Servicewüste

Eine Frau mittleren Alters betritt die riesige Cityapotheke. An der Hand hat sie ein Kind von etwa 3 Jahren. Sie stellt sich vor die langen Regale mit Kosmetika und scheint etwas Spezielles zu suchen. Offenbar findet sie es nicht, denn nachdem alles durchgesehen ist steht sie immer noch wie verloren herum. Das Kind an der Hand wird ungeduldig und beginnt zu quengeln und zu ziehen. In der Apotheke ist viel los, an den Kassen stehen überall Kunden, doch hin und wieder sieht die Frau eine PKA, die die Regale auffüllt. Sie geht zielstrebig auf die Angestellte zu

Entschuldigung… Können Sie mir vielleicht helfen?

„Das geht gerade nicht, ich muss noch ans Telefon. Warten Sie, ich hole ihnen eine Kollegin.“

Die Frau mit dem Kind wartet. Der kleine Junge ist gelangweilt, müde und will nur noch raus. Die Mutter bemüht sich, ihn zu beschäftigen bis eine PKA sich um sie kümmert. Es kommt aber niemand. Fünf Minuten später sieht sie die Angestellte die ans Telefon musste in der Sichtwahl etwas auffüllen. Sie winkt:

Hallo! Ich warte hier immer noch!

„Oh! Ich hatte Sie ganz vergessen. Was wollen Sie denn?“

Ich suche eine ganz spezielle Körpercreme für einen Mann. Es soll ein Geschenk sein – aber ich kann sie in den Regalen nicht finden.

„Sind Sie sicher dass wir die auch führen?“

Ja… Zumindest ihre Kollegin war sicher. Ich hatte extra angerufen und gefragt. Die Creme heißt xx von der Firma yy

„Ja, hab ich schon gehört. Haben Sie richtig gesucht?“

„Ich denke schon…“

„Moment…“

Die PKA schweift mit ihrem Blick lustlos über das Sortiment, während das Kind der Kundin an deren Mantel zerrt.

„Ich seh da nix.“

„Aber ich hatte extra angerufen. Vielleicht haben Sie es ja noch irgendwo im Lager hinten…?“

„Wenn hier nichts steht ist auch hinten nichts mehr. Vielleicht ist die Creme ja in einer Filiale von uns? Wir sind vier Apotheken im Verbund. Wer da noch wo was hat weiß keiner so genau. Das steht nicht im Computer.“

„Ach Mensch… Was mach ich denn jetzt? Ich brauche die Creme morgen. Ich hatte mich darauf verlassen dass ich sie hier finde nach dem Telefongespräch. Sind die Filialen denn weit weg?“

„Na… So 20km etwa weg. Aber in welcher es die jetzt gibt? Keine Ahnung.“

Die Frau blickt unglücklich auf ihr Kind herunter

„Mama… Ich will jetzt raus hier. Ich hab Hunger.“

„Ach Mist… Können Sie mir denn vielleicht eine andere Körpercreme empfehlen? Sie soll für einen älteren Herren sein der keine Parfumstoffe verträgt.“

„Puuh… Da bin ich echt überfragt. Gucken Sie sich am besten alles nochmal durch. Hinten auf der Schachtel steht ja drauf was drinnen ist.“

Die PKA lässt die Frau mit dem genervten Kind stehen, dreht sich um und verschwindet hinter den Kulissen. Kann sich hier keiner vorstellen von einer Apotheke? Ich auch nicht. Die Frau war ich gestern und die Apotheke das To*s * us. Die Körpercreme war das Spiel „Da ist der Wurm drin“ das ich als Geburtstagsgeschenk für einen Dreijährigen besorgen wollte. Servicewüste wohin man blickt… nur nicht in der Apotheke. Übrigens habe ich bewusst die PKA mit der Kosmetik als Beispiel bemüht und nicht eine PTA mit Arzneimitteln genommen. Sonst hätte ich vielleicht die Erklärung bekommen, dass die Verkäuferinnen nicht besonders viel verdienen und daher eventuell weniger bemüht sind als wir PTA. Das Argument zieht bei den kaufmännischen Angestellten einer Apotheke allerdings nicht, und ich habe noch niemals auch nur eine einzige erlebt, die derart wenig Interesse für ihr Sortiment oder die Kundschaft an den Tag legt!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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2 Antworten zu Servicewüste

  1. aponettesplauderei schreibt:

    Das musste ich jetzt echt zweimal lesen, um zu verstehen, was Du da erzählst. Aber dass so etwas in einer APOTHEKE passiert, konnte ich absolut nicht glauben.

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  2. ednong schreibt:

    Ich war ja schon gespannt auf die Auflösung, in welcher Apotheke das gewesen sein sollte 😉
    Ob das auch so in einer Apotheke passieren kann? Hm, also in einer sehr großen hier in der City halte ich das schon so ziemlich genau für möglich. In einer kleinen eher nicht.

    Service – okay. Zeigt, dass Dienstleistung hier in deiner Geschichte nicht ihr Ding ist. So etwas kann natürlich vielerlei Gründe haben: Krankheit von Kollegen und dadurch Mehrstreß, Druck vom Vorgesetzten, etc. Selbst wenn man helfen will, darf man dann nicht (selbst schon erlebt). Wenn man allerdings den Servicegedanken verinnerlicht hat, würden sich zumindest Bemühungen zeigen.

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