Unterschiede bei der Salbenherstellung

Ich habe letzte Woche berichtet, dass ich mich geärgert habe, dass ein Kunde immer verlangt, dass seine Salben in Tuben abgefüllt werden. Es ist wirklich deutlich langwieriger und aufwändiger sie nicht im Topitec herzustellen. Wird eine einfache Creme (ein oder zwei Wirkstoffe in einer Grundlage) im automatischen Rührsystem hergestellt, so nehme ich nur eine leere Drehkruke, lege etwa die Hälfte der Grundlage darin vor, wiege den Wirkstoff ein, verteile ihn auf der Creme und lege den Rest der Grundlage nach (Sandwich – Verfahren). Dann spanne ich alles in den Topitec ein und lasse ihn alles zusammenrühren. Das ist ein Aufwand von vielleicht 5 bis 10 Minuten, und man kann sicher sein, dass alles hygienisch und homogen vermischt ist. Kommt aber die gleiche Rezeptur für eine Tubenherstellung wird sie per Hand in einer Fantaschale hergestellt. Ich wiege zunächst den Wirkstoff ein, und vermische diese mit vielleicht 2- 3 Gramm Grundlage. Das wird dann von den Wänden mit einem Kartenblatt abgekratzt und wieder mit 2- 3 Gramm Grundlage vermischt. Dann wieder mit der gleichen Menge  (4-5 Gramm), dann mit 10 Gramm und so weiter, bis man die Endmenge erreicht hat. Das wird dann etwa im gesamten 2-3 mal durchgemischt, abgekratzt, gemischt, abgekratzt… bis alles homogen ist. Die fertige Creme kommt nun in eine Tubenfüllmaschine, die Leertube wird aufgeschraubt, alles abgefüllt und die Tube zugefalzt. Das alles dauert gut 20 Minuten und das auch nur, wenn in der Zwischenzeit keine Kunden kommen und man unterbrechen muss. Für die ganze Arbeit ist dann ein Lohn von 5 Euro drin den die Krankenkassen bereit sind zu zahlen. Wer sich dann noch darüber aufregt, dass die Apotheken demnächst „noch mehr“ Geld für die Rezepturherstellung bekommen, der hat nicht verstanden, dass es sich dabei per se um ein Verlustgeschäft handelt. Wir verdienen an einer Creme nichts, sondern legen drauf. Daran ändert sich im übrigen auch nichts, so dolle ist die Erhöhung nämlich nicht. Die Herstellung von Rezepturen dient aber dem Gemeinwohl, daher ist es gut und richtig, dass wir sie weiterhin sorgsam herstellen. Nur die „Exrrawürste“, die werden auch bei uns zukünftig wohl bezahlt. Richtig so!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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11 Antworten zu Unterschiede bei der Salbenherstellung

  1. Sarah Pta schreibt:

    👍

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  2. Frau Zeitlos schreibt:

    Blöde Frage vom Laien: warum kann man die Masse nicht mit dem Topitec mischen und dann in die Tubenmaschine geben?

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  3. Frau Zeitlos schreibt:

    Blöde Frage vom Laien: Warum kann man die Salbe nicht im Topitec mischen und dann in die Tubenmaschine geben?

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  4. OtaconHC schreibt:

    Siehst du, das ist der Unterschied zwischen einer gelernten PTA und einem Laien.
    Ich hätte das nun anstatt in der Fantaschale einfach in der Colaflasche angemischt 😛

    Danke für die Eklärung, aber ich frag nun noch mal doof nach.
    Wieso kann man das nicht mit dem „Apothekenmixer“ herstellen und dann in die Tube abfüllen?

    Ich glaub dir dass du das so umständlich machen musst für Tuben, aber ich versteh nicht wieso das so ist 😦

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    • Delilah schreibt:

      weil man das aus der „Drehdosierkruke“ leider nicht qunatitativ, also vollständig, in das Tubenfüllgerät überführen kann. Beim Rüberspachteln muss man mit einem Verlust von mindestens 10% rechnen (Ich habe mir den Spaß einmal gemacht, die Kruken sind formmäßig nicht dazu geeignet, da Dinge rauszulöffeln…bei der Rezeptur war auch eine Tube gewünscht und ich hatte das übersehen und schon im Topitec gemacht), da geht dann auch auf Kosten der Wirtschaftlichkeit und ist eine ziemliche Schmiererei.

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  5. Judi schreibt:

    Ist im Arbeitslohn das Material mit drin? Dann ist dassicher nicht profitabel. Ansonsten – schlagt mich, aber ich wäre mit einem Stundenlohn von 15 € brutto (errechnet aus 3×20 Min á 5 €) als Meisterin in „leitender Position“ sehr zufrieden gewesen…

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    • ptachen schreibt:

      Die 20min sind nur für die Herstellung. In der Zeit ist nicht die Bereitstellung der Materialien und das säubern der Werkzeuge mit einberechnet!

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    • frankonia schreibt:

      Der Arbeitspreis von 5 Euro pro Salbe ist nicht nur für das eigentliche Anmischen, sondern für das Komplettpaket.
      Ich hatte gestern eine neue Rezeptur vom Hautarzt. 2 Wirkstoffe zusammen in einer Grundlage. Keine Standardrezeptur, die in den üblichen Rezepturformeln steht.
      Plausibilitätsprüfung mind. 30min, Literatur und Internet durchforsten, ob jemand diese Salbe schon für machbar befunden hat, dann noch eine Rezepturhotline angerufen (danke, daß es sowas gibt). Danach noch eine Herstellungsanweisung schreiben.
      Damit die Salbe stabil bleibt, braucht es noch einen ph-Wert-Puffer und ein Antioxidans. Also bestellen und von der PTA im Labor prüfen lassen, daß auch wirklich in den Dosen drin ist,was außen drauf steht. Pro Stoff 5-10min, alles protokollieren.
      Die eigentliche Herstellung dann 30min. Vorher Substanzen aufschmelzen und dann mit den restlichen Sachen fertigrühren. In eine Alutube packen und ab in den Kühlschrank (die Wirkstoffe sind gegen alles von außen empflindlich). Und auch die Herstellung muß protokolliert werden.
      Dann Aufräumen, Abspülen, Arbeitsplatz desinfizieren.
      Und bei Abholung dem Kunden erklären, wie er die Salbe anzuwenden hat, weil es beim Arzt mal wieder zu schnell ging. Übrigens, für die Beratung zu Rezepturen dürfen wir der Krankenkasse nichts in Rechnung stellen, das ist im Arbeitspreis mit drin.
      Wenn du jetzt alles reinrechnest, was eine Individual-Rezeptur zeitlich ausmacht, bekommt die Apotheke nicht mal Mindestlohn.

      Zu den Materialkosten. Die dürfen wir nur anteilig in Rechnung stellen. Ist halt Pech, wenn nur 50mg gebraucht werden und das kleinste Gebinde 250g hat. Und die Ausnahmen sind extrem eng gefasst, daß mehr berechnet weden darf. Auch das anfallende Verbrauchsmaterial kann nicht berechnet werden, Handschuhe, Mundschutz, Desinfektionsmittel etc.

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      • Judi schreibt:

        Danke für die ausführliche Erklärung! In dem Fall finde ich das selbstverständlich auch deutlich unterbezahlt (bzw. ja eigentlich fast gar nicht bezahlt :-/ )

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  6. Lisa schreibt:

    Liebes PTAchen,
    das ist wirklich ein schöner Beitrag, den Kunden muss man wirklich auch aufzeigen, welche Arbeit in der Herstellung einer individuellen Rezeptur liegt – und wie lachhaft gering der Abgabepreis ist.

    Die Herstellung könntest du jedoch vereinfachen, denn es gibt für die Topitec-Modelle einen Metall-Rührbecher, in dem du im Sandwich-Verfahren deine Creme rühren lassen kannst. Dazu kommt ein spezieller Aufsatz, mit dem du dann die fertige Creme quantitativ von unten in eine Tube überführen kannst. Tolles System für eine hygienische Herstellung. (Nennt sich bei WEPA Füllkolben mit Gewindeadapter – vielleicht gibt’s den ja auch für das Apotheken-Topitec-Modell)

    Liebe Grüße von Lisa

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