Neue Regelungen 2017 – Teil 2

Ebenfalls neu ist in diesem Jahr die aktualisierte Chemikalien Verbots Verordnung. Seit Ende Januar dürfen wir Apotheken den Jägern unter unseren Kunden beispielsweise keine Wasserstoffperoxidlösung mehr über 12% verkaufen. Wenn sie also zukünftig Geweihe oder Schädel bleichen wollen müssen sie sich vertrauensvoll an ihren e**y Händler halten, der da beim Verkauf der 30% igen Lösung schreibt:

 Ebay Kontrolle: Achtung! Dieses Produkt darf (!!) in der angebenen Menge und unter Erfüllung der geforderten Voraussetzungen mit der Deutschen Post verschickt werden! Bitte nicht löschen! 

Sie bieten auf 1 Liter 35% Wasserstoffperoxid (H2O2), technische Qualität, aus deutscher Herstellung. 

BITTE GENAU LESEN:

Wg. der EU Verordnung zum Verkauf von Ausgangsstoffen zur Sprengstoffherstellung ist hier eine Registrierung erforderlich.. 
Bitte senden Sie nach Kauf die Kopie Ihres Personalausweises sowie Ihre ausgefüllte EVE an uns zurück:

Endverbleibserklärung „EVE“

Hiermit erklärt der Käufer / Kunde, dass er folgende Chemikalie(n)

über den ***-shop – online-shop der *** GmbH

mit seiner Bestellung erworben hat:

Wasserstoffperoxid:         Menge in Liter:      

______

Der Käufer / Kunde bestätigt außerdem:

a) dass er über 18 Jahre alt ist,

b) dass er das Gefahrenpotential der Chemikalie(n) kennt,

c) dass er die ordnungsgemäße Handhabung der Chemikalie(n) beachtet,

d) dass er die bezogenen Stoffe nicht an andere Personen, insbesondere an Minderjährige abgeben wird,

e) dass er die oben erworbenen Artikel nicht zur Drogen – oder Sprengstoffherstellung verwenden wird.

Das gelieferte Produkt wird verwendet für (genauen Verwendungs-zweck eintragen):

Super Sache das, findet ihr nicht auch? So weit so gut. Was ist noch neu? Kaliumpermanganat, Kaliumnitrat, Natriumnitrat und Ammoniumnitrat dürfen bis Dezember 2018 abgegeben werden, insofern der Erwerber die oben erwähnte EVE ausfüllt und einen sinnvollen Grund für die benötigten Stoffe nennt. Kaliumpermanganat ist nämlich nicht nur bei der Verhinderung der Verpilzungen der Bewohner von Fischteichen nötig, sondern auch zur Herstellung von diversen Sprengstoffen. Das alles dürfen wir Apothekenangestellten abgeben, insofern wir alle 6 Jahre nach dem letzten Erwerb der Sachkunde auf diesem Gebiet eine neue Fortbildung zu dem Thema besuchen. (Gilt das eigentlich auch für die e**y Verkäufer…?). Bei den meisten von uns war das wohl der Erwerb der Berufsurkunde. Doch keine Sorge, da gilt eine Übergangsfrist bis Juni 2019 – wir dürfen also NOCH alle diese brisanten Chemikalien an die Endverbraucher aushändigen. In den nächsten 2 Jahren werden also die Fortbildungsveranstaltungen zum Thema „Erhalt der Sachkunde für weitere sechs Jahre“ boomen – oder die Zahl der Apotheken die Chemielehrer mit Material aushelfen können wird drastisch sinken. Hauptsache es wird nicht langweilig, ne?

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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6 Antworten zu Neue Regelungen 2017 – Teil 2

  1. OtaconHC schreibt:

    Kopie des Personalausweises?
    War da nicht mal etwas von wegen Kopierverbot?

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  2. christine schreibt:

    Der Personalausweis darf kopiert, aber nicht elektronisch verschickt oder gespeichert werden. Habe ich gerade beruflich recherchieren müssen. Aber diese Regelung ist ja wirklich toll…

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  3. ednong schreibt:

    Soweit ich weiß, ist ein Kopieren des (neuen) Personalausweises nur Banken etc. vorbehalten.

    Liebes PTAchen, macht doch auch einfach einen ebay-Shop auf. Dann könnt ihr das, was ihr offline nicht mehr verkaufen dürft, online verkloppen … 😉

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  4. bombjack schreibt:

    Mal auseinander dröseln:

    a) Zu „Übergangsfrist für vier Stoffe: Kaliumpermanganat, Kaliumnitrat, Ammoniumnitrat und Natriumnitrat“
    Diese sind in der Regulation (EU) 98/2013 im ANNEX II aufgeführt, wo neben der Identitätsfeststellung, EVE lediglich verdächtige Transaktionen gemeldet werden sollen.
    Aus der Sicht ist die Aussage „Danach gilt EU-Recht, das keine Abgabe an Endverbraucher vorsieht.“ schlicht falsch…wenn EU-Recht für die Abgabe gilt, dann dürfen diese Stoffe und die anderen in Annex II vgl. http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32013R0098&from=EN immer noch abgegeben werden…

    b) Anders liegt die Sache mit Annex I Substanzen….da gelten die EU-Vorgaben….

    Daher bitte nicht vorauseilenden Gehorsam an den Tag legen, es reichen schon die Auflagen von staatlicher Seite und die müssen nicht noch extra verschärft werden…

    Daher mal eine Frage an die Runde:

    Wie haltet es Ihr bzw. Eure Chefs mit der Abgabe von Chemikalien an Privatpersonen?

    Z.B. wenn jemand kommt und möchte Ammoniumeisen(III)citrat und Kaliumhexacyanoferrat(III) für Cyanotypie oder er Euch die Liste aus „Das knallt dem Frosch die Locken weg: Experimente für kleine und große Forscher“* https://www.amazon.de/Das-knallt-dem-Frosch-Locken/dp/3789184373 (siehe dort die Rezension von Chris am 21. Dezember 2016) vorlegt?

    Wie aus den Rezensionen ersichtlich, scheitert es oft an der Beschaffung der nötigen Chemie….und meiner Meinung nach sind oder sollten da Apotheken durchaus ein Anlaufpunkt sein…auch wenn da immer mehr eingeschränkt wird….

    aus https://apothekentheater.wordpress.com/2017/02/01/neue-regelungen-2017-teil-1/#comment-3879

    Bei Interesse auch die anderen Postings inklusive des dort verlinkten REACH-Artikels lesen…zeigt die Hintergründe auf….

    Btw. bin von dem Mist zum Teil betroffen, sei es das CMR-Stoff-Abgabeverbot, diverse SVHC-Stoffe (Gummidruck, alternative Photographische Verfahren (Edeldrucke)) und die Verordnung 98/2013….
    http://illumina-chemie.de/information-bez-verordnung-98-2013-oesterreich-t4216.html#63380

    bombjack

    *= Hier mal meine Rezension zu dem Buch:
    https://ivntforum.phoerauf.de/viewtopic.php?f=6&t=271

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  5. jene schreibt:

    Zitat eines Kollegen: „Als Chemielehrer steht man immer mit einem Bein im Unfallkrankenhaus und mit dem anderen im Knast.“

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  6. gedankenknick schreibt:

    Die aktuelle Umsetzung der verschiedenen, sich teils widersprechenden Gesetze bei Chemikalienabgabe ist einfach nur noch schwachsinnig.

    Die, die versuchen, gesetzestreu das ganze umzusetzen, werden kriminalisiert.

    Die, die sowieso kriminell handeln, a)sind diese Gesetze piepegal, und b) umgehen diejenigen sie sowieso.

    Was erreicht der Gesetzgeber? Für seine Bevölkerung wirds unsinnig, ohne dass ein (angestrebter) Sicherheitsgewinn (oder was auch immer) erreicht wird. Dafür werden ein Haufen Bürger kriminell, weil sie genau das machen wollen, was sie bisher legal auch immer gemacht haben: ein bisschen Haushalts-Chemie, Hobbies, Hausschlachtungen (da braucht man ein paar Gramm hochexplisives Kaliumnitrat zum Därme-ausspülen!) usw. Wenn mein Kopf nicht angewachsen wäre, würde er jeden Tag mehrfach durchs Schütteln abfallen…

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