Eis und heiß

Ein richtig heißes Eisen hat er da mitten in der Sommerzeit angepackt, der Apotheker Christopher Kreiss: es geht um die Versandtemperaturen bei dem verschicken von thermolabilen Medikamenten. Während den deutschen Apotheken (zurecht) vorgegeben wird, dass ihre Medikamente stets unterhalb von 25 Grad gelagert werden müssen, gilt das bisher nicht für die Versandapotheken.

Angemahnt wurde es von Apothekerseite schon länger, nur so wirklich zugehört hat mal wieder keiner. Die Apothekerschaft war wohl wieder mal zu zaghaft, dass die Politik hingehört hätte… Fakt ist seit einiger Zeit, dass in den Präsenzapotheken alles nur menschenmögliche unternommen wird, dass die Temperaturen selbst an Orten in der Apotheke die kein Medikament je zu sehen bekommt unterhalb 25,0 Grad Celsius zu liegen haben. Überwacht wird das durch automatische Temperaturlogger, die alles genauestens aufzeichnen (für den nächsten Besuch des Pharmazierates), und uns direkt aufs Handy Warnungen schicken, wenn es zu warm wird. Währenddessen ist es kein Problem, wenn temperaturlabile Medikamente wie Zäpfchen oder Vaginalkapseln während ihrer Reise zum Patienten stunden- und tagelang in überhitzten Lagerräumen und Transportkastenwagen ohne Klimaanlage zwischen 40 und 60 Grad Celsius vor sich hinköcheln.

Da stimmt doch irgendwas nicht. Entweder man sagt: weg mit der Bürokratie – lasst diese Temperaturkontrollen ganz weg, oder man bestimmt, dass sich JEDER der Arzneimittel lagert oder verschickt daran zu halten hat. So aber wird wieder mal Inländerdiskriminierung betrieben, und das kann eigentlich niemand wollen… naja… außer den Versandapotheken natürlich. Die lachen sich doch über uns schlapp, dass wir viel Geld für Überwachung und Kühlung ausgeben müssen, während sie selbst tun und lassen können was sie wollen. Und das tun sie auch…

Der eingangs erwähnte Apotheker hat nun die Probe aufs Exempel gemacht, und bei verschiedenen Versandapotheken thermolabile Medikamente bestellt: der Ausgang dieses Tests war verheerend!

Man kann sich nun trefflich darüber streiten, ob diese Temperaturkontrollbesessenheit in den deutschen Apotheken abgeschafft werden sollte, oder ob den Versendern wie auch uns die GDP- Richtlinien aufs Auge gedrückt werden müssten.

Im Sinne der Arzneimittelsicherheit tendiere ich eher zu letzterem. Und ihr…?

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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5 Antworten zu Eis und heiß

  1. ednong schreibt:

    Och,
    so geschmolzene Zäpfchen flutschen bestimmt besser. Und erst die zu warm gewordene Creme- da sind die einzelnen Zutaten doch bestimmt vieeeel besser vermischt …

    Ich wäre natürlich für gleiches Recht für Alle. Und natürlich für Temperaturkontrollen für Alle. Auch nachvollziehbar und kontrollierbar für den Kunden mittels Temperaturlabel im Karton.

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    • sechseckiges Sterndingsbums schreibt:

      Zumindest die Temperaturlabel sind doch ein leicht umsetzbarer Vorschlag.

      Auch wenn es hier nicht ganz her passt: Gestern habe ich etwas über Versandapotheken gelesen, das mich irritiert hat. Im Ausland (Niederlande?) soll es erlaubt sein, deutsche Einmalrezepte für eine Wirkstoffgruppe wie ein Dauerrezept zu beliefern. Den Link dazu suche ich bewusst nicht heraus, da er auf eine Versandapotheke verweist.
      Mag sein, dass Dauerrezepte gerade dafür sinnvoll wären, aber wenn der Arzt vielleicht ausnahmsweise mal bei einer Patientin bewusst kein Dauerrezept ausstellt, könnte diese sich die Tabletten aus dem Ausland dauerhaft holen.

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  2. OtaconHC schreibt:

    Da wollte ich gerade schreiben dass ich weiß dass zumindest eine Versandapotheke das Thema ernst nimmt, aber stand dann ja schon im Artikel.

    Also werd ich jetzt einfach ins Bett gehen wenn hier nix zu tun ist

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  3. Nanny Ogg schreibt:

    Egal, ob Verpflichtung oder nicht, schuldet eine Versandapotheke auch heute schon ein einwandfreies Produkt. Würde ich bei einer bestellen wollen, müsste diese mir vorab darlegen, wie sie das sicherstellen will.

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  4. So ganz mag ich den Bericht nicht verstehen: zb der bekannte grüne Ausländer schreibt:
    Lieferung auch gekühlt
    Die Lieferung erfolgt durch ein von uns beauftragtes Logistikunternehmen. Medikamente, die eine ununterbrochene Kühlkette benötigen (z.B. Insulin), übernimmt der Spezialist Trans-o-flex Thermomed.
    Da wird man als Kunde doch merken, wenn DHL es bringt und meckern, oder nicht?

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