Apothekenräume – Teil 1 der Keller

Der Keller in Apotheken hat überall etwas besonderes, und ich habe – mit einer Ausnahme – noch keinen gesehen in dem kein Chaos herrschte. Warum das so ist? Nun, ich werde versuchen dem apothekenunkundigen Leser das zu erklären. Der Apothekenkeller ist Ablage für quasi alles, was man benötigt, aber nicht immer sofort zur Hand haben muss. Dazu gehören

– Rezepturartikel – Übervorräte  (Tropfgläser, Weithalsgläser, Medizinflaschen, Pipetten oder Tropfaufsätze, Kruken (einfache und Topitec), Deoroller, Quetschflaschen, Teebodenbeutel, Kapseln etc.)

– Materialien für den Fall einer Pandemie

– Chemikalien und Salbengrundlagen

– Übervorräte an Tragetaschen

– Geschenke für die Kundschaft ( Erfrischungstücher, Taschentücher, Kaffeetassen, Brotdosen, Pillendöschen, Schlüsselanhänger, Kulis etc. )

– Übervorräte von Bonbons und Arzneimitteln (falls der Keller trocken genug ist)

– Retouren für Vertreter

– alte Rechnungen für die Steuer

– Übervorräte an Teedrogen

– Inkontinenzmaterialien

– Dekoartikel für Schaufenster und Verkaufsraum wie Regenschirm und Wasserball, Kunstschnee, Sand und Muscheln, überdimensionale Plastik- und Plüschtiere, Aufsteller, Plastikbeine und Flugzeuge etc.

– Übervorrat an Saftflaschen (z.B. Rabenhorst )

– Aufsteller für den Verkaufsraum  (Eucerin, Allgäuer, Thermacare)

– Regalschienen und Zusatzregale

– noch einiges was mir gerade nicht einfällt

An diesem bunten Sammelsurium lässt sich erkennen, dass es an eine logistische Meisterleistung grenzt, alles ordentlich und sinnvoll zu verstauen wenn man nur 20qm Platz zur Verfügung hat.
In der Apotheke in der ich vorher gearbeitet habe war das kein Problem, denn ich war ja alleine verantwortlich. Einkauf bei Vertretern, Rezeptur und Warenannahme war alles Ptachen Gebiet, so dass ich nach meinem eigenen Gutdünken verstauen und lagern konnte, immer wusste wo noch Platz ist und wann ich was wegräumen musste. Das ist jetzt anders, denn der Einkauf läuft über den Chef, die PKA und mich, und Aufsteller die im Keller stehen kann ich nicht nach Gutdünken wegwerfen,  wenn ich nicht weiß ob Sarah diese vielleicht gerade für das nächste Schaufenster vorgesehen hat. Das ist jetzt ein wenig besser geworden durch das Übergabebuch wo ich solche Fragen  („Ist das Kunst oder kann das weg?“) auch stellen kann wenn ich vielleicht die betreffende Person die ganze Woche nicht sehe weil sich unsere Arbeitszeiten nicht überschneiden. Nerviger ist es dann schon wenn der Keller als Ablageort für Dinge dient die man gerade nicht gebrauchen kann à la „aus den Augen aus dem Sinn“ und ich bei einem Gang in die Unterwelt über alte Monitore oder ausgeräumte Aufsteller stolpere die einfach im Weg abgestellt werden.
In meiner alten Apotheke war alles nach Themenbereichen eingeteilt und alphabetisch sortiert… hach… das waren noch Zeiten!
Was mich allerdings sehr beruhigt ist die Tatsache, dass dieses Chaos scheinbar in allen Apotheken herrscht. Im Zuge unserer Zertifizierung nach DIN ISO habe ich einen Lehrgang als Qualitätsauditorin machen dürfen und war in dieser Funktion inzwischen in ein paar Apotheken zum internen Audit. Der Blick hinter die Kulissen der deutschen Apotheken zeigt: oben hui und unten… naja geht so. Vielleicht hat es auch einen psychologischen Aspekt. Wir wirken den ganzen Tag lang vor der Welt und den Kunden da draußen so sauber und ordentlich in unseren blütenweißen Kitteln, da braucht es die „dunkle Seite“ um das auszugleichen. Da wird einfach alles was stört weggetragen und verdrängt. Sieht ja keiner, nicht? 😉

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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8 Antworten zu Apothekenräume – Teil 1 der Keller

  1. Paterfelis schreibt:

    Beim Büromenschen ist das ähnlich. Im Büro sind die Akten äußerst gepflegt, zu Hause wird der Papierkram bestenfalls in Schuhkartons gelagert, was zu Zeiten einer abzugebenden Steuererklärung regelmäßig zu chaotischen Zuständen führt. Ich weiß, wovon ich schreibe. 😦 Und ich bin damit nicht alleine. 😦 😦

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    • ednong schreibt:

      Ich nutze für so etwas ARchivboxen. Die sind größer, da passt mehr rein …
      Und eigentlich könnte man Belege ja auch monatlich verbuchen oder so. Wenn man denn nur diese Dies … äh, Dizz … äh Dist … na, also diese Selbstbeherrschung hätte.

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  2. Aponette schreibt:

    Sag mal, wann warst Du in unserem Keller? 😀
    Wobei bei uns erschwerend hinzukommt, daß sich unsere Apotheke über VIER! Stockwerke hinzieht. Unten Keller, Erdgeschoß: Offizin, erster Stock: Rowa, PKA-Plätze und Aufenthaltsraum und ganz oben dann Seminarraum, Inkolager und Raum für Venen-oder andere Messungen. Dazu gibt es nich eine Garage, die auch „Endlager“ war, bis wir sie jetzt mal ausgeräumt haben (zwei mal einen Benz Kombi VOLL! Zum Sperrmüll)
    Aber der Keller sieht bei uns ziemlich so aus wie beschrieben…..

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    • ptachen schreibt:

      Hammer! Vier Stockwerke, Respekt! Das wäre bei uns mit Sicherheit in Nullkommanichts vollgestellt…

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    • ednong schreibt:

      Vier Stockwerke? Und dann verschrottet ihr noch 2 Benzen Kombis mit Sperrmüll? Wow. Ach ne, war nur einer, den ihr nur beim zweiten Mal Fahren verschrottet … 😉
      Aber wow – aber viel Fläche führt zu viel Unordnung. Kenn ich auch nicht anders – also so von dem, was ich woanders gesehen hab, natürlich.

      WEnn man dann einmal ausgeräumt hat, sollte man sofort – wirklich sofort – ein (oder mehrere) Regal aufstellen. Dann kann man nämlich von Anfang an Ordnung schaffen – sofern man das will.

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  3. ednong schreibt:

    Die dunkle Seite der Apotheker 😉 Vielleicht gar nicht so verkehrt – ist glaub ich überall dort, wo man Publikumsverkehr hat, dass dort alles piekobello aussieht. Und dann gibt es natürlich auch noch die Rückseite. Die muß vielleicht nicht schön aussehen – sollte aber natürlich auch nicht mehr Arbeit als nötig machen …

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  4. ednong schreibt:

    Und Kaffeetassen. In einer Apotheke? Und Teebodenbeutel – was ist das denn? Der Beutel am Boden eines Tees? Plüschtiere?

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    • aponette schreibt:

      Bodenbeutel sind tatsächlich Beutel, die einen Boden haben im Gegensatz zu Beuteln, die nur flach sind. Die hübschen grünen Teetüten sind z.B. Bodenbeutel. Hat auch den Vorteil, daß a. mehr reingeht und b. sie von alleine stehenbleiben.
      Und nein, wir haben den Benz nicht verschrottet! 🙂 Es war nur die erste große Aufräumaktion seit vielen Jahren!

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