Schlimmer als befürchtet

Die ABDA ist nun wirklich nicht bekannt dafür, die rosarote Brille aufzuhaben und Sachverhalte für die Apotheken schönrechnen zu wollen. Aber hier hat sie sogar noch zu wenig schwarzgemalt. Ende 2015 gab sie die Prognose heraus, dass es, wenn das Apothekensterben so weitergeht, Ende 2018 nur noch unter 20.000 Apotheken in Deutschland geben wird. Das Schaubild dazu sah so aus:

So weit so unschön- doch die Entwicklung hat die Prognose bereits überholt. Die Realität sieht nämlich so aus:

Ebenfalls schlimm finde ich die Entwicklung weg von der inhabergeführten Einzelapotheke hin zu Filialapothekenverbünden, in denen der Inhaber kaum mehr vorne im HV steht um die Kunden zu beraten, sondern im Büro sitzt und den Spagat versucht, zwischen der Arbeit als Heilberufler, und den betriebswirtschaftlichen Anforderungen die eine solche „Minikette“ an sie/*/ihn stellt. Urlaubspläne, Vereinbarungen mit Großhändlern, Einstellungsgespräche, Verhandlungen mit der Bank – da gerät der pharmazeutische Hintergrund irgendwann beinahe in Vergessenheit. Schade um das Studium, die vielen Fortbildungen usw. Inzwischen sind 1/4 der deutschen Apotheken keine Einzelapotheken mehr, damit gibt es eigentlich nur noch etwa 15600 Apothekenleiter. Traurig…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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6 Antworten zu Schlimmer als befürchtet

  1. ednong schreibt:

    Da wird auch in anderen Branchen so laufen. Momentan beklagen ja viele einen Negativrekord bei den Auszubildenen.

    Wie eigentlich immer: das Geschreie beginnt erst dann, wenn es die Leut selbst betrifft. Keine gute Entwicklung für Deutschland.

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  2. me schreibt:

    Ehrlich gesagt, ich kann nicht beurteilen, ob nun 20.000 oder 16.000 Apotheken viel, wenig oder alarmierend sind. Aber die Graphik oben, ist ein typisches Beispiel für verzerrendere Zahlendarstellung: Wirkt es nicht schlimm, wie in der ersten Graphik in dem dargestellten Zeitraum (wie sah es eigentlich davor aus?) die Zahl der Apotheken auf das untere Ende des Graphen zusteuert? Und in dem zweiten, da geht die Zahl sogar noch UNTER die Grenze des Graphen! Nur, dummerweise ist da nicht die Nullinie. Optisch (und genau für so eine Darstellung von Zahlen sind Graphen ja da) ist es vielmehr so, daß sich gaaaanz weit oben im Graphen ein paar Schwankungen ergeben. Ich habe hier mal die „fehlenden Teile“ bis zur Null-Linie eingebaut: http://imgur.com/a/tgIzO

    Wie gesagt, ich kann zu den Zahlen keine Stellung nehmen. Aber die Graphiken sind schlicht ein Armutszeugnis für eine lautere Zahlendarstellung.

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  3. aponettesplauderei schreibt:

    Ok, dann mal anders, denn klar, sind 20.000 Apotheken viel, normal, wenig, ist erstmal so nicht zu beantworten. In der EU gab es 2016 pro 100.000 Einwohner im Schnitt 31 Apotheken, d.h. eine Apotheke versorgte ca. 3300 Menschen. In Deutschland gab es auf 100.000 Einwohner 2016 knapp 25 Apotheken (Ende 2017 vermutlich 24,5), oder andersrum: in Deutschland versorgt eine Apotheke im Schnitt 4.000 Menschen. Wir liegen mit der Apothekendichte in EU-Vergleich an Rang 18 von 28. Das einzige EU Land das Einwohnerzahl, -dichte, etc. mit uns wirklich vergleichbar wäre und noch weniger Apotheken hat ist Großbritannien, Frankreich, Spanien haben alle mehr.
    Und eines ist sicher: die Zahl wird weiter sinken, denn in den nächsten fünf Jahren werden die damaligen Babyboomer in Rente gehen und nur wenige werden Nachfolger finden.

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    • ednong schreibt:

      Oh, in 5 Jahren fangen die schon an? Ich vermute, etwas länger wird es noch dauern. Dafür wird es dann umso rapider gehen – und die Industrie wird wieder ganz überrascht feststellen, dass ja ein absoluter Mangel (an was auch immer) herrschen wird. Eigentlich wie immer. Warum sollte man auch nur annähernd vorausplanen?

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      • aponettesplauderei schreibt:

        Afaik war der Babyboom in Deutschland so von 55-65. Also sind die heute von 62 bis 52 Jahre alt, und das bedeutet, dass die ersten in drei Jahren in Rente gehen. Wobei es mir auch auf die Inhaber ankam, von denen auch viele zu dieser Generation zählen, und die jetzt schon auf Suche (erfolglos zum Teil) nach Nachfolgern sind. Ich meinte bei den ABDA Zahlen gelesen zu haben, dass ein DRITTEL! der Inhaber sich dem Rentenalter nähert (über sechzig ist).

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      • nickel schreibt:

        Ich vermute, dass dann eben Richtlinien angepasst werden. Dass ein Apothekeninhaber eben nicht mehr studierter Apotheker sein muss, sondern ein „normaler“ Handelsmensch sein kann, der vielleicht BWL oder ähnliches studiert hat. Und dann nähern wir uns vielleicht dem amerikanischen Modell an, wo man in der Apotheke eben auch allerhand anderen Firlefanz bekommt. Danach ist der Schritt zum Medikament im Supermarkt auch nicht mehr weit.

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