Keine Gefahr durch stellen von Cannabis

Kürzlich erreichte mich eine Frage, über die ich erst einmal nachdenken musste:

Wie groß ist die Gefahr für Apotheker oder PTA, durch Eigenkontamination beim stellen von Cannabiszubereitungen ins Visier von Drogenspürhunden zu geraten? Ist der Führerschein gefährdet wenn der Hund bei einer Kontrolle anschlägt, weil man noch Spuren von Haschisch an sich herumträgt nachdem man dies für einen Patienten zerkleinert und portioniert abgefüllt hat? Hebt vielleicht sogar der Urlaubsflieger ohne mich ab, wenn ich freitags abends einen Patienten beim ersten inhalieren mit dem Verdampfer angeleitet habe und der Rauch hängt mir noch in den Haaren?

Ich habe mir zunächst meine eigenen Gedanken darüber gemacht, und dann den Experten dazu befragt der die Cannabis Fortbildung geleitet hat, die ich Anfang des Jahres besuchte. Außerdem habe ich Rücksprache mit einem Bekannten gehalten, der bei der Polizei arbeitet.

Fazit: wir haben nichts zu befürchten, wenn wir uns an die üblichen Sicherheitsvorkehrungen halten. Diese sind bekanntermaßen:

– Handschuhe

– Kittel

– Mundschutz

– Desinfektionsmittel 

Solchermaßen bekleidet ist die Wahrscheinlichkeit von einem Drogenhund angebellt zu werden schon mal recht gering. Das tägliche duschen gehört normalerweise zur üblichen Körperhygiene – damit ist auch alles an eventuellen Anhaftungen weg.

Wir spielen mal einen Fall durch, bei dem nicht alles so läuft wie es sollte. PTA Müller stellt noch schnell eine Dosis Cannabis für einen Patienten. Weil es schnell gehen muss (sie hatte es vergessen und macht es noch fix nach Feierabend) hat sie keine Schutzkleidung oder Handschuhe angelegt und sich danach auch nicht die Hände gewaschen. Hauptsache schnell zum Auto und nach Hause! Weil sie an der Ampel merkt wie spät sie dran ist wird sie nervös und hibbelig. Sie hupt ihren Vordermann an, weil der die Grünphase verpasst hat, und zieht damit die Aufmerksamkeit einer Polizeistreife auf sich – prompt kommt die Kelle und das „Bitte folgen“ leuchtet auf. PTA Müller ist genervt – auch das noch!

Die Polizei kontrolliert sie und fragt, ob sie mit einem Drogentest einverstanden ist. PTA Müller hat es eilig und sagt zu. Was kommt ist ein Wischtest an den Händen, und der ist positiv. Die „überführte“ Apothekenmitarbeiterin erklärt die Lage und bekommt die Chance zur Rehabilitation: ein Speicheltest/Urintest/Bluttest wird ihre Abstinenz einwandfrei belegen und der Führerschein ist gerettet.

Alles andere wäre auch unlogisch. Würde man aufgrund des Verarbeitens von BTM direkt so kontaminiert, dass man mit Schwierigkeiten rechnen müsste, dann wären wir schon die ganze Zeit gefährdet gewesen meinte der Cannabis Experte. Wir stellen zwar noch nicht so lange Cannabis, aber doch schon seit vielen Jahren Opiumtinktur oder Dronabinolkapseln/ Tropfen her. Trotzdem gibt es keinen bekannten Fall, dass ein Mitarbeiter einer Apotheke deshalb mit dem Gesetz in Konflikt gekommen wäre.

Also: keine Angst vor Cannabis- Zubereitungen – zumindest nicht was euren Führerschein oder Urlaub angeht!

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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5 Antworten zu Keine Gefahr durch stellen von Cannabis

  1. ednong schreibt:

    Anzumerken wäre noch : der Drogen- oder Alkoholtest ist immer freiwillig. Für die Blut- und Urintests werden richterliche Anordnungen (oder Beschlüsse) verlangt, bevor ein Amtsarzt zur Tat schreiten darf. Also meines Wissens nach. Und dieser Aufwand wird gerade am Abend oder WE selten in Kauf genommen.

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    • ptachen schreibt:

      Ja, das ist richtig. Aber PTA Müller ist ja froh über die Möglichkeit sich zu entlasten 🙂
      Was man für Möglichkeiten hat sich aus der Schlinge zu ziehen wird in anderen Blogs sicher zur Genüge besprochen.

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  2. OtaconHC schreibt:

    Als wäre es wichtig ob man im Auto sitzt.

    Erwischt mit Cannabis irgendwo? Führerschein ist oftmals weg.
    Weil man KÖNNTE ja theoretisch unter Einfluss fahren.

    Mit einem Kasten Bier wäre das nicht passiert.

    Deutschland ist darin eh komplett Banane. Es reichen Abbaustoffe, die selbst nach Wochen noch nachweisbar sein könnten, zum Führerscheinentzug.
    Nicht wegen Fahren unter Einfluss, sondern halt einfach weil man mal was geraucht hat.

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  3. bombjack schreibt:

    Dann wollen wir mal hoffen, dass PTA Müller, an dem Tag keinen Mohnkuchen gegessen hat, keine Medikamente einnimmt die einen Drogentest falsch positiv werden lassen, denn dann könnte die Sache schon etwas knapper werden…..denn Führerschein und damit die Führerscheinstelle mit der FeV https://www.gesetze-im-internet.de/fev_2010/ ist Verwaltungsrecht und da gilt dann Du musst den Behörden beweisen, dass keine Zweifel an der Eignung zum führen eines Kfz. bestehen.

    Der andere Punkt ist dabei auch, dass dieser Akt dann in den Datenhalden der Polizei landet und spätestens bei einer nächsten Kontrolle taucht der Komplex wieder auf…aber ohne die Entlastung…

    bombjack

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    • ednong schreibt:

      Ja, bei den Datenhalden wäre dann noch anzumerken, dass man es natürlich auch nicht schafft, gesetzesgetreu zu Löschen. Wäre ja schade um die Daten. Nur wenn man explizit um Auskunft bittet und um _anschließende_ Löschung, dann können sie keine Auskunft mehr geben. Schließlich sei ja schon alles gelöscht …

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