Die schönen Seiten des Vorstadtlebens

Wir haben gerade Besuch von einem „Stadtkind“, der uns wieder mal die Augen öffnet, warum es schön ist hier „draußen“ zu leben. Zunächst war er sehr angetan von der Entfernung zum Bäcker, da das Brötchenholen innerhalb von 3 Minuten erledigt ist, und man keine 15 Minuten mit dem Fahrrad benötigt. 

Dann brauchte ich eine spezielle Sorte Batterien. Dazu suchte ich den kleinen Elektroladen um die Ecke auf und legte die gesuchte Ware dort auf den Verkaufstresen

„Die hier brauche ich… Haben Sie die vorrätig?“

„Zeigen Sie mal her Frau Ptachen. Hmmmm… Haben wir leider nicht da. Soll ich Ihnen eine Packung bestellen?“

„Ja danke! Das wäre sehr nett. Bis wann kann ich denn vorbeikommen und sie abholen?“

„Sagen wir mal übermorgen? Da sollten sie dann hier sein.“

Draußen meinte das kleine Stadtkind staunend

„Boah! Die haben das jetzt EXTRA für dich bestellt? Bei uns in der Stadt wären wir jetzt 20 Minuten zu Me**aMa**t gefahren. Und wenn die das dann nicht da haben, dann hätten wir einfach Pech gehabt. Die würden nicht extra was bestellen.“

Er fand es außerdem klasse, dass ich jeden zweiten auf der Straße kenne, und hier und da ein kleines Gespräch führen konnte. Auch beim Bäcker Nummer zwei (der hat besonders gute Kuchen), bei dem wir etwas für den Nachmittagskaffee kauften, unterhielt ich mich kurz mit der Verkäuferin, und meine Jungs bekamen je eine Brezel geschenkt. Einfach so. 

Später machten wir die ersten Fahrradfahrversuche mit meinem jüngsten – mitten auf der Straße. So viele Autos fahren hier ja nicht. Beim einschlafen vorhin sagte er

„Du hast es ECHT gut… Die Apotheke in der du arbeitest in Sichtweite zum Haus, Bäcker, Fleischer, Lebensmittelladen und Elektroladen alle kaum 5 Minuten weit weg, nette Kollegen, Freunde und Familie in der Nähe und viel Natur außenrum. Du bist bestimmt zufrieden mit deinem Leben, oder?“

Öhhm… Ja. Ja. Doch, tatsächlich bin ich im Moment ganz zufrieden mit meinem Leben. Danke schön, dass man es mir mal richtig bewusst macht, ich hatte schon länger nicht mehr darüber nachgedacht 🙂

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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5 Antworten zu Die schönen Seiten des Vorstadtlebens

  1. nickel schreibt:

    Genau deswegen LIEBE ich die Vorstadt.
    Die Innenstadt ist laut, nervig und dreckig, überfüllt (einkaufen in der Innenstadt ist meine persönliche Vorstellung von Hölle) und idR auch überteuert.
    Das Landleben ist mir dagegen zu ruhig und man braucht ein Auto (Nahverkehr ist oft ein Witz), weil im Dorf meistens nicht ausreichend Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind, der Arzt im nächsten Dorf ist oder die Poststelle 3 Orte weiter. Und der Arbeitsplatz erst.
    Die Vorstadt dagegen vereint mMn alle Vorteile der beiden Gebiete, man ist schnell auch entweder in der Natur oder in der Innenstadt und dann haben solche Gebiete meist noch ihre kleinen Eigenheiten, die ich schätze.

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  2. -thh schreibt:

    Ich schätze das kleine Fachgeschäft auch mehr als den großen Discounter – allerdings muss man sagen: die Wahrscheinlichkeit, das Gesuchte zu finden, ist im Discounter größer, und von heute auf übermorgen erhalte ich es ansonsten auch online geliefert, ohne nochmal das Geschäft aufsuchen zu müssen.

    Und ja: in der Kleinstadt (in der Nähe einer größeren oder Großstadt) oder der Vorstadt fühle ich mich auch am wohlsten.

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  3. Delilah schreibt:

    Daher liebe ich mein Dörfchen 🙂 Dazu hat es noch einen S-BAhn-Anschluss und man ist in 30 Minuten damit in der Innenstadt. Schneller geht es von vielen Stadtteilen der Großstadt auch nicht…und ich habe alle Geschäfte fußläufig und bin innerhalb von 5 Minuten in den Feldern zum Spazieren gehen.
    Dazu schön ruhig hier (außer wenn gerade ein Güterzug fährt und der Wind doof steht) und die Menschen sind viel entspannter.

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  4. Christin Großheim schreibt:

    Der Unterschied zwischen Stadt und Vorstadtleben ist teilweise echt enorm! Interessanter Beitrag!
    Liebe Grüße und noch einen schönen Abend,
    Christin von http://www.nochedeverano.com 💗

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  5. Kontrast schreibt:

    Tut mir leid, ich bin und bleibe Team Stadt (allerdings nur kleine Großstadt, ca. 300.000 EW). Was ihr so beschreibt klingt für mich tatsächlich eher gruselig. Ich liebe es, „anonym“ zu sein (so ein paar Leute kennt man ja doch auch) und finde die Vorstellung ganz ganz grässlich, alle paar Minuten Smalltalk machen zu müssen.
    Aaaaber ich will hier natürlich nichts schlecht machen, das ist gar nicht mein Punkt. Eigentlich will ich nur sagen: Schön, dass ihr euch wohlfühlt, wo ihr seid, und dass ich mich wohlfühle, wo ich bin. Die Geschmäcker sind da halt verschieden.

    Und was das Thema Zufriedenheit angeht: Ja, es ist gut, sich zwischendurch mal dessen bewusst zu werden, was alles gut ist. Das mag nicht alles sein, oder nicht mal das meiste. Aber selbst wenn’s wenig ist: Das Gute zählt. Man muss halt nur mal hingucken.

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