Fremdschämen für unsere Zunft

Bis auf die Missverständnisse mit den Kunden war es aber ein durchaus gemütlicher Samstag. Wir kamen zur Auslistung, ich habe diverse Retouren gemacht, ungewöhnliche 3 Rezepturen und eine WEPA Bestellung. Es war tatsächlich die erste Bestellung dort, seit ich damals die völlig überzogene Order von Sabine zurückgehen ließ. Das ist jetzt über ein Jahr her, und von den Packmitteln die sie damals bestellt hatte haben wir immernoch genug da… Ansonsten ist die neue Küche wirklich eine schöne Sache, besonders der große Kühlschrank, den wir dann gestern eingeweiht haben. Der Chef hatte alles für ein kleines Frühstück besorgt, mit ein paar frischen Brötchen vom Bäcker nebenan war das sehr nett. Aber in solchen Momenten vermisse ich meine Kolleginnen (ganz besonders Sandra) doch wirklich sehr! Da zu dem Zeitpunkt ausnahmsweise mal kein Kunde da war, schauten wir den Panorama Bericht über die neueste Praktik der AOK, ihren Versicherten quasi abgelaufene Krebsmedikamente verabreichen zu lassen. Sowas ist eine Schweinerei, und das kann man gar nicht laut genug sagen! Dass dabei ein Apotheker seinen Namen dafür hergibt ist ein Armutszeugnis für uns alle. Zum Fremdschämen!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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6 Antworten zu Fremdschämen für unsere Zunft

  1. stahldame schreibt:

    Liebes ptachen,
    im Artikel steht auch noch: „Die Apotheke verwies gegenüber der Onkologin auf eine alternative Stabilitätsstudie aus dem Ausland. Danach sei das Medikament wochenlang verwendbar.“
    Ist das wieder ein Fall, wo für Deutschland strengere Regeln gelten als für andere Länder?
    Und wie häufig sind überhaupt so kurze Haltbarkeiten für Medikamente? Rein praktisch müssen das doch Ausnahmefälle sein, oder?
    Liebe Grüße, stahldame

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    • Jerowski schreibt:

      Die kurze Haltbarkeit beruht darauf, dass das Medikament (vermutlich eine Infusionlösung) zubereitet und abgemischt wurde. Ein bisschen wie der Antibiotikasaft für Kinder, der als Pulver geliefert wird (ewig haltbar), nach dem Mischen aber nur noch kirz haltbar ist. Gerade bei Zytostatika wird da – „per Hand“ – auf ml/mg genau eingestellt. Und derart „angestochene“ oder zubereitete Lösungen sind immer ein hygienisches und Stabilitätsrisiko. Die Standards in der Pharmabranche, insbesondere für Infusionlösungen sind (zum Glück) sehr hoch und das ist bei der Mischung von Zytostatika in der Apotheke einfach nicht genau so gut hinzubekommen (mit irgendwie vertretbarem Aufwand). Im Krankenhaus werden zubereitete Infusionen nach mancher Lehrmeinung schon verworfen, wenn sie nur ne Stunde gestanden haben. Außerdem reagieren Zytostatika (wie andere Medikamente) teilweise auf Licht etc. (Gibt da sogar tolle Diskussionen, ob man Tabletten eigentlich überhaupt Tage/Wochenlang außerhalb ihrer Folie aufbwahren Darf (z.B. im Dosett). Und wenn man den Krebspatienten schon dieses „Gift“ in die Vene kippt, dann sollte es zumindest so Wirksam sein wie geplant und auch hygienisch unbedenklich!

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  2. ednong schreibt:

    Irgendwann haben wir uns dann alle ausgelöscht mit so etwas. Allerdings trifft es die (vermeintlich) Schuldigen dann wohl erst zum Schluß …

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