Schlimmer als das Beichtgeheimnis!

Ich weiß ja, dass gerade in einer Apotheke das Thema „Datenschutz“ über alles geht – verständlicherweise. Trotzdem war ich bisher immer der Ansicht, dass wir in gewissen Situationen mit der Polizei zusammenarbeiten dürfen. Wenn zum Beispiel ein Rezeptfälscher unterwegs ist, und in meiner Apotheke ein gefaketes BTM Rezept abgibt muss es doch eigentlich meine Pflicht sein, die Polizei darüber in Kenntnis zu setzen. Zumal ich davon ausgehen müsste, dass die Patientendaten ohnehin nicht stimmen. In solchen Fällen bittet die Polizei ja auch oft um Hilfe, warnt die Apotheken per Fax, dass Betrüger unterwegs sind und bietet an, dass Apothekenmitarbeiter die sich bei der Abgabe unsicher sind die 110 wählen sollen. Nun gab es in meinem PTA Forum auf einmal eine Diskussion über dieses Thema, da es in einer Apotheke offenbar mal wieder zu einem typischen versuchten Betrugsfall mit dem in diesen Fällen beliebten Tilidin gekommen war. Der Apothekenleiter informierte sich zu diesem Zweck bei der Kammer, die ihm riet, den versuchten Betrug nicht anzuzeigen, ansonsten können er sich selbst strafbar machen, da er datenschutzrechtliche Probleme bekommen würde. Er dürfe den Rezeptfälscher nur in dem Fall anzeigen, wenn er selbst fälschlicherweise ein Medikament abgegeben hätte, und nun befürchten müsse, dass es nicht bestimmungsgemäß angewandt wird. Somit eine gesundheitliche Gefahr für den „Gauner“ bestehe. Zu diesem Thema habe ich auch bei apotheke- adhoc etwas gefunden. Rezeptfälscher sind also praktisch gesehen ziemlich unangreifbar – gibt man ihnen das Medikament nicht mit, versuchen sie es einfach woanders nochmal. Dass das so richtig sein soll will irgendwie nicht in meinen Kopf. 

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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9 Antworten zu Schlimmer als das Beichtgeheimnis!

  1. gedankenknick schreibt:

    Die Welt ist ein Irrenhaus, Deutschland ist die Zentrale. Und die deutschen Apotheken-Arbeitenden sind in ihren Gummizellen „Apotheke“ vom Bürokratieschimmel eingeschlossen… Logik, Sinn, Verstand, Fachwisen, Menschlichkeit? Sucht man zwischen den gepolsterden Wänden vergeblich, man findet sie nur zwischen den Ohren der Apotheken-Arbeitenden. (Aber auch da werden solche Werte durch Gegen-Die-Gummiwand-Rennen-Lassen noch rausgeprügelt werden…)

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  2. -thh schreibt:

    Die Schweigepflicht (und § 203 Abs. 1 StGB) gibt es allerdings nicht erst seit gestern – und die Rechtsprechung (und Lehre) zu den Fällen des berechtigten Bruchs der Schweigepflicht ebenfalls nicht.

    Allerdings sollte es nicht überraschen, dass das Thema bei Apotheken noch weniger bekannt ist als bei Ärzten. 😉

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    • ptachen schreibt:

      Nein, solche Themen sind wirklich noch nicht im kollektiven Unterbewussten

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    • ptachen schreibt:

      …gelandet. Warum eigentlich nicht? Sollte häufiger etwas dazu publiziert werden finde ich! Ich hätte (naiv wie ich offenbar bin) die Polizei verständigt.

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      • aponettesplauderei schreibt:

        Das habe ich sogar schon, die haben sich gefreut und vier Mann hoch den Fälscher verhaftet. Da habe ich überhaupt nicht an Schweigepflicht gedacht! Was soll ich verschweigen? Eine mir klar erkennbare Straftat? Die persönlichen Daten auf dem Rezept waren nicht echt und es war eine klare Betrugsabsicht zu erkennen (es handelte sich nämlich um ein GKV Rezept, also Abrechnung zu Lasten der Allgemeinheit).
        Das ist ja, wie wenn ich sehe, jemand versucht einzubrechen und ich stehe noch Schmiere für ihn…..

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  3. Nanny Ogg schreibt:

    Schweigepflicht und Datenschutz sind auch für mich ein hohes Gut. Dennoch bin ich der Meinung, dass der beides nicht über dem Gesetz steht. Datenschutz für gefälschte Daten? Möchte ich bezweifeln. Die Auskunft würde ich mir – schriftlich – vom Datenschutz-Beauftragten der Stadt geben lassen, ich vermute, der ist qualifizierter als die Kammer.
    Schriftlich deshalb, weil ich dann nachweisen kann, wie die Antwort gelautet hat. Falls der Datenschutz-Beauftragte auch der Meinung ist, dass der Datenschutz auch für gefälschte Daten gilt, würde ich den Brief kopieren und an die Polizei weiterreichen. Dann sollen die das unter sich klären…

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  4. heutmalanonym schreibt:

    Gefälschtes Privat-Rezept: Ich kann Ihnen das gerne bestellen, bis x Uhr ist es da. Polizei anrufen, die kommen zur Abholung (hab mich sehr gewundert, dass die wirklich kommen) und lassen die Handschellen klicken.
    So durchexerziert. Und mir (damals) keine Gedanken über Datenschutz gemacht.
    Würde ich mir heute eher auch nicht.
    Urkundenfälschung ist eine Straftat, die ich nicht unterstützen möchte.
    Und ich sehe da – als Nichtjuristin – auch keine große Kollision mit dem Datenschutz, denn die Daten auf dem Rezept fließen eh in den Fälscher-Prozess bzw das juristische Prozedere um Fälschung/Missbrauch/evtl Weiterverkauf ein.
    Der Justiziar der Kammer sollte sich mal Gedanken um das höherwertige Rechtsgut machen…und das vielleicht noch mal überdenken.
    Wenn ich das noch richtig im Kopf habe aus dem praktikumsbegleitenden Unterricht sind wir bei Missbrauch dazu sogar verpflichtet, die Polizei einzuschalten.

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