Neue Regelungen 2017 – Teil 3

Endlich ist es so weit. Nachdem wir nun lange genug darüber geschimpft haben, dass Rezepturen seit Jahren zu schlecht vergütet werden, gibt es ab Montag eine deutliche Preiserhöhung. 

Der Bundespräsident hat bereits unterschrieben, und am 12. Mai wird die neue Gebührenordnung verkündet, die zum Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz gehört. (Mit diesem Wort könnte man jedes Scrabblespiel gewinnen…). 

Nicht nur die Arbeitspreise erhöhen sich zum ersten Mal seit 2004 um je 1€ (die Vergütung für die Herstellung einer Rezeptur lag bisher je nach Art und Menge zwischen 2.50€ und 7,- €), sondern es kommt endlich auch der Fixbetrag von 8,35€ dazu, wie er auch für verschreibungspflichtige Fertigarzneimittel gilt. Hier eine Beispielrechnung der ABDA zum Vergleich. 

Das freut mich besonders, denn jetzt werden hoffentlich diese unsäglichen „Hydrocortison-in-irgendeiner-Grundlage- Cremes“ weniger werden. Versteht mich nicht falsch, ich habe grundsätzlich gar nichts gegen Rezepturen und halte sie für wichtig. Aber es heißt korrekterweise „Individualrezeptur“ aus folgendem Grund: gibt es für einen Patienten KEIN zugelassenes Fertigarzneimittel das die speziellen Bedürfnisse erfüllt die er hat, so stellen wir ihm gerne eine „individuell“ auf ihn zugeschnittene Rezeptur her. Verträgt er zum Beispiel irgendein Konservierungsmittel nicht, das sich in allen Fertigprodukten findet, so rühren wir ihm selbstverständlich den Wirkstoff in eine Grundlage ein, die ihm nicht schadet. Benötigt man eine Creme mit mehreren wirksamen Bestandteilen, die es in dieser Kombi nicht auf dem freien Markt gibt – die Apotheke machts! Geht es aber nur darum 2 oder 3€ zu sparen weil bisher Rezepturen billiger waren als Fertigarzneimittel – billig für die Kasse und teuer für die Apotheken – so sind diese Zeiten ab Montag nächster Woche vorbei. 

Bis sich das bei den betreffenden Ärzten herumgesprochen hat wird es vermutlich noch einige Wochen bis Monate dauern, aber bis dahin werden wir wenigstens besser dafür entlohnt. 

Ebenfalls angehoben wird (nach 30 (!) Jahren) der Bearbeitungspreis für dokumentationspflichtige Arzneimittel (T- Rezepte und BTM) von 0,26€ auf 2,91€. Auch schön, denn man hat erstens schon einen erhöhten Aufwand bei der Dokumentation, und zweitens verlangen einige Großhändler für die Dokumentation auch schon pauschal 1€ – die 0,26€ waren ja wirklich ein Witz. 

Jedenfalls sind diese Neuerungen ein kleines Pflaster auf der Wunde der Apotheker. Was ich nun eher unpassend finde ist, dass schon mit großen Zahlen um sich geworfen wird: 100 Millionen bekämen die Apotheker nun jährlich mehr Geld. Weiß man das denn jetzt schon so genau? Ich denke, dass die Anzahl der Rezepturen sinken wird (da jetzt unrentabel), und schon alleine dadurch diese Zahlen keinen Bestand haben werden. 

Außerdem – selbst wenn diese hohe Zahl erreicht wird – das sind pro Apotheke 400€ monatlich mehr. Ich schätze mal dass sich davon kein Apothekenleiter einen Porsche leisten kann… Was allerdings wieder durch die Presse gehen wird, das ist der „gierige Apotheker“, der die Krankenkassen schröpft – das ist mal sicher!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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8 Antworten zu Neue Regelungen 2017 – Teil 3

  1. ednong schreibt:

    Also wenn man den Porsche least und nicht fährt,könnten 400 € ggf reichen …

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  2. nickel schreibt:

    Ich freue mich wirklich für die Apotheken, denn jetzt wird es doch langsam auch fair für euch. Diese bisher gültigen Zahlen haben mich wirklich sehr erschreckt. Wer würde für das Geld sonst einen Finger krumm machen? Unfassbar!
    Und ob die Leute reden oder nicht, das solltet ihr euch nicht zu Herzen nehmen, denn ganz ehrlich: am Ende ist ausnahmslos _jeder_ froh, dass es die Apotheke um die Ecke gibt. ♥

    Gefällt 2 Personen

    • OtaconHC schreibt:

      Das Reden der Leute ist aber bedenklich.

      Diese Leute werden idioten…. äh ich meine Politikern, die gegen Apotheken wettern zustimmen. Diese eventuell sogar wählen.

      Alleine was momentan wieder los ist weil DocMorris den Automaten verboten gekriegt hat (der jetzt ja wieder läuft). Es wird von nicht wenigen die komplette Abschaffung der Apotheken gefordert.
      Man denkt Apotheker wären reich, und würden die Leute durch ihre Wucherpreise noch mehr ausnehmen.
      Man glaubt ein offener Markt wäre gut und man würde weniger Beiträge bei der Krankenkasse zahlen etc…

      Wie gut das funktioniert sehen wir ja an den USA….

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      • nickel schreibt:

        Ohje, da hast Du wohl leider recht. :/

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      • ednong schreibt:

        Tja,
        aber sind diese Leute, die die Idi*ten wählen, nicht selber welche? Ich meine, sie wissen es zwar nicht – aber es ist doch normal.

        Zu jeder Wahl wird der Sandsack rausgeholt und den Leuten erst mal Sand in die Augen gestreut. Oder wahlweise Honig ums Maul geschmiert. Das Probleme nur dann wirklich beseitigt sind, wenn man die Ursache beseitigt, scheinen viele immer recht schnell zu vergessen.

        Macht es privat, dann wird es besser, haben sie gesagt. Und dann machten sie die Bahn privat. Und die Bundespost. Und, und, und. Und ist es nun besser? Verlassen können wir uns einzig und allein darauf, dass es regelmäßig teurer wird. Immerhin.

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      • OtaconHC schreibt:

        Natürlich sind sie das.

        Aber vom Wählen abhalten kann man die leider auch nicht.
        Das klappt ja schon bei AfD und NPD Wählern nicht die davon zu überzeugen dass sie strunzdämlich sind.
        Wie soll das erst funktionieren bei Leuten die „normale“ Politiker wählen?

        Man hat ja auch gar kein Interesse daran zu wissen wie es in Apotheken nun aussieht, was deren Aufgaben sind etc…
        Das sind doch alles nur Porsche oder AMG fahrende Schubladenzieher.

        Wobei… auf Versandapotheken trifft diese Aussage ja durchaus zu.
        Da wird die Bestellung vom PC auf Komplikationen überprüft (aber auch nur wenn der Kunde das angeklickt hat), geht in die Logistik, die Picker suchen das Zeug aus den Regalen, die Packer verpacken es, und der $_Versandienstleister liefert einem das Paket aus.

        Nur bei Rezeptpflichtigen Mitteln wird da überhaupt eine PTA mal drüber schauen. In der Regel nur ob das Rezept korrekt ist (Retaxierung) und ob der PC vielleicht recht hatte.

        Massenabfertigung von Rezepten.

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