Zecken entfernen und andere strafbare Dinge

Nachdem das Thema wieder häufiger aufkommt wollte ich mich bezüglich der Zeckenentfernung auf den neuesten Stand bringen. Ich habe vor etwa zwei Jahren einer Kundin eine Zecke am Bein entfernt (ging mit einer Zeckenkarte ganz einfach), und mir nichts weiter dabei gedacht.

Vor einigen Tagen war nun ein Kunde bei uns, der ebenfalls von einem solchen Parasiten befallen war. Unser Chef verkaufte ihm eine Zeckenzange und fragte, ob jemand zuhause sei, der ihm das Tier wegmachen könne, da wir es rechtlich gesehen nicht machen dürfen. Oh Holla! Das war mir gar nicht bewusst!

Ähnliches las ich nun heute im PTA Forum, mit der Begründung wir dürften doch auch keine Ohrlöcher stechen. Das hätte ein Gericht so entschieden. Außerdem hatte eine PTA geschrieben, dass sie nicht mal ein Pflaster kleben würde. Das will ich jetzt doch mal recherchieren…

Denn offenbar habe ich mich dann schon so einige Male nicht gesetzeskonform verhalten. Ich gestehe, dass ich schon zwei Zecken entfernt, mehrfach auch Verbandwechsel durchgeführt und unzählige Pflaster geklebt habe. Auf Verbrennungen, Blasen an den Füßen, Schnittwunden etc. Auch habe ich alles vorher desinfiziert und vorsichtig gesäubert (natürlich mit Handschuhen).

Ich muss sagen – im Netz habe ich nicht viel dazu gefunden. Die Ohrlochstecherei würde auch nur deshalb verboten weil Ohrringe und Ohrlöcher nicht zum apothekenüblichen Sortiment gehören.

Kann mir hier jemand zu dem Thema etwas sagen? Ist schon mal ein Apotheker verklagt worden – vielleicht weil der Zeckenkopf drin geblieben ist? Das würde mich sehr interessieren, da ich weder gerne straffällig werde, noch unseren Kunden die „Erste Hilfe im Kleinen“ verweigern möchte…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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10 Antworten zu Zecken entfernen und andere strafbare Dinge

  1. aponettesplauderei schreibt:

    Afaik hat Gedankenknick hierzu einmal etwas geschrieben, 2014 wie ich eben gesehen habe. Da ging es um den Apotheker, der einen Epipen verweigerte.
    Es hat was mit dem Ausüben einer ärztlichen Tätigkeit zu tun und das dürfen wir ja nicht, weil nicht dafür ausgebildet. Sobald ich aber die Apotheke verlasse bin ich wieder Privatperson und dann gelten andere Regeln.
    Aber ich werde trotzdem weiter in der Apotheke ein Pflaster aufkleben. Zecken entfernen nur unter der Bedingung, dass der Patient später noch mal zum Arzt geht um das endgültige OK zu bekommen.

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    • -thh schreibt:

      „Es hat was mit dem Ausüben einer ärztlichen Tätigkeit zu tun und das dürfen wir ja nicht, weil nicht dafür ausgebildet.“

      An der Ausbildung hängt das nicht, sondern an der Approbation – die Ausübung der Heilkunde ist nur dem Arzt (und dem Heilpraktiker) erlaubt, § 1 Abs. 1 HeilPrG – das gilt jedenfalls für die gewerbs- und berufsmäßige Ausübung, d.h. außerhalb der (nicht-organisierten) Ersten Hilfe. (Auch dann, wenn bspw. Rettungsdienstpersonal durchaus für solche Maßnahmen ausgebildet ist und sie beherrscht.) Eine „Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen“ ist jedoch nur dann Heilkunde, wenn sie ärztliche Fachkenntnisse voraussetzt und (bei generalisierender und typisierender Betrachtung) die Gefahr gesundheitlicher Schädigungen birgt.

      Demnach ist das „Pflasterkleben“ und in der Regel auch ein Verbandwechsel rechtlich unproblematisch. Über die Desinfektion kann man einen Moment nachdenken (je nach Desinfektionsmittel und ggf. Allergierisken), aber ich würde sie eher nicht den rein ärztlichen Maßnahmen zuordnen. Auch hinsichtlich der Entfernung einer Zecke hätte ich keine übermäßigen Bedenken.

      Das Ohrlochstechen ist im Übrigen schon – ermangels kurativer Zwecke – keine Heilkunde und erfolgt auch sonst ja nicht zwingend beim Arzt, ebenso wenig wie Piercing.

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      • ptachen schreibt:

        Lieben Dank für den Kommentar! Es leuchtete mir nämlich einfach nicht ein, warum ich keine Erste Hilfe leisten darf, wie jeder andere auch. Ich verlange ja kein Geld dafür!

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  2. Matthias schreibt:

    Unser großer hatte kürzlich einen Zeckenbiss, den wir zufällig beim Abholen in der Kita entdeckten. Die Erzieherin hat aus genau demselben Gründen die Zecke nicht raus gemacht. Sie hat aber meiner Frau über die Schulter geschaut, so dass die Dank Anleitung die Zecke entfernen konnte. Ich hoffe, das ist rechtlich sauber, wir waren jedenfalls sehr dankbar.
    Aus Sorge sind wir trotzdem noch zum Arzt, der uns nach der Untersuchung („hier, wo man nichts sieht?“) erzählte, worauf wir die nächsten Wochen achten sollten.

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  3. Delilah schreibt:

    In meinem letzten Erste Hilfe Kurs habe ich gelernt, dass Zecken entfernen jetzt auch unter Erste Hilfe fällt…und auch als Apotheker dürfen wir alles ausüben, was in diese Kategorie fällt. Also Pflaster kleben, desinfizieren, Zecken ziehen.

    Epipen dagegen fällt unter „Medikament verabreichen“, das ist Ärzten vorbehalten. Wir dürfen maximal Medikamente anreichen.

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  4. gedankenknick schreibt:

    Einerseits muss man unterscheiden zwischen „beruflich“ und „privat“.
    Andererseits muss man unterscheiden zwischen „Erste Hilfe“ (Zwang) und „Behandlung“ (Verbot).
    Als drittes muss man feststellen: „Wo kein Kläger, da kein Richter.“ Und man muss sich übelegen, dass aus jedem Nicht-Kläger ratzfatz ein Kläger werden kann. Umgekehrt ist schwieriger.

    Schon bei der Zecke ist die Frage, ob ein Arzt zu erreichen ist oder nicht. Wie da ein Richter entscheiden würde steht in den Sternen, denn eine Notaufnahme ist ja JEDERZEIT in Deutschland erreichbar. Und wo die Grenze der Verhältnismäßigkeit liegt, entscheidet ganz allein der Richter im Verfahren.

    Auch beim Verband“wechsel“ hat man das selbe Problem. Neues Pflaster auf neue Wunde – erste Hilfe. Alten Verband ab und neuen dran…. äh ja. Und alten Verband ab und man sieht *ibäh*…. tja!? Letzten Fall hatte ich erst neulich. Freitags morgens schwere Fleischverwundung einer älteren Dame – selbst“versorgt“. Feitags nachmittags steht sie in der Apotheke zwecks Verbandswechsel. Nach längeren Überredungsversuchen (mit versicherter Schuldbefreiung für mich – die KEINEN Staatsanwalt interesieren dürfte) habe ich ihr dann geholfen. Die Verwundung war …. behandlungsbedürftig, und zwar dringend. Ich habe mehrfach ans Herz gelegt, DRINGEND einen Arzt draufschauen zu lassen, um schlimmeres zu verhindern. Sie versprach mir dann hoch und heilig, gleich Montag zum Arzt zu gehen. Oder zumindest Dienstag. Auf jeden Fall vor Freitag. Oder auch nicht, wenns bis Freitag nicht schlimmer werde… Habe ich mich gleich VIEL besser gefühlt dabei…

    Und das ist genau DER Grund, warum ich da so zurückhaltend bin. Wenn man MEHR als Erst-Hilft, dann glauben die Patienten, es sei ja alles soweit in Ordnung, und verschieben wichtige Behandlungen nach hinten. Und wenn es dann zu spät ist und irgend was im Argen liegt, heißt es, in der Apotheke hat man ALLES FALSCH gemacht und sich anschließend GAR NICHT GEKÜMMERT… Das hatte ich schon (in anderen Zusammenhängen) – und das brauche ich nicht wieder!

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  5. gedankenknick schreibt:

    Letzthin ist die Deutsche Rechtssprechung im Gesundheitssektor für mich so vorhersagbar wie das Weihnachtswetter von 2035. Und analog zu dem Fall mit dem Hofhund, der den Einrecher beißt, welcher ungefragt ein abgeschlossenes und mit Warnschieldern ausgestattetes Grundstück betritt, und dessen Halter anschließend zu Schmerzensgeld verdonnert wird, kann ich über vieles nur noch den Kopf schütteln,. Und ich kann nur sagen: Vieles, was man „MEHR“ macht, macht man auf eigenes Risiko!

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  6. landapotheker schreibt:

    Herr oder Frau Gedankenknick haben die gesamte Problematik sehr gut auf den Punkt gebracht. Insbesondere was die deutsche Rechtssprechung (nicht nur das deutsche Recht) angeht…

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