Probenentnahme macht, aber ich versichere ihnen, dass ich das gelernt habe. Ich mache auch nicht nur einen Test in der Woche, sondern zwischen 20 und 50 am Tag. Ich weiß schon, wie tief ich reingehen muss, damit ich eine verwertbare Probe bekomme, glauben Sie mir.“

Der Rest des Testes lief dann unter Protestschnauben, aber ohne Beschwerden. Die nächste Probandin am Zelt war ein 4-jähriges Mädchen, die den Stab genauso tief in der Nase hatte.

„Hihihi, das kitzelt“ giggelte sie und strahlte mich dabei an. So unterschiedlich werden die Dinge manchmal wahrgenommen…

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Liebe Apotheker/innen – was sind wir eigentlich für euch?

Es begann mit einer wirklich unmöglichen Aussage eines AFD- Politikers zum Thema „Entwicklung der Apotheke“. Er sah kaum Optimierungsmöglichkeiten beim Studium und der Arbeit der Apotheker, wohl aber der (Achtung O-Ton) „Verkäuferinnen die er um sich schart.

Verkäuferin??? Ich sehe mich selbst als Beraterin, die zu Medikamenten die verordnet werden, und die im Freiwahlsortiment genau so viel zu sagen hat wie zum Thema „gesunde Ernährung“ oder Hautgesundheit. Ich sehe mich als Rezepturexpertin, die Cremes, Salben, Zäpchen, Kapseln oder Augentropfen für all diejenigen herstellt, für die es kein Fertigarzneimittel von der Stange gibt. Ich darf zudem noch kundennahe Dienstleistungen durchführen wie Kompressionsstrümpfe anmessen, Coronatests durchführen oder Medizinprodukte anpassen. Ich mache Schaufenstergestaltung, kaufe Waren ein und bearbeite Rechnungen, Gutschriften, Retouren und Angebote.

Und dann muss ich mir von diesem Mann anhören: „Die (Apotheker) haben im Gegensatz zu den PTA durch ihre akademische Ausbildung gelernt, sich Wissen anzueignen“.

Ich war platt. Der Aufschrei der PTA ließ zum Glück nicht lange auf sich warten, und auch aus einer anderen Partei kam Gegenwind. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß hat sogar vorgeschlagen, PTA mit mindestens fünf Jahren Berufspraxis zu erlauben, stundenweise für einen Apotheker einzuspringen.

Der Vorschlag traf natürlich bei vielen PTA auf Gegenliebe, sieht man sich endlich einmal wertgeschätzt. Klar schmeichelt das dem gebeutelten Ego, doch ich liebäugele tatsächlich eher mit dem Vorschlag der Gewerkschaft BvPTA (der ich auch angehöre im Übrigen), einen Bachelorabschluss für PTA zu schaffen, mit dem man erst eine Vertretungsbefugnis erhält

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pta-live/bvpta-schlaegt-certified-person-pta-vor-bachelor-fuer-vertretungs-pta/

Weniger begeistert reagierten manche Apotheker, die natürlich sofort die Übernahme einer Apothekengründung durch den Berufsstand der PTA witterte (seltsamerweise hat nie ein Pharmaingenieur selbiges für sich beansprucht, obwohl diese ebenfalls eine Vertretungsbefugnis haben. Ich sehe dieses Szenario selbst nicht – nicht einmal weit am Horizont auftauchend. Einfach gar nicht).

Man konnte schöne Dinge lesen, die einfach mal guttaten:

…aber es kamen auch Kommentare von Apothekern, bei denen sich bei mir die Fußnägel hochrollen:

Man hat mich Pflänzchen also mit Bananen gelockt, damit ich den Kunden meine Gammelberatung anbiete, ja? Eine Steuerfachangestellte macht also meine Arbeit besser als ich, da ich nur Parapharmazie anbieten kann, weil mir während meiner Ausbildung – die sowieso jeder besteht – ja kein Wissen vermittelt wurde? Mein Chef ist mein Opfer, weil ich im HV nur singen und klatschen reproduzieren kann?

Leute ernsthaft: wer seinen PTA ein solcher Chef oder „Kollege“ ist, der darf zurecht mit dem sinkenden Schiff untergehen. Es ist traurig, so etwas zu lesen, da bin ich gerne ein „Pflänzchen“. Wen so etwas nicht verletzt, der hat keinen Funken (Berufs)ehre mehr im Leib. Klar gibt es sicher auch Ausnahmen, aber beim überwiegenden Teil der PTA die ich kenne sieht das völlig anders aus.

Wir lieben unsere Apotheke und unsere Arbeit. Und es sollte doch möglich sein, uns hier noch intensiver einzubinden, ganz abseits von finanziellen Aspekten. Dass man in der Apotheke nicht reich wird, davon können auch die angestellten Apotheker ein Lied singen. Aber es geht um die Wertschätzung, die unserer Arbeit entgegen gebracht wird.

Der Großteil der Bevölkerung kennt unseren Beruf nicht mal, wir werden nicht nur aus der Politik zu Verkäufern degradiert. Dann noch von den studierten Kollegen solche Entgleisungen lesen zu müssen…

Liebe Apotheker/innen was sind wir denn eigentlich für euch???

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Depressionen durch die Arbeit

In einem PZ- Artikel las ich neulich mal wieder etwas, das mir sofort beim lesen schon gegen den Strich ging. Zuerst konnte ich nicht gleich festmachen wieso, aber da stand eine Ungereimtheit, die ich gerne kommentieren wollte. Dort heißt es:

„In Deutschland sind die Verordnungszahlen von Schmerzmitteln, Antidepressiva und Neuroleptika seit 2010 kontinuierlich gestiegen. Die Linke sieht hier ein Alarmsignal und bringt den Anstieg mit den heutigen Arbeitsbedingungen in Zusammenhang“

Den Anstieg im Gebrauch solcher Medikamente mit den heutigen Arbeitsbedingungen in Zusammenhang zu bringen empfinde ich persönlich als gewagt. Hat es nicht vielleicht eher etwas damit zu tun, dass das „Zugeben“ dass man unter Schmerzen, psychischen Erkrankungen oder Depressionen leidet inzwischen immer mehr enttabuisiert wurde? Tatsächlich beobachte ich persönlich, dass Rezepte über Antidepressiva immer häufiger auch für jüngere Patienten ausgestellt werden. Aber hat das häufig etwas mit den Arbeitsbedingungen zu tun?

Das Thema hat mich irgendwie umgetrieben, denn meine Arbeit ist für mich eher eine der Quellen meiner Lebensfreude (ich weiß natürlich, dass ich insofern privilegiert bin, weil ich genau das tun darf, das mir gefällt). Was ich häufiger beobachte wenn ich hinter dem HV Antidepressiva an Menschen abgebe, die vom Alter her noch zu den berufstätigen Menschen gehören ist, dass ich sie an für die Gesellschaft (Teil)gescheiterte Frauen und Männer abgebe. An die, die es nicht geschafft haben, sich einen hochdotierten Job zu ergattern, an die, die keine Familie gegründet haben, obwohl sie das gerne gewollt hätten, an die, denen nicht täglich in den (un)sozialen Medien die Sonne aus dem Allerwertesten scheint. An die Einsamen, an die „Seltsamen“, an die, die irgendwie nicht wie geschmiert im Räderwerk der Gesellschaft mitrotieren.

Meist sind diese Menschen – wie alle anderen Apothekenkunden auch – recht kurz angebunden. Manchmal reden sie auch mit uns, wie man landläufig annimmt dass die Leute mit ihrem Friseur plaudern. Dann erfährt man auch etwas über die Gründe der Antidepressiva- Einnahme, und die liegen oft einfach im persönlichen Bereich. Langes Alleinsein nach einer gescheiterten Beziehung, der Tod naher Angehöriger, schwere körperliche Erkrankungen gehören dazu. Dass sich jemand über die Arbeitsbedingungen beklagt habe ich dagegen in über 20 Jahren „hinterm Tresen“ noch nie gehört.

Da mich das Thema dann nocht ganz losgelassen hat, habe ich ein wenig geforscht. Kann ja nicht sein, dass es dazu keine representative Studie gibt, nicht wahr? Et voila:

Der Einfluss von Arbeitsbedingungen auf die psychische Gesundheit“

Der vbw (Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft) hat zu dieser Fragestellung das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München mit einer Studie beauftragt, die interessantes zutage förderte: nicht nur, dass die Arbeitsbedingungen so gut wie gar keinen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Arbeiter hatten, es zeigte sich nicht einmal überhaupt ein Nachweis für eine Zunahme psychischer Erkrankungen.

Wie bitte? Es wird doch überall behauptet, dass psychische Erkrankungen statistisch gesehen immer häufiger vorkommen! Kann das tatsächlich stimmen? Laut dieser Studie ja, denn:

„Dies ist im Widerspruch mit statistischen Angaben der Krankenkassen und Rentenver-
sicherer, nach denen der Anteil psychischer Störungen bei Fehltagen und Frühberentungen ansteigt. Da dieser statistische Anstieg mit einem Rückgang anderer Diagnosen bei gleichzeitig stabiler Gesamtzahl an Fehltagen und reduzierten Frühberentungen einhergeht, sind hierfür vermutlich eine veränderte Bewertung psychischer Erkran-
kungen verantwortlich.“

Das ist ja interessant!

So. Warum stellt jetzt die Linke (eine Partei der ich grundsätzlich nicht negativ gegenüberstehe!) der Bundesregierung eine schriftliche Anfrage nach dem Gebrauch von Schmerzmitteln uns Psychopharmaka? Die hat übrigens mit Zahlen aus dem Arzneiverordnungsreport von 2010 bis 2019 geantwortet, wonach die definierten Tagesdosen (DDD) bei den Antidepressiva von 1174 Millionen DDD im Jahr 2010 auf 1609 DDD im Jahr 2019 gestiegen waren. Doch ist das eine adäquate Antwort? Nein, denn hier findet sich nicht die Anzahl der betroffenen Menschen!

Sabine Zimmermann, die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke „vermutet“ lediglich, „dass viele psychische Probleme und Schmerzen (auf Belastungen im Arbeitsleben) zurückgeführt werden können“. Belegt hat sie ihre Vermutungen jedoch nicht. Für mich ein klassisches Wahlkampfding, denn Die Linke setzt sich bekanntlich für die 4-Tage Woche und maximal 40 Stunden Höchstarbeitszeit ein (was für mich ein völliges Unding wäre, denn DANN würde ich vielleicht depressiv werden).

Ein alter Freund mit dem ich über das Thema gesprochen habe (danke TFH) meinte, dass es sich nicht als Aufhänger für einen Artikel eignet, denn es fehlt der „Schuldige“ an der Mehreinnahme der genannten Medikamente, weil die Gründe für ihre Einnahme zu vielschichtig sind. Einer davon könnte sein, dass unsere Elterngeneration immer auf ein Ziel hinarbeitete – dass es uns besser gehen möge – und jetzt ist es erreicht und wir fragen uns, ob das erreichte nun auch wirklich gut genug ist und zerpflücken den Zukunftstraum von damals. Das lässt das Thema wieder in der Luft hängen.

Ja, vielleicht hat er Recht. Und doch muss ich ihn schreiben, meinen Blogartikel, denn andere scheinen da einen Schuldigen anprangern zu wollen (die Arbeitswelt per se) der es nicht ist.

Offenbar liegt es auch an der Zählweise (Statistik oder DDD) ob hier überhaupt ein Wachstum der Betroffenen zu verzeichnen ist, und das ist vermutlich bei den DDD der Schmerzmittel auch nicht anders. Oder was meint ihr dazu?

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