Milchmädchenrechnung

Gestern kam ein Kunde in die Apotheke mit einem Rezept über Duodart. Verordnet war eine 30er Packung, die etwa 45€ kostet. Das Medikament dient der Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung und ist nichts, was man mal so zwischendurch einnimmt, oder das einfach mal so abgesetzt wird wenn MANN es benötigt. Die 30er Packung dient eigentlich nur zur Ersteinnahme, um herauszubekommen ob der Patient den Wirkstoff verträgt. Bekommt er es dann regelmäßig verordnet der Arzt eine 90er Packung zu etwa 100€ Gesamtpreis, das ist deutlich günstiger auf die Einzeltablette hin gerechnet. Unser gestriger Kunde ist ein Dauerverwender dieses Mittels, daher haben wir auch die 90er Packung an Lager gelegt. Dass nun die 30 Stück verordnet waren, die wir nicht dahaben weil sie einfach so selten vorkommt, irritierte mich daher etwas und ich sprach ihn darauf an. Er erwiderte mir – selbst merklich genervt- dass er das seinem Hausarzt auch gesagt hatte, als ihm beim rausgehen aus der Praxis aufgefallen war, dass nur die kleine Menge auf dem Rezept stand. Dieser sagte daraufhin, dass er bereits zu Beginn des Quartals eine Großpackung aufgeschrieben hat, und er Schwierigkeiten mit der Krankenkasse bekommt, wenn er noch eine Großpackung im gleichen Vierteljahr aufschreibt. Es sind nun mal leider 2 Monate mit 31 Tagen dabei gewesen (92 Tage also zählte das Quartal) und der Patient hat dafür nur 90 Tabletten zur Verfügung. Also muss der Arzt jetzt eine Kleinpackung aufschreiben um das Quartal voll zu bekommen, egal ob das nun in der Summe teurer ist, als wenn er weiterhin die bekannte 90 Stück Packung verordnet. Ich hab mich drüber aufgeregt beim Kaffee trinken, daß das jetzt mal wieder so ein richtiger Schildbürgerstreich ist. Der Patient muss jetzt noch einmal zu uns kommen weil ich es bestellen musste, noch einmal in 30 Tagen die Rezeptgebühren bezahlen, für die Krankenkasse wird es auch teurer. Die einzigen Profiteure von einer solchen Milchmädchenrechnung sind… äääh… die Apotheken. Okay, okay, ich bin ja schon still. Was reg` ich mich eigentlich auf?

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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7 Antworten zu Milchmädchenrechnung

  1. ednong schreibt:

    Ihr profitiert auch noch davon, dass die Packungen kleiner werden? Eijeijei, sowas nee 😉

    Ja, ist schon blöd, sowas. Auch die Packungen, die früher 100 Tabletten enthielten und heute nur noch 98, 97 oder 95 – genauso ein Quatsch. Und der Arzt, der das mit der Kleinpackung erst auf Nachfrage äußert – der gehört auch geschlagen. Sowas muß unaufgefordert kommen, bin ich der Meinung.

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  2. ednong schreibt:

    Und da fällt mir auf – mit der Pille ist es doch genauso. Übers Jahr gerechnet sind das doch auch 13 Packungen, die Frau braucht, oder?

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    • Aponette schreibt:

      Ja, und das scheint einer Frauenarztpraxis bei uns am Ort nicht klar zu sein. Aber die WEIGERN sich schlicht ein neues Rezept für Pille bei unter Zwanzig bzw. Hormonersatz bei über Fünfzig zu schreiben! In diesem Quartal gibt es nur eine Packung …… Und bei der Pille/HE sind die Packungen sogar ja immer nur auf vier Wochen berechnet. Und ein Quartal hat nun mal auch mehr als zwölf Wochen. Irrsinn!

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      • nickel schreibt:

        Das fand ich zu Pillenzeiten auch immer beknackt. 21 Pillen mit 7 Tagen Pause macht 28 Tage, es soll aber für einen ganzen Monat reichen. Nun ist ja nicht ständig Februar…

        Wenn man dann noch eine Pille hat, die man durchnehmen kann und will, wird’s ganz skurril…

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  3. Rebekka schreibt:

    Stimmt das denn, was der Arzt gesagt hat? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine derartige Entscheidung oft mit dem Ende des Quartals und dem ausgeschöpften Budget des Arztes zusammenhängt.

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  4. Molly L. schreibt:

    Kopf -> Tischkante

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  5. Wolfy schreibt:

    wtf?
    Ich bin auf einmal sehr froh, dass unsere Chefs uns nicht so solchen Idiotien anhalten. Außer bei Blutzuckerteststreifen, aber hier wissen unsere Patienten Bescheid, wo sie sich anderweitig Teststreifen besorgen können, wenn unsere Mengen ausgereizt sind (nämlich beim Diabetologen).

    Lediglich bei der 6-Monats-Packung stellt sich unser Gyn an – aber hier geht es tatsächlich um die Scheine. *hust*

    Aber gut… das liegt sicher auch daran, dass wir etliche Medikamenten-Junkies haben, mit denen wir schon zu kämpfen haben, dass wir die Tabletten jetzt NICHT aufschreiben können, weil sie noch mindestens X Tage reichen müssten. Das sind jedes Mal Diskussionen… weil dann immer irgendwie die Tasche geklaut wurde oder sie doch in den Urlaub fahren oder sie dann keine Fahrer haben oder […]

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