Der Tod kommt digital

Die Elektonik in unserer Welt wird immer durchdachter – alle Geräte kommunizieren miteinander, und ich kann meine Fensterläden von der Arbeit aus hoch und runter lassen. Das Blutzuckermessgerät ist bluetoothfähig und Insulinpumpen und Herzschrittmacher sind es natürlich auch. Sehr praktisch, wenn der Arzt den Speicher auslesen will, ob alles richtig funktioniert. 

Sehr praktisch aber auch für Mörder und Erpresser, denn es kostet nicht viel diese Geräte zu manipulieren. Ein Herschrittmacher der plötzlich Stromschläge austeilt die zum Tode führen, oder eine Insulinpumpe, die auf einen Funkbefehl den ganzen Vorrat Insulin auf einmal abgibt – das gehört alles zur schönen neuen Welt.

Wenn ihr meint, dass das an den Haaren herbeigezogen ist – das ist leider nicht der Fall. Die Herstellerfirma eines Herzschrittmachers in den USA haben vor nicht einmal 4 Wochen hunderttausenden Menschen mitgeteilt, dass ihr Gerät in der Brust ganz einfach gehacked werden kann, ohne dass irgendwelche Spuren hinterlassen werden. All diese Menschen wurden gebeten, sich ein Firmenupdate aufspielen zu lassen, das die größten Sicherheitslücken in ihrer Brust schließen soll. In Deutschland waren 13000 Menschen betroffen.

Auch Johnson & Johnson musste zugeben, dass ihre Insulinpumpe nicht vor Hackerangriffen sicher ist.

Leider ist festzustellen, dass manche Hersteller von smart vernetzten Geräten recht gleichgültig reagieren, wenn sie auf Sicherheitslücken angesprochen werden. Da hilft wohl nur „Augen auf beim Pumpenkauf“… 

So lange noch derart gravierende Sicherheitslücken bestehen (so mancher Insider spricht von über 8000) wäre es wohl das Vernünftigste, auf eine ständige Internet Verbindung des eigenen Gerätes zu verzichten. Dick Cheney zum Beispiel hat diese Funktion bei seinem Herzschrittmacher aus besagten Gründen bereits vor längerer Zeit deaktivieren lassen.

Das Problem ist bei Herzschrittmachern, dass man nicht immer die Wahl hat was für ein Fabrikat einem da eingebaut wird, da eine solche Operation manchmal keine Zeit mehr lässt alles gegenzuchecken. So ging es auch Marie Moe, die – inzwischen eine „unbequeme Patientin“ geworden – verschiedene Geräte der Baureihe gehacked hat, die in ihre eigene Brust implantiert wurden.

„Digital first. Bedenken second“ 

Vielleicht hat er es ja auch so gemeint, der Herr Lindner? Erst etwas smartes und digitales implantieren, und sich dann deswegen Sorgen machen… für mich jedenfalls eines der absurdesten Plakate dieses Wahlkampfes!

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4 Antworten zu Der Tod kommt digital

  1. OtaconHC schreibt:

    Das ganze ist ein seit Jahren bekanntes Problem.
    Die Hersteller dieser Geräte haben weder Ahnung noch Interesse an Sicherheit gegen Angriffe über das Netzwerk.

    Herzschrittmacher sind da nicht das einzige, sondern auch Medikamentenpumpen zB. für Morphin dass der Patient per Bedarf, bis zu einem Limit, selbst dosieren kann.
    Auch Herz-Lungen Maschinen gehören dazu.

    In aller Regel keinerlei Verschlüsselung, und so sichere Methoden wie „Oh es kommt aus meinem Netzwerk? Na dann muss ich ja vertrauen“

    Wenn es Verschlüsselt ist, hat man trotzdem irgendwo Mist gebaut.

    Das ganze ist in der Industrie bereits ein seit Ewigkeiten ignoriertes Problem, nun weitet es sich immer mehr auf den medizinischen Bereich aus.

    Da wird bei den Herstellern auch kein Umdenken stattfinden die nächsten Jahre.
    Es geht vielen eben nur um Verkaufszahlen, nicht um Menschenleben.

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    • OtaconHC schreibt:

      Nachtrag
      @Ptachen: Bitte bitte, benutze nicht das Wort Cyberangriff. Das ist ein Buzzword dass von schlecht informierten Medien benutzt wird um wichtig zu klingen, ist aber quark.
      Hackerangriff, Netzwerkangriff oder ähnliches sind da bei uns Informatikern beliebter und korrekter 😉

      Achja, komme nun keiner mit „Hacker richten keinen Schaden an, das sind Cracker“. Sorry aber die „Hackerethik“ existiert in dieser Form nicht. Wir unterscheiden eher zwischen White Hats, Grey Hats und Black Hats.

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  2. gedankenknick schreibt:

    Das alles sage ich schon seit Jahren. Nicht nur im Bereich Medizinprodukte – sondern auch beim „Medizinprodukt“ eGK, mit ihrem angeschlossenen Super-eGK-Server des Spitzenverbandes der GKV. Und auch da hat man schon dickste negative Erfahrungen gemacht, nur halt nicht in D, sondern in GB. Braucht uns aber nicht mehr zu interessieren, denn GB tritt ja aus der EU aus. Und wie jeder weiß, die GKV gibt für richtig gute Sachen IMMER und VIEL Geld aus – sieht man bei z.B. bei der Arzneimittelpreisdiskussion. Also wird sich die GKV bestimmt richtig gute ITler einkaufen und festanstellen, denn Christian Lindner hat uns gelehrt: „Digitalisierung first, Bedenken second!“ Noch blöder geht es kaum noch.

    Vielleicht doch: „Suizid first, Therapy second!“ Man man man….

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