Technischer k.o. beim Limbo – Teil 1

Diesen Tag kann ich wirklich nur in zwei Teilen beschreiben, der war wirklich der Hammer. Unsere Kundschaft präsentierte sich seltsam wie selten, wir haben gelacht – ja… fast bis der Arzt kommt. Aber ich fange vorne an. Morgens schien noch alles normal zu laufen. Birgit und Bergen waren beide schon früh da, Bergen total müde und mit dunklen Augenringen. Sie machte sich gleich um 8.30Uhr einen Kaffee, was aber nicht so viel half wie erhofft. Der Chef trudelte gegen 10 Uhr ein, guter Dinge und mit Frühstückshunger. Also setzten wir uns schon früh zum essen zusammen. Immer wieder musste ich allerdings unterbrechen und vorne bedienen. Einer der Kunden verlangte auf einmal „Limbohexal“ von mir, und ich musste schwer an mich halten um nicht loszulachen. „Ibuhexal“ vielleicht? Ja, das wars. Einen Limbo andeutend tanzte ich trotz dem Bandscheibenvorfall nach hinten, und empfahl das neue Medikament gleich mal Bergen gegen ihre Müdigkeit. Sie lachte noch, als das Telefon klingelte. Es war eine Firma, die wegen eines SEPA Mandats bei uns anrief und die Daten vergleichen wollte 

„Wie heißt ihre Apotheke gleich?“

„Vorstadtapotheke“

„Vor… was?“

„Vorstadtapotheke“

„Wie schreibt man Stadt?“

DAS war natürlich der nächste Brüller. „Limbohexal“ und „wie schreibt man Stadt“. Lässt sich gut an. Dann fragte noch ein Kunde, ob er den „Insulin – Report“ haben kann, und meinte den „Diabetiker Ratgeber“, was zu neuerlichen Heiterkeitsausbrüchen führte. Zwischen den Kundengesprächen hatte ich mich daran gemacht, alte Prospekte auszusortieren. Bergen kam dazu, als ich gerade einen Schwung „Lasea“ Fragebögen zum Thema „Burnout“ in die Ablage P befördern wollte und schnappte sich noch einen davon zum ausfüllen.

„Fühlen Sie sich in der letzten Zeit überfordert? Ja. Sind sie ständig müde und unkonzentriert? Ja. Können Sie trotz Müdigkeit nicht einschlafen? Ja.“

So ging das weiter, nur die Frage „Gehen Sie ungerne zur Arbeit“ wurde mit „Nein“ beantwortet, so dass 19 von 20 Fragen auf Burnout hinausliefen. Bergen hüpfte daraufhin nach hinten zum Chef, flötete:

„Cheeeheeef, ich hab nen Buuuurnout!“

und legte ihm den Fragebogen vor, was dieser aber irgendwie nicht ernst nahm. Seltsam. Als ich wieder nach hinten kam steckte Bergen quasi von Kopf bis zur Hüfte in unserem Probenschrank und wühlte darin herum. Dann sah sie mich vorwurfsvoll an

„Ich bin immernoch soooo müde! Sag mal haben wir hier wirklich GAR KEINE Aufputschmittel?“

Birgit erbarmte sich, und besorgte ihr einen Beutel „Energy boost“ (=Vitaminpräparat), den Bergen zur Hälfte trank. Etwa 15min später fühlte sie sich dann „viiiel besser“, und skandierte laut

„Ich hatte sogar nur einen halben Beutel und bin wieder ganz wach!“

woraufhin ich sie ansah und sagte

„Du bist ja auch nur halb so groß wie wir.“

Sie funkelte mich wild an, ging zum Chef, strich das „Nein“ bei der Frage „Gehen Sie ungerne zur Arbeit“ durch und kreuzte dick und fett das „Ja“ an.

„Ich werde hier gemobbt!!! Chef, darf ich mir dann wenigstens einen Vorrat „Red Bull“ herlegen wenn ich schon Burnout habe?“

Birgit verschluckte sich schon vor lauter Lachen, es war klasse. In Nullkommanix war es dann ein Uhr, und meine zwei lieben Kolleginnen verabschiedeten sich. Ich war gerade 10min im Labor zugange, als auf einmal die Notdienstglocke läutete. Der Chef ging zeitgleich mit mir vor, hatte aber etwas Vorsprung. Er rief nach hinten

„Es ist Bergen!“

was mich dazu brachte, die Schiebetüre von hinten aus per Knopfdruck zu öffnen, denn ich dachte, sie hat sicherlich irgendetwas vergessen. Was ich nicht gesehen hatte war, dass der Chef bereits die Notdienstklappe neben der Schiebetüre geöffnet hatte, denn Bergen wollte ihm nur ein Rezept reinreichen. In dem Moment als er die Klappe also offen hatte schwang die Schiebetüre auf, krachte gegen die Klappe, die mit Karacho zuschwang. Ich hörte einen Schmerzensschrei, und der Chef ging zu Boden…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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Eine Antwort zu Technischer k.o. beim Limbo – Teil 1

  1. ednong schreibt:

    Oh weia,
    da ist dein Chef ja unter die Räder die Türe gekommen …

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