Dispensierrecht für Ärzte im Notdienst

Das war der Aufreger der Woche in der Apothekenlandschaft. Auch bei uns wurde das am Freitag diskutiert und bei DAZ und Facebook nachgelesen. Doch was bedeutet das fragt sich der pharmazeutisch/medizinische Laie? Ein Apotheker (!) hatte in einem Artikel in der Ärztezeitung gefordert, es den Ärzten während des Notdienstes zu erlauben, Medikamente zu verkaufen (Dispensierrecht). Wie der DAZ Chefredakteur findet auch unser Chef diesen Vorschlag „leider blöd“ und las einige Kommentare von Apothekern aus Facebook laut vor, die allesamt nicht begeistert über diese Äußerungen waren. Ich denke auch, dass es sehr gute Gründe gibt, warum es hier per Gesetz verboten ist Arzneimittel gleichzeitig zu verordnen und zu verkaufen. Damit wäre einem Missbrauch die Tür geöffnet, und die Mediziner könnten theoretisch unnötigerweise teure Therapien verordnen, um sich bei deren Verkauf selbst zu bereichern. Erlaubt man das „nur“ im Notdienst, weicht man dieses Gesetz auf, und irgendwann läuft das Argument ins Leere (à la: wenn das im Notdienst klappt, warum soll das dann im Normaldienst nicht funktionieren?). Patienten könnten Medikamente von ihrem Arzt verkauft bekommen, nur weil sie bald verfallen und „weg müssen“ etc. Alles was man sich an Schlechtigkeiten vorstellen kann wird auch irgendwann irgendwo umgesetzt.
In einem Kommentar schreibt ein Apotheker, man könne ja einen „Deal“ machen: die Ärzte dürfen im Notdienst dispensieren, und wir Apotheken dürfen dafür bei Dauerverordnungen Medikamente ohne Rezept abgeben, bzw. sowas wie Dauerrezepte beliefern. Ein anderer fragt, ob wir dann im Gegenzug auch die Pille oder Antibiotika bei einer Blasenentzündung oder ähnlichem verkaufen dürfen. Das würde uns sicher das Leben so manches mal leichter machen, weil wir uns weder strafbar machen, noch mit dem Kunden herumdiskutieren müssen („Warum geben Sie mir das jetzt nicht, ich bekomme das doch schon seit Jaaaaahren immer hier auf Rezept! Nur weil ich das jetzt einmal nicht dabei habe!“) aber das ist ärztlicherseits ja auch nicht erwünscht!
Eine schöne Zusammenfassung aller Ereignisse der letzten Woche zu dem Thema findet sich außerdem hier.
Nächste Woche erwartet uns übrigens nicht nur der Weißweindonnerstag und der Käsekuchenfreitag, sondern auch noch der „Partysamstag“, denn die Apotheke beteiligt sich nach dem Feierabend an einem kleinen Ortsteilfest, wo wir ein wenig mit unseren Kunden feiern wollen. Da ich sowieso arbeite, gehe ich danach mit Sandra rüber in den „Partypavillion“ und hoffe, dass nicht nur Frau Fuchs mit uns anstößt…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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8 Antworten zu Dispensierrecht für Ärzte im Notdienst

  1. Die Unsoziale schreibt:

    Mit anderen Worten: Wir hätten dann die Zustände der Schweiz? 😀
    Zugegeben… um deren lockere Medikamentenabgabe beneide ich sie und wünsche mir das auch für D-Land, weil es für alle das Leben einfacher machen würde. In der Schweiz klappt es ja super!
    Und der selbstverkaufende Arzt? Wenn überhaupt dann nur mit Akut-Sachen in kleinster Packungsgröße und auch nur zu gewissen Uhrzeiten. Also zwei Tabletten Antibiotika um am nächsten Tag das mitgereichte Rezept einlösen zu können und sofort mit der Therapie zu beginnen, ohne das der Pat. mitten in der Nacht noch die nächste Notapotheke suchen muss. Fände ich schon sinnvoll. Grenzt man das auf bestimmte Mittel (Breitbandantibiotika, Migränemittel, Nicht-BTM-Schmerzmittel, eventuell noch bestimmte Salben oder Asthmamittel) ein, dürfte der Missbrauch zur Finanzoptimierung geringer sein. Es spräche ja nichts dagegen dafür Mustergroße Packungen herzustellen, da diese ja eh gerne bei Ärzten abgegeben werden. Reicht die Akutversorgung nicht aus, bleiben die Patienten eh meist zur Beobachtung im Krankenhaus. Aber so wäre der Patient optimal versorgt und die Versorgung läge nach wie vor bei der Apotheke ohne diese zu umgegehen.
    Dafür bräuchte es dann aber deutlich massivere Bestimmung:
    Welche Medikamente dürfen überhaupt so raus gegeben werden? Von welche Pharmafirma bezieht man die Mittel (Rabattverträge müssten dafür außer Kraft treten, das Beste wäre drei Firmen Deutschlandweit in den „Festvertrag“ zu nehmen, von denen alle Medis hergestellt werden, die für die Notversorgung zuständig sind)? Welche Versicherung deckelt die Kosten (wie Standard Praxisbedarf?)? Wie viel darf maximal ausgegeben werden – insbesondere am Wochenende oder Feiertagen? Welche Bedingungen müssen die Krankenhäuser/Praxen erfüllen, damit sie das überhaupt DÜRFEN (korrekte Lagerung der Medikamente, Überprüfung der Haltbarkeit, etc. pp. – halt das, was die Apotheken auch machen müssen)? Wer ÜBERPRÜFT, dass die Ärzte sich auch daran halten (Pharmazierat, Ärztekammern, neuer Beruf?)?

    Und genau an diesen Bestimmungen würde es scheitern. Entweder das schweizer Modell setzt sich durch (das ist schön einfach) oder es bleibt, wie es ist. Die Grundidee ist im gewissen Rahmen nicht schlecht. Das Problem ist aber, dass der gewisse Rahmen jeden anderen Rahmen sprengt. 😛

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  2. Molly L. schreibt:

    Ich fänd’s nicht schlecht, wenn Notdienstärzte was rausgeben dürften. Ist hier in der Pamp nunmal leider so, dass schonmal die diensthabende Praxis 15km in die Eine Richtung und die diensthabene Apotheke 30km in der anderen Richtung liegt. Da gurkt man mit Wartzeit beim Arzt locker 2-3h durch die Gegend, um ein Antibiotikum zu bekommen, wenn es einem oder dem Kind eh schon dreckig geht. Unschön. Blödes System ist das, weil der Praxenturnus von dem der Apotheken abweicht und es ja ums Verrecken fair sein muss, anstatt dass man sagt, es hat immer die am nächsten dranliegende Apo Notdienst. Die profitiert ja auch sonst von der Praxennähe, da fänd ich das nur fair. Sorry, aber auf dem Land ist das manchmal einfach nur ätzend.

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    • Aponette schreibt:

      Der Abgleich zwischen den Ärzten und Apotheken ist sehr schwer, besonders, da zumindest in Stuttgart früher, die Ärzte ihre Dienste wild getauscht haben, aber das Tauschen bei Apotheken nur sehr schwer möglich ist, da unsere Dienste schon am Jahresanfang fest stehen müssen, wegen der Notdienstkalender, die hier gedruckt und verteilt werden. Die ärztlichen Dienste waren „geheim“, d.h. Die Liste der diensthabenden Ärzte durfte von uns nicht weitergegeben werden.
      Und dazu kommt: die Dienste sind jetzt schon ein Minusgeschäft, wenn jetzt auch noch der Umsatz von den Ärzten weg fällt? Was VIELLEICHT machbar wäre, wäre das die diensthabende Apotheke dem Arzt eine Kiste mit gängigen Medis in die Praxis stellt und der dann den Rest mit den entsprechenden Rezepten nach dem Dienst zurück gibt. Aber auch dann stellt sich die Frage nach dem Geld. Kassiert der Arzt die Rezeptgebühr und gibt sie weiter? Wer bekommt dann in diesem Falle die Verantwortung, falls etwas schief geht?
      Und die Krönung des Vorschlags ist ja, dass wir Apotheker dann im Gegenzug etwas tun dürfen sollen, was jetzt schon zu unseren Aufgaben gehört….

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  3. Sabine schreibt:

    Ich fände es besser, wenn es feste „Notdienstapotheken“ gäbe, in der Nähe der Bereitschaftsärzte, die halt immer oder nur Notdienst machen. Auch in größeren Städten fährt man ganz schön hin und her…
    Aber damit wird die Teilung Arzt / Apotheker nicht in Frage gestellt.

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  4. Apothekerin schreibt:

    Feste Notdienstapotheken werden sich nicht durchsetzen. In einigen Städten übernehmen Kliniken die Bereitschaftsdienste der Ärzte, in anderen Gemeinden ist jeder niedergelassene Arzt mal dran. Es gibt verschiedenene Notfallpraxen für Allgemeines, Kinder, Augen, HNO, Gyn. Dazu umfassen diese Spezialabteilungen unterschiedlich große Gebiete (räumlich gesehen). Und an welcher Praxis orientiert man sich dann?
    Was ist eigentlich mit den Hausbesuchen? Wird dann der Kofferraum vollgeladen?

    Im Extremfall ist die Apotheke neben der ständigen Notfallklinik in Dauerbereitschaft, und zwar 24h an 365 Tagen im Jahr. Welcher Apotheker soll das bitte übernehmen? Bei einem Bruttolohn von 8,50 €/h Mo-Sa und 10,- €/h So lt. Tarif für angestellte Apotheker. Ich würde mir eine andere Stelle suchen.
    Grob überschlagen kommen auch die Hälfte der Leute ohne Rezept in die Apotheke. Nasenspray, Schmerztabletten, Hustensaft, Erkältungstee, Tampons. Gibt das auch der Arzt ab?

    Die Bereitschaftszeiten von Arzt und Apotheker passen auch nicht zusammen.
    Der Dienst für Ärzte ist Mittwoch schon ab Mittag, Freitag teilweise auch. Samstag und Sonntag den ganzen Tag. Die Apotheken haben zu diesen Zeiten, außer So, überwiegend geöffnet.
    Wer legt jetzt welche Zeiten fest, wann der Arzt was rausgeben darf?

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  5. OtaconHC schreibt:

    Ich bin gegen so etwas.

    Die Gründe dafür sind von meiner Seite auch wenig Emotionell bedingt.

    Der Arzt muss nun bestimmte Medikamente, die er sonst nicht auf Lager hätte, auf Lager nehmen.
    Das kostet diesen erst mal Geld. Nun darf er sie aber nicht abgeben außer in Notsituationen.
    Somit haben wir effektiv Geld dass beim Arzt im Schrank vergammelt.
    Freut dieser sich bestimmt drüber.

    Ob er die Kapazität hat das zu lagern sei dann auch mal dahin gestellt.
    Dann hat er noch Mehraufwand eben dieses Lager zu verwalten, Haltbarkeitsdatum, Temperatur und sonstige Spielereien.

    Vom Missbrauchspotential wollen wir mal gar nicht reden. Es ist auch nur eine Tür in das Problem dass man teilweise in der Schweiz hat. Wo Ärzte dann in bestimmten Gebieten grundsätzlich selbst Dispensieren dürfen. Das Ende vom Lied sieht man ja. Der Patient hat keine freie Wahl wo er seine Medikamente bezieht, weil der Arzt keine Rezepte heraus rücken möchte.

    Ja natürlich, das kann man dem Arzt per Gesetz verbieten. Hat man in der Schweiz auch, hält sich nur keine Sau dran.

    Den wirklichen Vorteil sehe ich nicht.

    „Die nächste Apotheke mit Notdienst ist 30km entfernt“, ja dann wird es Zeit dass hier die Krankenkassen zur Kasse gebeten werden. Taxi zur Apotheke, und von dort zurück nach hause muss übernommen werden. Oder ein Taxi dass etwas in dieser Apotheke abholt. Das Rezept wird dann vom Arzt direkt dort hin gefaxt.
    Die Taxiunternehmen werden auch gesetzlich dazu verpflichtet.
    Da können sie dann ja gerne mit den Taxizentralen eine Pauschale abrechnen. Machen sie bei den Ärzten ja auch schon.
    Dafür stellt der Arzt einen Wisch aus dass es auch wirklich so dringend ist, und der Patient nicht im Stande ist anders dort hin zu kommen.

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    • Apothekerin schreibt:

      Diese ganze Fundgrube an neuen Dingen, die mit einem Dispensierrecht verbunden sind, ist wohl auch der Grund, warum in der Umfrage der Ärztezeitung 2/3 der Ärzte dagegen sind.
      Lagerhaltung, Dokumentation, welche Firmen, Zuzahlungen, Bargeld in der Praxis, Herstellerrabatte, Preisänderungen alle 2 Wochen durch die Firmen, etc.

      „Die Apotheke ist sooo weit weg.“ Wie sind sie zum Arzt gekommen? Meistens mit dem Auto. In Großstädten gibt es wenigstens ÖPNV. Wenn es ein Hausbesuch vom Arzt ist und ich selbst nicht fahren kann, bin ich erwachsen genug, Familie oder auch Nachbarn zu fragen, ob diese das Rezept einlösen können. Kostet ein Danke und vielleicht ein Stück Kuchen.
      Übrigens, an den langen Wartezeiten sind die Apotheken nicht schuld, sondern diejenigen, die lieber zum Notdienst gehen als unter der Woche zum Arzt.

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