Ungewöhnlich einsichtig 

Heute früh empfing mich eine ziemlich umfangreiche Rezeptur auf einem Privatrezept. Um diese herzustellen benötigten wir zunächst eine Stammlösung mit dem Wirkstoff X, die wir ebenfalls vorher anfertigen müssten. Vom Wirkstoff selbst kämen 0.05g in die Creme hinein, bestellt waren 5g zu 22€ – wir hatten ihn bisher noch nie gebraucht. Ich stand nun vor folgendem Problem: fertige ich die Creme umständlich an und kassiere den vollen Betrag für den Wirkstoff, dann ist der Kunde unzufrieden. Stelle ich die Rezeptur her, kassiere nur die 0.05g und werfe den Rest weg ist der Chef unzufrieden. Wir hatten über dieses Thema ja schon hier und da einmal geschrieben. Conclusio? Erstmal fragte ich den Kunden telefonisch, ob er bereit wäre 50€ für die Creme zu bezahlen. War er nicht – welch Wunder. Ich erklärte ihm die Problematik und er hatte immerhin Verständnis. Also machte ich eine Wirkstoffsuche in der Datenbank und fand ein Fertigarzneimittel mit exakt derselben Dosierung von Wirkstoff X wie in der Rezeptur. Dann rief ich die verschreibende Ärztin an und fragte in der Praxis nach, ob ich die Rezeptur durch das Fertigarzneimittel ersetzen darf. Zum Glück war sie sehr offen für meinen Vorschlag, bedankte sich sogar für meinen Hinweis, dass sie die genannte Creme nicht kannte. Auch der Kunde war sehr zufrieden, weil 15€ einfacher zu verkraften waren als 50€. Ungewöhnlich einsichtig heute alle miteinander… So darf das bleiben!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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4 Antworten zu Ungewöhnlich einsichtig 

  1. ednong schreibt:

    Hat denn die Ärztin keine Möglichkeit, so eine Datenbank zu nutzen?

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  2. stuttgarterapothekerin schreibt:

    ednong, das würde doch Geld kosten, wenn sie das Modul auch noch leasen/kaufen/mieten würde – die Apotheke macht das für umme!
    und sie muß kein Gehirnschmalz investieren…

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    • ednong schreibt:

      Ah ja, stimmt – ich vergaß, Deutschland verdummt immer mehr.

      Wird nur irgendwann ziemlich schwer, sich immer so – und dann noch kostenlos – gegen die Dummheit der anderen zu stemmen 😉

      Aber mal ernsthaft: klären Ärzte denn nicht ab, was sie da verschreiben?

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      • gedankenknick schreibt:

        Ich hatte mal 500g – ja, 1/2kg – „Mometason-Creme 1% in Basiscreme“ auf dem Rezept. Ich bin dann zum Arzt hingegangen, um ihn zu bitten, das auf 0,1% zu ändern, weil es sonst 10fach zu hoh dosiert wäre. Er sagte (Zitat) Das verordne ich nur fürs Krankenhaus weiter. Ich weiß nicht mal, was das ist. Fand ich mutig…

        Übrigens für das 1/2 kg Rezeptur (mit ca. 1h Arbeit) habe ich der Kasse ca. 60€ berechnet, der Patient hat 6€ zugezahlt.
        Das selbe wäre dann 5x100g Ecural Creme gewesen. Gesamtkassenkosten ca. 150€, Gesamtzuzahlung 25€.

        Verstehst Du jetzt, wie das läuft? Die Rezeptur ist die Billigheimervariante der Ärzte, denn Industriprodukte sind (fast) immer teurer – und das bei Massenproduktion. In dem Blogeintrag wäre das Industrieprodukt auch teurer gewesen, wenn der Arzneistoff nur anteilig berechnet worden wäre. [Der „ach so hohe Preis“ kam nur dadurch zustande, dass der Patient die 99% Arzneistoff-Verwurf mitbezahlen hätte sollen…] Apotheken haben das so (billig) zu machen – dies nennt sich dann „Gemeinwohlpflicht“…

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