Große Erkenntnisse

„Das Erste“ hat gestern Abend eine auch für Nichtpharmazeuten spannende Dokumentation gesendet: 

Gefährliche Medikamente – gepanscht, gestreckt, gefälscht

Der Sender schreibt dazu:

„Gestützt auf vertrauliche Dokumente und Ermittlungsakten, auf Aussagen von Whistleblowern, Ermittlern und Experten  entsteht das Bild einer Branche, in der nicht wenige Unternehmen buchstäblich über Leichen gehen, um die Rendite zu steigern. Die Dokumentation verfolgt den Weg der Medikamente von der Herstellung zum Patienten und zeigt, wo gepanscht, gestreckt und gefälscht wird – immer öfter mit tödlichen Folgen. Denn es sind längst nicht nur Lifestyle-Präparate, die manipuliert werden, sondern auch lebenserhaltende Medikamente.“

Ganz ehrlich? Wen wundert es denn tatsächlich, dass

– Medikamente die in Drittweltländern produziert werden zu großen Anteilen nicht der Qualität entsprechen, die wir von Herstellern innerhalb Europas gewohnt sind?

– auf einem Markt, der international verzweigt ist wie kaum ein anderer schlussendlich niemand mehr genau weiß, wer was produziert hat?

– dass Menschen skrupellos sind und Geld machen wollen, auch auf Kosten der Gesundheit von anderen?

– dass die Pharmaindustrie nicht darüber reden will?

– dass die Qualität leidet, wenn die wichtigste Vorgabe wie das Produkt zu sein hat BILLIG ist?

Am Ende der Dokumentation wird versucht eine Lösung für die ganze verfahrene Situation zu finden : Der Vorschlag wird gemacht, dass die europäischen Staaten den Pharmamarkt subventionieren, damit wieder im eigenen Kontinent produziert werden kann. Weil die Qualität der Ware, die Hygiene und die Arbeitsbedingungen in Deutschland beispielsweise besser kontrolliert werden kann als in Bangladesch. 

Ach was… Hätte nicht jeder halbwegs vernünftige Mensch das bereits vorher wissen müssen? Muss erst das Kind in den Brunnen fallen – respektive müssen erst Krebspatienten sterben, bis man merkt dass es auf einem Markt auf dem so viel Geld umgesetzt wird auch Gangster gibt? Aber Hauptsache die Arzneimittelherstellung aus dem teuren Deutschland outsourcen, um ihn dann mit Subventionen wieder zurück zu holen. 

Und Teile der Politik sind gerade dabei genau diese Fehler zu wiederholen: die auf qualitativ hoher Ebene arbeitende einheimische Apotheke zu ersetzen durch eine ausländische Firma, die sich vor allem dem Geld der Investoren verpflichtet fühlt. Denn Geiz ist geil, und billich will ich. Unsere Gesundheit sollte uns mehr wert sein. Hoffen wir, dass so mancher es nicht erst am eigenen Leib erfahren muss…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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6 Antworten zu Große Erkenntnisse

  1. Pharmama schreibt:

    Kam in dem Beitrag auch das Beispiel von den Krebsmedikamenten? Da gab es doch diverse Fälle, wo stark vermutet wird, dass der Krebs nicht gebremst wurde, da die Medikamentenpackung eine Fälschung war. Leider sind die Tabletten inzwischen aufgebraucht und der Nachweis deshalb nicht mehr möglich – aber mit der neuen Packung ist die Wirkung wieder da. Trotzdem bedeutet das ziemlich sicher ein Verlust von mindestens einem Lebensjahr. Übel.

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  2. ednong schreibt:

    Och, ich glaube, das ist den entscheidenden Politikern schon klar
    Es interessiert sie halt nicht – ihre Gesundheit ist ja abgesichert.

    Dass diese Geldgier zu solcherlei Problemen führt, dürfte jedem denkenden Mensch klar sein. Wir bekommen uns schon noch selbst ausgelöscht …

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  3. gedankenknick schreibt:

    Ein Politiker, der etwas daran (im „positiven“) ändern will, riskiert leider, dadurch jede Chance auf einen Krankenkassen-Vorstands-Posten zu verlieren. Und das sind per Definition schon nicht so viele, denn es gibt ja „nur“ 130 gesetzliche Krankenkassen…

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  4. nickel schreibt:

    „Muss erst das Kind in den Brunnen fallen – respektive müssen erst Krebspatienten sterben, bis man merkt dass es auf einem Markt auf dem so viel Geld umgesetzt wird auch Gangster gibt?“

    Ja. Leider ja. Menschen denken nicht langfristig. Sie müssen DIREKTE Konsequenzen spüren, ansonsten sind sie sehr unbesorgt über ihr Tun. Das sieht man auch beim Wählen, oder eben im ganz privaten Leben. Unmittelbare Konsequenzen sollen positiv ausfallen, was in 10+ Jahren ist, interessiert erst dann.

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  5. Pingback: Augen auf! Arzneimittelfälschung | apothekentheater

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