Letzter Arbeitstag – Teil 2

Am Nachmittag kam eine Kundin, die ein Reserveantibiotikum benötigte, was nicht jeden Tag vorkommt. Auf meine verwunderte Frage, was sie sich denn exotisches eingefangen hat erklärte sie mir, dass sie in einem Labor arbeitet, und Kontakt hatte zu einem Patienten der an einer Brucellose erkrankt ist. Deutschland gilt eigentlich als brucellenfrei, aber im Zuge der neuen Völkerwanderung wird diese Zoonose wohl noch häufiger vorkommen in den nächsten Jahren. Auch andere Patienten kamen gestern mit ansteckenden Krankheiten, die ich nicht unbedingt mit nach Hause nehmen möchte, wie die Hand -Mund – Fußkrankheit, Magen Darm Viren oder Sommergrippe. Nachdem die Kundin mit dem Brucellosekontakt gegangen war, musste ich das erst einmal googeln, denn die Erkrankung war mir völlig unbekannt. Als ich dem Chef rüberrief, dass das auch die „Bang – Krankheit“ genannt wird, murmelte ich „Bäng- Krankheit“, grinste und wir sagten gleichzeitig „Gang-bang – Krankheit“ und machten unsere Witze darüber. Außer den ansteckenden Krankheiten war es ein gemütlicher Freitag, und ich habe es hoffentlich geschafft, alle „Baustellen“ noch abzuarbeiten. Sprich alle wichtigen Bestellungen habe ich gemacht, Inventurlisten abgearbeitet, geputzt und meinen Hauptarbeitsplatz – die Rezeptur- aufgeräumt und sauber hinterlassen habe ich auch. Ich habe ständig das Gefühl ich hätte etwas vergessen, aber was nur? Aber vielleicht ist das einfach so, wenn man so lange in Urlaub fährt… zwei Wochen weg, das war ich schon lange nicht mehr! Naja – zwischendurch las ich dem Chef aus den Kommentaren hier vor – getarnt als mein PTA Form natürlich. Er war genau so entsetzt wie ich über den Bericht von Shark zum „Donnerstagskaffee„. Als ich nachher am gehen war murmelte er, er müsse ein ernstes Wort mit den PKAs reden, da die Rowa Auslistung im letzten Monat nicht ordentlich gemacht war, und auch die Differenzliste wohl in den letzten Wochen nicht gepflegt wurde. Ich stand schon an der Tür um mich zu verabschieden, sagte:

„Na dann… gute Zeit. Du Choleriker!“

und schloss schnell die Tür hinter mir. Schön dass wir so viel Quatsch machen können hier!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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Eine Antwort zu Letzter Arbeitstag – Teil 2

  1. Shark schreibt:

    Entsetzt von meinem Bericht? 😮 Ich fand die Geschichte mit deinem Unfall und die Reaktion deines Chefs darauf aber als wesentlich „dickeren Hund“.

    Na ja, ich hatte damals das Glück, dass immerhin die Kollegen nett waren. (Aber anders hätte ich es da sicher auch keine ganzen zwei Jahre ausgehalten. Das stellte sich auch als die Höchstgrenze heraus. Niemand ist da je länger geblieben.)
    Wenn wir uns alle hin und wieder zum Essengehen getroffen habe (und das die „[Betriebsname]-Geschädigten-Therapietreffen“ genannt haben *g*) und da die PartnerInnen mitgekommen sind, war bei denen immer ein kollektives Kopfschütteln festzustellen und völlige Ungläubigkeit, dass DAS tatsächlich jemand gesagt oder getan haben könnte. (Viel Material gab es in der Richtung leider immer. War zwar nur der Seniorchef Choleriker, aber Frau, Tochter, Sohn und Stieftochter, die leider alle ebenfalls im Betrieb mitarbeiteten, waren gleichfalls alle … speziell.

    Vielleicht liegt es ja auch an dieser Art Familienbetriebe, bei denen sich die Leute quasi 24 h auf der Pelle hocken, und das früher oder später nicht mehr aushalten. Ähnliches habe ich nämlich noch bei zwei anderen Arbeitsstellen erlebt, in dem die ältere und jüngere Generation mitarbeiteten.

    „Schönstes Beispiel“ in der Hinsicht: Ein Kunde bittet die Seniorchefin, ihr zu helfen, eine schwere Kiste mit in den Kofferraum zu verfrachten, da sie Rückenprobleme hätte. Darauf fuhr die Chefin sie an: „Ha! Sie wissen doch gar nicht, was Rückenprobleme sind! Ich bin seit dreißig Jahren mit einem Krüppel verheiratet (ihr Mann war als Folge von Polio gehbehindert), ich kann Ihnen ‚was von Rückenschmerzen erzählen!“ (Sagte sie Hörweite mehrere Kunden, Angestellten und ihres Mannes.) Sie war auch der Grund, warum mehr als einmal Kunden vierstellige Aufträge storniert haben, da sie die verbal in der Art angegangen ist.

    Mehr ein absurd-komisches Beispiel: Jedes Jahr vor den Weihnachtstagen pickte der Chef sich irgendeinen Unglücksraben unter den Mitarbeitern heraus und zitierte den in sein offizielles Büro (Es gab ein Büro zum Arbeiten und ein repräsentatives: mit Chefledersessel, Mahagonischreibtisch und Gemäldes seines Vaters, des Firmengründers, in seinem Rücken.) Dem Mitarbeiter wurden dann ein langer Monolog gehalten, der zum Inhalt hatte, wie schlecht es der Firma doch ginge, was im kommenden Jahr alles an horrenden Kosten anstünde, ect.
    Wir haben immer gerätselt, was er sich davon versprach. Eine tröstende Umarmung oder ein „Oh mein Gott, Chef! Ich wusste ja nicht, dass es ihnen so dreckig geht! Bitte kürzen Sie meinen Lohn, der ohnehin schon unter Tarif liegt!“

    Oh je, das liegt zwar alles schon mehr als ein Jahrzehnt zurück, aber mir fallen gerade so viele Beispiele ein, ich könnte hier alles zuspammen damit. 🙂

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