Samstags-Schrecken

Eine Geschichte die das Leben schreibt, ausnahmsweise mal ohne Apotheke aber durchaus mit medizinischem Content…

Ich sitze mitten im Fernstudium – ausgerechnet beim Thema „Nervensystem“, da ruft mein Sohn panisch „Mama!!! Code Rot“!!!“ Eigentlich war er gerade im Garten und hat mit meiner Mutter eine Schneeballschlacht veranstaltet. Ich lasse alles stehen und liegen und hetze runter. Er informiert mich: „Oma hat gesagt sie wird ohnmächtig, dann hat sie sich erst hingesetzt, dann hingelegt, und dann hat sie ein komisches Geräusch gemacht, die Augen verdreht und ist ganz steif geworden. Und dann hat sie gezappelt. Ich hab Opa geholt, der hat sie rein geholt. Und ich hab Papa gesagt, dass er den Rettungswagen anrufen soll.“

Ein „Grand Mal- Anfall“, auch „tonisch-klonischer Anfall“ oder „Epilepitscher Anfall“ genannt. Genau das, was ich vor etwa einer Stunde gerade im Kurs wiederholt habe.

Ich renne rüber und sehe meinen Vater, der mit meiner Mutter komplett überfordert ist. Er hält sie halb aufrecht auf den Beinen, kann sie aber nicht weiter ins Wohnzimmer zerren. Ich übernehme sie, setze mich auf den Boden und halte ihren Oberkörper. Sie kann sich kaum artikulieren und schläft immer wieder ein. Rettungsdienst ist unterwegs, sie ist stabil, ich versuche durchzuatmen.

Zuerst ziehe ich ihr den Schal aus, frage ob sie die Jacke ausziehen möchte. Sie nickt. Inzwischen wird mein Vater nervös und möchte etwas tun. Ich bitte ihn in die Küche zu gehen um Mamas Tasche zu holen. Dort vermute ich die Versichertenkarte. Er bringt einen Stuhl. Wie ich seit etwa 10 Minuten weiß nennt sich das Agnosie. Er weiß mit dem Wort „Tasche“ nichts mehr anzufangen. Als mein Sohn mich aus der Vorlesung geholt hat waren wir beim Thema Alzheimer.

Als der Rettungsdienst kommt ist das erste was ich ihnen sage, dass es sich um einen Grand Mal Anfall handelt, und dass außer mir gerade alle Corona haben. Nachdem mein Sohn befragt wurde, wie lange die Oma „gezappelt“ hat (etwa 30 Sekunden) trifft der Notarzt ein. Meine Mutter wird untersucht, der Arzt spekuliert woran der Anfall liegen kann. Ich werfe nochmal ein, dass alle im Haushalt Corona haben.

Der Notarzt ist sauer: „Und das sagen sie mir jetzt erst? Was ist mit Masken?“ Ich bin jetzt auch sauer: „Ich trage eine Maske und mein Sohn auch. Sie können ja wohl nicht verlangen, dass ich meiner Mutter eine Maske aufsetze! Außerdem habe ich das ihren Kollegen direkt gesagt, als sie hier angekommen sind.“ Der Notarzt schaut die Rettungssienstler an: „Stimmt das?“ Beide schauen erst mich an, dann den Notarzt, dann den Boden und murmeln etwas von „Das habe ich gar nicht mitbekommen, das hab ich nicht gehört.“ Später sagt mir sogar meine Mutter, dass sie mitbekommen hat, dass ich es gleich erzählt habe.

Als es meiner Mutter besser geht, die Blutzuckerwerte und die Temperatur nichts Ungewöhnliches ergeben haben will sie nicht mit ins Krankenhaus und unterschreibt, dass sie über die Risiken aufgeklärt wurde. Inzwischen suchen die Rettungsdienstler alles zusammen, was sie ausgepackt hatten und bringen es zum Auto. Das Thermometer fehlt.

Wir suchen zusammen. Es taucht nicht auf. Vom Rettungsdienst wird mein Vater verdächtigt. Ich verteidige ihn, da er auch zum verstecken von Gegenständen weder Zeit noch Nerven hatte. Sie gehen wieder zum Auto zurück, und ich fühle mich trotzdem irgendwie schuldig. Einer kommt wieder rein und sucht weiter. Ich soll in den Schränken schauen. Wir gehen alle Zimmer ab, die mein Vater betreten hat. Plötzlich ruft es aus dem Wagen: das Thermometer war doch schon eingepackt. Ohne Entschuldigung für die Umstände geht der Rettungsdienstler aus dem Haus.

So wirklich gut in Erinnerung behalte ich den Einsatz nicht. Zwei wollen sich nicht daran erinnern, dass ich sie wegen Corona gewarnt habe, einer fragt mich gefühlt alle 10 Sekunden nach der Gesundheitskarte, obwohl ich gerade mit dem Notarzt rede und wissen will was meiner Mutter fehlt, einer herrscht mich an, und dann wird ein Thermometer verschlampt und mein Vater beschuldigt, ohne dass man wenigstens ein Wort des Bedauerns darüber verliert.

Klar sind wir in diesen Tagen alle etwas am Limit, ich kann das verstehen. Aber vielleicht sollten sich die diese Menschen vom Rettungsdienst zwischendurch wieder bewusst machen, dass sie in eine Ausnahmesituation geraten, die die Menschen die sie gerufen haben nicht jeden Tag erleben. Ich hoffe, dass dieser seltsame Umgang mit uns auch eher die Ausnahme war.

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PTA-Reformgesetz – wieder mal

Über das unsägliche PTA Reformgesetz habe ich ja bereits geschrieben- eine Auswirkung davon bemerken wir gerade im Neuen Jahr. Es ist zugegebenermaßen nichts wirklich tragisch Schlimmes, aber es ist wieder mal so ein kleiner Stachel im Fleisch aller PTA, die gerne selbstverantwortlich arbeiten, und das in den vergangenen Jahren auch getan haben.

Ab sofort muss in unserem Laborprogramm und in unserem Rezepturprogramm ein zweiter Haken gesetzt werden, und zwar einer für die Aufsicht.

Sandra wollte es anfangs gar nicht glauben, dass wir jetzt sogar dann eine Aufsicht brauchen, wenn wir nur irgendwelche Pipettenmonturen prüfen. Offenbar hält man uns PTA sogar für sowas zu blöd.

Ggf. – warum gegebenenfalls? Ganz einfach: diese Aufsicht kann entfallen, wenn die betreffende PTA:

– ihre Ausbildung mindestens mit „gut abgeschlossen hat und nach der Ausbildung drei Jahre Vollzeit gearbeitet hat / wenn sie schlechter als „gut“ war muss sie 5 Jahre Vollzeit gearbeitet haben

– mindestens ein volles Jahr unter der Aufsicht des/der verantwortlichen Apothekenleiters/leiterin gearbeitet hat

– ein gültiges Fortbildungszertifikat der Apothekerkammer ihr eigen nennt

Für dieses Zertifikat muss man je nach Bundesland 50Euro bezahlen, und innerhalb von 3 Jahren mindestens 100 Fortbildungspunkte sammeln. Ein Punkt entspricht dabei 45min. Workload. Diese Punkte muss man in verschiedenen Kategorien sammeln (akkreditierte Online/Präsenzveranstaltungen, Inhouse-Veranstaltungen, Selbststudium mittels Fachzeitschriften, Unterricht an PTA Schulen, Verfassen von Fachartikeln etc.). Man muss dazu bedenken, dass die meisten Fortbildungen Geld kosten, und die Fortbildungszeit auch meistens nicht vom Arbeitgeber als Arbeitszeit anerkannt werden.

Und all das nur für einen blöden Haken im Programm, und dafür, dass man die Kassenrezepte nicht unmittelbar nach der Abgabe der Medikamente an den Kunden einem/einer Approbieren vorlegen muss (was auch in den seltensten Fällen passiert, selbst wenn man diese Voraussetzungen nicht erfüllt).

Viele werden darauf verzichten, weil der Aufwand für ein solch geringen Benefit zu groß erscheint. Und er ist es auch. In meinen Augen ist dieses Reformgesetz beinahe ausschließlich dafür geschaffen worden um meine Berufsgruppe klein zu halten. Danke ABDA. Großartig.

Und dennoch werde ich es machen. Gerade dann werde ich es machen. Um eine weniger zu sein auf die mit dem Finger gezeigt werden kann um zu sagen: „Seht her, die PTA. Fortbildungsunwillig und nicht bereit dazu, Verantwortung zu tragen. Und wenn es nur um diesen einen verdammten Haken im System geht, ich verdiene ihn mir.

Ich bekomme locker die 100 Punkte hin. Rechne ich alles zusammen, was ich in den vergangenen 3 Jahren angesammelt habe sind es vermutlich sogar weit mehr als 1000. Und ich werde sie alle an die Kammer schicken. Dort darf man gerne sehen, dass es uns engagierte PTA gibt.

Und noch etwas zum Geleit – macht ihr so weiter, dann werden in 10 Jahren noch mehr PTA frustriert der Apotheke vor Ort den Rücken zugedreht haben. Wenn es das ist was ihr wollt: nur zu, ihr seid auf dem besten Weg dorthin. Ich frage mich nicht erst seit gestern, was ich persönlich eigentlich noch hier verloren habe. Meine Antwort: es ist fast ausschließlich nur noch das Team in dem ich arbeite, was den Gang zur Arbeit nicht nur erträglich, sondern beschwingt macht. Wären nicht diese freundlichen, witzigen, herzlichen und eigenwilligen Menschen in meinem Leben, dann wäre es ärmer. Die Standespolitik dagegen hatte mich schon vor gut 10 Jahren so weit, dass ich den Hut nehmen wollte.

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Do it yourself – Fiebersäfte

Derzeit dürfen wir in der Rezeptur ja mal wieder so richtig ranklotzen. Zwei Jahre nach dem Herstellen von Flächen- und Handdesinfektionsmittel, das die Rezeptur endlich wieder als Königsdisziplin der PTA aus der Versenkung geholt hat, wird es in den Rezepturen und Laboren wieder spannend.

Jetzt ist aber kein schnödes Lösungen-herstellen gefragt, es geht ans Eingemachte: was ich schon nicht mehr zu hoffen gewagt hatte – es werden Zäpfchen gegossen!!! Und natürlich Säfte hergestellt – endlich kann ich bei meinen Schülern rechtfertigen, warum wir hier über die Jahre immer so großen Wert darauf gelegt haben. Fieber und Schmerzen bei Kindern sind nämlich häufig nur mit Paracetamol und Ibuprofen in ebendiesen Darreichungsformen beizukommen, und das verlangt schon einiges an handwerklichem Geschick. An Zäpfchen mit Verdrängungsfaktor oder der Münzel-Methode trauen sich Laien naturgemäß und aufgrund fehlender Gießformen nicht ran, bei den Säften sieht es da leider offenbar anders aus.  

Es kursieren verschiedene Anleitungen im Internet, wie man zuhause “kinderleicht” aus Tabletten Säfte herstellen kann, und ich möchte da – wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände – ganz herzlich davon abraten!!!

https://deref-gmx.net/mail/client/HDRj3b22kno/dereferrer/?redirectUrl=https%3A%2F%2Fwww.rnd.de%2Fgesundheit%2Ffiebersaft-selber-machen-warum-experten-davon-abraten-und-wo-die-gefahren-fuer-kinder-liegen-2H2MEJ3JOJD55PRRVMXNO7FXRA.html

Ich verlinke ganz bewusst keine solcher Seiten, um diese nicht auch noch zu verbreiten, aber wer da ein gesteigertes Interesse hat, der findet sich im Internet, der “allwissenden Müllhalde” ganz bestimmt sehr schnell.

In der Apotheke machen wir uns sehr viel Gedanken über die perfekte Zusammensetzung solcher Säfte, und da gehört es dazu, dass die Aufschüttelbarkeit bewertet, und auch Wert auf die perfekte Sedimentationsgeschwindigkeit des Wirkstoffes gelegt wird. Was bedeutet das? Der Wirkstoff darf bei der Herstellung nicht am Boden der Flasche festkleben (“caking”), sich nicht mit Luft verbinden und oben schwimmen (“aufrahmen”) und muss in genau der richtigen Geschwindigkeit nach dem aufschütteln absinken, dass der Patient (oder ein Elternteil) die Dosis so entnehmen kann, dass der Wirkstoff sich noch in der Schwebe befindet. Sinkt er zu schnell ab ist es nur noch Zufall, wenn während der Entnahme die Dosis stimmt, und sich nicht schon die Hälfte davon am Boden befindet.

Zudem stellen wir die Rezepturen in einer möglichst keimarmen Umgebung her (wird regelmäßig per Abklatschprobe vom Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker getestet), so dass nur eine möglichst geringe Menge an Konservierungsmitteln verwendet werden muss. Trotzdem sind diese Säfte dann nur 14 Tage haltbar. Ich will mir nicht vorstellen, wie das Bakterienwachstum aussieht, wenn Mutti den Saft aus zerdrückten Tabletten im Einmachglas geschüttelt herstellt, dann tagelang neben dem Bett stehen hat und ganz einfach mit dem Teelöffel die Dosis entnimmt.

Die Gefahr einer Überdosierung ist riesig, gerade bei den Kleinsten. Und wer weiß mit welchem Medikament man eine Paracetamol-Überdosis behandelt? Richtig, mit N-Acetylcystein das derzeit ebenfalls nicht lieferbar ist. Tolle Wurst.

Wer auf die vermeintlich clevere Idee kommt, die Zäpfchen für Erwachsene zuhause zu teilen: lasst es. So etwas ist nur möglich, wenn die Suppositorien in der Apotheke per Handarbeit gefertigt wurden, denn auch hier muss auf die Sedimentation geachtet werden, und die Zäpfchen werden in der sogenannten “Cremeschmelze” bei 35°C ausgegossen, damit der Wirkstoff nicht bei zu heißer Grundlage direkt in die Spitze absinkt. So wie die Zäpfchen aus der Industrieproduktion aussehen würde ich nicht darin vertrauen, dass es hier ebenso gehandhabt wird, denn diese sind häufig auch blasig und haben Luftlöcher, was bei Handarbeit nicht vorkommt.

Also: vertraut auf die Wertarbeit aus der Apotheke und stümpert nicht zuhause vor euch hin! Was beim Fliesen verlegen auf eigene Faust maximal schlecht aussehen kann, wird im medizinisch/pharmazeutischen Bereich fatal! Die wenigsten kommen zum Glück auf die Idee, selbst zuhause mit dem Skalpell an sich herum zu schnitzen, wenn ein Facharzttermin zu lange dauert. Bitte stellt auch auf eigene Faust keine Medikamente her. Die Folgen einer Vergiftung sind vermutlich schwerwiegender als die Folgen von Fieber. Wendet euch also an eine Apotheke vor Ort (die Internetapotheken halten sich hier natürlich fein raus, denn die können keine Rezeptur) die selbst herstellt, wenn ihr nirgends mehr Fertigarzneimittel bekommt. Nur hier könnt ihr auf die Qualität der Säfte und Zäpfchen vertrauen!

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Lieferengpässe – Tagesdoku

Die Lieferengpässe rauben uns Zeit. Wie viel Zeit, das habe ich gestern einmal versucht in Worte zu fassen, indem ich mir am Vormittag einen Fresszettel in die Tasche gesteckt habe, und bei jedem Engpassproblem eine kleine Notiz dazu vermerkt habe. Wieso ich das gemacht habe? Weil ich glaube, dass vielen “da draußen” gar nicht bewusst ist, wie sehr sich die Apotheken vor Ort deshalb wieder einmal für die Arzneimittelversorgung ins Zeug legen!

Clonid ophtal – Klinik

Kanamytrex – 3x Apos angerufen

Lamotrigin- Rückruf Arzt

Ambroxol Saft – Kind -> Mucosolvan?

Ramipril + Bisoprolol HEXAL – Absage schriftl.

Paracetamol da – Hartfett?

Was bedeutet das?

1. Clonid ophtal: Hier hatte ich ein Rezept einer Augenklinik vorliegen über einzeldosierte Augentropfen mit der Menge 60 Stück. Diese sind nicht lieferbar, aber wir haben eine 120 St. Packung am Lager. Nur braucht der Patient wirklich so viele? Sollte ich lieber 60 Stück auseinzeln? Aber werde ich die dann angebrochene Packung wieder los? Ich habe also die Klinik angerufen, nur war dort kein verantwortlicher Arzt greifbar, den man hätte fragen können. Man versprach einen Rückruf, ich habe mir die Telefonnummer des Patienten aufgeschrieben und die Packung zurückgelegt. 2 Stunden später wurde ich tatsächlich zurückgerufen (eine echte Seltenheit wenn man es mit Kliniken zu tun hat!), die größere Packung wurde bestätigt. Dann habe ich mich wieder beim Patienten gemeldet, der später nochmal kam um das Medikament zu holen.

2. Kanamytrex: akut benötigt für ein Kind mit einer Augenentzündung. Nicht lieferbar. Die Mutter war bereits in 4 anderen Apotheken und der Verzweiflung nahe. Unsere Partnerapotheken haben auch alle kein vergleichbares Medikament mehr da. Ich habe der Mutter zuliebe herumtelefoniert und bin bei der 3. Apotheke fündig geworden. Sie legen die Packung zurück, und ich erkläre der Kundin den Weg zur “Konkurrenz”. Sie ist sehr dankbar, und ich hoffe, dass sie uns wenigstens in positiver Erinnerung behält (eine Versandapotheke gibt sich einen solchen Aufwand sicher nicht).

3. Ein Rezept über Ambroxol Saft für ein Kind zum Hustenlösen liegt vor. Wieder sind wir nicht die erste Apotheke bei der der Vater es versucht, auch wir sind ausverkauft. Wir haben noch genau eine Flasche Mucosolvan Saft da, allerdings in anderer Dosierung als auf dem Rezept. Der Vater verzichtet auf das Rezept und kauft die Flasche selbst, nachdem ich ihm erklärt habe, dass ich nicht einfach eine andere Dosierung auf das gleiche Rezept abgeben darf, weil wir sonst retaxiert werden. Der Kinderarzt ist telefonisch nämlich nicht zu erreichen. Ich gebe ihm den Tipp, den Kassenbon aufzubewahren, und mit einem neuen Rezept wiederzukommen, das wir dann verrechnen können. Ich habe den Eindruck er glaubt mir nicht und denkt, wir wollten ihn abzocken…

4. Lamotrigin, Ramipril, Bisoprolol – hier fasse ich mal zusammen – waren alles drei unterschiedliche Vorgänge, die jeweils mit “aut idem” gekennzeichnet, aber so nicht lieferbar waren. In jedem Fall habe ich 1x mit der Arztpraxis gesprochen um das “aut idem” streichen zu können. Jedes Mal hieß es: “Ach, ich weiß auch nicht warum wir da ein Kreuz gemacht haben. Streichen Sie es halt…”. Aber wehe dem, ich würde das 1x ohne Rücksprache machen. DANN wäre es sicher lebensnotwendig gewesen. Es würde eine irre Zeit sparen, wenn man die Formalitäten ernst nimmt und das Kreuz echt nur dann setzt, wenn es wirklich notwendig ist… in 2 Fällen waren es übrigens Bestellungen per App, die ich dann schriftlich darüber in Kenntnis setzen musste, dass ich etwas nach ärztlicher Rücksprache geändert habe. Das frisst dann auch nochmal Zeit.

5. Paracetamol ist als Saft und in Zäpfchenform ja bekanntlich derzeit nicht lieferbar. Wir haben daher 250g Substanz eingekauft, um Zäpfchen und Saft selbst herzustellen, wenn alle Stricke reißen. Schön und gut, aber wir bekommen derzeit weder die Hydroxyethylcellulose um die Säfte anzudicken, noch ausreichende Mengen an Hartfett um die Zäpfchen herzustellen. Ich telefoniere mit 3 verschiedenen Großhändlern, um wenigstens eine kleine Menge davon zu ergattern. P.S. Hartfett ist in der letzten Zeit echt teuer geworden. Seltsam… nicht.

So, und nun soll mir nochmal jemand sagen, das Lieferengpass-Probleme nicht so viel Zeit fressen, als dass sich die Apotheken dafür einen Ausgleich verdient hätten. Schade, dass es dafür keine Sonder-PZN gibt, die man aufdrucken kann, sobald man mit einem Arzt telefonieren oder ein Produkt irgendwie aufwändiger beschaffen muss. Wieso eigentlich nicht?  

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Man möchte brechen…

Man möchte brechen, wenn man sich den Beitrag des “Experten”, Herrn Helmut Schröder – seines Zeichens Diplom-Soziologe (also von Hause aus extrem bewandert was die Zusammenhänge innerhalb des Arzneimittelmarkts betrifft) im Deutschlandfunk anhört: https://share.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.html?audio_id=dira_DLF_5761ac72

Es geht um die Lieferengpässe, die wir derzeit in den Apotheken haben. Es gibt ein paar ganz einfache Lösungen für die Probleme, also merkt gut auf liebe Leser was Herr Schröder, der stellvertretende Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO), uns offenbart – alles nur halb so schlimm!

  • 1. Es sind zurzeit nur etwa 300 Meldungen von Arzneimitteln die nicht lieferfähig sind gemeldet – aber “angesichts von über 60.000 Arzneimitteln ist das eine überschaubar kleine Menge”. Sprich – wir spielen das Thema gerade nur ein wenig hoch, wir Deppen. Dass es deutlich mehr Arzneimittel sind, weil eben nur die verschreibungspflichtigen Arzneimittel gemeldet werden, die nicht zu bekommen sind hat er mal eben unter den Tisch fallen lassen, der Herr Schröder. Sind ja nur Peanuts, wenn die verzweifelte Mutter mit dem Einjährigen bei uns in der Tür steht, wenn er eine Lungenentzündung hat. Kein Fiebersaft, keine Schmerzzäpfchen… aber hey – das Kind ist ja auch überschaubar klein! Genauso wie die Zahl der nicht lieferfähigen Arzneimittel.  

Dass so einige nicht lieferbare Arzneimittel gar nicht gemeldet werden, weil der Hersteller vielleicht noch 5 Packungen in seinem Lager liegen hat weiß Herr Schröder zudem ganz genau, weil er es an anderer Stelle als Randnotiz anmerkt. Da diese Information aber an dieser Stelle seiner Argumentation entgegenläuft bringt er sie hier nicht. Das zeigt mir, dass sein ganzer Auftritt im Radio nur der “Außenpolitik” der AOK dient.

  • 2. “Die Plage ist nicht dramatisch”, denn man hat ja in der Apotheke die Möglichkeit zu fragen “gibt es die nicht auch bei einem anderen Großhandel? Oder vielleicht einen anderen Hersteller”. Maaaannnn! Boah. Hammer! Da wäre ich ja niie drauf gekommen! Wir haben ja verschiedene Großhändler! Und es gibt ja nicht nur einen einzigen Hersteller! Was bin ich aber auch für ein dummes Apothekenmäuschen. Ich lade mir den Herrn Schröder gerne einmal zu uns ein, dann kann er live sehen wie ich versuche Paracetamol- oder Ibuprofensaft bei drei verschiedenen Großhändlern und allen(!) Herstellern auf dem Markt vergebens zu bestellen. Meine Güte, das klingt in meinen Ohren nach “Wenn das Volk kein Brot hat, dann soll es eben Kuchen essen”. Großartig!
  • 3. Die Einführung der Rabattarzneimittel schadet nicht dem deutschen Markt, weil die Rabattpartner ja einen Vertrag unterschrieben haben, dass sie liefern müssen, und ansonsten Strafen zu zahlen sind. Aaaah ja. Is klar. Dass die Konkurrenten platt gemacht werden, und es zu einer Konzentration auf nur wenige Hersteller kommt die etwas herstellen ist also kein Problem (s. Ibuprofen-Problematik, wenn eine von nur weltweit noch drei Fabriken abfackelt). Dieses Scheinargument ist dermaßen durchsichtig, und ich habe dazu auch schon so viel geschrieben – das ist mir die Spucke (bzw. Tastenanschläge) nicht wert.
  • 4. Das Zurückholen von innereuropäischer Produktion von Wirkstoffen und Arzneimitteln aus China, Indien oder Bangladesch ist unnötig, denn “ganz emotionslos” betrachtet schildert Herr Schröder, dass es ja auch bei uns mal brennen kann, nicht wahr? Und da hätten wir dann doch die gleichen Probleme, oder? Wir sind da ja “genau demselben Risiko ausgesetzt” meint er.  

Ganz ehrlich? Spätestens da, am Ende dieser 10 Minuten Volksverdummung möchte ich brechen. Wir brauchen hier glaube ich nicht über GMP und Arbeitssicherheit von deutschen Produktionen im Vergleich zu Fabriken in Bangladesch sprechen.

Auch hier merkt man, dass er seinen eigenen Argumenten selbst nicht glaubt, denn dass Märkte die auf internationalen Lieferketten aufgebaut sind viele Schwachstellen aufweisen, die “resilienter aufgebaut” werden müssten weiß Herr Schröder ebenfalls, denn auch das erwähnt er an anderer Stelle – nur eben nicht da, wo es seine eigene Argumentation konterkarieren würde. Dieses Interview ist eine unsinnige Zeitverschwendung gewesen, die jemandem der den ganzen Tag in der Apotheke steht um diesen ganzen hausgemachten Unsinn mit auszubaden den Puls in ungeahnte Höhen treibt.

Herr Schröder widerspricht sich in diesen 10 Minuten mehrfach selbst und hält wahlweise uns Apothekenmitarbeiter oder alle Hörer zum Narren. Es ist mir schleierhaft, warum er im Deutschlandfunk auch noch ein Forum bekommen hat, um diesen Schwachsinn loszuwerden. So. Ich gehe jetzt erst mal brechen, und danach versuche ich herauszubekommen, wo Herr Schröder seine Stammapotheke hat. Vielleicht können die ihm ja etwas Gutes empfehlen – einmal ein einwöchiges Anerkennungspraktikum an der Basis um beim nächsten Interview zu wissen, wen er da offensichtlich zu blöd hält um seinen Job korrekt zu erledigen.

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Abgesang auf die Corona-Testungen

Wieder einmal erreicht eine Verordnung ihr Ablaufdatum, und wieder sieht es so aus, als würde sie zu schlechteren Konditionen verlängert werden. Es handelt sich um die Corona-Testverordnung, die zum 25.11. 2022 endet und für weniger Vergütung verlängert werden soll. Doch wie gehen die Apotheken jetzt damit um, dass sie noch weniger Ertrag für den großen Aufwand erzielen, den sie tagtäglich neben ihrem Hauptgeschäft leisten? Spoiler Altert: wir machen dicht.

Die Vorstadtapotheke hat als eine der ersten Apotheken hier im Umkreis mit den Testungen angefangen. Wir waren in einer der ersten Online-Schulungen zum “Popeltest” ganz vorne mit dabei, und haben im Anschluss in den örtlichen Schulen und Kindergärten mehrmals wöchentlich Testungen durchgeführt. Zu Beginn sind wir dort sogar zu dritt hingefahren, zu einem Zeitpunkt an dem man noch gar nicht so genau wissen konnte, wie ansteckend das neue Virus sein wird.

Wenigen Wochen später haben wir uns unser Testzelt vor die Apotheke gestellt und die Menschen getestet, die sich über verschiedene Online-Tools oder durch Ausfüllen eines Fragebogens dazu anmeldeten. Es war stressig, aber die Angst sich anzustecken schwand mit der Zeit. So lange, bis ich mich dort tatsächlich ansteckte, aber das steht auf einem anderen Blatt…

Wir haben immer alles gegeben, uns dort auch viel Negatives anhören müssen. Aber wir haben auch mit den Menschen gelitten, denen es nicht gut ging. Wir haben Händchen gehalten und getröstet, wir haben diskutiert und uns gefreut, wenn der Test (wieder) negativ war. Alles unter Zeitdruck, denn häufig standen lange Schlangen vor dem Zelt, und wir waren irgendwann dabei nicht mehr zu dritt, sondern nur noch zu zweit und seit über einem Jahr sogar ganz alleine für die Testungen zuständig. Abwechselnd natürlich, damit es fair bleibt und im Team keine Unruhe entsteht.

Dann kam die Zeit der Zuzahlungen und Aufzahlungen zu den Tests, je nach dem für welchen Zweck sie bestimmt waren, Damit verbunden eine ganze Menge an Dokumentation, die ebenfalls gepflegt werden musste. Die Bürokratie übernahm das Steuer, und es wurde nochmals beschwerlicher und schlechter vergütet.

Inzwischen ist unser Bundesland unter einem der vieren, die die Quarantäne für Coronapositive beendet haben, und es melden sich immer weniger Menschen zur Testung an. Im Grunde nur noch diejenigen, die in ein Krankenhaus zu einer OP gehen müssen, die in Reha gehen oder in Urlaub oder auch diejenigen, die Angehörige im Pflegeheim besuchen. Es lohnt sich also schon eine Weile lang nicht mehr wirklich, der tägliche Kampf im Testzelt, aber es ist Kundenservice.  

Jetzt nähert sich aber das Ende der Testverordnung, und die Vergütung wird so schlecht, dass wir im Grunde genommen drauflegen müssen. Das ist ein Unding und nicht tragbar. Um uns herum haben schon fast alle Testhäuschen dicht gemacht, und wir haben im Grunde nur noch offen, weil die Menschen hier auf dem Land kaum noch Möglichkeiten haben, sich testen zu lassen, wenn wir auch noch gehen. Aber ist das ein guter Grund? Ich denke nicht. Wir sind nicht dafür verantwortlich, die Unterlassungen der anderen abzufedern, und sind jetzt einfach an dem Punkt angelangt, an dem auch wir die Schotten dicht machen.

Pünktlich zum 25.11. schließen sich die Pforten für die regulären Tests, und nur unsere Stammkundschaft die ihre Partner im Pflegeheim besuchen, dürfen noch zu uns kommen. Ihnen wollten wir diese Möglichkeit nicht verwehren. Alle anderen mobilen Menschen müssen sich jetzt jemand anderen suchen, der ihnen erklärt, wie lange sie jetzt als ansteckend gelten, warum der Abstrich “nur bei uns” so tief und unangenehm ist, warum ich bei schlechten Lichtverhältnissen im stehen keine Rachenabstriche mache und warum die Regierung immer so einen Sch… beschließt. 3 Jahre popeln gehen zu Ende. Ich bin nicht böse drüber…

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Nicht-lieferbar auf neuem Level

Die Erkältungssaison hat gerade erst begonnen, und ich mache täglich einen Eiertanz um den Kunden die benötigten Medikamente zu beschaffen. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ist das nichts neues (leider), aber bei OTC-Arzneimitteln habe ich ein solches Ausmaß noch nie erlebt. Insgesamt fehlen uns inzwischen über 200 (!) Lagerartikel!

Wie man anhand der Grafik der DAZ sehen kann sind wir da nicht alleine, und ganz ehrlich? Das kostet verdammt viel Nerven!

Die Idee von Cordula Eichhorn, einer Apothekerin aus Eppstein, ist da gar nicht schlecht. Sie hat ihre sogenannte „Defektliste“ ausgedruckt und an die Tür gehängt. Einfach um zu zeigen, wo gerade unsere Probleme liegen. So einige Kunden verstehen nämlich nicht, dass das nichts mit unserem Einkaufsverhalten zu tun hat, und dass wir das nicht verhindern können.

Ein Beispiel aus dem RX-Bereich: uns fehlt ein bestimmtes Thyroxin-Präparat. Die Kundin sagt mir: „Ach, das ist kein Problem. Ich hab noch für mindestens eine Woche Tabletten da. Bis da hin sollte ja wieder Nachschub gekommen sein. Ich schaue sie an: „Eine Woche wäre schön… das voraussichtliche Lieferdatum liegt laut Firma bei März 2023.“

„Was? Wie stellen sie sich das denn vor?“

Es. Liegt. Nicht. An. Uns! Uns kostet alleine die Dokumentation und die Besorgung eines Ersatzes immense Zeit und Nerven.

Frau Eichhorn hat unter ihre Liste die Adresse des Hauses von Karl Lauterbach gesetzt, aber ich weiß nicht mal ob der der richtige Ansprechpartner ist.

Auch im OTC – Bereich sieht es dunkel aus. ACC akut, Prospan, Nurofen, DoloDobendan, Gaviscon, Aspirin complex, Wick MediNait, Zovirax, verschiedene Nasensprays, Mucosolvan, Paracetamolsäfte und – Zäpfchen bestimmter Hersteller, Buscopan Isla Moos… die Liste lässt sich immer weiter fortsetzen.

Interessanterweise bekomme ich viele Artikel auf der Liste durchaus im Versandhandel. Ich frage mich seit geraumer Zeit, ob wir nicht vielleicht hier einen der Schuldigen an der Misere suchen sollten. Und ob vielleicht ein Direkteinkauf beim Hersteller, die über eine bestimmte Menge hinausgeht gestrichen werden sollte (das machen sie bei der Vor-Ort-Apotheke ja auch).

Verantwortlich gemacht für die Misere wird wahlweise die Energiekrise, Corona, China und der Krieg in der Ukraine – oder eben alles zusammen. Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen. Hilfreich wäre es, wenn uns so manche Ärzte nicht auch noch in den Rücken fallen würden, beziehungsweise mal mit ihrem MFA sprechen. Die wissen durch ihre zahlreichen Anrufe von uns nämlich ganz genau, was derzeit nicht zu bekommen ist…

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Apotheken und Pilze

Das Thema “Pilze” geistert schon eine ganze Weile in meinem Hinterkopf herum – damit man mich richtig versteht, es geht mir nicht Vital- oder Heilpilze oder um Fuß- und Nagelpilz, sondern um essbare und giftige Pilze des Waldes und der Wiesen. Die Welt der Pilze ist unglaublich groß und faszinierend, und welchen Einfluss dieses versteckte Reich unter dem Waldboden hat ist gigantisch. Nicht umsonst spricht Peter Wohlleben vom www als dem wood-wide-web, das für die Kommunikation der Bäume untereinander unentbehrlich ist.

Was mich aber in fachlicher Hinsicht so interessiert, das fing vor etwa 20 Jahren an, als ein enthusiastischer Pilzsammler mit einem vollen Korb brauner, gelber und weißer Pilze in die Apotheke trat. Er hievte seinen Sammlerkorb auf den HV-Tisch und rief: “Einmal alles bestimmen bitte!” Ich muss ziemlich kariert geschaut haben. “Wie bitte? Was soll ich tun?”


Der Kunde war völlig verdattert und enttäuscht, dass ich mich mit Pilzen gar nicht auskenne, und auch mein Chef damals so gar keine Erfahrung damit vorweisen konnte. Auch konnten wir ihm nicht weiterhelfen, an wen er sich nun mit seinen Fragen wenden kann. Er behauptete, dort wo er herkäme würden das ALLE Apotheken machen.


Das wagte ich damals wie heute zu bezweifeln, aber meine Neugierde war grundsätzlich geweckt. Während meiner Ausbildung haben wir so gut wie nichts über Pilze gelernt, während des Studiums sind sie offenbar auch kein Thema – wenn man von Vergiftungen durch die selbigen absieht natürlich. Hier ist mir lediglich noch hängengeblieben, dass der Wirkstoff der Mariendistel – Silibinin – als Antidot gegen Knollenblätterpilzvergiftungen eingesetzt wird. Silibinin verhindert, dass das Gift durch die Membran der Leberzellen eindringt, indem es spezielle Rezeptoren hemmt. Das fand ich damals schon schön, dass die Natur zu (fast) jedem Gift auch ein Gegenmittel parat hält. Das passt auch zu der weltverändernden Entdeckung des Bakteriologen Alexander Fleming, der 1928 zufällig in einer Staphylokokken-Kultur einen Schimmelpilz entdeckte, der Bakterien töten konnte. Pilze sind also auch pharmakologisch hochinteressant was ihre Heilwirkung angeht.


Zurück zu meinem Pilzkorb von damals: Heutzutage hätte ich dann mal eben schnell im Internet nachgesehen, wo sich die nächste Anlaufstelle der DGfM befindet – wo also der nächste Sachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie sitzt. Das erscheint mir jedenfalls deutlich sicherer, als sich auf Apps zu verlassen, die jegliche Mitverantwortung an resultierenden Vergiftungen ablehnen.


Ja, auch ich habe mir eine solche App auf das Handy geladen, aber nur zu meinem “Privatvergnügen”, wenn ich mal wieder herausfinden möchte, was da so schön aus dem Rindenmulch in meinem Garten herausragt.

Spoiler-Alert: es war noch nichts wirklich Leckeres dabei – leider.

Niemals würde ich es wagen mit einer solchen App eine sichere Bestimmung vorzunehmen, schon gar nicht für Kunden. Man muss sich da vor Augen halten, dass ein Knollenblätterpilz so giftig ist, dass bereits 10g tödlich sind. Ein Pilz im Ragout kann somit alle Esser am Tisch unter die Erde bringen.


Doch gibt es sie immer noch, die Apotheken in denen die alte Tradition hochgehalten wird, und in denen Experten Pilzwanderungen und – bestimmungen anbieten. Das interessiert mich durchaus auch sehr, und irgendwann werde ich das sicher auch einmal angehen. Irgendwann… wenn mein Studium hinter mir liegt, und ich mal wieder nach etwas Neuem suche. Man lernt schließlich niemals aus, das wäre ja auch langweilig, oder?

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Suizidprävention – ein Thema für die Apotheke?

Es ist keine neue Erkenntnis, dass verschiedene Erkrankungen – besonders diejenigen bei denen der/die Betroffene unter körperlichen Schmerzen leidet – das Suizidrisiko erhöhen können. Auch dass man verschiedene Anhaltspunkte feststellen kann, die selbst Außenstehenden ein mögliches Suizidrisiko bei der betroffenen Person anzeigen kann ist bekannt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention sind das:


• Frühere Suizidversuche
• Stark belastende Lebensereignisse (z.B. Trennungen, Umzüge, Jobverlust, aber auch Flucht)
• Psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen, Suchterkrankungen, Schizophrenien u.a.)
• Körperliche Erkrankungen (besonders mit chronische Schmerzen)
• Suizide in der Familiengeschichte
• Wenige oder keine sozialen Kontakte bzw. Bindungen
• Höheres Lebensalter
• Männliches Geschlecht


Einige dieser Warnzeichen lassen sich auch im Umgang mit den (Stamm-) kunden in der Apotheke beobachten. Was kann man aber tun, wenn man diese oder ähnliche Risikofaktoren bei einem Kunden wahrnimmt? Hier gibt es mehrere Möglichkeiten zu reagieren, die aber allesamt nicht einfach sind.
“Einfach” ansprechen? Die mögliche Gefahr irgendwie weiterleiten? Aber wenn ja an wen, und in wieweit bekomme ich dann Probleme mit der Verschwiegenheit, der wir ja alle verpflichtet sind?

Hierzu hatte die DAZ einen Artikel, den ich gelesen habe, der bei mir aber ein größeres Unbehagen hinterließ.
Ich kann mir nicht vorstellen, selbst einem Kunden den ich seit vielen Jahren kenne zu fragen:


• Hatten Sie in letzter Zeit mal das Gefühl, dass Sie nicht mehr weiterleben möchten?
• Haben Sie in letzter Zeit mal daran gedacht, Ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen?
• Haben Sie Vorstellungen oder Pläne darüber, wie oder wann Sie sich das Leben nehmen würden?
• Haben Sie schon irgendwelche Vorbereitungen getroffen, etwa einen Abschiedsbrief geschrieben oder Suizidmittel besorgt?


Dafür ist man in der Apotheke auch nicht “intim” genug. Auch der Rat „Begleiten Sie den Suizidalen in die nächste Einrichtung oder rufen Sie den Rettungswagen oder die Polizei.“ aus dem Suizidpräventions-Leitfaden für die Apotheke erscheint mir im Zusammenhang mit der Apotheke irgendwie unangebracht.


Klar, wenn jemand Unmengen von Arzneimitteln verordnet bekäme, mit denen er sich umbringen könnte (wobei hier je nach Arzneimittel die Einnahme einer einzelnen kompletten Packung unter Umständen bereits ausreicht), dann würden die Alarmglocken klingeln, aber mir erscheint der Anruf beim Hausarzt der diese Medikamente verordnet hat irgendwie gangbarer. Dieser hat auch vermutlich mehr Erfahrung im Umgang mit einer solchen Situation, und würde nicht mit plötzlichen “plumpen” Fragen um die Ecke kommen.


Als angebrachter empfinde ich daher den Artikel der Pharmazeutischen Zeitung, der zwar nicht mit einem “Kochrezept” um die Ecke kommt, aber der darauf hinweist, dass wir in den Apotheken auf diesem Gebiet mehr tun könnten, und eine fundierte Weiterbildung in diesem Bereich benötigen.

So verlockend die Situation ist, eine solche Situation mittels einiger gezielter Fragen innerhalb von relativ kurzer Zeit zu überblicken und lösen zu können: das ist in meinen Augen utopisch. Wir brauchen auf diesem Gebiet einfach mehr Wissen an der Hand als wir derzeit haben. Suizidprävention ist nichts, was in einem Artikel abgedeckt, und nichts, was sich in längstens 5-10 Minuten (so viel Zeit haben wir etwa pro Kunden) im HV besprochen werden kann. Ich warte also auf die “Fach PTA Suizidprävention”. Nein, natürlich nicht 😊


Was ich allerdings sowohl beim ABDA- Leitfaden als auch bei den Artikeln vermisse ist, dass man gerade beim Eintauchen in eine solche Ausnahmesituation gut auf sich selbst und die eigenen Grenzen achten muss. Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialpädagogen haben hierfür während ihres Studiums einiges an die Hand bekommen, das ihnen hilft sich auch selbst abzugrenzen, und egal was später mit diesem Menschen passiert nicht als das eigene “Versagen” oder den eigenen “Verdienst” zu erleben. Das haben wir nicht, und eine solche Situation kann für unausgebildete Menschen mit Sicherheit überfordernd sein. Auch hierfür müssten wir geschult werden, bevor wir anfangen, als Hilfs-Psychologen aufzutreten.

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Es brodelt in den Apotheken

Am Mittwoch wird in vielen Apotheken Deutschlands gestreikt. Weil man versuchen möchte, nicht noch mehr Zwangsabgaben an die Krankenkassen leisten zu müssen als ohnehin schon. Doch man merkt derzeit, dass die Apotheker:innen an vielen Fronten kämpfen, und am Anschlag sind mit ihren Nerven und ihrer Geduld.

Im Netz lese ich in verschiedenen Foren mit, und es scheint sich ganz stark irgendetwas zusammenzubrauen. Es ist nicht „nur“ das Geld, was dem Beruf derzeit zusetzt. Hier mal Auszüge aus den letzten paar Tagen:

„Ich fasse mal den gestrigen Notdienst kurz zusammen: Ich eiere von einem Defekt zum Nächsten und erkläre mindestens 10x vorne und am Telefon, warum Allerwelts-Präparate wie Ibu und PCM-Säfte nicht verfügbar sind und schicke meine Patienten weg. Anfragen nach Buscopan ebenfalls Fehlanzeige. In Zeiten von knapp 10% Inflation wird uns dann noch das Honorar gekürzt. Und aus dem BGM kommt dann der Hinweis auf noch mehr Arbeit mit unklarer Erstattungslage nach dem Motto: Stellt mal selbst her. Nein, genau das mache ich nicht. Meine Aufgabe ist die Versorgung, aber nicht der Ausgleich der Versäumnisse von KV und Politik. Hier läuft doch Irgendwas gewaltig schief….“

Manche angeblichen Lieferengpässe bekommen wir nicht mehr über den Großhandel oder im Direktgeschäft, wohl aber bei Internetanbietern, die offenbar den Markt leergeräumt haben:

Ärzte sind da oft keine große Unterstützung:

Trotzdem gibt es Stimmen, die nicht für einen Streik sprechen. Sei es aus wirtschaftlichen Gründen, oder einfach weil sie sich nichts daraus versprechen:

Egal wie es kommt, so viel wie derzeit wurde selten über (Standes-)Politik geschrieben und gesprochen.

Ich bin gespannt, ob die Apotheken am kommenden Donnerstag Gehör finden, oder ob die erhöhte Kassengebühr umgesetzt wird. Falls ja, müssen noch mehr Apotheken für immer schließen

…und selbst dann wird es immernoch Leute geben, die behaupten es gebe zu viele Apotheken. Vermutlich weil sie in einer Großstadt leben. Wer auf dem Land wohnt, der kennt schon heute die langen Wege zum nächsten Pharmazeuten. Dann ist eine Versorgung durch Online- Apotheken auch gar nicht mehr zu umgehen, und die Politik hat geschafft, was sie die ganze Zeit wollten.

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