Rezepturenwertigkeiten

Heute hatten wir wieder Freude mit einer Hautarztpraxis. Letzte Woche bekamen wir bereits eine Rezeptur zur Herstellung auf Privatrezept von einem Kunden, bei der wir die Grundlage nicht bestellen konnten. Pierre Fabre stellt die gewünschte Lotion nicht mehr her, wie wir nach einem Anruf bei der Firma mitgeteilt bekamen. Also versuchten wir, den Arzt zu erreichen. Riefen wir außerhalb der Sprechzeiten an, teilte uns dies ein Anrufbeantworter mit, es gab jedoch keine Möglichkeit ihm das Problem aufzusprechen

„Sie rufen leider außerhalb der Sprechzeiten an. Diese sind… Vielen Dank für Ihren Anruf, auf wiederhören.“

Versuchten wir aber während der Sprechzeiten zu ihm durchzudringen – Fehlanzeige. Ständig besetzt, und wir haben es sicherlich 20x versucht. Also schrieb der Chef irgendwann einmal ein Fax, weil wir ja auch anderes zu tun haben, schilderte das Problem und bat um die Verordnung einer anderen Grundlage. Das war dann am Dienstag. Heute kam nun die Kundin um die vermeintlich fertige Salbe abzuholen, die natürlich noch nicht gerührt werden konnte weil sich der Hautarzt nicht geäußert hat. Ärgerlich sowas! Viel Zeit verbraten, viel herumtelefoniert – mal wieder für nix. Es ist wirklich höchste Zeit, dass die Herstellung von Rezepturen besser honoriert wird!
Aber das ist ja angeblich alles schon „in der Pipeline“. Wie man hört soll zukünftig auf Rezepturen zusätzlich zum Arbeitspreis auch noch der gleiche Aufschlag wie für ein Fertigarzneimittel draufgeschlagen werden, zumindest wenn es nach Fritz Becker geht

Handlungsbedarf sieht der DAV-Chef auch für Rezeptur- und dokumentationspflichtige Arzneimittel. Es gebe keinen Grund, bei Rezepturen von einem geringeren Aufwand für  Beratung und Abgabe auszugehen als bei Fertigarzneimitteln: „Dies muss endlich honoriert werden.“ „
Quelle: DAZ Online

Das wäre doch mal was! Dann würden zumindest mal wahrscheinlich die ganzen Cremes wegfallen, die die Hautärzte zur Schonung ihres Budgets als Rezeptur verordnen, die man genau so gut als Fertigarzneimittel verordnen könnte. Das ist in meinen Augen nämlich der einzige Grund warum ich so viele cortisonhaltige Cremes anrühren muss, verbunden mit der unsäglich ausgeuferten Dokumentation dazu, obwohl ich sie in der selben Zusammensetzung auch aus dem Automaten plumpsen lassen könnte. Gut, der „Hokuspokus-speziell -nur-für-Dich-verordnet- Faktor“ fällt dann auch unter den Tisch, aber das ist es den Ärzten sicher wert, wetten?

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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5 Antworten zu Rezepturenwertigkeiten

  1. ednong schreibt:

    LOL – “Hokuspokus-speziell -nur-für-Dich-verordnet- Faktor” – du kannst den Ärzten doch nicht Ihre Mittel nehmen, mit denen sie Eindruck schinden (können). Das geht doch nicht!

    Ich stimme aber zu, wenn das die 5 Euro waren, die ich da in Erinnerung habe für die Rezepturen. Das ist schon wenig für den ganzen Aufwand, den ihr da habt. Die Industrie-Zeitnehmer, auf deren Grundlage wahrscheinlich dieser Preis entstanden ist, haben sicher nicht die ganzen Nachfragen, die dabei so anfallen können, im Sinn gehabt noch die ganze Dokumentation, die sich in den letzten Jahren wahrscheinlich noch verstärkt haben dürfte …

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  2. Aponette schreibt:

    Bei uns nehmen die Rezepturen auch massiv zu, weil die „Kollegen“ vor Ort sie nicht ablehnen, aber es so einrichten, das die Patienten es dann doch wo anders versuchen (Wartezeit von bis zu einer Woche). Ich bin der Meinung, daß, wenn derartige Probleme auftauchen, wir die einfach selber lösen sollten, ohne den Arzt mehr zu involvieren, als: Mitteilung, Grundlage der Rezeptur für Frau XY wurde unter Berücksichtigung alles galenischen und pharmazeutischen Sachverstandes in YZ geändert, weil verordnete Grundlage nicht lieferbar/kompatibel/erlaubt. Fertig! Wer von uns hat denn Galenik studiert, ein Tipp: es war nicht der Hautarzt.
    Stattdessen rennen wir einer Praxis hinterher, verhandeln mit der approbierten Sprechstundenhilfe (nichts gegen sie, aber manche Fragen möchte ich doch gerne mit dem Arzt klären, also stellen Sie mich bitte durch) und bekommen für den Aufwand nicht einmal annähernd genug Geld. Wenn ich den Stundenlohn einer PTA mit 15€ ansetzte, dann muß sie mit der gesamten Rezeptur incl. Annahme und Abgabe in 20 Minuten fertig sein…..dann hat mein Chef wenigstens nicht draufgelegt – utopisch. Und bei der Rechnung ist noch nicht einmal die Zeit dabei, die wir brauchen um die Ausgangsstoffe zu prüfen und zu dokumentieren…..
    BTMs sind auch so ein Spaß, 26 Cent extra, der Abgabebeleg des Großhandels allein kostet uns schon einen Euro. An so Scherze wie Thalidomid Rezepte will ich gar nicht erst denken!

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  3. Judi schreibt:

    „Meine“ Apotheke ist im gleichen Haus wie eine Hautarztpraxis – die haben die gängigen Rezepturen (dieser Hautarzt hat drei – Zink, Harnstoff, Cortison) in größerer Menge fertig und füllen das dann innerhalb einer halben Stunde in das beschriftete Tiegelchen („Wir bereiten Ihnen das rasch zu, falls Sie noch eine halbe Stunde was zu tun haben können Sie es dann gleich mitnehmen“). Seeeehr zeitsparend, aber wohl leider nur praktikabel wenn der Doc im gleichen Haus sitzt.

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