Präqualifizierungs- Wahnsinn

Um solch „beratungsintensive“ Produkte wie zum Beispiel Pen- Nadeln für Diabetiker abgeben zu dürfen müssen sich Apotheken seit einiger Zeit „präqualifizieren“. Das bedeutet nichts anderes als einen Riesenaufwand zu betreiben um Nachzuweisen was sowieso jede Apotheke macht. Wir müssen bestimmte Fortbildungen besuchen und diese Besuche belegen, wir müssen im Labor einen „reinen“ und einen „unreinen“ Bereich schaffen, kennzeichnen und fotografieren, wir müssen 1000 Dinge schriftlich niederlegen, seitenweise Listen durchgehen und abhaken und am Schluss noch 150€ dafür bezahlen.
Dann sind wir präqualifiziert und „dürfen“ mit den einzelnen Kassen spezielle Lieferverträge aushandeln (wenn wir nicht gerade bei Scientology sind).
Manche Apotheker weigern sich aber, sich diesem bürokratischen Schwachsinn zu beugen, haben aber auch berechtigterweise Angst, dass ihnen die Kunden abwandern wenn sie dort zwar ihr Insulin beziehen können, die Nadeln aber woanders holen müssen. Eine unserer Nachbarapothekerinnen ist so eine Nicht – Präqualifizierte aus Prinzip. Um sich zu behelfen macht sie folgendes: kommt ein Kunde mit Pen Nadeln bekommt dieser sie ganz normal mit und zahlt die fälligen Rezeptgebühren. Die Rezepte werden aber nicht bedruckt sondern blanko gesammelt und Ende des Monats bei uns abgegeben. Wir bedrucken sie dann, bekommen die Zuzahlungen und geben im Gegenzug die Nadeln zurück. Das ist zwar für die Nachbarapothekerin eine Nullnummer, aber so verliert sie wenigstens keine Kunden. Das ist doch krank sowas!!!

Advertisements

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Präqualifizierungs- Wahnsinn

  1. ednong schreibt:

    Tja,
    meist sind die Regelungen sicher berechtigt. Irgendwann allerdings schlägt es auch ins Gegenteil um – und da kann ich den Apotheker von nebenan verstehen …

    Gefällt mir

  2. squirrel1976 schreibt:

    Und bei der Präqualifizierung ja nicht den Spiegel und die Bohrmaschine vergessen!!!1einself!

    Gefällt mir

    • ptachen schreibt:

      Oooh ja, der Spiegel und die Bohrmaschine. Ich erinnere mich wieder…
      Wann muss der Unsinn nochmals wiederholt werden? Alle 5 Jahre?

      Gefällt mir

      • ednong schreibt:

        Und was hat das nun mit der Borhmaschine, dem Spiegel und den Prospekten auf sich?

        Gefällt 1 Person

      • ptachen schreibt:

        Wenn ich noch einmal „Prospekt“ lesen muss überlege ich ernsthaft den betreffenden Beitrag zu löschen!
        Nee, Quatsch 🙂
        Das Vorhandensein einer Bohrmaschine und eines Spiegels ist Teil dieser Präqualifizierung. Weiß der Teufel was das mit Hilfsmittelbelieferung zu tun hat…

        Gefällt mir

      • ednong schreibt:

        Nun ja,
        vielleicht steht in dem Handblättchen ja drin, was es mit der Bohrmaschine und dem Spiegel auf sich hat.

        Den Spiegel benutzt man vielleicht, um festzustellen, ob die Rezeptur noch lebt. „Nicht beschlagen“ – also mausetot. Und die Bohrmaschine, nun ja, vielleicht als Quirlmotor bei größeren Mengen einer Rezeptur (Farbeimergröße). Oder so.

        Gefällt mir

      • ptachen schreibt:

        Hmmm, das klingt zwar ganz gut aber bei der Präqualifizierung geht es ausschließlich um Hilfsmittel, nicht um Arzneimittel…

        Gefällt mir

      • squirrel1976 schreibt:

        Genau, alle 5.

        Gefällt mir

  3. ednong schreibt:

    Ach ja,
    gehören Prospekte eigentlich auch dazu?

    *ganz-schnell-abtauch*

    Gefällt mir

  4. Molly L. schreibt:

    Äh … so ganz koscher ist das aber nicht, was die und Ihr macht, oder?
    Ach ja. Good old Germany: Hier kann man nichst, wenn man es nicht zertifiziert hat, nicht wahr? *Tiiiiiefseufz*

    Gefällt mir

  5. ednong schreibt:

    Und Präqualifizierung heißt, ihr qualifiziert euch gar nicht, sondern bereitet euch nur vor auf eine ebensolche. Und genau diese Vorbereitung wird dann – äh – qualifiziert durchgeführt? Oder wie?
    *völlig-verwirrt-aus-der-Wäsche-guck*

    Gefällt mir

    • gedankenknick schreibt:

      PRÄqualifizierung heißt, dass man, wenn man bestimmte Hilfsmittel abgeben möchte, sich VOR der Unterschrift des Hilfsmittelliefervetrags bei einem separaten Unternehmen – bei einer von m.E. derzeit 5 „zugelassenen Präqualifizierungsstellen“ – kostenpflichtig bestätigen lassen muss, dass man die personellen, organisatorischen und logistischen Voraussetzungen erfüllt, die beantragten Hilfsmittel auch sachgerecht beliefern (und gegebenenfalls betreuen) zu können.

      Das verbietet der einzelnen KrankenKasse allerdings nicht, direkt mit Nachweis der Präqualifikation die fraglichen Hilfsmittelverträge einseitig ersatzlos zu kündigen. Schon hier wird der Schwachsinn ersichtlich. Effektiv wurde hier vom Gesetzgeber im Schulterschluss mit dem Spitzenverband der GKV ein Geldscheffelgesetz gegen Leistungserbringer geschaffen.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s