Allergien und Rechnungswahnsinn

Heute hatten wir wieder so einen tollen Vorzeigefall, warum es sinnvoll ist, eine Stammapotheke zu haben, bei der man registrierter Kunde ist. Eine Dame ging mit akuten Ohrenschmerzen zu ihrem Hausarzt, und der verordnete ihr „Polyspectran“ Augen – und Ohrentropfen. Als sie das Rezept bei uns einlösen wollte, und Sandra die PZN eintippte, ploppte bei unserer Kasse ein Fenster hoch, wo vor diversen Allergien bei dieser Kundin gewarnt wurde. Der Chef hatte diese Warnmeldung einprogrammiert, nachdem die Patientin allergisch gegen einen Wirkstoff in Tablettenform reagiert hatte, der ebenfalls in den Ohrentropfen enthalten war. Sandra schnappte sich das Telefon und rief den Arzt an. Dieser war sehr betroffen, da er von der Allergie wusste, aber vergessen hatte nachzuschauen. Er bat um die Abgabe eines anderen Medikamentes und bedankte sich bei ihr für ihre Aufmerksamkeit. Ärzte sind eben auch nur Menschen, und es ist immer toll, wenn dieses „4 Augen Prinzip“ funktioniert. Auch ein Grund, warum Ärzte nicht selbst Medikamente abgeben sollten.
Gestern wurde von Judi gefragt, warum ihr Apotheker sie gebeten hat mit einem teuren Medikament bis zum neuen Monat zu warten. In den Kommentaren ist schon schön erklärt worden, wie die Abrechnung mit der Krankenkasse funktioniert. Dieses in-Vorlage-gehen ist ein Grund, die teuren Medikamente am Monatsbeginn zu beziehen.
Ein anderer Grund ist der sogenannte Packungsschnitt – dass ich diesen Irrsinn erklärt habe ist ein gutes Jahr her, daher gerne nochmal. Manche Dinge kann man gar nicht oft genug beschreiben. Der Apothekengroßhandel gibt besonders gute Konditionen, wenn der Packungsschnitt bei etwa 22 bis 24€ liegt, liegt er darüber werden die Konditionen schlechter. Um gut kalkulieren zu können bestellen wir daher Hochpreiser am liebsten im Direktbezug über den Hersteller, oder idealerweise wenn es geht bei einem Reimporteur wie Kohlpharma oder Emramed – das dauert aber meistens 2 Werktage. Wenn das nicht möglich ist, und wir beim Großhandel bestellen müssen, ist es für uns einfacher, wenn die richtig teuren Sachen am Monatsbeginn rausgehen. Dann haben wir noch ein wenig Zeit um mit billigeren Medikamenten „auszugleichen“. Sehen wir schon frühzeitig, dass ein guter Packungsschnitt gefährdet ist, können wir gegensteuern, so dass wir am Monatsende etwa da liegen wo wir hinwollen. Platzt uns da noch ein 5000€ Rezept dazwischen ist die ganze Kalkulation hinüber. Ich habe letztes mit dem Chef darüber gesprochen, als wir eben das nachgeschaut haben – ob wir gut liegen im März – da erzählte er mir, dass es Kollegen gibt die Patienten mit hochpreisigen Medikamenten bitten, diese woanders einzulösen weil sie es sich einfach nicht leisten können. Bitter!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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10 Antworten zu Allergien und Rechnungswahnsinn

  1. nickel schreibt:

    Gut erklärt. Was ich jedoch nicht verstehe ist, wie man gegensteuern kann. Man kann doch nicht beeinflussen, dass demnächst nur noch günstige Medikamente verschrieben werden sollen, oder? Oder habe ich etws falsch verstanden? Liebe Grüße

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    • PMK74 schreibt:

      Um einen zu hohen Schnitt in den gewünschten Bereich zu drücken, könnten dann z.B. noch gegen Monatsende 50 oder 200 oder 500 Packungen Paracetamol oder Aspirin o.a. zu je 1 EUR bestellt werden…

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      • nickel schreibt:

        Achso, jetzt hab ich das verstanden. Dankeschön! Ich dachte, das gilt pro eingelöstem Rezept und nicht nach Bestellung. So ergibt das natürlich mehr Sinn. ^^

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      • ptachen schreibt:

        Ja – fast richtig. Es geht aber um verschreibungspflichtige Medikamente. Daher bestellen wir keine Paracetamol sondern Novaminsulfon – aber die grundsätzliche Idee ist richtig.

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  2. Molly L. schreibt:

    Das mit der Allegie-Warnung ist in der Tat eine tolle Sache! Wir wurden auch schon auf eine, äh, wie heißt denn das? „Medikmentenkreuzung“ oder so kann das sein?, hingewiesen: Ich wollte ein Rezept einlösen und bei unserer netten Stammapotheke ploppte wohl eine Warnung auf, dass sich das nicht mit dem einen Dauermedikament verträgt. War unnätog, da das eine Präperat für mich, das andere für Größes war, aber vom Prinzip her eine tolle Sache! Man vergißt ja auch als Patient öfters mal, was anzugeben! 🙂

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  3. ednong schreibt:

    Mit der Allergie ist gut. Besser erst in der Apotheke dann der Hinweis als gar nicht – und man ja der Meinung ist, ist schon alles richtig, weil der Arzt ja Bescheid weiß. Deren Programme scheinen dann wohl in manchen Belangen nicht so ausgereift zu sein.

    „… Kollegen gibt die Patienten mit hochpreisigen Medikamenten bitten, diese woanders einzulösen weil sie es sich einfach nicht leisten können. Bitter!“ – jep, in der Tat bitter. Und das zeigt meines Erachtens, dass mit dem „Kranken System“ hier in D so einiges im Argen liegt. Und endlich mal angegangen werden müßte, wenn ich nicht im Alter ca. 10 km bis zur nächsten Apotheke haben will oder als ggf. dann chronisch Kranker Probleme haben will, meine Medis bei der Apo oder gar meine Rezepte vom Arzt zu bekommen.

    Aber die Herren (und Damen) Politiker trifft das alles ja nicht – also kein Handlungsbedarf.

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  4. Judi schreibt:

    ptachen: Auch Dir vielen Dank für die gute Erklärung!
    Ich habe wieder was gelernt und werde in Zukunft tatsächlich darauf achten, das teure Zeug (knapp 3700 €) nicht z.B. am 25. sondern erst nach dem 1. in die Bestellung zu geben 😉

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    • Aponette schreibt:

      Hallo Judi,
      das Rezept darfst du gerne schon am 26.sten in die Apotheke geben, aber wenn Du es dann erst am ersten oder zweiten haben willst, dann machst Du Dich RICHTIG! beliebt. 😀 Ernsthaft!

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      • Judi schreibt:

        Ui – jetzt hab ich sogar noch mehr gelernt – wie man es der Apotheke leichter macht UND wie man von ihr dafür auch noch liebgehabt wird 😀
        Dankeschön 😉

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  5. Sabine schreibt:

    Nicht zu vergessen außerdem: wenn man viele hochpreisige Arzneimittel einkauft, hat man schneller das Finanzamt mit Betriebsprüfung am Hals, weil ja auch der Umsatz hoch ist. Da nützt es auch nichts, dass man damit gar nicht mehr verdient, sondern nur mehr Ärger hat.

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