Hausmittel und Scharlatanerien

Immer wieder kommt es vor, dass uns Kunden von skurrilen Hausmitteln oder seltsamen (oft esoterischen) Kuren berichten, die sie anwenden. Meist geschieht dies neben der schulmedizinischen Behandlung um diese zu unterstützen, manchmal aber auch – und das ist gefährlich – um sie zu ersetzen. 

Dass das in Arztpraxen ebenfalls vorkommt sieht man hier schön auf ein paar Minuten zusammengefasst von Dr. med Johannes Wimmer in seinem Vlog.

Wichtig ist also: wir müssen es absolut vermeiden, die Versuche der Patienten/Kunden sich irgendwie selbst zu helfen lächerlich zu machen! Um das positive Vertrauensverhältnis aufrecht zu erhalten wäre es besser, sich erst einmal ruhig anzuhören, was genau als Unterstützung angedacht ist. Hat man z.B. einen Kunden mit der Idee, ab sofort nur noch „strukturiertes Wasser“ zu sich zu nehmen um Antibiotika abzusetzen, so wäre es wenig hilfreich ihn „auszulachen“, denn er würde sich wohl nie mehr mit einer Frage an uns wenden. 

Es ist eine Gratwanderung… Jeder Leser hier kennt glaube ich meine (gelinde gesagt) skeptische Einstellung zu Homöopathika. Trotzdem würde ich niemals einem Kunden der dezidiert Globuli gegen eine Empfindungsstörung oder eine Krankheit (als Zusatzoption!) verlangt davon abraten. Im Gegenteil. Dadurch dass er nochmals alle Symptome schildert und sich ernst genommen fühlt, kann bei ihm eine innere Entspannung einsetzen. Dieses gute Gefühl tritt dann vielleicht wieder ein, wenn die Globuli eingenommen werden, und das ist der Heilung zuträglich. Der gute alte Placebo Effekt!

Warnen sollte man nur, wenn sich der Kunde selbst schädigt, indem wirksame Medikamente weggelassen werden, der Arzt nicht mehr aufgesucht wird oder eine Eigentherapie gefährlich werden kann. Das Beispiel hierfür haben wir im Video oben gehabt: eine selbst hergestellte Tinktur aus Aprikosenkernen bei Krebs – diese kann zu einer Blausäurevergiftung führen. Oder MMS – ein Wundermittel und erstklassiger Chemiecocktail der alles heilen soll – von Krebs über Aids bis zum Autismus aber den Patienten erst richtig krank macht.

Vor solchen Dingen sollten wir warnen, aber nicht vom hohen Ross herab, sondern auf Augenhöhe mit dem Patienten. Es ist immer sinnvoll, sich für diese Fälle auch noch mit Naturheilmitteln auszukennen, um zum Beispiel einen passenden unterstützenden Tee mischen zu können. Dann tut der Kunde nämlich auch etwas für sich, bereitet sich etwas selbst zu, atmet die Gerüche ein und setzt sich vielleicht auch einmal ein paar Minuten in Ruhe hin um den Tee zu genießen. Alleine das kann schon hilfreich sein. Somit hat man nicht nur abgeraten und verneint, sondern kann auch noch etwas positives zurückgeben, etwas individuelles. Das ist allemal besser als nur „auszulachen“.

Habt ihr vielleicht auch noch Ideen, was man noch zusätzlich empfehlen könnte wenn man merkt, dass der Patient eigentlich mehr braucht als nur Tabletten?

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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3 Antworten zu Hausmittel und Scharlatanerien

  1. ednong schreibt:

    Puh,
    ich glaube, es ist generell schwierig, Leute von etwa anderem zu überzeugen, wenn sie auf etwas(Falschem) fixiert sind. Dann ist man meistens Argumenten nicht mehr offen gegenüber.
    Als Kunde würde ich mir auch nicht so ohne weiteres etwas ausreden lassen, ganz besonders, wenn ich mich intensiv darüber informiert hätte. Selbst wenn es die falschen Quellen gewesen wären – aber woher sollte ich das wissen.

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    • ptachen schreibt:

      Ich denke auch nicht, dass man die Leute von ihrem fest selbst gewählten Weg abbringen kann. Aber viele kommen doch zu uns weil sie nicht ganz sicher sind u noch eine letzte Bestätigung oder ein Abraten brauchen. Meistens werden dann ausgeschnittene Zettel aus irgendwelchen Zeitschriften angeknittert auf den HV gelegt. Dazu die bange Frage „ist das was für mich? Kann ich das zu der Chemo dazu nehmen?“. In solchen Fällen kann es helfen die Frage nicht gleich abzuschmettern weil man ja die Weisheit mit Löffeln gefuttert hat, sondern zuzuhören. Und vielleicht eben noch den ein oder anderen Tipp zu geben der gut tut und nicht schadet.

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  2. TFH schreibt:

    Hi,
    pauschal ist das schwierig zu beantworten, grundlegend ist es nicht schlecht auf das Glaubenssystem des Kunden eingehen zu können, und darin die wirksamen Elemente zu erkennen oder sie einzubauen.
    Was (fast) immer gut ist, sind Entspannungsverfahren, ob das nun Yoga, QiGong, Autogenes training, auch Achtsamkeitsübungen, was oft in „besondere“ Methoden irgendwie eingebunden ist, oder aber einbindbar.
    Was auch eine gute Unterstützung darstellen kann sind Manuelle Therapien – wie Massagen.. (Auch Fußrefelxmassage etc..) – ein paar Extrastreicheleinheiten sind oft was gutes.
    Nützliche Affirmationen wie „Vielleicht merken sie nicht gleich wie gut ihnen das tut – aber sie können ja mal darauf achten wie schnell es ihnen besser geht“ können auch wunder wirken..
    Ernährung ist auch immer ein gutes Thema – wobei da eben auch abstruße Ernährungseinschränkungen sinnvoll sein können, wenn der Närhrstoffbedarf gedeckt wird, weil es das bewusste Essen fördert, und ein gezieltes „sich selbst etwas gutes tun“ ist..

    Anosnten ist eben die Kombination einer Medikation mit allzu wirksamen Sachen die in die Begrifflichkeit der „Nahrungsergänzungsmittel“ fallen ja eher nicht ratsam..
    Gegebenenfalls beim Doc mal den Vitamin D spiegel checken lassen – (kostet nicht allzuviel) – und das dann gezielt regulieren kann auch ganz gut sein.. (Das mit dem Spiegelcheck ist grundlegend ganz gut bei etwas übermütigen Vitaminjunkies)

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