Dreiwalzenstuhl und Frau Z.’s letzter Tag

Ich habe heute eine Rezeptur erhalten die es in sich hatte. Eine 50% ige Harnstoff Salbe! Harnstoff wird in diesem Fall dazu genutzt, um von Pilz betroffene Fußnägel anzulösen, damit ihn eine wirkstoffhaltige Salbe gut durchdringen kann. Harnstoff (Urea) ist eine kristalline Substanz, die hier in der Vaselinegrundlage in suspendierter Form vorliegt. Um diese Salbe sinnvoll herzustellen habe ich eine entsprechende Vorschrift im NRF gesucht, und auch bei den Stammzubereitungen gefunden. Der einzige Weg diese Salbe qualitativ ausreichend gut herzustellen ist der Dreiwalzenstuhl. Ich bin ehrlich – das Ding hab ich seit 10 Jahren nicht mehr benutzt, ich wusste nur noch dass die Reinigung dieses Teils sehr aufwändig ist. Verzweifelt suchte ich nach einer Alternative – gibt es denn wirklich KEINE Firma die diese Stammverreibung herstellt??? Nach viel Internet- und Datenbankrecherche stand fest: Nein. Gibt es nicht. Klasse… Stöhnend wuchtete ich die Salbenmühle aus dem hintersten Eck in die Rezeptur und musste sie erst einmal vorreinigen. Der Chef amüsierte sich über meine Schimpftiraden – für all den Aufwand (Vorreinigung, Herstellung und Endreinigung dauern eine gute Stunde) bekommen wir für die Salbe nämlich gerade mal 8,34€. Er frotzelte, dass er mich bei der Herstellung aufnimmt und das Filmchen bei YouTube einstellt. Samt Endbetrag der Rezeptur – damit die Leute mal sehen was wir in der Apotheke so treiben und wie wir dafür bezahlt werden.
Am Ende des Arbeitstages fühlten wir uns allerdings alle ein bisschen wie durch den Dreiwalzenstuhl gedreht (O- Ton Sandra). Frau Z. hat ihre Kündigung bekommen, weil wir einfach zu viel  Personal haben. Heute war ihr letzter Arbeitstag, aber sie hat versprochen, dass sie noch mal bei uns reinschaut wenn der Chef Urlaub hat… irgendwie trifft es uns doch, denn gerade in der letzten Zeit hatte man gemerkt, dass sie sich bemüht ein Teammitglied zu werden. Ich hoffe nur, dass das ein gutes Zeichen ist, was die Übernahme von Sarah angeht!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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14 Antworten zu Dreiwalzenstuhl und Frau Z.’s letzter Tag

  1. Aponette schreibt:

    Wie hoch ist denn die Urea Konzentration in Onychomal? Warum nimmt der Doc nicht die?

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  2. Vale schreibt:

    Ich hasse den Dreiwalzenstuhl 😡 Als ich das Mistteil benutzen wollte,musste ich den erstmal ordentlich schrubben,weil der so lange nicht mehr benutzt wurde. Und zack Finger an der scharfen Kante vorne so richtig heftig geschnitten.Es hat gefühlt gar nicht mehr aufgehört zu bluten 😦

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  3. OtaconHC schreibt:

    Ach SO heißt das Ding auf Deutsch.

    Ich hab mal überlegt mir so was anzuschaffen aber bei den Preisen hab ichs dann doch lieber sein lassen.

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  4. bombjack schreibt:

    Hm…ich hätte den Harnstoff im Mörser fein verrieben und das Ganze mit Wundbenzin oder besser Aceton* versetzt und dort hinein portionsweise die Vaselinegrundlage gegeben, die sich zum Teil im LM auflöst, dann im Abzug unter stetigem Rühren das LM verdunsten lassen u.U. leicht erwärmen um die Reste des LM zu vertreiben.

    bombjack

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    • ptachen schreibt:

      Das war früher Mittel der Wahl bei solchen Rezepturen. Ich kenne das auch noch… das NRF sagt aber ganz klar, dass das inzwischen obsolet ist, und die Teilchengröße selbst nach einer solchen Vorbereitung qualitativ nicht ausreichend klein wird. Wäre mir auch lieber gewesen als den Dreiwalzenstuhl zu reinigen!

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      • bombjack schreibt:

        Hm…in der Wikipedia findet man folgendes Zitat: […]Im pharmazeutischen Rezepturbereich wird der Dreiwalzenstuhl als ‚Salbenmühle‘ zum Desagglomerieren und Homogenisieren des Ausgangsmaterials verwendet, nicht jedoch zum Zerkleinern. […]
        https://de.wikipedia.org/wiki/Dreiwalzenstuhl

        Das hieße dass der Harnstoff schon als Mikropulver vorliegen müsste, weil der Walzenstuhl lediglich die zum homogenisieren dient…

        Btw. habe 1998 meinen PTA Abschluss gemacht….allerdings ging es dann bei mir in die Forschung, bin daher so ziemlich komplett raus…

        bombjack

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      • stuttgarterapothekerin schreibt:

        @bombjack: Du hast so was von Recht….der Dreiwalzenstuhl zerlegt nur Agglomerate, er zerkleinert NICHT große Kristalle.
        Homogenisieren kann er hingegen nicht so gut – es ist tunlichst darauf zu achten, dass nach dem Durchgang nochmals gut gemischt wird!
        Wikipedia weiß nicht immer alles.

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  5. Sören Schwarzbeck schreibt:

    Ich hätte da noch ein Thema aus dem Bereich Regelungswut in der Rezeptur: Die Biozid-Verordnung: Die sagt nämlich, dass Apotheken ab dem 1.7.2016 kein Isopropanol 70% mehr herstellen darf – außer sie beantragen eine Herstellungserlaubnis http://bit.ly/1spEhUK . Ist aber kein Problem, denn die Erlaubnis gilt dann für 10 Jahre und kostet „nur“ 14000,- € (lt. ABDA-Rundschreiben). Also müssen wir in Zukunft teurere Fertigware bestellen.

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    • bombjack schreibt:

      Frage bzw. Feststellung: Das gilt nicht nur für Apotheken, sondern für jedes KMU was 70% Isopropanol zur Desinfektion verwendet und sich erdreistet diesen aus 100% Isopropanol herzustellen?
      Z.B. wenn jemand Orchideen züchtet und ein Gewerbe angemeldet hat…wäre er fällig wenn sich über die Apotheke 5 L Isopropanol kauft und diesen runterverdünnt…

      bombjack

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    • Sarah Pta schreibt:

      Und das fertige Isoprop muss vom Hersteller zur Desinfektion zugelassen worden sein…. 🙄

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    • OtaconHC schreibt:

      Ähm, eventuell ne doofe Frage.

      Ich kauf häufig reinen Isoprop für die Reinigung von Kamerasensoren und ähnlichem.
      Meistens dann direkt einen ganzen 5l Kanister in der Apotheke.

      Ändert sich dadurch für mich etwas? Oder können die mir das weiterhin problemlos bestellen?

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      • bombjack schreibt:

        Nein sollte sich nichts ändern, da Du das Ganze nicht als Desinfektionsmittel nutzt, die Apotheke unverdünnten Stoff abgibt und Du Endverbraucher (-anwender) bist und der Einsatz als Reinigungsmittel nicht von der Biozidverordnung tangiert wird.

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      • OtaconHC schreibt:

        Super, vielen Dank 🙂

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