Kundentypen Teil 5 – Der Stinker

Stinker gibt es viele verschiedene. Meistens sind es ältere Menschen die nicht mehr so sehr auf die Körperpflege achten, es sind aber auch durchaus jüngere Leute dabei.
Bei den jungen Männern überwiegen die Schwitzer-und-nicht-Duscher, knapp gefolgt von den Ich-hab-die-Wäsche-zwar-gewaschen-aber-sie-erst-nach-zwei-Tagen-aufgehängt Typen. Ich HASSE diesen Geruch nach gammligen Klamotten. Den bekommt man im Normalfall auch nicht wieder raus. Wahrscheinlich ist es jedem irgendwann mal passiert dass die gewaschene Wäsche mal zu lange lag und diesen eigentümlichen Geruch angenommen hat, aber es gibt manche die riechen immer so. Furchtbar!
Bei den jungen Frauen sind es eher die wandelnden Parfumerien die fröhlich vor sich hinstinken während ich Kopfschmerzen bekomme nur weil ich mich für 5min in deren Nähe aufgehalten habe. Dieses Phänomen tritt aber bei Frauen aller Altersklassen auf – wahrscheinlich nimmt man es selbst gar nicht mehr wahr wenn man sich jeden Tag so eindieselt, ich finde es grenzt an vorsätzlicher Körperverletzung!
Mundgeruch ist auch so ein Thema. Wir hatten mal einen Pharmareferenten der hatte einen Geruch an sich als hätte er seit zwei Tagen nichts mehr gegessen. Wenn er vorne stand war ich immer versucht ihm wenigstens eine Probiergröße CB12 zu schenken. Eine andere bei uns äußerst beliebte Form des Gestanks ist der Knoblauchgeruch. Mal von den Mittagsdöneressern abgesehen haben wir da drei vier ältere Herrschaften die Knoblauchsäfte oder Ilja Rogoff in Massen zu sich nehmen, dass sie diese Ausdünstungen noch auf mehrere Meter vor und hinter sich herziehen. Die werden an der Supermarktkasse sicher öfter mal vorgelassen kann ich mir vorstellen… Einer dieser Herren erzählte mir dass er morgens frischen Knoblauch mit der Presse direkt auf das Butterbrot gibt oder sich abends einen Haferschleim mit Knoblauch gönnt, weil es ja soooo gesund sein soll. Ich kann mir zwar vorstellen dass das nicht ganz falsch ist, aber wenn es in der Wohnung auch nur ansatzweise so riecht wie ich mir das vorstelle, dann werden diese Leute vielleicht alt, aber auch sehr einsam.
Wieder ein anderer Geruch geht von den inkontinenten Frauen und Männern aus. Diejenigen unter ihnen die das bereit sind „zuzugeben“ und sich die dafür hergestellten Einlagen besorgen riecht man wenig bis gar nicht. Diejenigen die das verleugnen und versuchen sich mit extra dicken Damenbinden zu behelfen riecht man SOFORT. Ich hatte in meiner Ausbildung einmal eine Kundin zu der ich immer nach Hause musste um Medikamente zu bringen. Sie war eine von der Sorte IIIICH bin doch nicht INKONTINENT, das sind doch nur die alten Weiber! Den stechenden, beißenden Geruch der von ihrer Wohnung ausging versuchte sie mit direkt auf die Heizung getropften Pfefferminzöl zu umgehen. Bis sie das Geld gefunden und die Arzneimittel durchgesehen hatte vergingen für mich immer gefühlte Stunden in denen ich versuchte nur ganz flach zu atmen. Seither wird mir bei Pfefferminzgeruch meistens schlecht 😦 Schlimmer ist es eigentlich nur noch wenn zusätzlich noch Katzen in der Wohnung leben!
Grundsätzlich ungewaschene Leute gibt es natürlich auch. Das ist zwar unangenehm, aber normalerweise kommt man ja in der Apotheke zum Glück nicht so nah an die Kunden ran wie beispielsweise ein Arzt. Anders sieht das aus wenn man Kompressionsstrümpfe ausmessen muss. Ich musste einmal zu so einem muffelnden Mann nach Hause um eine Strumpfhose auszumessen. Die Wohnung roch genau so wie ihr Bewohner, daher versuchte ich eine ähnliche Atemtechnik wie bei der Pfefferminzfrau anzuwenden. Ich bat den Herren die Hose auszuziehen damit ich die Beine vermessen kann, und er schlüpfte mit dem rechten Bein auch recht schnell aus seiner Trainingshose. In der Körpermitte hielt er dann das leere Hosenbein fest und stellte sich so vor mich. Na gut dachte ich, vielleicht ist ihm das einfach etwas peinlich – und machte mich an die Vermessung. Als ich mit dem Bein fertig war bat ich ihn, jetzt auch das andere freizumachen.

„Wieso denn das? Können Sie nicht einfach die Maße von dem anderen Bein auch für das zweite nehmen?“

Nein, das kann ich leider nicht. Sie haben ja ein Venenleiden das ihre Beine anschwellen lässt. Da sind sie meistens unterschiedlich dick, deshalb brauche ich jetzt die zweite Seite.“

Das geht nicht, da müssen Sie morgen wieder kommen!“

Wieso das denn? Ich bin doch jetzt extra her gefahren, wir können das doch noch schnell fertig machen. Ich beeile mich auch wenn Sie noch etwas vorhaben.“

Naja… nein… es ist nur… die Seite hab ich mir nicht gewaschen…“

Ich war platt. Natürlich hab ich die Strumpfhose doch ausgemessen, aber es war wirklich ekelhaft. Er hatte sich auch nur auf der einen Seite die pilzigen gelben Fußnägel geschnitten. Das ist etwas das ich bis heute nicht verstehe: es ist doch viel viel einfacher sich im Gesamten unter die Dusche zu stellen als nur eine Seite zu waschen, oder?

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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6 Antworten zu Kundentypen Teil 5 – Der Stinker

  1. Molly L. schreibt:

    Uäääh! Jetzt schmeckt mein Kaffee nicht mehr … 😀

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  2. ednong schreibt:

    Halbseitig waschen? Wow. Das muß doch viel anstrengender sein als eine Komplettwäsche/-dusche. *Kopfschütteln*

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  3. engelchenfiona schreibt:

    örks das wars auch mit meinem kaffee, da bin ich ja regelrecht froh das ich nur die normalen pupertären pumas, und turnbeuteldüfte hier hab

    du tust mir leid

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  4. Mr. Gaunt schreibt:

    Wie war das bei Jürgen von der Lippe? „Es ist ja gar nicht so sehr der Gestank, es ist mehr das Brennen in den Augen“. 😉
    Wer weiss wieso er nur halbseitig gewaschen hat? Vielleicht kann er sich nicht so gut bewegen, geschweige denn komplett für die Dusche ausziehen? Gerade wenn Menschen merken, dass sie schwächeln und nicht mehr wie bisher gut alleine klar kommen, versuchen sie solche Strategien in diese Richtung. Da wird dann die Hygiene heruntergeschraubt, besser als bekennen dass man Hilfe braucht. Selbst in der Familie erlebt.

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  5. ptachen schreibt:

    Wenn er wirklich hilfebedürftig gewesen wäre hätte ich ihn nicht als Beispiel hier genannt. Die wirklich kranken in ihren Bewegungen eingeschränkten Personen würde ich niemals karikieren, da habe ich auch zu viel Mitleid. Der genannte Herr war bis auf das Venenleiden recht gesund, etwa Mitte 60 und gut zu Fuß.
    Das Zitat von Jürgen von der Lippe ist übrigens klasse 😉

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  6. Pingback: Lehrjahre – Teil 1 | apothekentheater

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