Apothekensterben von Nord bis Süd

Gestern habe ich es schon im Zusammenhang mit der easyApotheke geschrieben, das Apothekensterben geht weiter. Einen wirklich guten und realistischen Bericht über die Situation von Apothekeninhabern einer Apotheke die weniger als 1 Million Euro Umsatz im Jahr erwirtschaften findet sich hier. Er hätte quasi wortwörtlich von meinem alten Chef stammen können, der ebenso aufgeben musste ohne einen Nachfolger gefunden zu haben.
Aber auch im Norden sieht es nicht besser aus, in folgendem Bericht ist auch noch ein kurzes Video enthalten, in dem ein Apotheker kurz die Gründe erklärt.
Mit dem Chef haben Sandra und ich dieses Thema heute kurz angerissen, und er hat dazu noch etwas interessantes gesagt, über das ich noch nicht nachgedacht hatte: auch die wirklich gut gehenden Apotheken werden es nicht leicht haben neue Inhaber zu finden, wenn die alten Besitzer in Rente gehen wollen. Junge Pharmazeuten, die direkt von der Uni den Weg in die Selbstständigkeit wagen möchten, finden keine bezahlbaren Apotheken mehr zur Übernahme. Die umsatzstarken Betriebe, die nämlich beim großen Apothekensterben übrig bleiben werden sind ja nicht für  ’n Appel und ein Ei zu haben, und welche Bank gibt einem Uniabsolventen mal eben eine Million für die Ablöse? Noch dazu bei einer derart wankelmütigen Politik, bei der es mich nicht wundern würde, wenn bald auch noch das Fremdbesitzverbot fällt und unsere Großhändler es uns mit ihren Kettenapotheken noch schwerer machen. Es sind harte Zeiten für Pharmazeuten.

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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8 Antworten zu Apothekensterben von Nord bis Süd

  1. nickel schreibt:

    Was besagt denn das Fremdbesitzverbot?

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    • Boreal schreibt:

      Das Fremdbesitzverbot besagt, das nur ein Apotheker der Inhaber/Besitzer einer Apotheke sein darf. Ein Großkonzern kann also kein Besitzer einer Apotheke sein. Eine Easy Apotheke ist auch eine sogenannte Inhabergeführte Apotheke, nur hat sich der Apotheker dazu entschlossen ein Marketing Konzept als Franchisenehmer einzukaufen.
      Durch das Fremdbesitzverbot ist auch die Rechtsform einer Apotheke geregelt. Wenn ein einzelner Inhaber der Besitzer ist, dann ist er immer ein eingetragener Kaufmann, erkennbar am e. K hinter dem Namen. Der Apotheker haftet immer mit Haus und Hof für seine Apotheke. Wenn sich mehrere Apotheker dazu entschliessen, eine Apotheke gemeinsam zu besitzen, dann ist es die Rechtsform einer OHG. Eine Apotheke kann also weder eine GmbH noch eine KG oder eine AG sein, weil dann die persönliche Haftung nicht mehr gegeben ist.
      Ich hoffe, ich konnte deine Frage beantworten.
      LG Boreal (Apothekerin)

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  2. ednong schreibt:

    Ja, das mit den Nachfolgern wird noch in vielen Bereichen durchschlagen. Einerseits wollen alle immer bestens ausgebildete Kräfte, andererseits wird das Ganze nicht gefördert. Und dann sterben die Apos und andere Dinge immer weiter aus …

    Und wenn man dann mal in die Fußstapfen treten will, fehlt einem natürlich das Geld. Und die Banken und Kredit geben? Hey, das ist doch viel zu unsicher – wollen Sie nicht lieber Ölaktien kaufen?

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  3. -thh schreibt:

    „Junge Pharmazeuten, die direkt von der Uni den Weg in die Selbstständigkeit wagen möchten, finden keine bezahlbaren Apotheken mehr zur Übernahme. Die umsatzstarken Betriebe, die nämlich beim großen Apothekensterben übrig bleiben werden sind ja nicht für ’n Appel und ein Ei zu haben, und welche Bank gibt einem Uniabsolventen mal eben eine Million für die Ablöse?“

    Auch da gilt Angebot und Nachfrage. Wer ohne Nachfolger in den Ruhestand geht, bekommt gar keine Ablöse …

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    • Ichtio schreibt:

      Der Apotheker, der statt einer Ablöse nichts bekommt, weil er seine Forderung nicht überdenkt, hat in Mathe nicht unbedingt aufgepasst.
      Gibt es denn bei Apotheken keine Modelle wie:
      – Auszahlung der Ablöse auf Rentenbasis
      – Einstieg des Nachfolgers in die Apotheke mit anschließender Kapitalbeteiliung
      ?
      Vielen „Betriebspatriarchen“ (oder auch -matriarchinnen 🙂 fällt es schwer frühzeitig Verantwortung abzugeben. Und schon gar nicht an einen jungen Hüpfer.
      Dies betrifft nicht nur Apotheker. Viele der Nachfolgeprobleme sind vom Betriebsinhaber selbst gemacht.

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  4. Matthias schreibt:

    Ich möchte hier mal eine ernstgemeinte Frage stellen, auch auf die Gefahr hin mich unbeliebt zu machen: Brauchen wir in Deutschland tatsächlich so viele Apotheken, wie momentan vor Ort vorhanden sind?
    Moralisch gesehen möchte ich natürlich auch, dass alle Apotheker und ihre Angestellten Ihre Jobs behalten, aber diesen Punkt muss ich hier einmal außen vor lassen. Es geht mir hier wirklich um die Notwendigkeit.
    Ich habe das Gefühl, dass wir in Deutschland eine Überversorgung an Apotheken haben. Dazu als Beispiel meine persönliche Situation: Ich wohne in einem kleinen Dorf mit ca. 2000 Einwohnern. Die nächste Stadt ist rund 2 km weg und hat ca. 10.000 Einwohner. Da kann man theoretisch auch hinwandern oder problemlos mit dem Fahrrad fahren, auch wenn man dann meist doch das Auto nimmt. In dieser Stadt alleine gibt es 4! Apotheken in einem Radius von ca. 500m.
    In der nächst größeren Stadt (ca. 5 km entfern) mit ca. 30.000 Einwohnern ist die Situation ähnlich. 4 Apotheken in einem 500m Umkreis, 2 davon in der Fußgängerzone direkt gegenüber (keine 50m). 5 km in die andere Richtung ist nochmal so eine Stadt mit noch mehr Apotheken. WIeviele Apotheken in der nächsgrößeren Stadt ca. 15-20 Min. über die Bundesstraße sind, weiß ich gar nicht.
    Ich frage mich schon lange wie diese Apotheken alle überleben können.
    Mir kommt es so vor als ob man in Deutschland wirklich fast alle 500m mindestens eine Apotheke findet. In anderen Ländern, z.B. in den Skandinavischen Ländern ist die Apothekendichte meines Wissens nach deutlich geringer und die kommen auch klar.
    Ich denke selbst wenn von heute auf Morgen jede zweite Apotheke schließen würde, wären wir immer noch gut versorgt.
    Ich bin kein Fachmann und gehe selbst tatsächlich eher weniger oft in die Apotheke, nur wenn ich wirklich krank bin und deshalb habe ich das meiste hier auch als Frage formuliert. Ich lasse mich gerne von den Fachleuten hier von einer anderen Meinung überzeugen.
    Und wie gesagt wünsche ich natürlich keinem, vor allem nicht dir Ptachen, dass er seinen oder ihren Job verliert.
    DIe Frage ob das Apothekensterben aber wirklich so schlimm ist, oder nicht vielleicht einfach nur davon kommt, dass wir sowieso eine Überversorgung haben, die sich langsam selbst reguliert, beschäftigt mich einfach schon länger.

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    • Ichtio schreibt:

      Tatsächlich habe ich schon ähnliches beobachtet. In meinem Ort mit knapp 6000 Einwohnern gibt es 2 Apotheken. Diese sind auch schön verteilt gelegen, sodass nur aus den Neubau-Gebieten ein längerer Weg notwendig ist. Von diesen beiden würde ich keine missen wollen (obwohl ich selbst natürlich nur die mir Nächstliegende brauche).
      Aber warum in der 5 km entfernten Stadt 4 Apotheken im Umkreis von 300 Metern liegen ist mir auch nicht klar. Vor allem wenn es wieder Ecken gibt, die dagegen deutlich unterversorgt sind. Wenn aus dieser Ecke jemand eher die Versandapotheke nutzt, als die lokalen, ist das durchaus nachvollziehbar.
      Vielleicht wäre eine räumliche Neuorientierung angebracht. So eine Apothekeneinrichtung ist bestimmt nicht billig, aber bevor man zusehen muss wie es den Bach runter geht…

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