Halbwertszeiten

Heute war es morgens unheimlich „wuselig“ weil ständig irgendetwas Neues zu tun war. Zum Monatsbeginn kommen einfach alle Leute mit den Pflegehilfsmitteln und den Inkontinenzprodukten um ihren Monatsbedarf abzuholen. Und da sich in dem Bereich auch alle paar Wochen irgendwelche Änderungen ergeben ist der Einzige der da noch durchblickt der Chef. Sonja wollte heute zwischendurch etwas abrechnen und hat sich von ihm erklären lassen wie das inzwischen funktioniert, da sie die wenigsten Stunden bei uns arbeitet und außerdem im letzten Monat Urlaub hatte. „Kann ja nicht sein, dass ich da immer wieder fragen muss!“. Fünf Minuten und viele Erklärungen später saß sie mit glasigen Augen auf dem Stuhl „Ach… ich frag einfach das nächste Mal wieder. Das kann sich ja kein normaler Mensch merken! Da ändert sich ja dauernd alles!“. Jaja – die Halbwertszeiten der Krankenkassenverträge zu Hilfsmitteln sind auch nicht mehr das was sie mal waren! Es ist schon beinahe eine groteske Vorstellung, dass es dazu früher einmal einen papierenen „Weißen Ordner“ gab in dem alle Regeln standen, und der sich so selten veränderte dass es ausreichte, ihn zwei Mal im Jahr zu aktualisieren… Zu allem Überfluss kam heute ein BARMER Versicherter mit Teststreifen der seit dem 1. März „falschen“ Preisgruppe – dazu am Wochenende mehr. Ich flüchtete mich ins Labor bevor mir der Kopf rauchte, und später in die Rezeptur wo ein Rezept und eine alte Salbenkruke auf mich wartete. Die Kundin war bei ihrem Hausarzt und hatte das alte Gefäß zusätzlich mitgebracht

„Da steht ja drauf was drinnen ist. Ich will genau die Salbe wieder, das hab ich auch zum Herrn Doktor gesagt. Viel brauch ich ja nie, aber sie hilft wirklich gut.“

Es war eine der beliebten Erythromycin 2% in Linola Creme. Wenn sie mit Tween stabilisiert wird ist sie ca. 2 Monate haltbar, bis sich der Wirkstoff so weit zersetzt, dass er keine nennenswerte Wirkung mehr besitzt. Die Creme die mir die Dame gebracht hatte datierte aus dem Jahr 2014. Das war dann entweder eine Wundercreme, oder sie benötigt eigentlich gar keinen Wirkstoff – ranzige Linola erfüllt den Zweck genau so. Denn auch die Grundlage ist original verschlossen selten länger als ein Jahr haltbar. Das ist also ein Fall für den Placebo Effekt wenn die Haut von solch einer alten Mixtur besser wird. Man darf gespannt sein was passiert, wenn jetzt tatsächlich auch noch ein Wirkstoff zum Einsatz kommt der stabil ist! Mensch Meier… die Haltbarkeiten stehen da eigentlich nicht zum Scherz drauf.. 

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PTA mit Leib und Seele.
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