Von Plastiktüten und Geschlechtswahrnehmung

Heute war das große Thema die Plastiktütenzuzahlung. Bisher lief es in den meisten Apotheken ja – anders als im übrigen Handel- so, dass der Kunde seine Tragetasche für den Einkauf geschenkt bekam. Die Jahres- Pro – Kopf- Zahl der Plastiktüten soll aber nun dauerhaft gesenkt werden, um EU – Normen zu erfüllen und Müll zu sparen. Die Regierung setzt dem Handel ab sofort das Messer auf die Brust: entweder der Handel führt selbst eine verpflichtende allgemeine Abgabe für die Tüten ein, damit der Kunde erst gar keine mitnimmt, oder das zuständige Ministerium kümmert sich darum, dass entsprechende Verordnungen erlassen werden. Da wir alle wissen wohin das führt wenn erst einmal Gesetze erlassen werden – nämlich meist zu kompliziertem bürokratischem Schwachsinn- beugen sich nun auch die Apotheken. Wir hatten ja im letzten Jahr schon freiwillig von Plastik- auf Papiertüten umgestellt, aber die ein- oder andere Charge mit kleinen Knistertüten haben wir noch im Keller liegen. Außerdem bekommen wir dauernd von den Pharmafirmen Tüten mit Werbeaufdrucken ungefragt zugeschickt, wenn wir z.B. Meditonsin bestellen. Was machen wir nun damit? Sollen wir pauschal sagen, wir nehmen der Einfachkeit halber 10 Cent pro Tüte, egal wie groß und egal ob Plastik oder Papier? Sollen wir nur die Plastiktüten bezahlen lassen? Wenn ja, dann alle mit einem Preis, oder der Größe nach gestaffelt? Sollen wir auch Tüten „besteuern“, die wir geschenkt bekommen haben? So wirklich sicher sind wir alle nicht, deshalb warten wir die nächste Woche ab. Der Chef will ein Gespräch mit den anderen Apotheken am Ort führen, und auch noch mit der Standesvertretung reden, ob man es schafft eine Linie zu fahren. Nicht dass uns Kunden abwandern, weil sie woanders die Tüten geschenkt bekommen, das wäre fatal!
Im Zuge der Tütendiskussion fragte ich den Chef dann, ob wir eigentlich noch von WEPA besucht werden, denn der Retourenberg im Keller wächst und wächst, und ich weiß noch nicht einmal, wie der aktuelle Außendienstler heißt. Der Chef meinte:

„Du, das weiß ich auch nicht… nach Frau J. kam glaube ich ein- oder zwei mal der Herr L, der war aber auch schon ewig nicht mehr hier.“

Wie hieß noch gleich der Außendienstmitarbeiter, der früher immer kam? Der kam doch eeeewig lange und jeder kannte ihn… ich weiß genau wie er aussieht, aber ich komm nicht auf den Namen!“

„Ach, du meinst Herrn S.!“

Genau! Herr S.! Schwiegermutters Traum! Der ist ja inzwischen die Karriereleiter hochgestiegen und muss keine Apotheken mehr anfahren.“

„Doch, doch! Der fährt noch zu ein paar Apotheken, aber nur noch zu gaaaannnnz ausgewählten.“

Ach was, ja? Und zu uns kommt er nicht? Unverschämtheit…“

„Nee, zu uns kommt er nicht, hier sind ja keine schönen Frauen.“

??????? Was???? hier sind keine schönen Frauen? Na danke schön. Pöööhhh!!!

Der Chef versuchte seinen faux pas noch zu retten

„Ääääh… ich meine ICH bin keine schöne Frau, er hat ja immer mit mir Vorlieb nehmen müssen.*räusper*“

„Jaja, versuch dich nur rauszureden… Gesagt ist gesagt.“

tat ich beleidigt, während er sich zu einem Kunden rettete, der gerade durch die Türe kam. Schon interessant wenn so Freudsche Versprecher zeigen, wie man in Wirklichkeit wahrgenommen wird…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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5 Antworten zu Von Plastiktüten und Geschlechtswahrnehmung

  1. ednong schreibt:

    Ach so, du bist in Wirklichkeit ein Mann? Also der PTAchen?soso.

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  2. Aponette schreibt:

    Wir haben uns mit allen anderen Apotheken hier geeinigt, 20 Cent pro Tüte zu verlangen. Und das Geld zu spenden, so lösen wir elegant das geschenkte Tüten Problem.

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  3. Wölfchen schreibt:

    Die Spendenlösung finde ich charmant. Am Besten einem örtlichen Institut. Tierheim (mein Favorit 🙂 ), Asylanten, Kinder-, Menschen-, Tierrettungsstellen etc. pp. Damit können sich die Leute noch an meisten identifizieren und werden euch das Tütengeld gerne geben. Am besten noch ein kleines Schildchen an den Kassen pappen: „Das Geld für die Tüten spenden wir an XYZ.“
    Aber zumindest an dem Konzept müssten sich dann alle Apotheken vor Ort halten. Wohin gespendet wird, kann jede Apotheke dann ja selbst entscheiden (dürfte interessant werden, ob es dann Kundenbewegungen gibt… also Kunden gehen dann lieber zur Apotheke X, weil die Organisation Y unterstützen – und wenn sich jemand wirklich für die Asylanten entscheidet – wie diese Apotheken besucht werden).

    Aber hey… EU hat ja viel Gutes – aber diesen Alles-einheitlich-Zwang bei jeden Furz geht mir so etwas auf den Senkel. Insbesondere, wenn sich die Situation dann auch noch verschlechtert. Wie die Sache mit den Apothekentüten. (Und ganz großes Lob für die Papiertüten! Ich recycle Plastiktüten zwar inzwischen auch (als Mülltüten für die Gelbe Tonne 😉 ) aber Papiertüten sind wesentlich besser… auch wenn dafür wehrlose Bäumchen sterben).

    Nebenbei:
    Wenn ihr die Papiertüten behaltet und dafür Geld einnehmt, wäre die BESTE Lösung eigentlich, das Geld in ein Baumpflanzungsprojekt zu spenden. Das wäre dann das klassische Geben und Nehmen. 😀

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  4. CoffeeGrinder schreibt:

    Hallo,

    zum Thema kostenpflichtige Tüten:
    Gerade beim Bäcker konnte ich beobachten, dass es wirkt. Die Dame vor mir hat ein Brot gekauft. Brot wird in Papiertüte gepackt, dann fragt sie ob sie eine Tüte haben kann, weil sie das Brot während der Arbeit im Auto lassen müsse. Die Verkäuferin sagt: „Ja, das kostet dann aber 5 Cent.“ Die Dame ist dann ohne Plastiktüte mit ihrem Brot los gegangen.

    Ist natürlich nur ein Beispiel, aber ich musste sofort an diesen Post denken 😀

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