Testkäufer

Immer wieder mal ein Thema in Apotheken: die Testkäufer. Es gibt sie von der Apothekerkammer aus oder für Apothekenkooperationen (z.B. LINDA). Da geht es vor allem um Qualitätssicherung in der Beratung. Die Prüfer sind (zumindest die von der Kammer) Apotheker, die Fragen sind meist „Standard“ und die Auswertung der Beratungssituation erfolgt direkt nach dem Gespräch.

Ich hatte schon zwei solche „Mystery shopper“ – einmal wurde eine Großpackung Talcid verlangt, einmal Aspirin gegen Kopfschmerzen. Bei beiden Medikamenten handelt es sich um Präparate, die mit anderen Arzneimitteln zum Teil schwerwiegende Wechselwirkungen haben können, so waren die entscheidenden Frage im Beratungsgespräch:

„Ist das Medikament für sie selbst?“

und

„Was nehmen Sie zusätzlich noch an Medikamenten ein?“

Beim Talcid kam es zusätzlich darauf an, den Kunden darauf hinzuweisen, dass er bei länger andauernden Beschwerden einen Arzt aufsuchen soll. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass er außerdem noch L- Thyroxin einnimmt und vorhatte, beides gleichzeitig zu schlucken.

Die Aspirin- Dame mit den Kopfschmerzen war angeblich eine Marcumar Patientin, was sich auch erst nach der direkten Frage was sie sonst noch an Medikamenten einnimmt herausstellte. 

Das Tüpfelchen auf dem i wäre gewesen, zu erfragen ob sie schwanger ist (sie war allerdings gut Ende 40 und sehr schlank), und zusätzlich noch Ernährungstipps zu geben.

Grundsätzlich lief alles sehr fair und kollegial ab, die Tester gingen nach dem Gespräch mit mir dann noch zum Chef und besprachen das Ergebnis auch mit ihm. 

Es geht aber auch anders… Mystery shopper treten auch immer mal auf den Plan, wenn sie von missgünstigen Kollegoiden geschickt werden um einem irgendwas anzuhängen, oder von einer Zeitung oder einem Fernsehsender kommen, der Apotheken allgemein in die Pfanne hauen möchte.

Immer wachsam bleiben heißt also die Devise, und die einen Beratung nicht schleifen lassen. Auch wenn man irgendwas zum 10. Mal am Tag erklärt – nicht nachlassen! Es geht um Kundensicherheit UND um eure eigene Reputation. Denn irgendwann trifft es jeden mal…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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6 Antworten zu Testkäufer

  1. Shark schreibt:

    „Das Tüpfelchen auf dem i wäre gewesen, zu erfragen ob sie schwanger ist (sie war allerdings gut Ende 40 und sehr schlank),“

    Da muss ich mal blöd nachfragen: Habe ich das richtig verstanden, dass man bei der schlanken Dame ja am Bäuchlein sähe sähe, wenn sie schwangerer wäre? Ab welcher Schwangerschaftswoche wäre das Medikament denn schädlich?

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    • ptachen schreibt:

      Nö, das sieht man natürlich nicht bis zum 4/5 Monat. Nur ist da ja auch oft die Frage (zumindest in den ersten 8 Wochen) ob die Frau es selbst schon weiß…
      Ich hatte das Fehlen der Frage mit dem Alter der Testkäuferin erklärt, die bereits 48 Jahre alt war. Gut – selbst dann könnte sie noch schwanger sein. Trotzdem kommt man sich gerade bei dieser Frage oft irgendwie doof vor. Ist die Patientin beispielsweise nicht besonders schmal gebaut, bin ich schon öfter mal angeranzt worden
      „Wieso? Sehe ich so dick aus oder was?“. Ist auch nicht ganz optimal… Ich hoffe einfach, dass jede Frau die tatsächlich schwanger ist, diesen Umstand auch beim Kauf von Medikamenten kund tut…

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    • ptachen schreibt:

      Ach ja… die Frage nach der Schwangerschaftswoche:
      Aspirin würde ich grundsätzlich persönlich gar nicht empfehlen wenn eine Schwangerschaft vorliegt, soll im ersten Drittel aber wohl ungefährlich sein, und erst ab dem zweiten Drittel problematischer werden

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  2. Shark schreibt:

    Oh je. Sind die Federn der fülligen Damen nicht gleich wieder geglättet, wenn man sagt: „Das frage ich alle Frauen.“
    Wäre ja blöd, wenn man so eine Frage nicht stellen darf, nur weil man die Befindlichkeit der einen oder anderen ankratzt und darum eventuell gerade DIE Frau nicht drauf aufmerksam macht, die tatsächlich schwanger sein könnte.

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    • aponettesplauderei schreibt:

      Aus meiner Erfahrung heraus sagen sämtliche Schwangeren, dass sie schwanger sind sobald sie es wissen. Fragen tu ich lieber, wenn ein Dritter etwas für eine mir unbekannte Frau holt. Denn der Freund/Ehemann/Lebensabschnittspartner macht da oft nicht den Mund auf…..

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