Tagungsnachlese und Rezepturenauflösung

Gestern kam in den Pausen auch das Thema PTA- Mangel zur Sprache. Eine PTA erzählte, dass die Apotheke in der sie arbeitet wohl zum nächsten Jahr hin schließen wird, weil sie seit 2 Jahren mit ihrem Mann (der ihr Chef ist) völlig alleine arbeitet und einfach ausgebrannt ist. Gutes Personal ist einfach nicht zu bekommen, die handvoll potentielle Mitarbeiter die sich in den letzten Monaten vorgestellt hatte war einfach nicht zu gebrauchen. PTA die keinen einfachen Dreisatz rechnen können kann man nicht in die Rezeptur stellen, es gab Damen die sich auch rundweg weigerten überhaupt Cremes zu rühren! Andere wollen keine Kunden bedienen  („Augen auf bei der Berufswahl“ wie Sandra sagte…) oder können noch nicht mal mit einfachsten römischen Zahlen ( X = 10; C = 100…) umgehen. Man fragt sich wirklich wie man SO einen PTA Abschluss überhaupt schaffen kann!
Eine andere Kollegin erzählte von einer Kundin, die völlig verweint in die Apotheke kam, ein Rezept über Kapseln in der Hand. Ihr Kind war mit einem Herzfehler geboren worden und benötigte ein Herzmedikament in einer so niedrigen Dosierung, wie sie im Handel einfach nicht vorkommt. Daher sollte eine Apotheke die Dosierung individuell herstellen und in Kapseln abfüllen. Was soll ich sagen? Sechs mal wurde sie weggeschickt, weil niemand das machen wollte. SECHS MAL! Wenn es nach mir gehen würde, ich hätte an der Stelle der Kollegin gefragt wer das war und hätte alle bei der Apothekenkammer verpfiffen. Das geht GAR NICHT! Ich kenne das selbst, denn wir hatten solch einen Fall auch bei meiner Vorgängerapotheke. Man hat schon gehörig Respekt vor der Aufgabe ein stark wirksames  – und daher potentiell tödliches – Herzmedikament für einen kranken Säugling anzufertigen,  und das mittels eines komplizierten Verfahrens, das man alle 10 Jahre nur einmal benötigt… aber hey! Dafür wurden wir ausgebildet, das ist doch unsere originäre Aufgabe! Wenn wir in so einem Fall die Leute wegschicken, dann haben wir es nicht anders verdient, als dass wir durch Versandapotheken ersetzt werden! Klar hat man Respekt, und das ist auch gut und richtig so, das sollte aber nicht dazu führen, dass man den Schwanz einzieht und davon läuft, sondern dass man sich besonders genau und überlegt an die Sache heran traut. Ich kann jeder PTA die sich in der Rezeptur unsicher fühlt nur raten, an den ZL – Ringversuchen teilzunehmen. Da kommen alle paar Jahre auch mal Kapseln vor – quasi als Trockenübung um zu testen ob man alles richtig macht.
Zu der Rezeptur von letzter Woche gibt es folgende Überraschung: es waren weder Prozent noch Gramm… die MFA hat „nur“ eine 0 vergessen, und es sollte 0,01g heißen. Das uns das aber auch nicht gleich klar war…!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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4 Antworten zu Tagungsnachlese und Rezepturenauflösung

  1. Wölfchen schreibt:

    Also doch Gramm und wenn ich mich nicht irre (War zu faul zum runterscrollen) ergbt das Rezept damit auch wieder Sinn, weil es nur g-Angaben waren.

    Was die Sache mit den Herzkapseln und so angeht:
    Naja… römische Ziffern sind mir auch ein kraus und ich kenne nur die, die auch in der Final Fantasy-Reihe Verwendung finden (und da sind wir noch nicht bei C – dafür kann ich googlen :D). Dreisatz kann ich mit viel grübeln im Kopf lösen, verwende dafür aber lieber Hilfsmittel (was aber eher daran liegt, dass ich nicht gut im Kopfrechnen bin – und das auch schon bei simpelsten Rechenaufgaben… daher gehe ich lieber mit Bleistift und Zettel an die Sache). Aber hey… ich bin nicht PTA und als MFA braucht man das nicht (auch wenn man wissen sollte, wie man einen Dreisatz rechnet… einfach weil man das auch ab und an im Alltag braucht o.O also nicht das ausrechnen sondern nur die Grundanwendung… beim Rechnen greif ich wieder zu Hilfsmitteln *hust*).
    Aber das mit den Kapseln – selbst WENN ich das als PTA nicht machen könnte (kP – allgemein keine Sachen dafür im Haus, um das fachgerecht machen zu können – wie z.B. Waagen und so – also im Endeffekt auch keine Salben herstellt – aber) dann telefoniert man doch rum, wenn man merkt, die Kundin ist schon ganz aufgelöst – Kundenzufriedenheit und -treue erreicht man auch, wenn man sie mal an dritte verweist. Wusste schon der Weihnachtsmann aus das Wunder von Manhatten! (Und das war der Echte – jawohlja!)

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  2. ednong schreibt:

    Also dass eine Kunding bei 6 Apotheken abgewiesen wurde – unfassbar. Echt. Ich mein, dafür seid ihr doch Fachkräfte und entsprechend ausgebildet – also zum Herstellen, nicht zum Wegschicken.. Echt unfassbar.

    Und auf dem Rezept also nur eine „0“ vergessen – ja hey, wirklich, sowas unwichtiges wie eine Null, die eh keinen Wert besitzt! Also das hättet ihr doch gleich merken können! Ich hätte sie ja mal gefragt, ob sie bei ihrem Gehalt diesen Monat auch auf die letzte Null verzeichten will – und falls es dann doch eine Differenz zum Normallohn gibt, euch diese zur Verfügung stellt …
    Aber wahrscheinlich wäre sie mit dieser Aussage schon überfordert gewesen.

    Und ja, wie sagte mein Mathelehrer schon damals – oh Gott, das ist schon 30 Jahre her -: das Niveau in Mathe sinkt Jahr für Jahr, es mache ihm schon keinen Spaß mehr. Ich bin der Meinung, in Schulen wird viel zu viel Wert aufs Bestehen gelegt – nicht aufs Erlernen von Dingen. Und darum geht es, das sieht man als Kind noch nicht, merkt dann aber als Erwachsener, was fehlt. Also natürlich nur, wenn man dann noch so weit denken kann.

    Und das ist irgendwo schade – und ängstigend. Denn letztlich ist es diese Generation, die meine mal pflegt oder berät oder in der Politik vertritt, oder oder oder …
    Mag ich gar nicht drüber nachdenken.

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  3. Pillendreherin schreibt:

    Das mit den Kapseln (Cremes im übrigen auch) kommt bei uns mitlerweile so oft vor das die Ärzte schon vermerkt haben welche Apotheken überhaupt noch Rezepturen herstellen.
    Und selbst wenn man nicht mehr weis wie man Kapseln herstellt, meistens hat man doch noch befreundete PTA die einem auf die Sprünge helfen kann, oder?

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  4. aponette schreibt:

    Ich glaube es geht gar nicht drum, daß PTA sich nicht traut, sondern daß Chef mal nachgerechnet hat, wie lange PTA in der Rezeptur steht um Kapseln herzustellen (d.h. in der Offizin fehlt und in der Zeit nichts gewinnbringenderes tun kann) und was Chef daran verdient, da diese Zahl dann stark ins Negative tendiert kommt die Anweisung: wir machen keine Kapseln. Zahl Peanuts und Du bekommst Monkeys – so ist das.

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