Ich bleibe doch lieber in der Apotheke…

Am Wochenende traf ich mich mit einer alten Freundin, die einen Berufsweg eingeschlagen hat, mit dem ich auch einmal geliebäugelt hatte: sie ist Lehrerin.

Aktuell die Lehrerin von einer 8. Klasse einer Gesamtschule in einem üblen Bezirk der nächsten größeren Stadt. Was sie so alles erzählt hat von ihren Schützlingen – beziehungsweise deren Eltern – da bin ich doch froh, in einer Apotheke gelandet zu sein.

Bei einer Geschichte musste ich aber lachen: sie erzählte mir von einem Picknick mit ihren Chaoten, wo sie allen Ernstes gefragt wurde:

„Frau B. – warum machen wir eigentlich nur so Opferausflüge?“

Opferausflüge??? Was soll das denn sein?“

„Na… so picknicken gehen und so. Wir wollen auch mal ins Kino wie die 8c, oder auf den richtigen Ausflug mit Übernachtung!“

Meine Freundin überlegte, und irgendwie taten ihr die Rabauken leid. Sie versuchte einen Kompromiss zu schließen.

„Wenn ihr es schafft euch zu benehmen, dann gehe ich mit euch ins Kino. Aber davor wird geübt!“

Das sah so aus, dass ihre 8. Klasse im Schulhaus erst einmal geordnet und in Ruhe in ein anderes Zimmer gegangen ist. Es dürfte nicht geschrien werden, niemand geschlagen, an den Haaren gezogen oder sonstwie geärgert werden. Kein Handy, keine Musik, kein Haarekämmen (!) war gestattet. Das wurde insgesamt 3x wiederholt, bis es klappte.

Dann war ein Rundgang um das Schulhaus dran, bei dem auch erst einmal klar gemacht würde, dass eine E- Zigarette auch nicht zu den Dingen gehört die auf der Straße von Minderjährigen während des Unterrichts gedampft werden dürfen. Auch Kirschenklauen oder mit Steinen nach Vögeln werfen war verboten – es wird einem ja auch gar nichts erlaubt hier…

Inzwischen hat sie einen entnervenden Ausflug in den nächsten Supermarkt mit den Kindern hinter sich (eigentlich um sich mit den Nährwertangaben auf den Nahrungsmittelverpackungen auseinanderzusetzen), wo nun auch noch das klauen verboten wurde – Menno!

Ob und wann die Chaostruppe jemals in ein Kino geführt wird bleibt erst mal noch offen… In dem Sinne – chillt mal euer Gesicht und bis morgen!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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4 Antworten zu Ich bleibe doch lieber in der Apotheke…

  1. ednong schreibt:

    Tja, solche Chaoten-Klassen gab es auch früher schon. Allerdings sind die heut mindestens eine Potenz stärker. Mir wird dann immer ganz übel, wenn ich bedenke, dass die auch mal älter werden und bis dahin nicht besser werden …

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    • gedankenknick schreibt:

      Naja, die Kinder der ach so ruchlosen 68ger – mit freier Moral, freier Körperkultur, freiem Sex und antiautoritär erzogen – sind bevorzugt die Investment-Bänker von heute, im Anzug mit Schlips, die im Zweifelsfall ihre Elterngeneration nun um deren Ersparnisse bringen. So rächt sich einiges im Leben…

      …und wenn ich meinem Kind keinen Anstand und Respekt und keine Moral im Umgang mit meinem Mitmenschen beibiege, wird es mich später genau so behandeln. (Weil es ja nix anderes gelernt hat.)

      Insofern habe ich Hoffnung, dass die Rabauken von heute irgendwann auch „im realen Leben“ ankommen, und der Weg in eine normale Arbeit / Beziehung / Familie wird (hoffentlich) dann so einiges richten. 😉

      Ansonsten zitiere ich mal Sokartes (470-399v.Chr.): Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. Waren das vielleicht die selben Jugendlichen? 😛

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  2. Shark schreibt:

    Tja, wie sagte ein Kollege von mir: „Wenn früher ein Kind/Jugendlicher bei uns im Tante Emma Laden geklaut hätte, der hätte ein paar Hinter die Ohren bekommen von dem anderen Kunden, der das gemerkt hat, dann wäre der zum Ladenbesitzer gegangen, von dem der Dieb eine Standpauke bekommen hätte, und zu Hause hätte er noch mal ein paar Hinter die Ohren von den Eltern bekommen.

    Heute verklagen die Eltern den Laden, der ihren Liebling mit strategisch positionierter Quengelware zum Klauen quasi psychologisch gezwungen hat.

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