Abhängigkeiten und Leckereien

Ich bin heute kaum aus dem Quark gekommen, dauermüde trotz vollem Programm. Im Schwimmbad wäre ich beinahe eingeschlafen, und ansonsten trane ich vor mich hin. Warum? Ich habe nicht mal schlecht geschlafen. Nach kurzem Kopfzerbrechen kommt die Erkenntnis: aufgrund eines sehr frühen Termins heute morgen bin ich ohne Kaffee aus dem Haus gegangen. Das geht GAR NICHT! Auch wenn es nicht das tolle Getränk aus der Apotheken- Jura mit warmer aufgeschäumter Milch ist, wenigstens einen Pulverkaffee hätte ich mir hinter die Binde kippen sollen. Erschreckend wie abhängig das Zeug macht. Ich trinke den Kaffee mit viel Milch und 1- 2 Löffeln Zucker, der Chef hat jetzt gerade verkündet, dass er zukünftig keine Milch mehr dazu trinkt, da nach den neuesten Erkenntnissen die protektive Wirkung nur dann erhalten bleibt, wenn er schwarz genossen wird. Maria hat sich darüber amüsiert, sie meinte über den Kaffeekonsum sei in den letzten Jahren so viel konträres berichtet worden, dass man nur 5- 10 Jahre abwarten muss bis die „neuesten Erkenntnisse“ wieder über Bord gehen. Das rauchen habe ich mir vor einigen Jahren abgewöhnt, den Kaffee werde ich aber beibehalten – egal was noch negatives darüber geschrieben werden wird. Laut Maria gilt das ja dann sowieso nur für ein paar Jahre… Da ich mich gerade ein bisschen apothekenlos fühle habe ich eine Diskussion im Forum verfolgt. Es ging um die verhassten Rezeptanlecker, und es kristallisierten sich zwei „Lager“ heraus. Die einen die das kaum tangiert, und die sich danach einfach schnell desinfizieren gehen, und die anderen, die davon zum Teil so angeekelt waren, dass sie den Beruf gewechselt haben. Da wurden natürlich auch die anderen Ekelkdinge erzählt, die man in der Apotheke so erlebt: blutverschmierte Blutzuckermessgeräte, schweißgetränkte 5 Euro Scheine aus der Brusttasche eines dicken Kunden (oder aus dem BH !!! Den Fall hatte ich öfter als ich in der großen Stadt gearbeitet habe wo ab und an Sinti und Romafamilien einkauften), gebrauchte und ungereinigte Fieberthermometer direkt aus dem Anus zu „Kontrollmessungen“ und vieles mehr. Vertreterinnen dieser Fraktion gingen sogar so weit, vor dem Kunden das Rezept zu desinfizieren, nennen das Verhalten ein „rücksichtsloses rumkeimen“, sagen man sollte „diesen Leuten eine scheuern“, eine erzählte, sie könne „KOTZEN“ wenn sie das sähe, sie würde den Kunden dann „das Scheißteil aus den Händen reißen“. Holla die Waldfee, was für Aggressionen! Ich denke diese Kolleginnen sind definitiv im falschen Beruf gelandet! Klar, ich mache dann auch keine Luftsprünge, aber es gehört eben dazu, zum menschlichen Kontakt. Wenn ich sowas nicht abkann – dann ist ein Büro vielleicht der bessere Arbeitsplatz. Eine hab ich dann aber doch geliked. Sie schrieb, man könne „diesen Kunden ja aufs Rückgeld spucken“, dann sei man quitt. Made my day!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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11 Antworten zu Abhängigkeiten und Leckereien

  1. Shark schreibt:

    Rezeptanlecker? Wie muss man sich das denn vorstellen? Das man Zeug mit Gummierung, wie Briefmarken und Umschläge anleckt, verstehe ich – aber Rezepte? 😮

    Na, in der Apotheke hat man immerhin die Möglichkeit Einmalhandschuhe (bei der Gegennahme beschmutzer Geräte) anzuziehen. Und Desinfektionsmittel ist auch leicht zur Hand. Andere Berufe mit Kundenverkehr bzw. im Verkauf haben es da schwerer.

    Wie schnell Kaffee und Tee süchtig macht, merke ich auch gerade. Da meine Eisenwerte trotz Supplementierung nicht die besten sind, dachte ich, achte ich mal auf alles, was die Aufnahme behindern kann – sprich auch (in meiner Testphase) auf Kaffee und Tee verzichten. Hätte nicht gedacht, dass mir das soo schwer fällt. :-p

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    • ptachen schreibt:

      Die Anlecker haben meist 2 oder 3 Rezepte vom Arzt dabei, die übereinander gelegt frisch bedruckt etwas zusammenkleben. Dann werden die Finger beleckt um die Teile auseinander zu schieben. Ekelhaft… aber da muss man durch.

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      • Hermione schreibt:

        Das kann man auch immer wieder schön beim Arzt im Wartezimmer sehen, wenn die Leute die dort ausgelegten Zeitschriften auf diese Weise umblättern. *würg*

        Koffein ist der Horror, was Sucht angeht. Ich musste mal vor drei Untersuchungen (als ich mich als Probandin beworben hab, vielleicht sollte ich darüber auch mal bloggen, war cool!) und vor den Tagen der Studie jeweils 72 Tage koffeinfrei bleiben, das war wirklich die Hölle. Also, wirklich komplett koffeinfrei. Auch keine Schokolade, keinen Tee, nichtmal Augencreme mit Koffein durfte ich. Da ist mir das erste Mal bewusst geworden was für ein Junkie ich schon bin. Möglicherweise habe ich inzwischen eine Million mal mehr Adenosinrezeptoren als normale Menschen. *lach*

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      • Hermione schreibt:

        Großer Gott, 72 Stunden, nicht 72 Tage! Das hätte ich ja niemals überlebt!!

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      • Judi schreibt:

        „Anlecker“ (cooles Wort *gg*) gibts wohl in jedem Beruf, in dem Papier von Hand zu Hand geht. Ich bin auch sicher, dass jeder benutzte Geldschein neben all den anderen Spuren auch die DNA diverser Menschen auf sich trägt. Damit kann ich leben, solange die Leute ihre Finger abschlecken und nicht meine :-D.

        Blut, Kot, Schweiß und andere „leckeren Sachen“ die mal eben über den Tresen gereicht werden – da habt ihr mein volles Mitgefühl *bäääääh*.
        Vielleicht kann man zumindest bei verschmutzen Fieberthermometern und schmierigen Blutzuckermeßgeräten den „Kunden“ freundlich Handschuhe und Desinfektionstücher zur Reinigung reichen, bevor man die Dinger entgegen nimmt?

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      • ednong schreibt:

        Und ich hatte schon grad großen Respekt bei 72 Tagen ohne Koffein. Aber 72 Stunden sind doch ein Klacks … 😉

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      • Hermione schreibt:

        Nicht als echter Suchti, vor allem die ersten beiden Tage. Meine damalige Mitbewohnerin hat sehr unter mir gelitten.

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  2. Sarah Pta schreibt:

    Als ich einmal erkältet war, hat Chef gesagt, ich soll auf das Wechselgeld husten. Erhöhung der Kundenfrequenz. 😈

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  3. Aponette schreibt:

    Solange ich mir anschließend die Finder nicht in den Mund stecke und ablutsche, finde ich diese Ablecker-Rezepte nicht so schrecklich. Ich nenne es Training für mein Immunsystem.
    Was ich aber gar nicht haben kann, ist angehustet zu werden, man kann sich ja wohl bitte die Hand oder besser noch den Ellenbogen vors Gesicht halten. Da weise ich die Kunden auch schon mal höflich drauf hin.
    Blutige Blutzuckermeßgeräte, naja, die werden eben mit Desinfektionsmittel gereinigt, gerne auch schon mal vor dem Kunden, vielleicht kapiert er den Hint. Fieberthermometer hatte ich bisher noch nicht. Ich bin da insgesamt hart im nehmen, nur eines kann ich beim besten Willen nicht ab: Erbrochenes, da muß ich selber spucken, und es reicht auch schon die lebhafte Vorstellung dazu.
    Wenn man bedenkt, daß ein paar Milliarden Mikroben in und auf uns leben, und der größte Teil davon sogar gut für uns sind, dann finde relativieren sich die paar Bakterien eine anderen Menschen…..

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  4. OtaconHC schreibt:

    Ich verstehe bis heute nicht dass so viele Leute nicht ohne Koffein können.
    Abgesehen davon dass mir höchstens Eiskaffee schmeckt, hat Koffein in normalen Dosen bei mir irgendwie null Wirkung.

    Ob ich nun wochenlang gar keines zu mir nehme, oder dann 2 Dosen Energy oder sonst was.
    Ändert weder daran etwas wie müde ich bin noch ob ich schlafen kann

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