Gesetzeskonform aber schwachsinnig

In der letzten PZ fand sich unter anderem diese Anzeige.

Wir lachten anfangs über die unverblümte Art des Apothekers aD zu sagen: „gib mir 600€ die Woche plus freie Logis dafür, dass ich mir in deinem Büro beim Kaffee den Hintern plattsitze“.

Das Lachen bleibt einem aber schon irgendwie im Hals stecken, wenn man darüber nachdenkt, dass die Apotheke in der Vertretungszeit tatsächlich von den PTA geführt wird, und man einen Haufen Geld dafür ausgeben muss, dass ein „Grußonkel“ irgendwo herumsitzt und Däumchen dreht.

Die ganze Situation ist absurd, verlogen und für die PTA demütigend – aber so will es das Gesetz nun mal. Und diese Situation wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen! Gut für die Apotheker im Ruhestand, die sich auf diese Weise noch ein Zubrot verdienen können…

Spätestens wenn in ein paar Jahren die letzten Pharmazieingenieure in den Ruhestand gegangen sind, die den Chef immer vertreten konnten, wenn der mal ein Wochenende frei haben, oder in Urlaub fahren wollte. Dann werden die Apotheker die vor lauter Angst, die angestellten PTA könnten zu aufmüpfig werden wenn sie mehr Rechte und Pflichten bekommen sehen, was sie davon haben. Immer wieder wurden in der letzten Zeit Stimmen laut, die davor warnen so weiterzumachen wie bisher. Die dafür plädieren, PTA die schon 5-10 Berufsjahre auf dem Buckel haben mit ein- zwei Zusatzsemestern zur Vertretung zuzulassen.

Die Angst ist angeblich die, dass eventuell kommende Apothekenketten dann ganz auf Apotheker verzichten, und eine „Apotheke light“ schaffen. Das wäre leicht zu unterbinden wenn man festlegen würde, dass eine Apotheke als solche maximal 4 oder 6 Wochen im Jahr ohne Apotheker geöffnet haben dürfte.

Aber nein – lieber krampfhaftes festhalten am Status quo als Privilegien aus der Hand geben und sich vielleicht einen Zacken aus der Krone brechen. Das ist so armselig!

Wer seinen eigenen Wert als Apotheker kennt, der hat keine Angst vor einer Vertretungs- PTA sondern freut sich darüber, dass es noch eine Berufsgruppe gibt, die sich mit vollem Herzen zur Apotheke bekennt und (noch) nicht frustriert in die Industrie abwandert. Aber was weiß ich schon… bin ja nur PTA 😦

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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12 Antworten zu Gesetzeskonform aber schwachsinnig

  1. Nanny Ogg schreibt:

    Bei den Kassenärzten läuft es mitunter ebenso, damit diese nicht längere Zeit für lau arbeiten. Wären die Politik und Krankenkassen nicht derart im Sparwahn, wäre so ein Vorgehen nicht nötig.

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  2. ednong schreibt:

    Hm,
    Du solltest wirklich mal was gegen die Werbung machen, die einen auf dubiose Seiten weiterleitet, sobald man vom Handy kommentieren will.

    Dann solltest du evtl. einen Teil der Handynr. schwärzen oder kürzen.

    Und nun zum Thema: natürlich ist dein Vorschlag bzgl. der Kompetenzerweiterung der PTAPTA sinnvoll, hat aber auch eine zweite Seite, die du schon ansprichst. Die großen Ketten werden versuchen, möglichst wenig Apotheker einzustellen. Dann gibt es vielleicht eine leitende PTA und einen Apotheker für insgesamt 2 Apotheken. Und dann rotieren beide immer zwischen den Apotheken …

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    • ptachen schreibt:

      Danke für den Hinweis, ich kümmere mich darum!
      Wie geschrieben – dazu würde es reichen festzulegen, dass eine Apotheke maximal 6 Wochen im Jahr durch eine PTA geleitet werden darf

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      • TFH schreibt:

        Hallo,
        erstmal schön hierhergefunden zu haben..

        Das mit der Gesetzeserstellung ist garnicht so einfach,
        irgendwie muss ein Gesetz schon einer Logik folgen…
        Die derzeitige Logik ist eben:
        Eine PTA kann das nicht, also darf dies nicht, es muss ein Apotheker da sein.
        Ich weiß es nicht genau, aber wahrscheinlich ist es sogar so, dass die PTA dem Gesetz nach auf Anweisung des Apothekers handelt – und der alle Handlungen zu verantworten hat.

        Nun – wenn das Gesetz sagt, dass eine PTA für 6 Wochen eine Apotheke führen darf,
        wieso sollte sie das nicht durchgehend dürfen, oder eben ein paar Stunden pro Tag, ein paar Tage die Woche ?
        Weil ich Apothekenketten nicht mag ?
        Wofür ist der Apotheker denn notwendig, wenn ich ihn 6 Wochen lang nicht brauche?
        Sowas geht schnell vors Bundesverfassungsgericht…

        Dass die Arbeitsrealität wahrscheinlich ganz anders aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Die faktische Anerkennung der fachlichen Kompetenz zeigt sich ja in dem Phänomen von Absitzonkeln im Hinterzimmer…

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      • ptachen schreibt:

        Zur Zeit gibt es die Regelung mit 4 Wochen, bei sogenannten Vorapprobierten. Da ging es also auch die ganze Zeit, wieso dann nicht bei weitergebildeten PTA?

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      • ednong schreibt:

        Ähnlich nein,
        du müsstest festlegen, dass eine PTA maximal 6 Wochen Vertretung machen darf pro Kalenderjahr.

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      • ednong schreibt:

        Äh, nicht ähnlich …

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  3. dabrian schreibt:

    Wenn jetzt die PTAs „Mist bauen“ und kein Vorsatz vorliegt. Wer muss dann eigentlich den Kopf hinhalten? Die PTAs, denen offensichtlich vom Gesetzgeber keine ausreichende Verantwortung zutraut, der Sesselpubser, oder der Eigentümer im Urlaub?

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  4. aponettesplauderei schreibt:

    Verantwortlich ist immer der bzw. die anwesende Apothekerin, PTAs arbeiten immer „unter der Aufsicht“ der Approbierten.
    Ich habe ja auch jahrelang Vertretungen gemacht und saß auch zum Teil im Büro und habe gestrickt, aber sobald die Türglocke ging war ich vorne. Ich habe meinen Job so verstanden, daß ich die Stellung am HV halte, denn das ist etwas, was man immer machen kann ohne die Apotheke zu kennen. Wenn die Stammbelegschaft irgendeine Arbeit für mich hatten, so wie Ware wegräumen, Inventur oder so, dann habe ich natürlich auch das gemacht. Schon allein, weil mir sonst in acht bis zehn Stunden einfach nur langweilig war….

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