Polen reguliert wieder 

Der Apothekenmarkt in Polen war bis vor kurzem das, was nach dem Willen so mancher Politiker unserer noch werden soll: dereguliert. Klingt immer alles so schön frei, ne?

Jetzt wird damit begonnen, all diese tollen Neuerungen wieder zurückzufahren, weil es eben doch keine so gute Idee war. Zunächst wurde die Lieferung von Arzneimitteln an Packstationen verboten um zu verhindern, dass thermolabile Medikamente im Sommer dort ihre Wirkung verlieren wenn sie in der Hitze vor sich hinbraten. Jetzt ist das Fremdbesitzverbot gefallen, und eine Apotheke darf nur noch wie hierzulande von einem echten Apotheker betrieben werden, der für alles Gute und Schlechte was in seiner Apotheke passiert den Kopf hinhält. Es gibt eine Klausel, nachdem wie bei uns nicht mehr als drei Filialen geführt werden dürfen.

Sogar die Niederlassungsfreiheit hat ein Ende um Konkurrenzkämpfen einen Riegel vorzuschieben. Eine Apotheke muss mindestens 1000 Kunden bedienen und 500m Abstand zur nächsten einhalten. Das ist ein Land, was erst bitter lernen musste was passiert, wenn man die Zügel aus der Hand gibt und den (ausländischen) Ketten den Markt überlässt. 

Ich hoffe wir können daraus etwas lernen und müssen nicht die gleichen Fehler wiederholen.

Wer weiß, vielleicht werden jetzt auch bald wieder PTA in Polen ausgebildet? Ich drücke jedenfalls die Daumen!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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8 Antworten zu Polen reguliert wieder 

  1. Niemand schreibt:

    Die Apotheke um die Ecke hat einen schönen Spruch (sinngemäß, Namen sicherlich verfälscht): „Ralf ist ein guter Postbote, aber kein guter Apotheker“
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  2. gedankenknick schreibt:

    Wenn in D die Ketten erst mal gesetzlich durchgesetzt sind, wird die anschließend NIE WIEDER jemand abschaffen können (außer nach einer Revolution). Warum? Einklagen von entgangenen Gewinnen und Enteignungsvorwurfe…

    Dass die deutschen Apotheken schon seit Jahren hinweg „enteignet“ werden – durch die Hintertür z.B. über Rabatt“weiterleitungen“ an die kranken Kassen, eigentlich verfassungswidrigen Null-Retaxationen usw usw. – spielt dabei keine Trompete und auch keine Posaune.

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  3. Judi schreibt:

    Ich verfolge das Versandthema immer mit Interesse, aber mit viel zu wenig Hintergrundwissen *schäm*.
    Da es bzgl. „böser“ Versand ja hier vornehmlich um Doc M geht würde mich interessieren, ob die Holländer Vorteile im Vergleich zu den Deutschen Versandapotheken haben (also aus Sicht der Firma, nicht aus Kunden/Apothekersicht). Denn es gibt ja inzwischen diverse Verandapotheken, die in D ansässig sind – sind die „weniger gefährlich“ für die Apotheken?

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    • Judi schreibt:

      Sorry, das sollte eigentlich unter den Beitrag vom 23.6.

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    • gedankenknick schreibt:

      Ohne ihren ganzen Vorteile wären die noch viel pleiter, als sie es dertzeit mit ihren roten Zahlen jedes Jahr sind.
      – Kein teur zu bewerkstelligender Notdienst
      – Keine teuer zu bewerkstelligenden Rezepturen (angeblich machen sie ja alle Jahr eine)
      – Keine Belieferungszwang (Kontrahierungszwang) – wenn denen was nicht passt, schicken sie das Rezept zurück (oder es war auf dem Postweg verlohren gegangen und nie angekommen…)
      – Einkaufsrabatte auf Rx-Arzneimittel, die deutschen Apotheken per Gesetz verboten wurden vor vielen Jahren
      – Keine juristische Verfolgung von Straftaten (bzw. Vollstreckung von Urteilen) möglich, da hinter der Grenze und damit für den deutschen Statat nicht erreichbar. So hat MocDorris schon ca. 250.000€ Strafe „ausgesessen“ und ca. 1.000.000€ Strafe „verfällt“ demnächst
      – Bestechung… äh Verzeihung.. natürlich „Einladung von Politikern zu Essengesprächen“ gegen viel Geld für die Politikerpartei fällt nicht unter das „Anti-Korruptions-Gesetz“
      – Rechnungen über OTC an Privatpersonen werden vermutlich zu 6% MwSt (niederländisch) und nicht zu 19%MwSt. (deutsch) abgerechnet
      – Auslagerung von Lagerhaltungsjobs an Geringverdiener
      – Auslagerung von „Beratung“ an Call-Center mit knapper Besetzung
      – Auslagerung von Lagerfläche auf mietpreisgünstige Gewerbegebietsräume
      – Einsammlung von Risikokapital im Fremdbesitz
      etc.
      Ist alles den Kassen und der Politik bekannt, denn die deutschen Apotheker wiederholen das gebetsmühlenartig alles seit Jahren (bzw. seit einem Jahrzehnt).

      Soll ich weiter machen? 😉

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  4. Judi schreibt:

    Musst du nicht 😉
    Einiges wird sicher bei deutschen Versandapotheken ähnlich sein, einiges aber tatsächlich nicht.
    Was im Vergleich zur Ortsapotheke anders ist hatte ich schon verstanden, daher war meine Frage explizit auf Auslandsversand gegen deutschen Versand ausgerichtet. Eben weil ich auch dem deutschen Versand (aus Sicht der Ortsapotheken betrachtet) nicht unkritisch gegenüberstehe, daher hat mich interessiert, warum in erster Linie Doc M in der (ganz sicher berechtigten) Kritik steht, die anderen aber nicht. Zumindest nicht so häufig. Dafür ist deine Erklärung hilfreich, vielen Dank 😉

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    • Boreal schreibt:

      Hinter einer deutschen Versandapotheke steckt zwangsläufig immer eine deutsche Vor Ort Apotheke mit gleichen Pflichten, ausserdem muss sich die deutsche Versandapotheke auch an die deutschen Gesetze halten, wie zB die Arzneimittelpreisverordnung und darf keine Rabatte auf gesetzliche Zuzahlungen erheben. Insofern sind die deutschen Versandapotheken gegenüber den ausländischen Versandapotheken benachteiligt.

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    • gedankenkarrussel schreibt:

      Soweit ich weiß, ist jede deutsche Versandapotheke auch eine Vor-Ort-Apotheke – also eigentlich ist es eine ganz normale Apotheke (mit den entsprechenden Regeln, Gesetzen und auch Pflichten wie Rezepturen, Notdienst etc.), die aber zusätzlich noch den Versandhandel betreibt.
      Vermutlich hat sie durchaus Vorteile durch größere Einkaufsmengen usw., aber zumindest kann sie nicht einfach die deutschen Gesetze umgehen.

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