Rezepturen die begeistern

Heute hatte ich die große Freude eine Rezeptur mit Tretinoin (Vitamin A Säure) herstellen zu dürfen.
Dieser Wirkstoff ist in zweierlei Hinsicht problematisch bei der Verarbeitung. Zum einen ist er ziemlich gesundheisschädlich, was quasi einen Ganzkörperanzug erfordert samt Mundschutz, Handschuhe und Brille, zum anderen ist er richtig schlecht zu bearbeiten.
Für die Rezeptur benötige ich 0.006g Tretinoin, was sich schlecht einwiegen lässt. Daher muss ich erst einmal eine sogenannte „Stammverreibung“ herstellen in der der Wirkstoff in höherer Konzentration als die 0,025% in der Rezeptur vorliegt. Das Problem an der Sache war nun, dass der Wirkstoff nur in seiner kristallinen Form zu bekommen war und für die Stammverreibung eine mikronisierte Form (quasi gaaanz ganz fein verrieben wie man es in der Apotheke gar nicht selbst machen kann) als Ausgangsstoff benötigt wird. Ansonsten sind die Kristalle einfach zu groß als dass sie sinnvoll in Cremes angewandt werden können. Gut, was also tun? Die Hersteller und die Großhändler konnten mir nicht mit der mikronisierten Form dienen, also fiel die Stammverreibung aus. Dann habe ich also versucht eine StammLÖSUNG zu bestellen – nicht lieferbar. Prima.
Ich habe mich dann dazu entschlossen diese selbst herzustellen und die gesamte Menge an Tretinoin zu verarbeiten die wir bekommen konnten, nämlich 0.250g. Löslich ist das Zeug auch noch schlecht, laut Literatur kann ich maximal eine 0.333%ige Lösung in Ethanol 96% und Propylenglycol herstellen ohne dass mir Kristalle ausfallen. Ich wollte es versuchen, doch wir hatten das passende vom Rezepturformularium geforderte Konservierungsmittel nicht parat, dieses aber dann bis zum Mittag bestellt.
Nachmittags dann nur noch in die Schutzkleidung werfen, die Vitamin A Säure aufgelöst (zügig und mit Alufolie umwickeltem Becherglas, denn das Zeug ist auch noch stark lichtempfindlich und oxidationsanfällig) in ein Pipettenglas abgefüllt und in den Kühlschrank gestellt. Morgen werde ich die Lösung dann in der Rezeptur verarbeiten und hoffen dass mir die gelösten Kristalle nicht gleich wieder ausfallen, denn geprüft in der Grundlage „Dynexan Mundgel“ ist der Kram ja nicht.
Drückt mir mal die Daumen dass das morgen klappt!
Erfreulich war heute vor allem ein Brief vom ZL, meine Rezeptur vom Ringversuch hat bestanden, puuuh!

Advertisements

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Rezepturen die begeistern

  1. Molly L. schreibt:

    „Heute hatte ich die große Freude eine Rezeptur mit Tretinoin (…) herstellen zu dürfen.
    (…) Zum einen ist er ziemlich gesundheisschädlich“
    Du alte Giftmischerin, *lach*, wen willste den killen? 😀

    Gefällt 1 Person

  2. ednong schreibt:

    *hüstel*
    Also da, da unten links da, das solltest du noch mal unkenntlich machen.

    Ansonsten: Gratulation, dass du – ach nee, das Rezept – bestanden hat. Udn Ganzkörperschutzanzug stelle ich mir bei diesem wunderschönen wetter richtig gut vor – ist dann quasi Saunaersatz, oder?

    Gefällt mir

  3. ednong schreibt:

    Oh, vergessen zu kreuzen …

    Gefällt mir

  4. Paterfelis schreibt:

    Hört sich sehr nach Hexenküche an. 😉

    Gefällt mir

  5. stuttgarterapothekerin schreibt:

    wenn das in Dy***an nicht geprüft ist, wie habt Ihr das durch die Plausi geschoben?!?!?
    Hoffentlich liest der PR nicht mit….
    Und:
    Glückwunsch zum ZL-Prüfungsergebnis!

    Gefällt mir

  6. Delilah schreibt:

    Glückwunsch für das ZL-Ergebnis 🙂 Bin auf meins vom letzten Jahr auch stolz (war PJlerin und dementsprechend nervös…^^).
    Ächt jetzt? Tretinoin in Dynexan? Welcher Hautarzt hat sich das denn wieder ausgedacht…Wahrscheinlich für Akne am Mund oder so, aber das Zeug macht dir die Haut so extrem trocken, dass ich das wirklich nicht empfehlen würde…
    Ich hätte das wahrscheinlich mit dem Arzt diskutiert und versucht, ihn insgesamt auf ein Fertigpräparat zu schieben (gibt da ja mehrere Gele von), weil das Risiko und die Zusatzarbeit den Nutzen doch etwas übersteigen dürfte. Isotretinoin ist echt ein gefährliches Zeug (bedenke die Sonderregeln bei Tablettenabgabe an Frauen…),

    Gefällt mir

  7. Aponette schreibt:

    Nur so, meinte der Arzt echt Tretinoin? Oder wollte er ein Triamcinolon Mundgel? Und wo soll das Zeug hin, das rät mich jetzt aber auch interessieren!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s