Trau keiner Statistik…

…die du nicht selbst gefälscht hast sagte einst Winston Churchill. Und wie recht er damit hatte zeigt sich immer wieder. Beispiel gefällig? Dann komme ich mal wieder mit Vera Birkenbihl. Es gab Statistiken, wonach Westdeutschland eine signifikant höhere Säuglingssterblichkeit und ebenso mehr Verkehrstote hatte als Ostdeutschland. Nach der Wende „verschlechterte“ sich das Niveau im Osten dann deutlich. Woran lag das nun? Es lag an der Definition! Wann war man in Westdeutschland ein Säugling? Bis man ein Jahr alt war, und diese Menge wurde auch bei der Frage nach der Säuglingssterblichkeit angegeben. Und im Osten? Da war man per Definition nur 2 Wochen lang ein Säugling. Kein Wunder, dass der Osten da besser da stand, nicht wahr? Ähnlich lag es da bei den Verkehrstoten. Im Westen musste man innerhalb eines  Vierteljahres nach dem Unfall an den Folgen desselben sterben um als Verkehrstoter zu gelten, im Osten hatte man nur 72 Stunden Zeit. Wenn nun eine Zeitung veröffentlicht, dass die Säuglingssterblichkeit nach der Wende um 50% gestiegen sei, dann hinterfragt bitte erst einmal, was das für eine Zeitung ist, wessen Interessen hinter einer solchen Aussage stehen, und ob die Definitionen angegeben sind (findet sich übrigens im sehr interessanten Vortrag über Medien von Vera F. Birkenbihl). Bringt nun ein Sender eine Sendung die beweisen möchte, dass Online Apotheken nicht besser oder schlechter beraten als eine Präsenzapotheke vor Ort, und dies „beweisen“ möchte, indem sie verwackelte Bilder mit schlechter Tonqualität ausstrahlt – bitte Vorsicht. Es könnte sein, dass man versucht zu manipulieren und zu tricksen. In wie viele Apotheken sind sie gegangen, bis sie genügend schlechte Beispiele gefunden haben? Wieviele exzellente Beratungsgespräche werden nicht ausgestrahlt? Wir können es nicht wissen. Was wir wissen ist nur das was wir selbst erfahren. Habt ihr denn eine Stammapotheke liebe Leser? Berät man euch dort gut? Stellt sie Rezepturen her? Macht sie Nacht- und Notdienste? Kümmert sie sich darum wenn mal ein Rezept fehlerhaft ausgestellt ist oder ein Medikament ist nicht lieferbar? Bringt sie euch im Bedarfsfall die Medikamente gegen Schmerzen oder ein Antibiotikum innerhalb kurzer Zeit nach Hause? Wenn ja, dann solltet ihr solche Sendungen mit anderen Augen sehen, denn Medien berichten nicht uneigennützig über „Missstände“, sie lenken Volkes Meinung zu einem bestimmten Zweck. Und das am besten so reißerisch wie möglich, dass man nicht nach 5 Minuten weiterzappt. Und warum? Weil sie es können… und der Otto Normalverbraucher glaubt das auch noch.

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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4 Antworten zu Trau keiner Statistik…

  1. ApothekerinAD schreibt:

    Ich zweifle nach solchen Sendungen immer und frage mich, ob es wirklich so viele schlecht beratende Apotheken gibt. Ich kann es mir als Vollblutapothekerin einfach nicht vorstellen.
    Wobei ich auch zugeben muss, dass sich nicht jeder gut von mir beraten fühlt. Die warten dann einfach auf die Kollegin. 🙂

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  2. ednong schreibt:

    Nicht, weil sie es können. Weil sie es müssen – es zählt wie immer und überall die Quote. Nichts anderes! Manche Sendungen nennen ja die Anzahl besuchter Apotheken …

    Und Statistik-Manipulation? Jedes Mal vor den Bundestagswahlen. Immer und immer wieder mit den Arbeitslosen.

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    • aponettesplauderei schreibt:

      Es liegt viel an der Definition von arbeitslos. Je nach dem, wie ich sie gestalte, habe ich mehr oder weniger….
      Z.B. Jeder über 18 und unter 65, der keiner bezahlen Arbeit nachgeht ist arbeitslos: d.h. Alle Studenten, Hausfrauen/-männer, Selbstständige (?), Kranke, Behinderte etc. = irrsinnig hohe Arbeitslosigkeit
      Andere Definition: nur wer einmal bezahlte Arbeit hatte und jetzt keine mehr hat und sich beim Amt gemeldet hat zählt = sehr niedrige Zahl. Dieser Vortrag über Medien ist wirklich sehr sehenswert.

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  3. nickel schreibt:

    Ohja, in meinem Soziologiestudium habe ich auch sehr viele Kniffs und Tricks gelernt, wie man eine Statistik fälschen kann (der Zweck dabei war, dass wir geschönte, gefälschte und „liberal“ ausgelegte Statistiken erkennen und methodisch zerlegen können.)
    Da gibt’s nicht nur die Sache mit den Definitionen, auch werden gerne mal direkte Zusammenhänge erfunden, wo keine sind (oder nur bedingte Zusammenhänge über drei Ecken bestehen) oder Zahlen verglichen, die man methodisch korrekt niemals vergleichen würde. Und noch so vieles mehr.

    Ich freue mich sehr, dass du uns Frau Birkenbihl hier näher bringst. 🙂

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