Wieder Post -OP – Teil 2

Ich lachte.

„Wenn sie wieder mal in der Gegend sind, kommen Sie mich doch mal in der Apotheke besuchen!‘

„Oh, sind sie Apothekerin?“

„Nein, PTA“

„Aha… meine Freunde die PTA…“

„Das klingt nicht wirklich positiv.“

„Nein, nein. Aber ich kann sie leider nicht in der Apotheke besuchen, dafür hatte ich eine zu große Auseinandersetzung mit ihrer Chefin beim letzten Mal. Ich wollte Cetirizin gegen meine Allergie, aber sie wollte mir irgendwas homöopathisches aufschwatzen. Sorry, aber das hilft doch nicht! Ich hab dann drauf bestanden und sie schüttelte den Kopf und sagte: „Wie kann man sich nur freiwillig so ein Gift reinpumpen!“ Nee, nee, da sehen sie mich nicht wieder!“

„Dann ist es ja gut, dass ich in der anderen Apotheke arbeite! Mein Chef ist nämlich ein Mann. Die Dame der Konkurrenz ist außerdem noch Heilpraktikerin, da kann ich mir das Verhalten gut vorstellen. Kommen Sie einfach das nächste Mal zu uns.“

Das ist doch mal schön zu hören, hihihi… Nach weiterem Geplänkel setzte die Kollegin die Nadel – ein Stich und alles saß. Ich bedankte mich bei ihr.

„Jaja, die Kollegin besitzt eine ausgeprägte taktile Intelligenz, da haben Sie Glück gehabt!“

„95% Trefferquote, heute sogar 100%“

„Das klingt aber sehr nach Eigenlob!“

„Muss auch mal sein!“

Viel mehr bekam ich nicht mit, hörte nur noch „Das Propofol brennt ein bisschen“ und war weg. Aufgewacht bin ich mit einem herrlich befreiten Gefühl – nach 6 Wochen Harndrang endlich Erleichterung! Der Katheter ist rauuuussss!!!! Ich wurde mit einem glückseligen Grinsen in die Aufwachstation gefahren, und dort von einem schwulen Pfleger mit einem herrlich affektierten und näselnden

„Oho! She’s smiling!“

empfangen. Mit 96/56 und 52 Puls bei 100% Sauerstoffsättigung durfte ich dann raus und muss sagen: ich hatte die niedrigsten Druckwerte und den höchsten Sauerstoffgehalt von allen 🙂

Mir ging es gleich prima, kein wackeln und kein umkippen wie beim letzten Mal. Schwester Rabiata moserte als ich sie rief weil ich aus dem Bett aufstehen wollte

„Chab ich so Hunger, ich muss in Pause gähen.“

„Ich hab auch den ganzen Tag nichts gegessen. Ich sollte doch beim ersten aufstehen jemanden rufen.

„Ja. Aber sie liegen den ganzen Tag. Ich arbeiten. Ich sähe- geht ihnen besser als mir.“

sprachs und verschwand. Soll mir recht sein. Ich ging herum, als hätte ich morgens nur etwas länger geschlafen. Als Schwester Rabiata nach dem Abendessen fragte, wer alles ein Eis will rief ich fröhlich 

„Oh ja, gerne!“

„SIE NICHT!“

und ging. Das erschien ihr dann aber ohne Erklärung doch etwas zu hart und so drehte sie sich nochmal halb zu mir rein

„Die anderen chaben Mandel raus, sie nicht.“

Na jaaaa… okay. Ich glaube trotzdem, dass mich meine Renitenz meinen Nachtisch gekostet hat. Egal – heute trübt nichts meine Stimmung, denn der DJ ist weg! Ist das nicht traumhaft? Später kam die Ärztin wieder rein, die mich morgens aufgegabelt hatte 

„Lassen Sie es mich so sagen: wir wissen immer noch nicht genau was da bei ihnen vor sich geht. Wir haben uns aber darauf geeinigt, dass der zweite Harnleiter einfach blind endet.“

Da haben Sie sich drauf geeinigt, ja?“

„Ja.“

Bon. Ist mir auch recht… 

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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3 Antworten zu Wieder Post -OP – Teil 2

  1. ednong schreibt:

    Naja, wenn der zweite Harnleiter das auch so sieht, ist ja alles gut. Ach ne, kann er ja nicht – er ist ja blind …
    😀

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  2. Molly L. schreibt:

    Schön, dass alles so gut gelaufen ist! 🙂
    Und: Statt Cetirizin *hochgelobtes, lebensretendes* Globuli???? Die hätten mich auch nie wieder gesehen!

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  3. Shark schreibt:

    @ Ednong: Der flog aber tief…! 😀

    Äh, wie kann man denn als Pharmazie-ist-Gift-Gläubige in einer Apotheke arbeiten? 😮 Man unterstützt doch quasi den Feind, selbst wenn man versucht, bei jeder Gelegenheit das Gift gegen Glaubulis auszutauschen.

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