Im Wandel der Zeiten

Als mein Weg in einer Apotheke begann war ich zwanzig Jahre alt, und musste alles erfragen. In meiner Lehrapotheke stimmte vieles nicht – das Arbeitsklima, die Technik, das Verhältnis zum Chef, das Gefühl bei vielem ausgenutzt zu werden. Was aber wirklich gut war, das war die Kompetenz der Mitarbeiter. Die PKA war top, und hielt ihren Arbeitsplatz in Schuss. Die PTA war erfahren und hat mir sehr viel beigebracht. Die angestellte Apothekerin konnte ich auf fachlicher Ebene alles fragen, denn sie war exzellent aus- und fortgebildet. Als ich dort nach zwei harten Jahren wegging war ich psychisch zwar am Boden, hatte aber ein gutes Rüstzeug für später mitbekommen. Ich sprang ins kalte Wasser und wechselte in eine Mini Apotheke, in der die ersten zwei Jahre außer mir und dem Chef in Vollzeit nur noch eine weitere Apothekerin mit 12 Wochenstunden arbeitete. Ich musste vieles alleine schaffen: Ware, Rezeptur, Einkauf, Heimbelieferung, Schaufensterdeko, Kundenberatung – aber ich habe es glaube ich ganz gut hinbekommen.  Es hat auch dank der Kolleginnen und des Chefs viel Spaß gemacht, und ich habe in allen Bereichen gut dazugelernt und zusätzlich den Bereich QM übernommen. Nach über 10 Jahren habe ich (da die Apotheke geschlossen wurde weil mein Chef keinen Nachfolger fand) hierher gewechselt. Hier konzentriert sich meine Arbeit vorwiegend auf den Bereich Rezeptur, Labor und Warenwirtschaft. Für die Beratung sind deutlich mehr Kolleginnen da als früher, und auch der Chef ist aktiver als ich das bisher gewohnt war. QM mache ich auch immernoch, aber nicht mehr in der Intensität wie früher. Was in der letzten Zeit zunimmt ist der Bereich „Ausbildung“ im weitesten Sinne, denn hier arbeiten immer wieder einmal jüngere PTA mit mir zusammen, denen ich tatsächlich etwas beibringen darf. Das ist ein schönes Gefühl, und ein weiterer Schritt auf dem Weg zur erfahrenen PTA. Macht mich irgendwie erwachsener, ist aber noch ungewohnt… Vom Küken, zur jüngeren Fraktion, dann zunächst in ein Team in dem alle etwa gleich alt waren und das sich jetzt gerade verjüngt. Ich merke schon, dass ich mich insgesamt etwas verändere. Nicht mehr ganz so klamaukig bin wie noch vor ein- zwei Jahren. Irgendwann steht man wahrscheinlich zwangsläufig vor der Entscheidung, ob man seriöser wird, oder die verrückte Alte im Team. Okay… alt ist relativ, und bis dahin ist noch ein wenig Zeit, aber ich verändere mich ein wenig. Der Lauf der Zeit – Panta rhei…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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7 Antworten zu Im Wandel der Zeiten

  1. ednong schreibt:

    Du wirst erwachsen? Dann bald nicht mehr PTAchen, sondern die-PTA? Da geht sie hin, die schöne Zeit …

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  2. Judi schreibt:

    Ich arbeite bei „der Stadt“ und unser Oberbürgermeister ist jünger als ich. Nur ein Jahr, aber jünger. Irgendwie fand ich Bürgermeister immer alt, jetzt bin ich älter als der eigene Chef 0.0
    Okay, es ist ein für dieses Amt ziemlich junger Chef, aber das fühlt sich trotzdem komisch an 😎

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    • nickel schreibt:

      Ich bin in den meisten Fällen die älteste Studentin im Seminar und manchmal sind die Dozenten auch in etwa in meinem Alter.
      Alles ist relativ.

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      • Judi schreibt:

        Auch wieder wahr 🙂
        Ich hatte vor anderthalb Jahren eine schulische Umschulung angefangen, die ich leider aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musst (aber nicht altersbedingt *gg*). Zum Glück waren wir zumindest zwei „Omis“, dann kam eine, die 17 Jahre jünger war als wir, alle anderen waren weniger als halb so alt 😎

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