Mein alter Chef

Heute habe ich wieder viel an ihn denken müssen, meinen alten Chef mit dem ich 12 Jahre 8 Stunden am Tag zusammen gearbeitet hatte. Wie bereits geschrieben hatte ich nur noch zwei zusätzliche Kolleginnen, eine PTA für das Labor die 10 Stunden die Woche da war um das Methadon herzustellen und eine Apothekerin für 12 Wochenstunden. Den Rest der Zeit waren wir alleine und es lief eigentlich meistens gut. Er brachte immer Frühstücksbrezeln mit und ich brachte die Sätze zuende die er anfing (was ihm oft gehörig auf den Keks ging…).
Er ist einer der schlagfertigsten Menschen die ich kenne und hatte zu allem und jedem einen Spruch zur Hand.
„Bei dieser Hitze, bei dieser Hitze, da ist der Beutel wieder länger als die Spitze“ wäre heute todsicher gekommen.
Oder „mit jedem Grad das es wärmer wird sinkt die Hemmschwelle wieder ein Stück“. Bei der wirklich extrem fetten Frau die im fleischfarbenen Trägerhemdchen herumspazierte hätte ich ein „Aaah! Jetzt kann ich wieder 14 Tage lang keine Fleischwurst mehr essen“ gehört.
Auch herrlich: wir hatten eine sehr unangenehme und hochnäsige Kundin die uns oft wie persönliche Dienstboten behandelte, da kam sie eines Tages mit einer pelzbemantelten Person in die Apotheke. Diese fasste alles in der Freiwahl mit spitzen Fingern an, stellte lauter sarkastische Fragen „ach, sowas kaufen die Leute hier?“ und ging uns mit ihrer Arroganz auf die Nerven. Es war die Mutter unserer Kundin. Als sie ging drehte sich der Chef nur kurz weg und sagte gerade so vernehmlich: „manchmal passt ja der alte Spruch „Mutter kennengelernt – alles verziehen“ ganz gut!“. Ich musste wirklich schnell nach hinten laufen um nicht gleich vor Lachen loszuprusten.
Eines Tages kam ein französischer Mann in die Apotheke (wahrscheinlich im Urlaub) und wollte wissen ob wir auch englisch sprechen, fragte aber leicht verwirrt
„Do you speak German?“ daraufhin meinte mein Chef staubtrocken und ohne eine Miene zu verziehen
„Fluently.“
Aber das beste leistete er sich bei einer MFA. Unsere Apotheke hatte keinen öffentlich zugänglichen Briefkasten, so dass die umliegenden Praxen wenn sie uns außerhalb der Öffnungszeiten Rezepte zukommen lassen wollten diese durch einen Schlitz unter der Tür durchschoben. Frau M. holte 4 Ampullen Bayotensin für den Notfallkoffer ab und sagte zu ihm
„Das Rezept stecke ich ihnen in der Pause dann unten rein, ja?“
woraufhin von ihm kam
„Also mir wäre es angenehmer wenn sie es unter der Tür durchschieben.“
Ich musste mir noch 20min später die Lachtränen aus dem Gesicht wischen.
Und das immer ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken. Sowas würde ich auch gerne können…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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6 Antworten zu Mein alter Chef

  1. ednong schreibt:

    Das ist nur Übung, mehr nicht. Und natürlich muß man dafür schnell und übergreifend denken können … 😉

    Aber sowas liebe ich ja – oder solche Menschen. Kann man sich immer schön dran messen, wenn man nicht vor Lachen untergeht 😉

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  2. sakasiru schreibt:

    Manchmal ist es schwerer sich die Sprüche zu verkneifen, die so auf der Zunge liegen. Einfallen tun die mir oft schon sehr schnell…

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  3. Molly L. schreibt:

    Köstlich! 😀 … und den Spruch wegen der Hitze werd ich bei erster Gelegenheit mal zu Herrn L. sagen! 😉

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  4. Pingback: Apothekenpartys | apothekentheater

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