„Homo homini lupus“ – tach, Herr Nachbar…

Trotz beginnender Erkältung und deutlich hörbarer Reibeisenstimme bin ich heute zur Arbeit gegangen. Mit dem Kunden bedienen habe ich allerdings gewartet, bis sich der Hals etwas geölt hatte (Achtung Schleichwerbung: am besten hat Isla med hydro Kirsch geholfen). Bis dahin hab ich mich mit Ware vergnügt, ein paar Rezeptürchen gerührt und Samstagsdienste verteilt. April und Mai sind nämlich noch ziemlich leer, daher hab ich mal in die Runde gefragt, wer wann arbeiten will/kann. Sonja und ich hatten uns ja die Samstage aufgeteilt, die durch Sabines Weggang vakant wurden, aber sie erklärte jetzt unmissverständlich, dass sie da keine Lust mehr drauf hat, weil sie jedes Mal einen Babysitter für ihren Sohn braucht – und der will deutlich mehr Geld als bei ihr übrig bleibt wenn sie arbeitet. Verstehe ich definitiv auch, daher hab ich sie rausgenommen. Nun wird es im April so sein, dass der Chef und Sandra 2x alleine arbeiten müssen, aber ich denke nicht dass sie das stören wird.
Im Mai sieht das allerdings anders aus, da dann urlaubsbedingt auch noch teilweise überschneidend Birgit, Sandra, Sarah und ich ausfallen. Daher habe ich kurzerhand Frau Z. angehauen, ob sie nicht mal einen Donnerstag gegen einen Samstag vormittag tauschen kann, denn wenn Bergen ab April wieder zu uns kommt sind wir Donnerstags sowieso überbesetzt. Nach kurzer Überlegung sagte sie zu, und ich werde sie an einem Samstag mit Birgit und Maria „zusammenstecken“ den Sarah frei hat. Sarah hörte meinen Samstagsüberlegungen staunend zu, und fragte mich irgendwann, ob ich das mit dem Chef abgesprochen hätte – äh… nö. Aber der ist eigentlich glücklich wenn er sich nicht drum kümmern muss, und ich bin glücklich wenn ich rechtzeitig weiß wann ich Samstags nichts familiäres einplanen kann.
Als mein Hals in der Lage war vor Publikum zu sprechen ging ich nach vorne und hatte gleich den Aufreger des Tages. Unser netter „Herr Nachbar“, ein Apotheker aus dem Nachbarort hat wieder einmal Flyer in alle möglichen Haushalte in unserem Ort verteilt, mit Angeboten dass man ihn am liebsten ohrfeigen würde. Voltaren beispielsweise 30% billiger, ebenso wie Tebonin und Gingium, 33% gibt es auf Saisonware wie Livocab oder Cetirizin, und satte 50% auf ASS 100mg. Geht’s denn noch? Er hat inzwischen 4 Apotheken, steht selbst eigentlich nicht mehr im HV, und scheint für diese Lockangebote seinen kompletten Gewinn beim EK an die Kunden weiterzugeben. Das setzt natürlich genau die Zeichen, die man zu diesen Zeiten nun wirklich nicht setzen sollte. Die Leute denken doch, dass wir überall diese Margen verdienen, und prangern daher die „habgierigen Apotheker“ an. Sie gehen – wie jeder vernünftige Mensch – davon aus, dass man an einem ASS 100 für 1,95€ statt 4,50€ immer noch etwas verdient, was definitiv nicht der Fall ist. Hier ist es sogar so, dass wir es noch nicht mal für diesen Preis beziehen können und ein sattes Minus machen wenn wir es so abgeben würden. Der Chef hat daher konsequenterweise abgelehnt, als eine Dame diesen Flyer auspackte und 5x ASS zum gleichen Preis bei uns kaufen wollte. Er hat sich so geärgert, dass er überlegt der Kammer etwas zu stecken wegen Förderung des Arzneimittelmissbrauchs in der Gesellschaft oder sowas. Verdient hätte er es. Mal ehrlich, selbst mein alter Chef hat sich über sowas schon aufgeregt und gesagt:

„Wir Apotheker brauchen die Politiker gar nicht um uns fertig zu machen, das schaffen wir schon gegenseitig selbst.“

Recht hat er!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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8 Antworten zu „Homo homini lupus“ – tach, Herr Nachbar…

  1. Die Unsoziale schreibt:

    Hu? Ist das denn rechtens? Also gerade bei ASS Rabatte anzubieten? Oder allgemein bei allen Artikeln, die man „nur in der Apotheke“ und nicht in Drogerien usw. bekommt? o.O Irgendwie bin ich immer davon ausgegangen.

    Aber ob nun legal oder nicht:
    ne Schweinerei ist das.

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  2. ednong schreibt:

    Also – Versandapotheken bieten die 100er ASS 100 für 93 Cent an (grad über ein Vergleichsportal recherchiert). Okay, natürlich nur, wenn ich da noch ein Rezept habe, da ansonsten ja noch Porto dazukommt. Und klar, die rechnen ggf. mit einem anderen Aufschlag für den Versandapothkentei (sofern das bei einer gemischten Apo erlaubt ist). Von daher würde ich meinen, dass euer Nachbar da noch ca 60 Cent dran an Marge hat.

    Vielleicht hat er einfach nur andere Bezugsquellen? Ich weiß nicht, wie groß die Auswahl an Großhändlern ist – oder ob er die gar von der Firma selbst bezieht. Denn wenn er das auf eine Firma beschränkt, kann ich mri schon vorstellen, dass er die günstigst eingekauft hat – so als Lockvogelangebot. Denn sind sie schon mal da, die Kunden, nehmen sie sicher auch noch ’ne Creme oder ähnliches mit.

    Ansonsten: wenn er unter EK verkauft, dürfte auch bei ihm das Wettbewerbsrecht greifen, dass so etwas meines Wissens nach untersagt. Macht ihr denn auch solcherlei Angebote oder Prospekte (ja, ich hab mich schon gefreut, dieses Wort mal wieder unterbringen zu können 😉 )? Oder gar einen Angebots-Tag – so à la Mittwoch gibt’s Rabatt, doch, doch! 😉

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  3. PTABayern schreibt:

    Ich habe auch mal in so einer Apotheke gearbeitet. Rabatt hier, Coupon da. Die Leute haben den Hals gar nicht mehr voll bekommen und immer mehr gefordert.
    Dort kam der Angebotsflyer alle 8 Wochen vom Großhandel. Es war immer ein 50% Artikel dabei wo wir dann als VK im besten Fall(!) EK + Mwst hatten. Fürchterlich war das!!!
    Jetzt arbeite ich in einer Apotheke wo die Chefs in dieser Stadt beschlossen haben, dass es bei keinem solche Rabatte gibt. Klar der eine hat 5%, der andere nur 3% auf Kundenkarte aber solche Kampfpreise hat niemand.
    Und…..kaum jemand fragt nach Preisnachlass. Das fand ich echt beeindruckend als ich dort anfing
    Schöne Feiertage euch allen

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  4. sakasiru schreibt:

    Warum stockt ihr nicht einfach euren Vorrat an ASS dort auf, wenns grad so billig ist? Mal sehen, wie lange der nette Nachbar seine Angebote aufrecht hält, wenn ihr euch regenlmäßig günstig bei ihm mit Ware eindeckt ^^

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  5. OtaconHC schreibt:

    Ob der da wirklich nur auf seinen Gewinn verzichtet?

    Ich weiß dass zumindest eine Versandapotheke Gingium ca 15€ unter ihrem eigenem EK verkauft, und das dauerhaft.

    Es geht doch mittlerweile teilweise nicht mehr darum ein gutes Geschäft zu machen, sondern die Konkurrenz kaputt zu machen. Gerade bei den Versandapotheken.

    Dass sich dies nun auch auf die echten Apotheken ausweitet war mir bisher nicht klar.

    Aber wenn irgendwann die Konkurrenz weg ist, steigen die Preise wieder. Und dann jammern alle.

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    • ptachen schreibt:

      Und genau das ist es auch! Unser netter Nachbar wird uns damit nicht kaputt bekommen, aber eine andere Apotheke in einer Nachbarstadt wo er eine Filiale hat, die pfeift schon aus dem letzten Loch. Ist die platt steigen die Preise sicherlich wieder an.

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  6. nickel schreibt:

    Das ist doch Moppelkotze, was der macht. Nach meinem Empfinden sollte das auch nicht legal sein; allerdings bin ich auch idealistisch bis zum Realitätsverlust. ^^

    Dir gute Besserung! Und frohe Ostern natürlich.

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  7. Delilah schreibt:

    Hatte auch mal so einen Chef…Angebotsheftchen, Bonuspunkte und der Horror an sich: Kalender mit Gutscheinen drin, für jeden Monat des Jahres 1 Geschenk (kleine Seife, Duschgel oder so). Führt dazu, dass manche Leute mit 5 Gutscheinen an der Notdienstklappe stehen -.- Toll auch das Paracetamol für 0,89 €. Da wollen die Leute auch gerne 5 Packungen, was ich aber prinzipiell verweigere. Wer mehr als eine Schachtel will (egal welches Medi) braucht schon einen guten Grund…
    Der Vorteil an einem Chef, der nicht mehr im HV sondern nur noch im Büro irgendwo im Obergeschoss ist: Er nervt nicht mit Zusatzverkäufen

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