Was kann der Rezeptautomat?

Zwei Leute (TFH und dabrian) haben die Frage gestellt, was dieser Rezeptautomat kann, was ein Telefon bzw. der DoMo Automat nicht kann. Ich werde es gerne erläutern, danke für die Fragen!

Zunächst einmal sind die Automaten die digitale Erweiterung der Rezeptsammelstelle. Diese wird wie folgt definiert:

Gemäß § 24 Apothekenbetriebsordnung ist unter dem Begriff „Rezeptsammelstelle“ eine Einrichtung zum Sammeln von Verschreibungen zu verstehen, die von einer Apotheke, entfernt von den Apothekenbetriebsräumen, unterhalten wird. Mit einer solchen Rezeptsammelstelle wird der Zweck verfolgt, den Bewohnern von abgelegenen Orten oder Ortsteilen ohne eigene Apotheke den Gang zur Apotheke zu ersparen, trotzdem aber die schnelle Belieferung mit den benötigten Arzneimitteln sicherzustellen.“
Mit anderen Worten geht es um die Versorgung von Orten, die keine eigene Apotheke besitzen. Eine solche Erlaubnis wird auch nur für 3 Jahre ausgestellt, und wenn der Versorgungsengpass bis dahin behoben ist wieder abgebaut. 

Der Vorteil zum Telefon ist enorm: die Rezepte werden dort eingescannt, sind also als Kopie in der Apotheke abrufbar. Am Telefon lässt sich für uns Apothekenmitarbeiter nämlich oft nicht zweifelsfrei erkennen, ob das Rezept überhaupt noch gültig ist. Würden wir die Kunden alle Parameter abfragen müssen die wir zu beachten haben, wir bräuchten pro bestellten Rezept sicherlich 10 Minuten oder mehr – das lässt sich in den Normalbetrieb einer Durchschnittsapotheke nicht integrieren, selbst wenn es täglich nur 20 oder 30 Rezepte wären.

– sind alle Kreuze richtig gesetzt (befreit/ nicht befreit/ aut idem – wenn ja welche Medikamente sind mit aut idem gekennzeichnet? Eines? Zwei? Drei?)

– Ist der Arztstempel korrekt? Fehlen vielleicht Angaben wie Telefonnummer oder Vorname?

– Hat der Arzt unterschrieben?

– Ist das Datum angegeben? Und hat das Rezept noch Gültigkeit?

– Bei Rezepturen scheitert ein telefonisches Durchgeben oft bereits an den Namen der Wirkstoffen (Triamcinolonacetonid, Natriummonohydrogenphosphat- dodecahydrat oder Macrogollaurylether sind beispielsweise sehr gängige Rezeptursubstanzen für deren telefonische Übermittlung durch Laien (speziell wenn der Arzt das auch noch handschriftlich verordnet hat!) ich mindestens 10 Minuten einplanen müsste)

– Steht bei Rezepturen und BTM- Rezepten eine Dosierung mit drauf?

– Ist das BTM Rezept noch gültig (7 Tage) und ist klar welcher Arzt der Gemeinschaftspraxis es verordnet hat?

– Ist bei BTM die Höchstdosis überschritten, und wenn ja – Hat der Arzt das auch gekennzeichnet?

Ich könnte noch eine Weile so weiter machen – ihr seht, dass es gar nicht so einfach ist mit dem Telefon.

Nun zur Frage was das Teil vom DoMo Automaten unterscheidet: schlicht und ergreifend seine Gesetzmäßigkeit. Apotheken dürfen Rezeptsammelstellen einrichten, weil sie den Auftrag (!) vom Staat bekommen haben, die Bevölkerung ordnungsgemäß mit Arzneimitteln zu versorgen. Dazu gehört auch

– zu jeder Tageszeit eine Anlaufstelle zu sein, auch in der Nacht und am Wochenende 

– ALLES im Arzneimittelbereich zu beliefern, und nicht nur Dinge aus denen man richtig Profit schlagen kann – also auch Individualrezepturen und Betäubungsmittel

Doc Morris maßt sich einfach an sich über diese Gesetze erhaben zu fühlen. Rezepturen? Pah! Verdient man ja nichts dran weil so viel Zeit bei der Dokumentation oder im Labor bei den Prüfungen draufgeht. Nacht und Notdienste? Quatsch! Verdient man wieder nichts, weil man ja kaum Umsatz macht, aber einem Apotheker Nachtzuschlag zählen müsste! Mindestgröße für Apotheken samt Labor und Rezeptur? Blödsinn. Wollen die ja gar nicht machen, also wozu Gesetze beachten? Aber Ausgabeautomaten aufstellen wo man die Medikamente mit kleinstem personellen Aufwand rausplumpsen lassen kann? Einkauf der Arzneimittel im Ausland um deutsche Mehrwertsteuer zu umgehen? Quasi eine Gelddruckmaschine hinstellen? Immer gerne! 

So sieht das nämlich aus. Eine Apotheke zu betreiben ist mehr als nur einen Automaten aufzustellen. Und die Medikamente bringt auch ein Mensch vorbei, die fallen nicht aus irgendeiner Klappe ohne dass nochmals ein Augenpaar drüber geschaut hat, ob es auch das richtige ist. Automaten sind nämlich genausowenig unfehlbar wie der, der ihn beschickt hat…

Über ptachen

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8 Antworten zu Was kann der Rezeptautomat?

  1. TFH schreibt:

    Ah – also der Automat ist quasi ein Apothekenersatz, wo keine Apotheke vor Ort ist,
    und führt zur Lieferung..
    dann macht der an den entsprechenden Einsatzorten natürlich Sinn..
    Hab mir nur vorgestellt – so als Städter, was ich mit nem Automaten anfangen soll… sind doch überall Apotheken 😉 .. da wär ne App ganz praktisch – wie bei den Krankmeldungen..
    Rezept abfotografieren, an die Apo des Vertrauens schicken, und ne Nachricht bekommen, wann ich`s abholen darf..

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    • ptachen schreibt:

      Call-my-Apo nennt die sich – gibt es ja alles schon… nur hat nicht jeder Senior ein Smartphone, und die Senioren sind nun mal die Hauptnutzer der Apotheken

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    • ednong schreibt:

      Und wenn der App-Programmierer geschlampt hat, wird das Bild unverschlüsselt übertragen. Noch dazu in der Cloud unverschlüsselt abgelegt, die womöglich in den USA steht und der NSA Zugriff erlaubt.

      Und der Auftraggeber? Hat natürlich von mix gewußt und ist aus der Verantwortung. Und die Kunden wissen nicht, was mit ihren Daten geschieht. Und haben keine Handhabe…

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      • OtaconHC schreibt:

        Wobei ich mir aber ehrlich gesagt um die NSA noch am wenigsten Sorgen machen würde.

        Wenn aber irgend ein Krimineller die schlechte (falls vorhandene) Verschlüsselung knackt, und dann Rezepte für HIV Medikamente oder ähnliches vorfindet, kann er damit bestimmt gut erpressen.

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      • dabrian schreibt:

        Genau in die Kerbe schlägt nach der guten Beratung vor Ort mein zweitwichtigster Grund, warum ich sensible Medikamente (oder Hygieneartikel) nicht online bestellen würde. Je weniger Parteien meinen Namen mit meinen sensiblen Medikamenten in Verbindung setzen können, um so besser! Und dann laufe ich lieber hochrot am Tresen an und stammel vor der nicht persönlich bekannten Apothekerin, als dass irgendwann Werbepostkarten von einem online Händler in den Händen meines Nachbarn landen. Oder eben eine Datenbank gehackt wurde und mich jemand erpressen will.

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  2. dabrian schreibt:

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Klingt nach einer sinnvollen Erweiterung der Sammelstelle. Und dank der direkten Anbindung des Automaten kann man dann auch direkt mit Experten sprechen, oder?

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