Was war das für ein Tag? – Teil 1

Lea war dafür, dass wir uns die Vorkommnisse des heutigen Tages aufschreiben um eine „Hitliste“ zu erstellen. Er war jedenfalls definitiv zweigeteilt: vormittags seltsam, anstrengend, aufreibend und nachmittags lustig, entspannt und gemütlich. Wir beginnen mit dem frühen Morgen… es begann mit einer Frau, die mich aufgeregt anfunkelte

„Ist es jetzt endlich da? Sagen Sie mir nicht, dass es immer noch nicht da ist!!!“

Die Rede war von einem Arzneimittel der Firma H…L, das wir seit Mitte Januar auf unserer Defektliste stehen haben.

„Mein Mann braucht das jetzt! Es ist nichts mehr da, und er nimmt nichts von einer anderen Firma! Ich habe mich eben gerade mit ihm deswegen gestritten, aber er ist stur wie ein Esel. Bitte bitte… Sagen Sie dass es jetzt endlich da ist!“

Es war nicht da. Ich merkte deutlich wie es in der Dame zu brodeln begann, und dass sich das gleich über mich ergießen würde. Also rief ich zur Zornesumlenkung beim verantwortlichen Hersteller an. Die Aussage des Telefonisten dort brachte mich dann auch noch auf 180

„Wir befinden uns in einem kleinen Lieferengpass, ja. Grundsätzlich sind wir aber lieferfähig mit dem Produkt. Es wird kontingentiert ausgeliefert.“

„Sie werden entschuldigen, aber wenn ich jetzt seit zwei Monaten versuche bei Ihnen etwas zu bestellen und bekomme es nicht, dann sind Sie nicht lieferfähig!“

„Nein, wir sind offiziell lieferfähig.“

„Das behaupten Sie doch nur, damit sie ihre Rabattverträge mit den Krankenkassen nicht verlieren.“

„Dazu darf ich nichts sagen.“

“ Wenn Sie Kontingente haben, dann schicken Sie mir doch eine Packung davon!“

„Das geht nicht… Sie müssen für mindestens 500€ bestellen.“

„Das ist kein Problem, die bekommen wir zusammen.“

„Ääääh… ich kann da nicht in die Kontingente eingreifen… ich…“

„Ganz ehrlich? Wen wollen Sie damit eigentlich versch… veräppeln? Wir wissen doch beide dass es so ist wie ich sage. Wer soll das denn glauben? Ihre „Kontingente“ sind reine Augenwischerei.“

„…ja“

„Danke schön!“

Die Kundin die während des Telefonats gewartet und zugehört hatte, war während ich immer mehr in Zorn geriet einen Schritt zurück gegangen, bedankte sich aber dann für meinen „Einsatz“. Schade nur, dass der eigentlich umsonst war, denn in der Sache kamen wir nicht weiter. Frustrierend! Als nächstes war eine Kundin bei mir, die eine Rezeptur abholen wollte. Sie hatte das Privatrezept vor ein paar Tagen in den Briefkasten geworfen, verordnet war eine 30g Salbe – abzufüllen in – wörtlich – „zwei Dosen Tuben“. Ich hatte also die Salbe per Hand gerührt und in zwei Aluminiumtuben à 15g abgefüllt. Innerlich hatte ich noch geflucht, denn die Herstellung im automatischen Rührgerät wäre deutlich schneller gegangen. Sie kam also, holte ab und regte sich auf:

„Was ist das denn??? Ich hab doch extra drauf schreiben lassen dass zwei Dosentuben verwendet werden sollen!“

Die „Dosentuben“ waren ihr ganz persönliches Synonym für die Drehdosierkruken. Hätten wir jetzt aber wissen müssen, oder? War aber auch dumm von uns, ne? Innerlich bis zehn zählend ging ich in die Rezeptur, und quetschte breit grinsend den Inhalt in die Spenderdosen hinein. Gut dass mich hier niemand sieht

„Sag mal Ptachen, ist mit dir alles okay? Warum grinst du denn so?“

Bergen hatte mich „erwischt“, und so spielte ich beim Kaffee als es so stark regnete dass sich die Kunden nicht vor die Tür trauten meinen Birkenbihl Beitrag von gestern ab. Am begeistertsten war Birgit, die es vor Lachen beinahe vom Hocker warf. Inzwischen kam Lea völlig entgeistert nach hinten.

„Was ist denn mit den Leuten los???“

„Warum? Was ist passiert?“

„Naja – ein Mann kam rein und herrschte mich an, er wolle sofort sein Plakat wieder haben. Wir würden da ja immer etwas davor hängen, da nähme er das lieber wieder mit.“

Zum Verständnis: wir haben immer mal wieder Plakate von Veranstaltungen im Dorf in einem Halter am Schaufenster hängen. Vorne dran ist eben immer die Festivität die als nächstes stattfindet. Wir werten da nichts ab, es geht streng nach Datum.

„Ich fragte ihn, welches denn sein Plakat sei, da sagte er „Das rote mit dem gelben Rand“. Ich stieg ins Schaufenster, zog es aus dem Aufsteller und wollte gerade rückwärts rausklettern, da kommt der Kunde von hinten an und reißt mir das Plakat mit einem Ruck aus der Hand, dass ich fast aus dem Fenster falle!“

Was für ein Stinkstiefel! Aber das war noch nicht alles…

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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5 Antworten zu Was war das für ein Tag? – Teil 1

  1. nickel schreibt:

    Leute gibt’s…

    „in einem kleinen Lieferengpass“ und „Grundsätzlich sind wir aber lieferfähig“ na da wäre mir aber auch die Hutschnur geplatzt. Aber auch blöd, dass der Patient auf diese Firma besteht. Sture alte Männer ändert man aber auch nicht mehr.

    Und Quetschtuben finde ich ja hygienischer als Kruken, da muss man nicht mit dem Finger rein tatschen (wann hat man schon mal einen Spatel zu Hause?)

    Den Plakatmann hätte ich vermutlich dann aber auch gefragt, ob er noch alle Tassen…und so.

    Aber schön zu lesen, dass ihr alles dennoch mit Humor nehmen könnt. Sonst wird man aber auch bekloppt, nicht?

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    • aponettesplauderei schreibt:

      Die Drehdosierkruken sind eben das Beste aus zwei Welten, sie sind bei der Entnahme so hygienisch wie die Tube, weil man eben nicht mehr mit dem Finger rein muß, sondern durch drehen eines Rades das Tuben ausquetschen nachstellt. Aber für die Herstellung genial, weil alles direkt in der Kruke gemischt wird und ich nichts mehr umfüllen muß. Insofern kann ich PTAchens Frust nur allzu gut nachvollziehen.

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      • nickel schreibt:

        Oh, von den Kruken habe ich noch nichts gehört. Aber die letzte extra angerührte Salbe ist auch schon mindestens 12 Jahre her. ^^
        Dann kann ich den Frust natürlich verstehen.

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  2. ednong schreibt:

    Huh – wo isser hin?

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