Direktbezug und Befindlichkeiten

Heute war wieder mal Direktbestellungstag. Natürlich kam alles ausgerechnet heute, wo Frau Z. krank geschrieben, und keine andere PKA am Vormittag eingeteilt ist, so dass ich ran musste. Dr. Kade, Pfizer, Bausch & Lomb, Hermes, Emramed, Kohlpharma und Beiersdorf meinten alle, dass sie uns heute mit Ware beglücken sollten, so dass ich zwischendurch schon mal kurz Schnappatmung bekam. Neben 3 Rezepturen, einer etwas größeren Auslagerung vom Rowa ( Artikel die länger als 5 Monate liegen und noch nicht abverkauft wurden), Kundschaft und den normalen Lieferungen vom Großhandel, bestimmten also die Pakete heute meinen Arbeitstag. Ich hab ja immer so ein bisschen den Ehrgeiz meinen Arbeitsplatz sauber zu verlassen, und will dem Team das nachmittags oder am nächsten Tag hier zum Arbeiten kommt keine Altlasten hinterlassen. Das war heute schwierig bis unmöglich, trotz der tatkräftigen Unterstützung durch Sandra. Die meisten Bestellungen schneiten nämlich erst nach 10 Uhr rein. Es wurde aber alles so weit fertig, dass die Direktaufträge abgearbeitet wurden (ausgepackt, verbucht und verräumt), zwei Rezepturen ganz fertig wurden, und von der dritten zumindest das Etikett und der Großteil der Dokuarbeit erledigt war (mir fehlte eine Substanz um alles ganz abzuschließen). Von der Rowa Kiste konnte ich alles, was wir nicht zurück schicken können (wegen Laufzeit unter einem Jahr) wieder einlagern und nur eine Kiste mit Lagerbereinigungsartikeln übrig lassen. Dort habe ich einen Zettel hinterlegt, dass alles an den Großhandel zurück gegeben werden soll. Alles jedenfalls PKA Arbeit, und das nicht wenig. Gut, dass ich das aus meiner Vorgängerapotheke kenne, wo wir gar keine PKA hatten und ich alles alleine gemacht habe! Es fällt auch weder mir, noch der Apothekerin Sandra ein Zacken aus der Krone wenn wir mal für sowas zuständig sind – ehrlich gesagt will ich aber nicht wissen wie sowas in manch anderen Apotheken gehandhabt wird. Woanders wird oft sehr genau abgegrenzt, wer was zu tun hat, Sandra erzählte gerade heute, dass es bei ihr früher sogar sowas wie eine „Rangfolge“ gab, wer die Kundschaft in welcher Reihenfolge zu bedienen hat. Gut, dass ich hier gelandet bin…
Das Besondere hier ist einfach die Atmosphäre, die der Chef geschaffen hat. Wir lassen uns wie wir sind und jeder wird so akzeptiert und anerkannt wie er ist. Das führt dazu, dass jeder in der Lage ist sich zu entfalten und sein Bestes zu geben. Selbst ich, die ich früher in größeren Gruppen oft als leicht verkrampftes Mauerblümchen wahrgenommen wurde, kann mich so weit entspannen und offen sein, dass ich am Ende des Tages relativ sicher bin, dass ich als überwiegend witzig gesehen wurde. Ich muss nicht Zuhause sitzen und Begebenheiten des Tages vor meinem inneren Auge vorbeiziehen lassen und mich währenddessen fragen, ob sich jetzt gerade eine meiner Kolleginnen oder der Chef über mich lustig macht. Das macht mich sicher. So sicher, dass ich hier in meinem Heimatort selbst mit ehemaligen Klassenkameraden die als Kunde in die Apotheke kommen locker plaudern kann, mit denen ich während 13 Schuljahren keine zwei Sätze gesprochen hatte. Jetzt hab ich mich hier auch mal als zwischenmenschlicher Pflegefall geoutet. Und? War gar nicht schlimm 🙂

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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3 Antworten zu Direktbezug und Befindlichkeiten

  1. ednong schreibt:

    „… zwischenmenschlicher Pflegefall …“ 😉 – das hätt ich ja von dir nun so gar nicht erwartet!

    Ich finde so etwas an Arbeitsatmosphäre auch schlimm, wenn man hinterher noch überlegen muß, ob sich die eigenen „Kollegen“ nun noch das „Maul zerreißen“ über einen. Das ist einfach ätzend, ist es doch viel angenehmer, in einem Team auch als solches arbeiten zu können. Und natürlich richtig schön, wenn man dabei noch Individuum bleiben darf …

    Mit meinen damaligen Klassenkameraden würde ich heute allerdings kein Wort mehr wechseln wollen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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  2. ednong schreibt:

    Unb bzgl. Arbeitsabgrenzung – es ist ja schon ok, wenn man bestimmte Verantwortlichkeiten hat. So können alle sicher sein, dass der eigenen Aufgabenbereich dann auch gemacht wird. Und bei übergreifenden Arbeiten so wie bei dir heute ist es natürlich sinnvoll, wenn an dem PKA-Platz alle nach dem gleichen System arbeiten. Wenn das klappt, ist das gut.

    Wenn man aber an den Plätzen MA hat, die meinen, sich unabkömmlich machen zu können, in dem sie Info vorenthalten oder bspw. Ordner nicht korrekt beschriften oder nach einem System abheften, das niemanden bekannt ist/gemacht wird, dann ist das so eine Sache für sich. Dann sind die MA eher abkömmlich …

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  3. Die Unsoziale schreibt:

    Also dein zwischenmenschlicher Pflegefallbefall macht dich direkt sympathischer bei mir.

    Nicht, dass ich dich vorher unsympathisch fand. OMG nein! Aber ich finde Leute, die komisch drauf sind, toller als Leute, die nicht komisch sind, weil ich mir dann weniger seltsam vorkomme. Auch wenn ich mir immer seltsam vorkomme, aber halt weniger.

    Ich glaube ich schreib mich um Kopf und Kragen. Was ich nur sagen wollte:
    Mauerblümchen sein hat nichts mit Sympathie zu tun. Wobei eigentlich schon, aber halt nur positiv. Also… äh… ich hoffe du ahnst,was ich meine o.o

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