Organisatorisches

Ednong hat gefragt was denn ein Direktauftrag ist. Ich schreibe immer wieder solche für mich gängigen Begrifflichkeiten hier rein und vergesse dass der Rest der Welt ja nicht ebenfalls in einer Apotheke arbeitet,  entschuldigt bitte!
Zur Erklärung: wir haben 3 verschiedene Möglichkeiten Medikamente zu bestellen. Das Tagesgeschäft zur Bestückung unseres Automaten und zur Belieferung von Kundenbestellungen läuft über die Großhändler. Benötigt ein Kunde ein Arzneimittel das wir nicht an Lager haben bestellen wir 4x am Tag bei je 2 Großhandlungen Ware die direkt ausgepackt, eingebucht und rausgegeben wird. Zur Lagerauffüllung bestellen wir nur 1x täglich und zwar für die Nachttour. Dafür komme ich morgens etwa eine halbe Stunde bevor die Apotheke ihre Pforten öffnet und verbuche die Lagerware und belege die Rezepte die am Vorabend bestellt wurden.
Nun ist es so dass jeder Lieferant eine bestimmte Menge an Packungen haben möchte die wir ihm jeden Monat abnehmen. Dazu muss der Preis pro Packung in etwa 22€ betragen, sonst gibt es Abzüge bei den Einkaufskonditionen. Hat man nun z.B. ein Medikament das über 1000€ kostet versuchen wir dieses direkt bei der Herstellerfirma zu beziehen um uns den Packungsschnitt nicht zu versauen.
Außerdem müssen die Apotheke eine gewisse Quote an Reimporten nachweisen. Das bedeutet dass 10% aller auf Kassenrzept abgegebenen Medikamente im Ausland hergestellt worden sein muss weil das billiger ist. Um nun 2 Fliegen mit einer Klappe zu schlagen ist es natürlich optimal wenn es dann auch noch ein richtig teures Medikament ist. Dann haben wir die Reimportquote schnell gedeckt UND die teuren Sachen nicht über den Großhandel bezogen.
Die Direktbestellungen über die ich aber geschrieben habe sind Aufträge die meist über die Außendienstler der Firmen laufen. Die kommen alle 3- 4 Monate vorbei und bieten oft Sonderkonditionen wenn wir eine größere Menge einkaufen  (Saisonbevorratung mit Allergiemedikamenten z.B.) oder wenn wir bestimmte Produkte im Schaufenster oder in der Sichtwahl platzieren.
Diese Direktaufträge können einem schon mal die ganze Tagesplanung durcheinander wirbeln, denn wann sie genau ausgeliefert werden wissen wir oft nicht. Da heißt es nur „Auslieferung im Oktober“ z.B. und wenn wir Pech haben wie z.B. letzten Dienstag liefern am gleichen Tag Klosterfrau, Boehringer und Pfizer insgesamt 27 Kartons mit Ware aus. Dann stehen wir da und würden am liebsten heimgehen und die Decke über den Kopf ziehen, denn die Kisten stehen mitten im durchaus begrenzten Raum und wir fallen drüber sobald wir uns umdrehen. Andererseits hat es etwas ungemein befriedigendes an sich wenn man den ganzen Kram dann verräumt hat und wieder normal gehen kann. Man sieht dann deutlich dass man etwas geleistet hat!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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10 Antworten zu Organisatorisches

  1. ednong schreibt:

    Na,
    ich hinterlasse dir doch gerne Themen für neue Posts 😉

    Um die Quote nicht zu versauen – äh ja, so ganz habe ich das nicht verstanden. Wenn ihr so ein 1000-E-Ding über den Großhandel bestellen solltet, habt ihr die Quote doch für die nächsten 2 Monate erfüllt, oder wie? Und 22 E pro Packung? Also müßt ihr mehr als einen Artikel pro Medikament bestellen, damit ihr die 22 E überschreitet? Oder 22 E pro Lieferung/Paket?
    *völlig-verwirrt-bin-von-den-22-Euro*

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    • ptachen schreibt:

      Wir müssen z.B bei einem Großhändler monatlich 3000 Packungen im Gesamtwert von 65000€ abnehmen. Sind es weniger Packung bekommen wir schlechtere Konditionen, überschreiten wir den Packungsschnitt, passiert das ebenfalls. Nehmen wir das Beispiel pulmonale Hypertonie. Da haben wir einen Patienten der ein Medikament benötigt das 13000€ kostet. Das kann uns am Monatsende sämtliche Kalkulationen platzen lassen.

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      • ednong schreibt:

        Uha. 13000. Ist ja viel. Für eine Packung? Unglaublich.
        Was ist denn der Unterschied zwischen Großhandelsbestellung und Direktbestellung? Also so in Bezug auf EK (gern mit fiktivem Beispiel), Lieferzeit und was es sonst noch so für Parameter gibt.

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      • ptachen schreibt:

        Für diese Packung z.B? Da bekommen wir großartige 20€ Nachlass wenn wir direkt beim Hersteller einkaufen. Dann müssen wir allerdings auch gleich bezahlen. Wenn wir über den Großhändler gehen haben wir am Ende des Monats erst die Rechnung zu blechen… die Krankenkasse lässt sich 4 Wochen Zeit zu zahlen, das heißt dass das Geld erst mal vorgestreckt werden muss, und dafür möglichst keine Verzugszinsen anfallen sollten.

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      • ednong schreibt:

        Wie? 20 Euro mehr Nachlass als beim Großhändler, oder? Oder gar nur 20 EUR auf 13.000? Und so Lieferzeiten – sind die länger? Versandkosten extra – oder ist das alles identisch mit einer Bestellung beim Großhandel?

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  2. Molly L. schreibt:

    Ha, ist ja witzig, genau das wollte ich DIch auch fragen!
    Also: Molly gegen 10 Uhr in die Apotheke, sich Zaubermedizin kaufen.
    Nette Apothekerin: „Tut mir leid, haben wir nicht auf Lager, müsste ich bestellen!“
    Molly: „Grrr! Und wann wäre es dann da?“
    Nette Apothekerin: „Können Sie ab 12 Uhr abholen!“
    Molly: „???, *staun*“

    Frage mal so von mir als Außenstehenden: Ist das nicht Wahnsinn???? Du schreibst, Ihr würdet 4x pro Tag bei Großhändlern … Sorry mal, aber das kommt mir doch ein bisschen wie Wahnsinn vor. Kann es denn wirklich sein, dass es a) so viele verschiedene Medikamente gibt, oder b) so viele verschiedene KK, die mit verschiedenen Firmen Verträge haben oder so, und es c) weniger kostet, zB wie heir 2x am Tag was liefern zu lassen, anstatt mehr zu lagern?
    Kapier ich irgendwie nicht!?

    Ich hatte mal ein nettes Gespräch mit einem Apotheker, bei dem ich ein bestimmtes Medikament für das Größte abholen wollte. Wir waren beim zentralen Notdienst gewesen (natürlich, *seufz*), da haben immer unterschiedliche Kinderärzte Dienst.
    Nun wuselte und grub der Apotheker und meinte dann strahlend, da hätte ich aber Glück, ich hätte die letzte Packung des Medikamentes erwischt.
    drauf ich: „Äh … wieso das denn? Ist doch immerhin grade Erkältuingswelle …?“
    Apotheker: „Ja, ich hatte auch extra 15 Stück vorrätig! Sind jetzt alle weg!“
    Ich (vorwurfsvoll; hätte ich jetzt erst noch zu einer anderen Notfallapotheke gurken dürfen, ich hätte mich bedankt, das sind hier in der Pampa nämlich mal locker wieder 30km, da fährt sich an Spritgeld insgesamt ganz schön was zusammen!): „Na ja, aber … Sie haben doch sicher Erfharung, wie viel davon gebraucht wird, oder nicht?“
    Apotheker: „Ja nee, eigentlich nicht: Normaler Weise wird eher Medikament X genommen. Nur heute hat Doktor Anders Dienst, und der verschreibt im Gegensatz zu seinen Kollegen immer das Medikament Y!“

    Magst Du zu diesem Thema mal was schreiben? Interessiert mich total! 🙂

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    • Aponette schreibt:

      Liebe Molly,

      Dazu kann ich grade aktuell und Live aus dem Notdienst berichten. Es ist nie vorhersehbar, was so verordnet werden wird im Notdienst. Heute werden z.B. antibiotische Augentrofen bevorzugt verordnet. Da haben wohl einige eine eitrige Bindehautentzündung – das hatte ich im letzten Notdienst überhaupt nicht, dafür hatte der Notarzt an dem Tag quasi nur Tilidin comp in der Feder, das ist ein starkes Schmerzmittel. Das kam heute nur einmal vor. Die Antibiotikasäfte, die ich für den Dienst bestellen wollte, aber nicht habe, weil vergessen, hätte ich bisher auch überhaupt nicht gebraucht. Uff!
      Gibt es so viele Medikamente? Nun ja, es gibt z.B. allein von Metformin, einem sehr gängigen Diabetesmittel drei Wirkstärken in jeweils drei Packungsgrößen, und das von min. 20 bis 30 verschiedenen Herstellern, also ca.180 bis 250 mögliche Packungen. Wir haben davon 38 An Lager – die Wahrscheinlichkeit eins nicht da zu haben ist nicht gleich Null.
      Wäre es sinnvoller mehr an Lager zu haben? Nein, alles was bei uns im Automaten liegt ist schon bezahlt worden, also totes Kapital. Wir sind ständig dabei die Balance zwischen Lieferfähigkeit und Lagerwertminimierung zu halten. Zu wenig – und die Leute mögen irgendwann nicht immer ein zweites Mal kommen, zu viel und es ist zu teuer – totes Kapital. Ich glaube, unsere Lager beläuft sich z.Z. Auf so 5000 Packungen im Wert von ca. 130.000€.
      Und trotzdem haben wir täglich sicher mindestens 15-30 Artikel nicht da.
      Liebe Grüße aus dem Notdienst (bin jetzt bei fast 100 Kunden)

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  3. Sarah Demuth schreibt:

    ein neuer Apothekenblog! von einer PTA! *freu* Hallo Kollegin! 😀

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  4. Delilah schreibt:

    Das mit dem Notdienst kann ich nur bestätigen. Hatte an Himmelfahrt Dienst, an den Tag war jedes zweite Rezept ein Penicillin-Saft. Nach der 10. Anfrage hatte ich dann einfach keinen der gefragten mehr…und der Wechsel auf einen anderen war leider ohne neues Rezept nicht möglich (wenn sich die Angaben zu sehr unterscheiden, darf ich das nicht ändern)…und da stellten sich die Ärzte quer, weil neues Rezept macht ja zu viel Arbeit (wortwörtlich!). Ich habe dann die anderen Notdienstapotheken angerufen und die Leute weitergeschickt…in HH ist das ja zum Glück eher unproblematisch.
    3 Tage später hatte ich wieder Dienst. Verordnete Penicillin-Säfte: 0!
    Was wir dafür immer in großen Mengen da haben: DIe Pille danach. Mein aktueller Rekord im Notdienst: 12 Stück in 8 Stunden.

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