Neuer Retax Irrsinn

Unsere KrankenKassen haben damit angefangen, Rezepte zu retaxieren, bei denen Rabattarzneimittel nicht abgegeben wurden, weil sie zum Abgabezeitpunkt nicht lieferbar waren. Das kommt sehr häufig vor, und wir bedrucken in dem Fall das Rezept mit der entsprechenden Sondernummer und schreiben händisch nochmals drauf, dass wir das Medikament nicht bekommen konnten. Die Krankenkassen stellen sich nun auf den Standpunkt, die Großhändler haben das Mittel vielleicht nicht an Lager gehabt aber man hätte es eventuell direkt beim Hersteller bekommen können. Das ist aber vielleicht nur in grob geschätzt 5% so, mehr ist das sicherlich nicht. Wir sollen nun aber nachweisen, dass das der Fall war – nur wie? Bei unserem Kassenprogramm wird uns direkt bei der Eingabe per „Ampel“ angezeigt, ob der Großhandel lieferfähig ist. „Grün“ bedeutet, dass das Produkt mit der nächsten Tageslieferung mitgeliefert wird, „gelb“ dass es über Nacht ausgeliefert werden kann, und „rot“, dass der Großhandel es in keiner anderen Niederlassung für uns besorgen kann. In dem Fall schauen wir gleich nach, ob wir dem Patienten ein Medikament eines anderen Herstellers abgeben dürfen. Gibt es keine anderen rabattierten Arzneimittel, geben wir ein wirkstoffgleiches Medikament ab und vermerken das mit Pharmazentralnummer und handschriftlicher Erklärung. Wir können das aber nach mehreren Monaten nicht mehr nachweisen, weil es keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt. Was also tun? Den Großhandel bitten uns eine Erklärung zu schicken? Das darf er nicht, denn die Großhändler müssen zu Herstellerdefekten schweigen. Außerdem weiß auch der Großhandel oft nicht, warum etwas nicht lieferbar ist. Die Hersteller selbst schweigen sich zu genannten Fällen aus, denn sie haben sich dazu verpflichtet lieferbar zu sein als sie die Rabattverträge mit den Krankenkassen unterschrieben haben. Oft ist es daher so, dass die Hersteller des nicht lieferbaren Arzneimittels die Retaxen lieber übernehmen, als uns eine Erklärung zu unterschreiben, dass sie nicht liefern konnten. Aber auch wenn wir bisher auf keinen Kosten sitzen geblieben sind – es ist einfach anstrengend, nervig und zeitraubend so hinter seinem Geld herlaufen zu müssen. Unser Fehler war es immerhin nicht…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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2 Antworten zu Neuer Retax Irrsinn

  1. Die Unsoziale schreibt:

    Ich dachte, das macht nur die DAK? Sind die anderen Kassen nun auch noch nachgezogen. Großartig. -.-

    Ich wäre mal schwer dafür, die ganzen Retax-Verantwortlichen für ein paar Monate in der Apotheke arbeiten und erleben, was der Retaxwahnsinn eigentlich bewirkt. -.-

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  2. ednong schreibt:

    Was für ein Irrsinn. Und dann übernehmen die Hersteller, die nicht liefern können, auch noch die Retaxen?

    Das zeigt meiner Meinung nach mehr als deutlich, dass dieses System einfach nur noch krankt. Denn wenn die die Retaxen übernehmen können, müssen sie trotz Nicht-Lieferung ja noch mehr als genug Geld einfahren.

    Dieses System gehört einfach abgeschafft. Echt, was für ein Schwachsinn und was für eine ABM für alle Beteiligten.

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