Warum ich den Beruf gerne mache

Ich bin gerade noch einmal die letzten Beiträge durchgegangen und befürchte es entsteht ein ganz falscher Eindruck! Auch wenn ich über seltsame Kunden mit nervenden Eigenschaften oder herrische MFA’s schreibe (und da kommt noch einiges…), ich bin froh dass ich diesen Beruf gewählt habe und ich gehe wirklich gerne zur Arbeit. Die meisten Kunden sind wirklich nett, oder man gewöhnt sich an gewisse Ruppigkeiten die oft nicht so gemeint sind wie sie im ersten Moment rüber kommen. Auch mit den meisten Arztpraxen haben wir ein gutes Verhältnis – wir arbeiten ja beide  (im Gegensatz zu den Klonkriegern der Krankenkassen) für die gute Seite der Macht 🙂
Ich muss sagen dass es einfach mal gut tut all die Ärgernisse niederzuschreiben und irgendwie drüber zu lachen, das ist sehr befreiend!
Das schöne an meinem Beruf ist, dass er so vielseitig ist. Ich rühre Cremes, fertige Ohrentropfen und Nasensalben an, Kunden werden zu Arzneimitteln oder auch Kosmetika beraten, Ware wird von mir bearbeitet, mit Vertretern verhandelt, Medikamente werden geliefert. Aber es gibt auch viel Zwischenmenschliches „geschnacke“, wir wissen meist auch um familiäre Probleme oder Freuden unserer Kundschaft, werden zu diesem oder jenem Thema ins Vertrauen gezogen. Wir helfen auch mal beim korrekten Ausfüllen eines Überweisungsauftrages wenn die alte Dame nicht richtig sehen kann oder faxen auch mal was dringendes privates für jemanden weg. Zu uns kommen die Kinder die sich das Knie aufgeschlagen haben oder die Leute die eben noch eine Briefmarke brauchen und die Post hat gerade zu. Wir suchen völlig apothekenfremde Dinge aus dem Internet wie Telefonnummern vom Zoo, verteilen Wasser alle die Durst haben und erklären fremden Leuten den Weg zum Supermarkt die sich verfahren haben.
Heute kam eine gebrechlich wirkende alte Dame mit Stock zu uns herein und ließ sich schwer seufzend auf unserem Stuhl nieder. Sie war uns allen nicht bekannt und ich ging zu ihr und fragte ob ich ihr helfen kann. Sie blickte mich lange müde an und seufzte noch mal
„Ach junge Frau, ich weiß es ja auch nicht.“
Wollten Sie etwas kaufen oder ein Rezept abholen?“ frage ich, und registriere gleichzeitig, dass sie keine Tasche bei sich hat. Und keinen Schlüssel einstecken, denn sie trägt nur eine dünne Strickjacke zur Bluse über ihrem Rock und hat auch nichts in der Hand.
„Nein, ich glaube nicht dass es hier etwas für mich gibt. Ich glaube ich gehe lieber wieder, ich will hier ja nicht den Betrieb aufhalten!“ sagte sie und versuchte mühsam aufzustehen.
Warten Sie doch! Ich hole ihnen erst mal ein Glas Wasser Frau… Wie heißen Sie denn wenn ich fragen darf?“
Wie ich… oh! Moment… ich hab es gleich… nein! Kann das denn sein? Jetzt weiß ich gar nicht… ich komme nicht drauf. Es tut mir leid!“ Tränen erscheinen in ihren Augen die sofort überlaufen.
Das ist ja jetzt erst mal nicht so schlimm. Ich bringe ihnen jetzt was zu trinken und sie denken nochmal nach, ja? Soll ich so lange ihre Strickjacke nehmen? Es ist ja heute so warm!“ sage ich mit einem Hintergedanken. Sollte die Dame nämlich aus dem Seniorenheim im anderen Ortsteil kommen wäre sicherlich der Name in der Jackeninnenseite vermerkt – und so ist es auch. Während meine Kollegin mit ihr plaudert damit sie gar nicht auf die Idee kommt wieder wegzugehen rufe ich im Heim an und frage ob sie eine Frau Kaiser vermissen. Der Heimleitung fällt hörbar ein Stein vom Herzen während sich ein Pfleger sofort ins Auto setzt um sie abzuholen. Als er eintrifft freut sich Frau Kaiser sehr ein bekanntes Gesicht zu sehen und bricht ihr Kaffeekränzchen mit uns sofort ab um „nach Hause“ zu fahren. Wir sind alle erleichtert und froh, dass wir sie nicht haben gehen lassen als sie weg wollte. Das Zwischenmenschliche. Deshalb liebe ich meinen Beruf!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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2 Antworten zu Warum ich den Beruf gerne mache

  1. ednong schreibt:

    Jep,
    genau das würde ich auch sagen, wenn man mich fragen würde, warum ich gerne im Einzelhandel gearbeitet habe. Der Kontakt mit dem Kunden (oder besser: dem Menschen). Das macht einfach Spaß. Und man kann dabei noch eine Menge erleben.

    Schön, wenn dir der Beruf so gut gefällt. Wobei das ja auch immer auf den Arbeitgeber mit ankommt.

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    • ptachen schreibt:

      Das ist wahr. So viel Spaß der Beruf an sich macht – wenn die Kollegen oder der Chef doof sind (hab ich einmal erlebt) dann geht man auch nicht gerne arbeiten. Gerade in einem Kleinbetrieb ist es wichtig dass die Chemie stimmt!

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