Die tolle Béa

Am besten wäre sie wohl in der FDP aufgehoben, unsere gescheiterte und immer wieder aufgestandene Tollabea. 

„Digital first, Bedenken second!“

Wie es mich – Entschuldigung – ankotzt!!! Doch der Reihe nach… Vor etwa 2 Jahren hatte ich die Dame schon einmal auf dem Schirm, als sie sich darüber mokierte, dass sich kein Apotheker dazu bereit erklärte sich für sie strafbar zu machen. Zuerst waren die Apotheken daran schuld, dass sie ihr Medikament nicht ohne Rezept bekommen hat, dann war es die Post weil das Rezept zu lange gebraucht hat… statt sich einfach mal an die eigene Nase zu fassen. Was können andere Leute denn dafür, wenn man sich nicht rechtzeitig um die eigenen Belange gekümmert hat? Wäre es denn zu viel verlangt, sich um den dringend benötigten Nachschub an Hormonen zu kümmern wenn man den letzten Blister anfängt? Klar habe ich auch schon oft genug irgendwas verbummelt, aber ich gebe in einem solchen Fall nicht Gott und der Welt, sondern mir selbst die Schuld dafür! Dann eine halbherzige Richtigstellung zu schreiben hilft auch nicht mehr viel. Erstens bleibt bei den Lesern nur hängen was sie zuerst gehört haben – nämlich dass die Apotheken vor Ort nicht hilfsbereit sind und man daher auch gleich online bestellen kann – und zweitens der richtig fette faux- pas: die Namen aller betroffenen Apotheken wurden in ihrem Blog genannt. Jemand der nicht erst seit gestern bloggt, eine große Zahl an Followern hat und damit gut Geld verdient sollte im Vorfeld so weit nachdenken können, dass er das nicht leichtfertig rausschreibt. So viel Verantwortungsgefühl für die Macht der eigenen Zeilen sollte man besitzen… aber es ist wohl nicht ganz einfach wenn einem den halben Tag lang die Sonne aus dem Hintern scheint weil man die Wintermonate im Süden verbringen kann („der Digitalisierung sei Dank“). 

Warum nun die lange Vorrede? Unsere tolle Béa bloggt nun kommerziell. Sie lässt sich von den Saudis dafür bezahlen mal wieder völlig unüberlegte Thesen in Richtung Versandapotheken in die Welt zu posaunen – d.h. sie bloggt für DocMorris. Den Link dazu spare ich mir an dieser Stelle, der interessierte Leser ihrer geistigen Ergüsse wird sie finden.

Zu Beginn ihres bezahlten Werbetextes findet sich allgemeines Geschwurbel das man getrost überlesen darf, dann der Hinweis dass sie Dank der Digitalisierung vom Ausland aus „arbeitet“ (d.h. ihre unüberlegten unausgegorenen Gedanken herausbläst), und dann kommt die ultimative Lobhudelei für DoMo. Sie lobt die tolle Beratung (hat wohl schon länger kein Stiftung Warentest Heft mehr in der Hand gehabt) und Bedenken dass die Apotheke vor Ort vor die Hunde geht hat sie auch nicht. Im Gegenteil. 

Die Apotheken folgen dann eben den Tante Emma Läden meint sie, und Nacht- und Notdienste bräuchte man ja nicht mehr, wenn die Medikamente zukünftig per Drohne innerhalb von zwei Stunden nach Bestellung zuhause abgeliefert würden (ohne Flax, das schreibt sie tatsächlich!). Wer dann Betäubungsmittel ausfliegt, bzw. ob eine Drohne dann auch Rezepturen anmischt bleibt offen. Ebenso die Frage wer die Notfallmedikamente direkt nach Bedarf (innerhalb vielleicht 15min) liefern, oder wo die dezentrale Versorgung mit Medikamenten während einer Pandemie stattfinden soll. Ja, das alles können die doofen angeblich analogen Apotheken leisten, DoMo nicht. Die haben nur Geld zu bieten, aber das reicht Frau Béa wahrscheinlich aus, mehr will sie ja gar nicht. 

Sie rät am Schluss den deutschen Apothekern noch, sich nicht aufzuregen, sondern ebenfalls auf Digitalisierung zu setzen und online ihre Ware zu verkaufen. Also nochmal für die, die sich mit dem Thema noch nicht befasst haben: wir DÜRFEN in Deutschland keine Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente geben, es ist uns per Gesetz VERBOTEN! Daher bringt es überhaupt nichts, jetzt auf Krampf das Sortiment online zu stellen! Außerdem wer gleicht uns dann die enormen Verluste aus? Wir haben keine ausländischen Investoren die Jahr für Jahr Millionen in unsere Geschäfte buttern die nur rote Zahlen schreiben.

Liebe Tollabea: bleib doch bitte bei den Themen von denen du etwas verstehst: basteln, Kindergeschichten erzählen und Stehaufmännchen spielen. Bei Dingen von denen man keine Ahnung hat sollte man sich zuerst einmal umfassend informieren bevor man seine Halbweisheiten einer breiten Öffentlichkeit preisgibt. Mein alter Chef hätte dazu folgenden Spruch parat gehabt:

„Durch ihr stilles Wesen und ihre ruhige Art hat sie das Geheimniss ihrer Dummheit bis in den Tod bewahrt“

…oder etwas weniger philosophisch wie Dieter Nuhr es zu sagen pflegt 

„Wenn man keine Ahnung hat – Fresse halten“

Vielleicht wäre es einfach manchmal klüger etwas leiser zu treten. Aber das ist finanziell ja nicht so rentabel…

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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10 Antworten zu Die tolle Béa

  1. gedankenknick schreibt:

    Es lohnt sich einfach nicht, sich aufzuregen…

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    • ptachen schreibt:

      …ich kann nicht anders…

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      • gedankenknick schreibt:

        Kann ich verstehen. Trotzdem ist es vergebene Liebesmüh. Die Politik will uns abschaffen, die Kassen wollen uns abschaffen… dass da bezahlte Plappermäuler genau jene Botschaft verbreiten (und selber davon auch völlig überzeugt sind) ist nur folgerichtig.

        Immer, wenn ich dann wieder – mit mindestens einem Bein im Knast und nem potentiellen Retax in der Abrechnung – ein Problem gelöst habe, was der Patient so überhaupt nicht als Problem verstehen konnte, denke ich mir: Ja, wenn wir erst mal Ketten und Versand haben, sage ich als bei der Kette angestellter Apotheker: Tja, tut mir ja nun Leid für Sie als onkologischen Patienten ohne eigenes Auto, aber da fehlt der Vorname des Arztes auf dem Rezept. Da müssen Sie einfach noch mal zum Arzt in die 150km entfernte Klinik und das korrigieren lassen. Tja, wenn heute Freitag 13 Uhr ist haben Sie sogar noch insgesamt 15 Minuten Zeit dafür, sonst ist die Bestellung raus und das Medikament gegen schwerste Schmerzen gibts es dann frühestens Montag Nachmittag, kann ich nicht ändern. Wie, bis Montag 10 Uhr werden Sie das auch nicht mit Änderung zu mir gebracht haben? Das ist dann wohl Ihr Problem und nicht meines, oder? Versuchen Sie es doch bei unsrerer Konkurrenz-Kette. Aber ich bezweifele, dass sich der angestellte Apotheker da für DEN Rohgewinn und bei dessen Gehalt anschließend kündigen läßt wegen Verstoßes gegen das BtMG. Schönes Wochenende! So wirds kommen, man braucht nur nach Schweden mit den Ketten schauen. Alles VIEL BESSER geworden seit 2009… Und so will es die Politik, und so wollen es breite Teile der Bevölkerung – nähmlich all jene, die (noch) nicht unsere Hilfe benötigen.

        Immer daran denken: Die, die JETZT den Tante-Emma-Läden hinterhertrauern sind die selben Leute, die vor 20 Jahren mit ihrem Einkaufsverhalten Tante Emma in den Konkurs geschickt haben. DAS ist die Erkenntnis. Aus Geschichte wird nicht gelernt, deswegen wiederholt sie sich.

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  2. Sylana schreibt:

    Gedankenknick hat recht, es lohnt sich nicht, sich aufzuregen.
    Die Dame ist entschlossen, Versandapotheken als ausschließlich gut zu befinden, da kann keiner was dagegen machen. Da werden die Nachteile schlicht nicht wahrgenommen, oder ignoriert.
    Das Phänomen hat man bei vielen Sachen.

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  3. Miii schreibt:

    Ich hätte da mal eine Frage: Wie siehst Du/seht Ihr es eigentlich, wenn eine Apotheke mit Sitz in Deutschland ein online-Angebot hat? Mir fällt da ein ziemlich großes Portal ein, das seinen Hauptsitz meines Wissens nach in Ludwigshafen am Rhein hat.

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    • ptachen schreibt:

      Völlig okay in meinen Augen! Die müssen sich nämlich an die selben Gesetze halten wie wir 🙂

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    • ptachen schreibt:

      Die zahlen auch hier ihre Steuern, und hier ihre Angestellten. Boni auf rezeptpflichtiges gibt es nicht, somit sehe ich da nichts verwerfliches

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      • Miii schreibt:

        Danke für Deine Einschätzung 🙂
        Die von Dir angeführten Punkte sehe ich auch so. Ich finde es auch eine gute Ergänzung (aus Sicht ebendieser Apotheke) zum herkömmlichen Geschäft.

        Dennoch frage ich mich, wie sich das langfristig auswirkt zB hinsichtlich Notdienste oder Apothekensterben. Nicht jede Apotheke hat die Möglichkeit, ein solches Web-Angebot auf die Beine zu stellen (die erwähnte hat mittlerweile ein richtiges Logistik-Zentrum) und sich damit für die Zukunft abzusichern. Langfristig wird es vermutlich ein paar wenige große deutsche Versandapotheken geben und evtl ein paar kleine mit speziellen Angeboten (wie zB die Bahnhofsapotheke in Kempten), aber bei weitem nicht so viele dass man einfach so jeder bestehenden Apotheke raten könnte sie solle doch in den Versandhandel einsteigen.
        Damit schließt sich dann auch der Kreis zu Béa: Der von ihr vorgeschlagene Weg, man könne sich einfach ein Beispiel an DoMo nehmen, passt hinten und vorne nicht – zumindest nicht für die große Mehrheit.

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  4. Nanny Ogg schreibt:

    Den Text lese ich nicht, hab ich gar kein Interesse dran. Ich weiß ganz genau, was ich an meiner Stammapotheke und denen, die ich im Notfall aufsuche habe. Dafür ist die Ersparnis zu gering bei den Onlineapotheken.
    Und obwohl ich direkten Menschenkontakt vermeide, wenn es möglich ist, ist er mir in der Apotheke wichtig.

    Gefällt 2 Personen

  5. Pingback: Anspruchsdenken | apothekentheater

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