Zukunftsaussichten in den Apotheken

Nach den Hiobsbotschaften der letzten Tage hadern immer mehr Apotheker und PTA mit ihrer Berufswahl. Viele unserer Kunden sind in dieser Woche zu uns gekommen um uns zu sagen „Haltet durch!“. Dabei offenbart sich für mich ein Widerspruch: in den Medien bekommt man den Eindruck vermittelt , die einzigen die sich selbst beweinen sind Angehörige des pharmazeutischen Personals, bei allen anderen überwiege die Erleichterung darüber, dass „endlich alte Zöpfe abgeschnitten“ werden, und die „gierigen Apotheker“ mal eins auf den Deckel bekommen. Man mag mich jetzt paranoisch nennen, und ich bin sicherlich keine „Lügenpresse“ Schreierin, nur… welchen Stellenwert hat die Apotheke in den Herzen der Menschen? Wieviel Vertrauen wird ihnen entgegen gebracht? Wenn man sich die „Trusted Brands“ Umfragen der letzten Jahre betrachtet, so ist das Vertrauen in die Apotheker sehr groß, größer noch als das Vertrauen in die Ärzteschaft wohlgemerkt. Wir stehen dabei auf gleicher Stufe wie Piloten, nur einen kleinen Hauch hinter Krankenschwestern. Und jetzt möchte man uns erzählen, dass sich der Großteil der Bevölkerung freut wenn uns der ausländische Versandandel platt macht wegen ein paar Euro Ersparnis? Ich kann und will das nicht glauben. Würden sich die Leute denn freuen wenn deutsche Krankenschwestern gefeuert, und dafür ausländische Kräfte eingestellt werden wenn die Patienten dann pro Krankenhausaufenthalt 12€ der Liegekosten zurück bekommen? Eher nicht. Man bekommt zunehmend den Eindruck, dass die Stimmung in die Richtung gelenkt werden soll, die der Politik gerade passt, denn das ist nicht die Rückmeldung die wir in den Apotheken bekommen. Da regen sich viele Kunden über das Urteil auf, bekunden ihre Solidarität, erzählen augenzwinkernd, dass sie beim letzten Einkauf im REWE Markt die Freiumschläge für DocMorris „dorthin befördert haben wo sie hingehören“. Selbst wenn das nichts ist zu dem wir aufrufen würden, es ist lieb dass die Kunden sich so sorgen. Sie haben die berechtigte Angst, dass Apotheken den gleichen Weg gehen werden wie die Tante Emma Läden früher. Was weg ist ist weg und kommt nicht mehr wieder. Das wollen die wenigsten – besonders im ländlichen Bereich, der ja sooo sehr profitieren soll vom neuen Gesetz. Die Richter schlugen ja vor, dass die deutschen Vor- Ort Apotheken auf dem Land ihr Alleinstellungsmerkmal nutzen, und einfach die Preise anheben sollen… 20€ für das Nasenspray im Notfall oder was? Das ist doch lächerlich! Damit würde uns der Rückhalt in der Bevölkerung wirklich verloren gehen. Also liebe Mitstreiter, lasst euch durch schlechte Presse nicht verrückt machen – der Großteil der Menschen steht hinter uns und vertraut uns. Machen wir was daraus!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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10 Antworten zu Zukunftsaussichten in den Apotheken

  1. ednong schreibt:

    Nun ja,
    die Bundestagswahlen stehen vor der Tür. Da muss man noch einiges aufhübschen …
    Machen Medien nicht generell Meinung? Also für sich selbst nutzen!

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  2. Judi schreibt:

    Vorab – ich gehöre zu den „bösen“ Menschen die die örtliche Apotheke fachlich nicht zwangsläufig besser finden als die Versandapotheke – beraten werden ich in beiden nicht, wenn ich nicht explizit nachfrage (in keiner Apotheke in der ich je war). Mit Werbung zugeschmissen werde ich ebenfalls in der niedergelassenen Apotheke genauso wie auf der Homepage der Versandapotheke. Einmal muss ich mich durch die aufgestellte Freiware + Werbeaufsteller schlängeln, einmal blinkt Werbung auf – auch da sehe ich also keinen Unterschied.
    ABER ich bin erstmal generell dafür, mein Geld im Ort zu lassen, egal ob in der Apotheke oder in der Buchhandlung oder oder oder. Und in der Apotheke kommt noch dazu, dass sie einfach mehr lesitet als der Versandhandel. Wenn ich aus ärztlicher Sicht etwas HEUTE brauche, dann bekomme das auch heute in einer Apotheke in meiner Nähe, 7 Tage in der Woche – das wird die Versandapotheke nie leisten können. Ebensowenig, wie der Versandhandel Menschen die es nötig haben die Sachen auf eigene Kosten nach Hause bringt. Nicht in den Briefkasten, nicht in die Poststation, nicht als Kärtchen in den Briefkasten mit dem man am nächsten Tag in die Filiale dackeln muss sondern tatsächlich bis zur Wohnungstür. Und weil ich all das sehr zu schätzen weiß gehe ich auch außerhalb der Notfälle in die örtliche Apotheke. Denn wenn man das nicht tut wird es diesen Service irgendwann nicht mehr geben (können), und das wäre gar nicht gut.
    Außerdem weiß ich, dass ich in der örtlichen Apotheke ziemlich sicher brauchbar beraten werde, wenn ich tatsächlich mal nachfrage. Beim ausländischen Versandhändler bin ich mir da nicht so sicher.

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  3. Dennis schreibt:

    Apotheken sind bereits tot. Sie wissen es nur noch nicht.

    Welche (echte) Aufgabe erfüllt die Apotheke, die sich nicht leicht und besser automatisieren lässt?

    Rezeptprüfung (auf Echtheit) hat sich erledigt, sowie es elektronische Rezepte gibt. Generell ist dies aber auch kein besonders komplexes Thema. Jeder Postbote macht mit sowas wie „Postident“ an der Hautür eine komplexere Prüfung.

    Bei der Prüfung von Neben- und Wechselwirkungen wird sich ja schon jetzt größtenteils auf den Computer verlassen.

    Und Beratung habe ich in der Apotheke schon länger nicht mehr erlebt (obwohl ich häufiger dort bin, da ich verschreibungspflichtige Medikamente bisher immer vor Ort geholt habe) und lässt sich auch einfach „auf Distanz“ anbieten. (Bzw. werden bei der „Beratung“ immer erstmal Schüssler-Salze, Globuli und anderes Unnützes, aber Margenstarkes, angeboten.)

    „Same Day Delivery“ bzw. Lieferung binnen einer Stunde bieten einschlägige Online-Händler in Ballungsräumen bereits für viele Produkte an. Dies auf Arzeimittel auszubauen (und die Fläche) ist leicht möglich – es nur eine Frage der Zeit, bis dies soweit ist. Und mit „Lieferzeit: eine Stunde“ wäre ein solcher Service schneller, als es oft in der lokalen Apotheke ist (Fahrzeit, Wartezeit, muss doch bestellt werden, sehr lange Fahrzeiten zur Notdienst-Apotheke usw.).

    Warum wird dies die Versandapotheke nie leisten können, wenn sogar Rückständige wie MediaMarkt mittlerweile binnen einer Stunde liefern können?

    Wozu genau braucht man lokale Apotheken? Sind die einzigen beiden Vorteile „man hat jemanden zum reden“ und „wir haben ein lokales Lager“?

    Ich wohne auf dem Land. 90% der Geschäfte im Ort (die keine Lebensmittel verkaufen) sind letztendlich Abzocke und/oder unnötig. (Und diese werden auch nicht mehr lange überleben.)

    Apotheken sind bereits tot. Sie wissen es nur noch nicht.

    Und das Spiel ist doch ganz einfach: Wenn die Apotheken wirklich wichtig sind und viele sie haben wollen, werden die mit Leichtigkeit überleben. Denn dann werden darüber ja weiterhin alle Medikamente bezogen. Wenn nicht – dann nicht. Viel Glück!

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    • Judi schreibt:

      Ich wohne auch auf dem Land. Hier liefert niemandetwas innerhalbe einer Stunde oder auch nur innerhalb eines Tages. Die Apotheke vor Ort schon. Der „Tante Emma“-Dorfladen auch. Sonst niemand (in den meisten Ecken nichtmal ein Pizzataxi).

      Die Geschäfte meiner nächsten Kleinstadt sind vielleicht etwas teurer als der Versandhandel (vielleicht – nicht sicher, denn oft ist es nicht so), tun aber auch mehr für ihr Geld. Das fängt beim Gespräch an, geht über die Beratung und dann ggf. auch Lieferung und hört beim Service im Fall von Reklamationen noch nicht auf.

      Zitat Dennis: „Wenn die Apotheken wirklich wichtig sind und viele sie haben wollen, werden die mit Leichtigkeit überleben. Denn dann werden darüber ja weiterhin alle Medikamente bezogen. “
      Diese Aussage stimmt nur solange wie der Kunde die freie Wahl hat. Sobald man der Krankenkasse aber das unbegrenzte Recht gibt den Händler vorzuschreiben hat der Kunde keinen Einfluss mehr darauf.
      Nur von frei verkäuflicher Ware kann keine Apotheke leben und das ist ja auch nicht ihr Zweck.

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      • Dennis schreibt:

        Zitat Judi: „Ich wohne auch auf dem Land. Hier liefert niemandetwas innerhalbe einer Stunde oder auch nur innerhalb eines Tages.“

        Noch nicht. Das ist aber nur eine Frage von wenigen Jahren. Mit einschlägigen Paketdiensten ist die Lieferung binnen eines Tages ja schon gar kein Problem mehr. Kurzfristiger kommt bald.

        Die Geschäfte in der Kleinstadt sind meist nicht nur teurer, sie verkaufen veraltete Produkte und haben ein kleineres Sortiment. (Aber Fachgeschäfte im Allgemeinen haben sich ja auch schon erledigt – weil kein Fachgeschäft das Wissen, den Service und die Lieferfähigkeit bieten kann, die man online bieten kann.) Reklamationen sind bei kleinen Geschäften die Hölle! Da wird selbst in der Gewährleistung lieber (kostenpflichtig) repariert, statt dem Kunden (gesetzlichen zustehend!) ein fehlerfreies Neugerät zu liefern.

        Ich verstehe nicht, weshalb beispielsweise Allergietabletten (Loratadin) in der Apotheke vor Ort oft 50%-100% teurer sind, als in der Versandapotheke (Lorano 50 Stück. Hier vor Ort: 13,69 Euro, Versandapotheke: 6,79 Euro). Viele Apotheken haben die Produkte günstiger Hersteller nicht auf Lager – oder verkaufen diese nur nach mehrfacher Nachfrage widerwillig (z.B. Hydrotalcit Ratiopharm statt Talcid, oder Arthrex statt Voltaren). Kein Wunder, dass einige/die Krankenkasse da überlegen, auch die anderen Medikamente durch diesen Weg günstiger zu machen.

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      • ednong schreibt:

        Also Dennis,
        Loratadin gibt es zwar schon für 6,98 – allerdings kommen da noch 3,89 an Porto hinzu. Dann sind wir bei 10,87 an Versandpreis für die Packung. Und bei anderen Versendern kostet die Packung fast 10 Euro plus Versand. Also nicht wirklich billiger, denke ich, als in der Vorort-Apotheke.

        Und wahrscheinlich hast du eine andere Definiton von „auf dem Lande“ als Judi oder ich sie haben. Ich habe hier in meiner Ecke auch zweierlei „auf dem Lande“. Die wirklich kleinen Dörfer, wo es nicht mal mehr eine Apotheke gibt oder einen Tante-Emma-Laden, also wirklich kleine Dörfchen, wo der Postbote einmal am Tag vorbeiguckt. Und der Bus – überspitzt gesagt – zweimal am Tag in die nächst größere „Stadt“ fährt (die Stadt ist eine große Gemeinde und hat als Kernort mal ca. 6000 Einwohner).

        In dieser „Stadt“ gibt es tatsächlich noch 3 oder 4 Apotheken – ganz einfach, weil es ringsrum nix gibt und in der NÄhe massenhaft Ärzte. Und da nimmt man sich die Arznei gleich in der Apo mit, wenn man vom Arzt kommt. Versandhandel innerhalb eines Tages? Auf dem Lande, wo es mit DSL max. 2000 kbit/s gibt? Funktioniert nicht. Auch externe Anbieter à la Saturn/Media Markt liefern nicht innerhalb 1 Stunde, weil das definitiv nicht Ballungsgebiet ist. Und bei denen ist Ballungsgebiet schon recht großzügig ausgelegt.

        Aber auch bei MM/S zahlst du mehr als im Versandhandel. WEil die nämlich einen großen Laden (und damit Lager) haben und du viele Produkte gleich mitnehmen kannst. Das wird auf die Preise aufgeschlagen, sonst würden die nicht lange existieren. Auch Amazon hat riesige Lager, die auch die Marktplatz-Chinesen nutzen dürfen (Zollvorteile inklusive). Aber auch dafür kassiert Amazon von den Verkäufern eine feste Gebühr plus Provision auf den Verkauf. Nur muß der Verkäufer nun kein eigenes Lager vorhalten, sondern profitiert von der Logistik eines großes Logistikers. Das senkt dann den Verkaufspreis wiederum.

        Aber kaufst du Dinge, die du nicht kennst? Ich vermute mal nicht. Also muß auch die Beschreibung irgendwie auf die Website kommen, Testergebnisse müssen irgendwo her. Und irgendwie zahlst du all das irgendwo mit. Nur vielleicht nur zu einem kleinen Teil im Kaufpreis, den Rest an anderer Stelle.

        Bei den Apotheken weißt du, wo du all das mitzahlst. Beim Kaufpreis. Darin enthalten ist das Lager, die Logistik und Ausstattung der Apotheke, der Lohn für die Mitarbeiter, die dich beraten (können) etc. pp. Und ich denke, die Beratung(smöglichkeit) sollte all das wert sein.

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      • Die Unsoziale schreibt:

        Lieber Dennis. Ich wünsche dir ehrlich und wahrhaftig eine schwere Lungenentzündung, mit einem multiressistenten Erreger. Dann kannst du mal sehen, wer besser liefert: die norwegische Versandtapotheke, die das seltene Mittel nicht vorrätig (da nie bestellt) hat oder die Apotheke um die Ecke, die das Mittel innerhalb weniger Stunden (von Morgens auf Mittags bzw. Mittags auf Abends) vom Großhändler besorgt und dir direkt vorbei bringt. Letzteres nebenbei völlig kostenfrei, sprich ohne Versandkosten, mit ein paar netten Worten, helfenden Hausmitteltipps und vielleicht noch das passende Goodie zur Krankheit.

        Nebenbei zum Thema Land, da schlage ich Ednong um Längen, wenn es um meine Eltern geht: Internetz nur bis 1,5MBit/s verfügbar, Lebensmittellieferanten (Pizza usw.) gibt es nicht, der nächste Elektronikfachmarkt ist über 50km weit weg – aber vier gut laufenden Apotheken im nächsten, größeren Dorf, die alle Dörfer ringsum versorgen und sich untereinander auch unterstützen („Mittel haben wir nicht da, aber warten Sie mal kurz, ich frag mal bei XYZ nach!“ – „Ja, die haben noch was und haben es für Sie zurück gelegt!“) obwohl sie unterschiedliche Besitzer haben. Nebenbei auch die EINZIGEN Läden, die bis ins Dorf meiner Eltern irgendwas liefern. Kostenfrei. Ohne Jammern. Und das, obwohl sie dann 40km (hin und zurück) überbrücken müssen. Ne Taxifahrt kostet dort nebenbei für die halbe Strecke 30€.

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  4. Kai Rode schreibt:

    Ich vermute hier wirst du unterschiedliche Meinungsschwerpunkte bei Großstädtlerun und Landbevölkerung finden. Wo der Dörfler froh ist, wenn die Dorfapotheke weiter existiert so dass jeder am selben Tag noch seine Medikamente zuverlässig bekommt, wird der Städter eher sagen: die Apotheken verdienen anscheinend so gut, dass sich im Umkreis von 100 Metern drei Apotheken halten können, wird Zeit dass da mal einer was gegen die Abzocke tut.

    Das ganze ist ein zweischneidiges Schwert. Kann „ein bisschen Kapitalismus“ funktionieren? Eigentlich ist die Marktwirtschaft auf frei verhandelbare Preise angewiesen, Bei festgesetzten Preisen reicht’s für die Apo „Anus Mundi“ gegebenenfalls trotzdem nicht während die gut gehende Apo in 1B-Lage sich dusselig verdient, weil sie eben nciht von der Apo 50 Meter weiter unterboten werden kann.

    Eins ist klar: zweierlei Regeln kann es nicht geben. Entweder wird die Preisfestsetzung in Deutschland fallen oder der Versandhandel wird komplett verboten. Letzteres wäre natürlich schlecht für die Patienten, die bereits keine Apotheke mehr in der Nähe haben…

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  5. ptachen schreibt:

    Hallo Dennis: falls du noch mitliest – ich habe auf Deinen Kommentar heute mit einem Blogartikel geantwortet 🙂

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  6. Pingback: Jahresrückblick und Ausblick  | apothekentheater

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