Krümel 

Ich weiß gar nicht, warum ich noch nie über sie geschrieben habe… vermutlich weil ihr Dasein einfach so selbstverständlich dazu gehört, dass ich gar nicht auf den Gedanken gekommen bin sie zu erwähnen: Krümel, der Hund vom Chef. Sie ist einfach herrlich, und als Wachhund im Notdienst wirklich unersetzlich. Wenn irgendjemand es wagen würde, unberechtigterweise auch nur einen Fuß in die Apotheke zu setzen, dann würde sie… vermutlich freundlich mit dem Schwanz wedeln und nachschnuppern, ob derjenige etwas zu essen dabei hat. Ich habe wirklich selten einen Hund erlebt, der derart ausdauernd betteln kann, selbst wenn Jahre der Erfahrung gezeigt haben, dass es zwecklos ist. So betteln ihre hungrigen Augen beim Frühstück zum Beispiel Sandra an, obwohl die bisher wirklich immer hart geblieben ist und noch niemals „unfreiwillig“ etwas essbares fallen gelassen hat, damit Krümel es vertilgen kann. Trotzdem wird standhaft versucht, ihr etwas aus den Rippen zu leiern, es könnte ja mal sein, nicht wahr? Dabei ist sie gar nicht wählerisch, sie würde Backwaren ebenso wie Milchprodukte, Äpfel oder Müsliriegel ohne mit der Wimper zu zucken verschlingen. Kinder liebt Krümel, und lässt sich von ihnen alles gefallen ohne knurren oder schnappen. Selbst wenn ein Kleinkind ihr ins Auge fasst tritt sie nur jammernd ein paar Schritte zurück, und bleibt eine Seele von Hund. Hat sie ihre 5 Minuten und braucht irgendwas zum austoben, hole ich ihr ein altes Paket und lasse sie das Teil in 1000 Fetzen reissen. Dann wirkt sie schon wirklich ein wenig wie ein wilder Wolf (ist aber eine „Promenadenmischung“ in etwas kleiner als Schäferhundgröße). Sie hat zwei absolute Talente: das erste ist das im-Weg-liegen, was sie bis zur Perfektion beherrscht. Wenn Bergen dann wieder eine Schimpftirade über sie hereinprasseln lässt, schaut sie sie dabei nur lange und seelenvoll an, bevor sie sich mit einem Seufzen am nächsten ungünstigen Platz niederlässt. Sie blickt dann immer so verständnislos und unglücklich  (Ich weiß, dass ich irgendwas falsch gemacht habe, aber was?) dass keiner von uns böse sein kann. Das zweite Talent ist ihre Nase für Schwangerschaften. Im Laufe des Tages muss sie jedem von uns irgendwann mal sagen, dass sie uns gerne hat, und steigt entweder kurz an uns hoch oder legt uns wenn wir sitzen die Vorderbeine auf den Schoß. Nicht so, wenn jemand schwanger ist. Das hochsteigen hört dann abrupt auf, und sie legt einem maximal noch den Kopf auf den Schoß, das wars. Im Nachhinein wusste sie definitiv früher als ich, dass ich schwanger war… Warum erzähle ich nun heute von Krümel? Die Dame ist inzwischen mit ihren 16 Jahren schon ziemlich betagt. Sie sieht schlecht, hat Probleme mit den Gelenken und kommt schlecht hoch. Gestern lag sie lange reglos auf der Seite, und wir hatten alle ein komisches Gefühl. Heute nachmittag schrieb mir Birgit, dass es ihr in der Nacht wohl ganz und gar nicht gut ging, und der Chef gegen 9.30Uhr mit ihr zum Tierarzt gegangen ist. Er hat sich nicht mehr gemeldet seither, und wir befürchten das Schlimmste für unsere liebe Krümel. Im Hundehimmel bekommt sie jedenfalls einen Ehrenplatz, soviel ist sicher…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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4 Antworten zu Krümel 

  1. ednong schreibt:

    Ja, solche Tiere können einem schon ans Herz wachsen. Vermutlich bleibt ihr dann wohl eine Menge Leid erspart – und sie hat ja auch ne Menge Positives erleben dürfen. Und ihr ja auch mit ihr.

    Aber irgendwann ist nun mal jedes Leben zu Ende …

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  2. Aponette schreibt:

    Das ist das Schicksal eines Tierbesitzers, Katzen und Hunde überleben einen nur sehr selten. Ich habe inzwischen auch schon mehrer Mitbewohner verabschiedet – es ist immer traurig. Aber wenn sie denn ein gutes Leben hatten, dann finde ich sollte man Ihnen auch einen guten Tod gönnen. Alles andere ist nicht Tierliebe sondern Selbstliebe.

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  3. Judi schreibt:

    Das klingt wirklich nicht gut.
    Aber ich schließe mich Aponette uneingeschränkt an.
    Auch wenn mir vor dem Tag graust, an dem es bei meinem Wau (aktuell 15 Jahre alt) soweit ist 😦

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